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fallend, daß die gesamte hinter dem Kabinett ste­hende Presse auf den Ton der Aussöhnung zwi­schen Reichsregierung und Nationalsozialisten ein­gestellt ist. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" verlangt „die Herstellung der großen nationalen Konzentration unter Führung Hindenburgs, die eine autoritäre Leitung der Staatsgeschäfte unter Billigung und Mitwirkung aller Parteien von den Nationalsozialisten bis einschließlich zum Zentrum ermöglichen würde".

Ein Teil der Regierungspresse ist einsichtig ge­nug, zu erkennen, daß dieses Programm mit Herrn von Papen an der Spitze nicht durchzufüh­ren ist. Der Reichskanzler von Papen wird des­halb fallen gelassen. Während ein Teil der offi­ziösen Organe nur in allgemeinen Wendungen da­von spricht, es komme nicht darauf an, wer Reichs- kanzler sei, sagt die „Deutsche Allgemeine Zeitung" rund heraus: Das neue Reichskabinett müsse un­ter aktiver Mitwirkung Hitlers gebildet werden, und das Gebot der Stunde sei die Versöhnung Hin­denburgs mit dem Führer der Nationalsozialisti­schen Partei.

Solche Ausfassungen weichen von der seitheri­gen amtlichen Stellungnahme erheblich ab und ge­ben das frivole Spiel der ewigen Reichstagsauf- löfungen auf. Man muß zugeben, daß in diesen Betrachtungen der Rechtspresse ein durchaus ge­sunder Kern steckt, nämlich der Gedanke, einer wirklich autoritären Reichsregierung eine breite Volksbasis zu schaffen und unter vernüftiger Ab­grenzung des NHrhingsfreifes eine Zusammen, arbeit zwischen Reichspräsident. Reichsregierung und Reichstag zu ermöglichen. Bisher hat sich die Regierung immer gegen diese Bestrebungen auf das entschiedenste zur Wehr geseßt. Die alte Mehr­heit, die im alten Reichstag tatsächlich vorhanden war, hat sie nicht zum Zuge kommen lassen und ihre Beseitigung durch die Sonntagswahl als einen Erfolg gefeiert. Troß dieses „Erfolges" ist auch im neuen Reichstag eine Arbeitsmehrheit da. In den Kreisen des Christlichen Volksdienstes wird die Meinung ausgesprochen, es sei durchaus möglich, mit Hilfe der kleinen Gruppen eine posi­tive Mehrheit zu bilden. Die Freude über die an­gebliche Beseitigung der „schwarzbraunen Mehr­heit" ist reichlich verfrüht. Noch ist Herr Hugen­berg nicht der ausschlaggebende Faktor, für den er sich hält.

Man kann heute schwerlich sagen, wie die Dinge weiter laufen werden, aber es ist doch ein Symptom, daß Regierungsorgane jetzt unter Auf- gäbe des Kabinetts Papen für eine Mehrheits­bildung einschließlich Zentrum im Reichstag plä­dieren. Diese Erkenntnis scheint uns der Wirklich­keit näher zu kommen als die Freude der Regie­rung über den Wahlausfall und ihre Absicht, ih­ren längst bankrotten Kurs fortzuseßen, als wäre nichts geschehen.

Der Weg des Zentrums liegt offen und kennt keine Geheimnisse. Gestützt auf den Spruch der Wähler hat der Parteiführer eine Erklärung herausgegeben, die eine Tolerie­rung des derzeitigen Kabinetts, bas gegen das Volk optiert hat, ablehnt. Gleichzeitig bleibt für das Zentrum jenes Angebot bestehen, das Dr. Kaas in seiner Münsterschen Rede gemacht hat und in dem allein die Rettung unseres Volkes möglich erscheint: „In dieser Stunde", so erklärte Kaas, „wird diejenige Partei den Höhepunkt ihrer Sendung und Leistung erreichen, die am wenig­sten von sich und am ausschließlichsten an den Staat und die Volksgesamtheit denkt . . . Wenn heute drei, vier, fünf Führer der verschiedenen La­ger den Wut hätten, sich den aufrültelnden Ernst der Stunde einzugestehen und aus der Erkenntnis dieses Ernstes zu dem Entschluß vorzustohen, ihre ganze Autorität und den ganzen Einsatz ihres

über 25 Jahre attSewährteS

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Führerkums zu wagen, um ihre Gefolgschaft auf die Bildung einer deutschen Not- und Mehrheits­gemeinschaft zu verpflichten, dann wäre dieDurch- bruchsschlachl deutscher Selbstbesinnung geschlagen.

Wettere Wahlergebnisse.

Regierungsbezirk Kassel.

NS 282 473 (296 382), S 127 277 (145 096), K 78 775 (66 685), Z 71 536 (75 148), DN. 36 177 (29 333), DV 9717 (6986), S^ 3195 (4117), CSV 9387 (8593), LV 641 (724), WP 533 (1167).

Regierungsbezirk Wiesbaden.

Gültige Stimmen: 825 713. NS 313 812 (329 154), S 164 562 (172 703), K 115 441 (85436), Z 1 31 2 2 7 (1 4 6 61 1), DN 36 089 (27 447), DV 32 668 (15 751), Staatsvartei 9612 (5264), CSV 12 135 (9251), WP 20 090 (35 085), OV 3468, V 3609.

Stadt Fulda.

Gültige Stimmen 15 947 (15 804). NS 3169 (3059), S 1523 (1486), K 1701 (1978), Z 8424 (8361), DN 590 (395), RM 7 (6), Jnteressengem. 11 (0), DV. 173 (86), St. 36 (22), CSV 160 (156), DH 9 (5), LV 0 (5), SA 3 (14), V 32 (84), Ung. 109 (147).

Kreis Fulda- Land.

Gültige Stimmen 36 379 (38 410). NS 6759 (7538), S 2227 (2524), K 2568 (2495), Z 23 867 (24 439), DN 521 (656), RM 16 (16), Jnteressen­gem. 15 (0), DV 162 (246), St 51 (90), CSV 90 (148), DH 5 (9), LV 34 (57), SA 7 (26), V 50 (103), Ung. ? (636).

Kreis Hünfeld.

Gültige Stimmen 13 360. NS 4 098 (4 150), S 737 (809), K 401 (343), Z 7 574 (7 714), DN 246 (219), DV 69 (53), St 9 (18), CSV 131 (172), WP 1 (7), LV 64, V 30.

Kreis Schlüchtern.

Gültige Stimmen 17 672. NS 8 462 (9 045), S 2 749 (3 273), K 1 731 (1 089), Z3608 (3931) DN 773 (745), DV 169 (130), St 70 (59), CSV 68 (68), WP 2 (19), LV 10, V 40.

Kreis Gelnhausen.

Gültige Stimmen 30 430. NS 12 242 (13 486), 6 4 549 (5 260), K 4 648 (4 327), 3 7 2 1 1 (7 7 6 1) DN 1 125 (1 084), DV 323 (284), St 104 (141), CSV 123 (115), WP 15 (35), LV 22, V 62.

Kreis Fritzlar.

Gültige Stimmen 31124. NS 17 528 (9192), S 7 917 (5 246), K 2 139 (924), 3. 1 2 2 1 (1 2 3 1), DN 1 493 (612), DV 199 (91), St 107 (87), CSV 419 (195), WP 11 (25), LV 34, V 56.

Kreis Marburg-Land.

Gültige Stimmen 34 473. NS 19 074 (13 429), S 4 609 (4 250), K 2 809 (1 248), 3 5 5 0 3 (5 7 81) DN 1 446 (930), DV 370 (183), St 107 (95), CSV 439 (334), WP 14 (13), LV. 38, V 51.

Marburg Stadt.

Gültige Stimmen 16 464. NS 8 105 (8 475), S 2 199 (2 578), K 1 316 (879), Z 101 0 (1 0 3 7), DN 2 470 (1 850), DV 798 (538), St 196 (208), CSV 304 (275), WP 32 (27), LV 3, V 35.

Kreis Wolfhagen.

Gültige Stimmen 14 804. NS 7 797 (8 137), S 3 119 (3 556), K 1 356 (1157), 31426 (1 45 0) DN 548 (438), DV 89 (95), St 66 (157), CSV 354 (368), WP 10 (29), LV 12, V 27.

Stadt Hanau.

NS 7 272 (8 360), S 3 862 (4 489), K 7 877 (7 065), 3 2 123 (2 239), DN 1 290 (882), DV 1 459 (814), St 346 (304), CSV 336 (37), WP 93 (86), LV 17 (5).

Hanau-Land.

Gültige Stimmen 33 549. NS 10 530 (11 763), S 7 629 (8 484), K 10 841 (9 885), Z 2 429 (2 423),

DN 797 (552), DV 357 (215), St 136 (137), CSV k 384 (320), WP 32 (10), LV ^07, V 307.

= Großauheim (Kr. Hanau). Das Wahler- « gâis ist für das Zentrum erfreulich, , das 1189 Stimmen gegen 1099 am 31. Juli j buchen darf. Ferner haben erhalten NS 972 t (1088), S 377 (428), K 1793 (1697), DN 80 (48), DV 37 (33), Staats,Partei 20 (13), CSV 67 (55), WP 5 (25), Landvolk 1 (5).

Die geistlichen Arbeiterführer Werden beim Reichspräsidenten nicht vorgeinssen.

Die beiden Vorsitzenden des Reichsverbandes der katholischen Arbeitervereine Deutschlands, Dr. O. Müller, Köln, und C. Walterbach, München, sowie dessen Generalsekretär H. I. Schmitt, Ber­lin, hatten eine Unterredung beim Reichspräsiden- ten von Hindenburg nachgesvcht. Der Zweck aer Aussprache sollte sein, den Reichspräsidenten üoer die große Beunruhigung im werktätigen Volke zu unterrichten und auf die daraus entstehenden Ge­fahren für Staat und Volk hinzuweisen. Die nä. Heren Verhandlungen hatte Generalsekretär Schmitt mit dem Büro des Reichspräsidenten ge­führt. Staatssekretär Meißner hatte sich bereit er­klärt, die gewünschte Aussprache in dieser oder in der folgenden Woche zu ermöglichen. Er wollte bi es er halb mit dem Reichskanzler Rücksprache neh­men.

Wider Erwarten erhielt die Leitung des Reichsverbandes vom Büro des Reichspräsiden­ten die Nachricht, daß es ihm nach Rücksprache mit dem Reichskanzler nicht möglich sei, die Vor­sitzenden des Reichsverbandes der Arbeiterver­eine zu empfangen.

Das ergibt die Frage: „Wer hat das Ohr des Reichspräsidenten?" Die Arbeiterpräsides vertre­ten 400 000 katholische Arbeiter, haben mit dem ganzen arbertenben Volke engste Berührung. Um so weniger ist es zu begreifen, daß man dem Staatsoberhaupte es unmöglich macht, die Stim­mung des Volkes zuverlässig kennen zu lernen, und zwar aus dem Wunde von Wännern, die als Seelsorger sich abmühen um das Wohl der ihnen anoertrauten Arbeiterschaft.

Alle, die es gut meinen mit unserem Volk und die in großer Besorgnis um die Zukunft des deut­schen Vaterlandes find, bedauern es aufs schmerz­lichste, daß ein gewisser Personenkreis es fertig gebracht hat, den Reichspräsidenten von Hindenburg einzukreisen. Eine direkte Aufklärung des Reichs­präsidenten durch Personen, die nicht jenem engen Kreis angehören, scheint nicht mehr zugelassen zu werden. Wir bedauern es aufrichtig, daß auch die geistlichen Führer der katholischen Arbeiterschaft nicht das Ohr des Reichspräsidenten finden können.

Daß diese Abschließung des Reichspräsidenten ein politisches Mittel in der Hand einer gewisses Richtung ist, zeigte sich schon kurz vor dem Sturze Brünings. Als Hinderrburg im Mai auf fein Gut nach Neudeck (Ostpreußen) fuhr, wollten Brüning und auch andere Mitglieder des Reichskabinstts den Reichspräsidenten dort zur Klärung wichtiger Fragen sprechen. Es wurde ihnen von Neudeck aus bedeutet, daß der Besuch nicht stattfinden solle. Als dann Hindenburg nach Berlin zurückkehrte, empfing er nur noch Brüning, um ihn zu ent­lassen. Es scheint, daß schon jene Fahrt nach Neu­deck von der erwähnten Perjonengruppe veranlaßt war, um Hindenburg von Brüning zu trennen und ihn in dem ostpreußischen Milieu zu beein­flussen, ohne daß die damalige Regierung kabi­nettsfeindliche Einflüsse unwirksam machen konnte.

Während zu Brünings Zeiten Hindenburg an­dere Politsier in Abwesenheit des Kanzlers emp­fing (z. B. Hitler), konnten die Ministerpräsiden­ten der süddeutschen Länder und andere Politiker (wie Hitler und Braun) seitdem den Reichspräsi- denken nur in Gegenwart des Reichskanzlers 0. Papen sprechen. Es ist schwerlich, eine solche Ab­schließung des Reichspräsidenten sehen zu müssen.

Katholiken, “*™

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