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für Hypothekenanträge und ländliche Beleihungen zu Rate gezogen. Testament und Ehevertrag des Rothofbauern lagen noch unbesehen im Briefumschlag neben Haufen von Rechnungen.
Endlich brach der Bankdirektor das marternde Schweigen.
„Rothofbauer, Sie brauchen nicht 25, sondern 30 000 Mark, um alle Ihre Schulden und laufenden Rechnungen zu decken. Wir zahlen Beleihungen dieser Art nur mit 94 aus, d. h. für 30 000 Mark bekommen Sie abzüglich % Prozent Stempel rund 28 000 Mark ausbezahlt. Der Zinsfuß beträgt VA Prozent. Paßt Ihnen das?"
„Was, statt 30 000 Mark bekomme ich bloß 28 000 Mark und muß 7^ Proz. Zins bezahlen? Das sind ja dann in Wirklichkeit, wenn ich richtig rechnen kann, fast 10 Proz. Zins. Das ist doch nicht möglich. An der Kasse unten habe ich gelesen, daß Sie für das bei Ihnen eingelegte Geld nur 3^ Prozent Zins bezahlen. Ich meinte halt, daß ich dann auch bloß 4 oder 5 Prozent bezahlen mühte."
„Und unsere Löhne und Gehälter, unsere Unkosten? Glauben Sie, die könnten wir dann mit Lust bezahlen? . . . Doch das gehört ja nicht hierher. Wir zwingen Sie nicht, das Geld zu nehmen. Wir legen sogar nicht einmal Wert auf ländliche Beleihungen. Im Gegenteil, es ist eine Gefälligkeit, wenn wir überhaupt ländliche Kredite gewähren, die zu den unrentabelsten Geschäften zählen."
„Aber bei mir ist das Geld ja sicher, mein Hof ist mehr als 30 000 Mark wert."
„Sonst würden wir Ihnen auch nicht 30 000 Mark geben. Wir beleihen ländliche Grundstücke und Häuser bis höchstens 50 Proz. des Wertes. Ihr Hof muß also mindestens auf 70—80 000 Mark amtlich geschätzt sein."
Schon blätterte der Prokurist in den Schätzungspapieren und nickte befriedigt dem Bankdirektor zu. Der griff jetzt nach dem Ehe- und Erbvertrag und prüfte mit immer ernsterem Stirnrunzeln Satz für Satz seiner Bestimmungen. Mit einer aus Ueberraschung und Aerger gemischten Geste warf er den Erbvertrag dem Prokuristen zu.
„Unmöglich!" murmelte dieser, als er den Vertrag gelesen hatte.
Der Rothofbauer sann hin und her, was wohl unmöglich sein solle.
Jetzt schob der Prokurist den Erbvertrag dem Bankdirektor hinüber und versicherte: „Das ist ja unglaublich. Hält er uns denn für dumm?"
Aergerlich begann der Bankdirektor:
„Wirklich, Rothofbauer, mein Prokurist hat recht. Halten Sie uns denn für dumm? Auf Ihrem Hof liegt ja schon eine Belastung von 30 000 Mark für das Vermögen Ihres Schwagers. Außerdem enthält das Testament Eigentumsbeschränkungen für den Hof, die seinen Wert erheblich vermindern. Es ist ganz ausgeschlossen, daß wir Ihnen nach diesem Testament und bei solchen dinglichen Lasten eine Hypothek gewähren können. Das ist ganz unmöglich, daran ist gar nicht zu denken."
Dem Rothofbauern war's, als hätte ihm einer mit dem Dreschflegel auf den Kopf gehauen.
„Wie? Was ist ganz unmöglich? . . . Daß ich eine Hypothek kriege . . . Aber Sie selber, Herr Direktor, haben es mir vor acht Tagen versprochen und ich habe ganz bestimmt damit gerechnet".
„Versprochen habe ich gar nichts, mein lieber Rothofbauer. Ich konnte auch nichts versprechen. Ich mußte erst Ihre Belege prüfen. Die Prüfung aber hat ergeben, daß nach Lage der Dinge eine Beleihung für uns unmöglich ist."
„Warum denn nicht möglich? Mein Hof ist doch viel mehr wert als 30 000 Mark. Helfen Sie mir, ich bin ja sonst ruiniert."
„Wie sollen wir helfen? Laut Testament liegen 30 000 Mark als erste Belastung auf dem Hof. 30 000 Mark Hypotheken dazu, dann müßte Ihr Hof mindestens in Anbetracht der übrigen testamentarischen Wertminderung mit 150 000 Mark bezahlt werden. Wir würden sonst eine Beleihung bis zu 90 Prozent riskieren, eine solche verbietet uns das Gesetz."
„Aber was soll ich denn machen? Raten Sie mir doch, Helfen Sie mir. Ich sehe keinen Ausweg mehr."
„Keinen Pfennig Ausgabe ohne vorherige Einnahme. Gegen diesen ersten Grundsatz der Wirtschaft haben Sie gesündigt . . ."
„Freilich, freilich, Herr Direktor, aber es ist zu spät. Wie kann ich mir jetzt noch helfen, d^h ich nicht auf die Gant komme und nicht Haus und Hof verliere? Wie kann ich Geld kriegen?"
„Das weiß ich auch nicht."
„O, sicher wissen Sie es schon, Sie können mir helfen, wenn Sie wollen. Ich habe ja auch Einnahmen."
Und er rechnete den beiden Zahlenmenschen vor, wie
er gearbeitet hätte, wie er schaffen und sparen wolle, wie allein die Kartoffelernte ihm 3000 Mark bringen müsse, falls er Glück habe.
„Und wenn Sie kein Glück haben?" frug nüchtern der Prokurist.
„Wenn ich kein Glück habe? . . . Wenn ich kein Glück habe? Ja dann . . . ist's besser, ich mache gleich Schluß und hänge mich noch heute Abend am obersten Balken meiner Scheune auf."
Der Rothofbauer hatte sich erhoben und wankte schweren Schrittes zur Türe.
„Sie haben Ihre Papiere liegen lassen, wollen Sie sie nicht mitnehmen?" rief ihm der Prokurist nach.
Apathisch wehrte der Bauer ab: „Die brauche ich dann auch nicht mehr. Die helfen mir nichts."
„Keine Dummheiten, Nothofbauer, Kopf hoch!" rief jetzt offensichtlich ergriffen von der Not des Bauern der Bankdirektor. „Da setzen Sie sich noch einmal her, mir ist ein Ausweg denkbar, wenn Sie ihn gehen können."
Der Bauer gab sich wieder einen Ruck und stand vor dem Direktor: „Herr Direktor, ich habe es ja gewußt, Sie können mir helfen. Ich tue alles, was Sie von mir verlangen."
„Ihre Lage, Rothofbauer, ist verzweifelt. Sie haben Recht, wenn Sie nicht in ganz kurzer Zeit das Geld für die dringendsten Schulden aufbringen, sind Sie mit Ihrem ganzen schönen Hof verloren. Mit den laufenden Einnahmen aus Vieh- und Holzverkäufen, aus der Ernte sind Sie bei den heutigen Preisen nie zu sanieren. Sie brauchen auf einmal und für lange Zeit eine große Summe. Das nötige Geld aber können Sie nur erhalten, wenn Ihr Schwager auf seine Testamentsrechte verzichtet.
Er muß mit seinen 30 000 Mark an die zweite Stelle der Belastung rücken, auf das Vorkaufsrecht und die anderen Vorteile verzichten, dann ist der Hof frei, dann kann er an erster Stelle beliehen werden und Sie sind gerettet. Ihr Schwager Hat's also ganz allein in der Hand, ob Ihnen geholfen werden kann oder nicht. Wenn Sie mit ihm ins Reine gekommen sind, dann können wir Ihrem Antrag näher treten. Man soll ja einen unternehmungslustigen Mann, wie Sie, nicht fallen lassen. Ich will auch mit meinem Freund, dem Minister, reden. Vielleicht gibt es auch da eine Möglichkeit der Hilfe. Aber letzten Endes kommt alles auf Ihren Schwager an, er hat Sie in der Hand. Reden Sie zunächst mit ihm. Und nun leben Sie wohl, Rothofbauer! Kopf hoch, es wird schon gehen!"
„Alles kommt auf Ihren Schwager an ... Er hat Sie in der Hand . . ."
Wer eine ganze lange Nacht hindurch auf der Bank eines Eisenbahnwagens gelegen hat, der hört noch stundenlang nach der Bahnfahrt das Hämmern der Wagenräder im Ohr. So hatte der Rothofbauer auf seinem ganzen Weg nach Thalhungen das Wort des Bankdirektors im Gehör: Alles kommt auf Ihren Schwager an, er hat Sie in der Hand."
„Mein Schwager, der Sonderling, der oft den ganzen Tag lang keine hundert Worte und mit mir nicht eines redet . . ., mein Schwager, dem ich der Fremde, der Eindringling geblieben bin, trotz den 10 Jahren, die ich nun schon auf dem Rothof schaffe . . .
Die Bäuerin saß allein am Fenster der großen Wohnstube, als der Bauer mit bösem Blick und müden Zügen im Gesicht heimkehrte. Wie immer, wenn ihm Pläne querliefen, sank er in sich zusammen, als trüge er den Schmerz der ganzen Welt auf seinen Schultern.
„Nichts ist's. Aus ist's. Auf die Gant kommen wir mit dem ganzen Hof. Alles ist hin. Am besten ist's, ich hänge mich drüben in der Scheune auf."
Die Bäuerin erschrak und wurde fahl wie ein Mondscheinbild.
„Hast kein Geld von der Bank gekriegt? Man hat Dir's doch versprochen."
„Versprochen? Was heißt bei denen von der Bank versprechen, wenn's nicht schwarz auf weih geschrieben ist! Ich kriege kein Geld, weil Dein Bruder, der Michel, mit seinem Vermögen von 30 000 Mark als Belastung des Hofes vorne dran sitzt. So hat mich Dein Vater hingehängt. Wenn ich wenigstens frei verkaufen und mich dadurch noch gesund machen könnte! Aber selbst das ist mir durchs Testament verwehrt. Dafür habe ich mich 10 Jahre lang geplagt und den runtergekommenen alten Rothof zum Mustergut für die ganze Gegend gemacht."
(Fortsetzung folgt.)
Wegen Krankenlommunion bestraft
Der Gouverneur von Castellon in Spanien bestrafte den Pfarrer von Cuevas mit 10 Pesetas, weil er einem Kranken die Wegzehrung gebracht hatte.
Um den ständigen Schikanen, die gerade wegen der Ueberbringung der Krankenkommunion an manchen Orten verzeichnet werden mußten, zu ent
gehen, haben sich an einzelnen Orten, so insbeson. dere in Barcelona, wie dort der „Mati" berichtet, katholische Autobesitzer zusammengetan und einen besondeen Ehrendienst eingerichtet. Hat der Priester einen Kranken zu versehen, so telephoniert er dem Vertreter dieses Ehrendienstes. Die- er seinerseits veranlaßt einen katholischen Autobesitzer, der in jenem Augenblick frei ist, alsbald bei der Wohnung des betreffenden Geistlichen vor- ^fahren, um ihn zum Kranken und dann wieder nach Hause zu führen. Die katholische Bevölkerung hat mit Freuden Kenntnis genommen non liefern Verhalten, das die katholischen Autobesitzer tn hohem Maße ehrt.
Chrèslus unserm König.
Katholischer Jungmann! Wenn im Herbst die Natur den Menschen so recht die Vergänglichkeit aller Erdenlust und -schönheit fühlen läßt, tvnn feiert die Kirche das Fest Christus des Königs. Fürwahr, das höchste Fest für einen katholischen Jungmann, der ja Christus zum Könige und Führer gewählt hat. Wir wollen ihm deshalb heute ganz besonders die Treue wieder erneuern, die wir ihm schon so oft geschworen. Ja, Christus soll wieder herrschen auf Erden, und das muß ganz be* anders Aufgabe des katholifchen Jungmannes sein. Die Welt braucht ein neues Geschlecht, um eine neue Zeit für Europa herauf zu führen, ein Geschlecht, der Helden, das sich aufbaut Stein über Stein zu einem majestätischen Dom, um darin dem Könige zu huldigen, der in Wahrheit, herrlich ist, und überaus hoch erhoben in Ewigkeit. Wohlan, gesell dich auch du zu den Werkleuten, und leg Hand an um mitzuarbeiten am Königreiche Christi auf Erden. Unser Wahlspruch soll lauten: „Chri- tus König, dir mein Leben, alles für dich, und nichts ohne dich." Wir nehmen den Kampf auf gegen eine Welt voll Feinden, die eine Zukunft wollen ohne Christus. Dieser Treueschwur muß her- vorquellen aus einem glaubensstarkem Herzen mit unerschüttertem Glauben, unversehrter Reinheit, und ungebrochener Treue, auf daß unser Leben werde ein Dankgebet für die Ehre des Allerhöch- ten. Wenn wir ihm auf Erden die Treue gebal- en haben, dann wird auch einstens unser schönster i?ohn sein, daß er uns selber an der Schwelle der Ewigkeit willkommen heißt, um Besitz zu nehmen von seinem Reiche, das er bereitet hat, allen denen, die ihn lieben.
Ein Jungmann aus Oberhefsen.
BMer
Theresienkalender 1933. 17. Jahrgang. Schulbrüder-Verlag, Kirnach-Villingen. 60 Pfg. Zu Ehren der hl. Theresia vom Kinde Jesu.
Johannes Lohmüller, „Der selige Bruder Konrad von Parzham" (Bändchen 7 der Reihe: „Aus der Gemeinschaft der Heiligen"). 48 Seiten mit vier Textbildern von August Braun. Kartoniert Rm. 0.45. Ver- ag Butzon u. Bercker, Kevelaer (Rhld.). Dieses Büch- ein wird besonders die Knaben fesseln. Eine heilige Mahnung zur Selbstbeherrschung, Gläubigkeit, Reinheit, Demut und kindlichen Einfalt: ein eindringlicher Wegweiser, der aufwärts führt: ein liebevoller Freund, der unaufdringlich berät, hilft, aufmuntert und Selbstvertrauen weckt.
Der heilige Albert der Große. Von Franz Weigl. (8. Bändchen der Reihe „Aus der Gemeinschaft der Heiligen", Herausgeber Johannes Lohmüller.) 48 S. Mit vier Textbildern von August Braun. Kartoniert Rm. 0.45. Verlag Butzon u. Bercker, Kaevelaer (Rhld.) Das Leben des heiligen Albertus Magnus aus der Feder eines bekannten Pädagogen, des Stadtschulrates Weigl! Ein schwieriger Stoff, volkstümlich und dabei historisch getreu dargestellt, eine Dolksbiographie in idealem Sinne.
„Kleine Lebensbilder" Rr. 38: Joh. Ludwig Rosengardt, Araler Jlluminalus, von R. Eberli. 64 S. 20 Pfg., Kanisiuswerk, München 23, Viktoriastr. 21. In Thann im Oberelsaß stand die Wiege des Dieners Gottes, der den meisten Lesern unbekannt fein dürfte. Ein reichbewegtes Leben führte ihn über Pruntrut im Jura nach Luzern ins Kapuzinerklösterlein, wo er nach sei-
Der „Bonifatiusbote" ist eine der ersten Zeitschriften, der ein neuer Prospekt und Gutschein für ihre Leser zum kostenlosen Bezug des ca. 300 Seiten starken Pfarrer- Heumann -Buches beiliegen wird. Die vorliegende Nummer konnte noch nicht damit ausgestattet werden, dafür wird die interessante Drucksache bestimmt mit der nächsten Ausgabe hinausgehen. Wir machen unsere Leser schon heute auf die günstige Gelegenseit aufmerksam.