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Nummer 46 / Seite 7.

Eine Kundgebung des Zenkrumsführers. An die Zentrumswähler!

Der Führer der Deutschen Zenlrumspartei erläßt folgenden Aufruf an die Wählerschaft:

„Lin schwerer, bedeutungsvoller Kampf liegt hinter uns. Den mit alten Mitteln geführten Groß- angriff des gegenwärtigen Kabinetts auf die Grundlagen der Volksrechte Hal die überwältigend« Mehrheit der deutschen Staatsbürger an der Wahlurne mit einem Nein beantwortet, wie es wuch. tiger und unmißverständlicher keine deutsche Regierung je zu hören bekommen hat. In diesem schweren Wahlkampf hat die Deutsche Zentrumspartei sich erneut als unerschütterliche V a- st i o n aufrechten und staalspolitischen Wollens und handelns erwiesen. Unseren Kämpfern in Stadt und Land aufrichtigen Dank für ihre Treue.

Das Volum des 6. November bedeutet eine vernichtende Stbsage an das jetzige System, ein ..bis hierher und nicht weiter" gegenüber denen, die unserem Volk und seiner Vertretung die Rechte nehmen wollen, ohne die ein gesundes Staatsleben nicht bestehen kann. Der Spruch des Volkes ist für uns Ermächtigung und Aufforderung, auf unserem Wege weiter zu schreiten — im Vertrauen auf die Treue unserer Wählerschaft, im Vertrauen auf die gute Lgche, der wir dienen. Dem Staate kann nur dienen, wer nicht gegen das Volk, sondern mit dem Volk geht. Die Regierung hat gegen das Volk optiert, das Volk hat die Antwort ge­geben.

Auf Grund dieses Volksurteils werden wir jeden verantworlbaren Schritt tun zur Ueberbrückung derZerrissenheit zwischen den politischen Lagern und zur Ermög­lichung einer starken, volksverbundenen Reichregierung anstelle des unmöglichen Zustandes von heute.

Köln, den 7. November 1932.

Dr. Ludwig Kaas,

Vorsitzender der Deutschen Zentrumspartei."

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Die Korps-Stutenle« und das neue Regime

In der Presse der Nationalsozialisten war be­hauptet worden, daß unter den zahlreichen Neu- ernennungen von höheren Beamten in Preußen die Angehörigen des Korps Saxonia-Göttingen, dem der Reichsinnenminister o. Gayl angehört, beson­ders bevorzugt seien. In einer nationalsozialisti­schen Anfrage im Preußischen Landtag war gefragt worden, welche der neuernannten höheren Beam­ten Korpsangehörige, insbesondere Mitglieder der Saxonia-Göttingen, seien. Daraufhin hat Herr Bracht persönlich in einer Antwort vom 14. Okto­ber! — man beachte das Datum! — erklärt:

„Nach den in den letzten Tagen persönlich eingezogenen Erkundigungen befindet sich unter allen seit dem 20. Juli in Preußen ernannten Landräten kein Mitglied des Korps Saxonia. Die Staatsreqierung lehnt es grundsätzlich ab, die Be­setzung von Staatsämtern unter dem Ge­sichtswinkel studentischer Erinne­rungen vorzunehmen."

Nun lese man, was in der Deutschen Korpszei­tung vom siebenten Oktober, also eine volle Woche vor dem Bracht'schen Bescheid, freudestrahlend mit­geteilt wird:

„Es sind folgende Alte Herren studentischer Korps von der neuen Regierung ernannt worden:

Ministerialrat Dr. Landfried, Rhenaniä-Straßburg zum preußischen Ministerialdirektor.

Der Ministerialrat Dr. Souren, Teutoniä-Gießen zum preußischen Ministerialdirektor.

Der Ministerialdirektor Dr. o. Leyden, Palatiä- Bonn zum Senatspräsidcnten.

Der Oberlandesgerichtsrat Frega, Dandaliä-Heidel- berg zum Oberverwaltungsgerichtsrat.

Der Regierungspräsident a. D. Kutscher, Sueviä- Tübingen. zum Oberpräsidenten in Königsberg.

Der Landrat Graf Degenfeld, Saxoniä-Göttingen, zum Oberpräsidenten in Breslau.

Der Landrat Graf zu Rantzau, Saxoniä-Göttingen, zum Polizeipräsidenten in Kiel.

Der Freiherr v. Nordenflycht, Saxoniä-Göttingen, " Zum Polizeipräsidenten in Magdeburg.

Der Regierungsrat v. Kottwitz, Saxoniä-Göttingen, zum Polizeipräsidenten in Kassel.

Der Oberregierungsrat Kretzschmar, Saxoniä-Göttin­gen, zum Regierungsdirektor beim Polizeipräsidium Berlin."

Das sind allein schon fünf Angehörige des Korps Saxonia-Göttingen, die in hohe Staatsstel­lungen einrückten und zwar nach den eigenen Fest­stellungen der Deutschen Korps-Zeitung vom 7. Ok­

tober, von denen Herr Bracht nach feinen „per­sönlich" eingezogenen Erkundigungen am 14. Okto^ der noch nichts wußte.

Die Deutsche Korps-Zeitung führt außerdem noch eine ganze Reihe von Korpsbrüdern an, die gleichfalls in hohe Stellungen befördert worden sind.

Die Korps sind „schlagende" Studentenverbin­dungen mit sog. Satisfaktionszwang. Da in der kath. Kirche die Teilnahme an Duellen und Men­suren verboten ist, kann kein treuer Katholik einer solchen Korporation angehören. Durch Teilnahme an einer studentischen Mensur schließt er sich aus der Kirche aus.

Katastrophale Auswirlungen unserer Handelspolitik in Dönemark.

Für 25 Millionen weniger aus Dänemark ein- geführt — dafür 140 Millionen Ausfuhrverluste!

Nun find die Außenhandelsziffern Dänemarks für die ersten 3 Viertellahre veröffentlicht worden. Die Entwicklung der deutsch-dänischen Handelsbe­ziehungen ist gerade erschütternd und bedeutet eine vernichtende Verurteilung der deutschen Han­delspolitik. Während die Einfuhr Dänemarks aus England eine ständig anziehende Haltung aufweist, ist die deutsche Einfuhr nach Dänemark derartig gesunken, daß sogar die ernstesten Befürchtungen aller am deutsch-dänischen Handel interessierten Kreise übertroffen worden sind. Während vom Januar bis September 1931 für 365 Mill. Kr. nach Deutschland eingefiihrt wurde, ist die deutsche Aus­fuhr nach Dänemark in der entsprechenden Zeit dieses Jahres auf nicht weniger als 226,5 Mill. Kr. gesunken. Daß dieser Ausfuhrverlust zu einem Teil zugunsten Englands erfolgte, geht daraus her­vor. daß sich die Einfuhr aus England in den entsprechenden Perioden von 160 Mill, auf 177,6 Mill. Kr. erhöhte. Auf der anderen Seite ist die dänische Ausfuhr nach Deutschland von 131,4 Mill. Kr. auf 106,1 Mill. Kr. zurückgegangen. Somit sind wegen 25 Mill. Kr. Mindereinfuhr fast 140 Mill. Kr. Ausfuhrverluste eingetreten. Dies be­deutet einen entsprechenden Verlust an Arbeits­möglichkeiten in Deutschland und muß zu einer weiteren Erhöhung der Arbeitslosigkeit und da­mit zu einer weiteren Beeinträchtigung der deut­schen Konsumkraft führen, mit der weder der Re­

gierung noch der Landwirtschaft gedient sein kann. Nach diesen nunmehr statistisch erwiesenen Aus­wirkungen der agrarprotektionistifchen Maßnahmen der deutschen Handelspolitik dürfte es keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die Regierung so­fort die notwendigen Folgerungen zieht und zu retten versucht, was noch zu retten ist.

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Der Führer des Zentrums, Prälat Dr. Kaas, sprach am Samstag vor der Wahl im dichtgefüllten Zirkusge- büude in München. Dabei wandte er sich scharf gegen die Politik der Regierung Papen, der er Zusammenhang­losigkeit mit der Wirklichkeit worwarf. Es bestehe das begründete Mißtrauen, daß das deutsche Volk in der Innen - und Außen­politik von dieser Regierung nicht mehr die volle Wahrheitzuhören bekomme. Er habe schon in Münster verschiedene unbequeme Fragen gestellt, doch bis heute keine ausreichende Antwort darauf erhalten. Deutschland sei noch nie so wilhel­minisch behandelt worden wie heute. Zu dem Interview, das Reichskanzler von Papen dieser Tage einem Vertreter des französischen „Excelsior" gewährte, erklärte Dr. Kaas, er habe darin zu seinem Erstaunen festgestellt, daß der Reichskanzler es mit feinen Grund­sätzen für vereinbar gehalten habe, sich vor einem neu­gierigen ausländischen Berichterstatter über seine inner­politischen Sorgen auszuweinen. Wenn Herr von Papen, wie er kürzlich behauptet habe, Vertrauen zum „gesunden Sinn des Volkes" habe, warum habe er dann nicht für die Wahl eine Regierungsliste von Papen ausgestellt? Die Antwort des Volkes auf eine solche Liste wäre so aus­gefallen daß 24 Stunden später ein stichhaltiger Grund für die Fortführung der bisherigen Regierungsmethoden nicht mehr zu finden gewesen wäre. So wie die Dinge be­gonnen wurden, könnten sie unmöglich weitergehen, sonst würde am Ende das Chaos stehen. Das Kabinett Papen habe es vergessen, die Fühlung mit dem letzten und ärmsten Volksgenossen aufzunehmen, die aber nicht in sentimentalen Rundfunkansprachen, sondern in sozialem Handeln bestehe.

Die Köln. Volkszeitung sagt in einem Artikel „Der Reichstag hat das Wort" (Nr. 308): „Die Niederlage der Regierung ist eklatant. Von ganzen 49 Stimmen im letz­ten Reichstag hat sie es trotz des Zusammenspiels ihres eigenen Propaganda-Apparates mit dem des Herrn Dr. Hugenberg auf reine 68 Stimmen gebracht, wenn man Deutschnationale, Thüringischer Landbund, Württember­gischen Bauern- und Weingärtnerbund, Deutsche Bauern­partei und Deutsche Volkspartei zusammenrechnet. Jede dieser 19 Stimmen, welche die Regierung in eben der­selben hoffnungslosen Minderheit lassen wie zuvor, dürfte die Regierung 100 000 Mark gekostet haben, eine gerade nicht sehr rentable Sache angesichts der großen Hoffnun­gen, mit denen sich die Reichsregierung trug. Das deutsche Volk, zweimal kurz hintereinander als Schieds­richter von der Reichsregierung in ihrem Kampfe mit der Volksvertretung angerufen, hat sich wiederum fast einhellig auf die Seite der von der Regierung mißachte­ten Volksvertretung gestellt. Das ist das klare Ergebnis der Wahl vom 6. November, an dem keine Rabulistik und Auslegungskunst etwas zu drehen und zu deuteln vermag."

Die Wiederkehr des Tages der Ablrelung von Eu- pen-Malmedy! Am 6. Nov. waren es 10 Jahre, daß die früheren deutschen Kleist Eupen und Malmedy end­gültig in den Besitz Belgiens übergingen. Entgegen dem feierlich proklamierten Selbstbestimmungsrecht wurde dieses Gebiet, das zu 80 Prozent von deutscher Bevöl­kerung besiedelt ist, ohne eine rechtsgültige Abstim­mung vom Mutterland losgerissen. Die nach dem In­krafttreten des Friedensvertrages ausgelegten Listen, die der Bevölkerung die Möglichkeit geben sollten, sich für Deutschland zu entscheiden, konnten keine klare Entscheidung bringen, da es unter dem Druck der bel­gischen Militärverwaltung nur einer kleinen Anzahl von Wählern möglich war, ihr Votum abzugeben. Der belgische Sozialistenführer Vandervelde, der für Bel­gien den Versailler Vertrag unterschrieben hat, erklärte später, daß die Liftenauslegung eine „lächerliche Komö­die" gewesen sei. Wiederholt hat die Bevölkerung Eupen-Malmedys ein deutsches Bekenntnis abgelegt, und erklärt, daß sie sich dem deutschen Gesamtvolk in Treue verbunden fühlt. Dieses Bekenntnis und die­se Treue verpflichten uns, mit ganzer Kraft einzutre­ten für die Durchführung einer neuer Volksbefragung,