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Seife 14 / Nummer 43.

Christentum bekehrte und gemeinsam mit ihm ent­hauptet wurde. Ihre im Mittelaster aufkommende Verehrung als Patronin der Kirchenmusik und der kirchenmusikalischen Vereine (Cücilienvereine) steht weder mit ihrem Leben noch mit ihrem Tode in irgendeiner Beziehung. Sie beruht auf falscher Auslegung einer Antiphon ihres später entstande­nen Festoffiziums. Ebenso wegen ihrer Weisheit wie wegen ihrer Schönheit war die heilige Ka­tharina in ihrer Zeit berühmt, so daß eines Tages 50 Philosophen mit ihr stritten. Sie beabsichtigten, Katharina zum Abfall vom Christentum zu über­reden, wurden aber selbst von der Jungfrau be­kehrt. Schließlich wurde sie auf das Marterrad ge­bunden, das man oft auf Bildern an ihrer Seite sieht. Katharina wird als eine der 14 Nothelfer verehrt. Ein Nothelfer in ihrer Zeit war die hl. Elisabeth von Thüringen, die im Geiste des hl. Franziskus lebte und sich ganz in Liebe für die Armen hingab. Noch zu Leb.zeiten ihres Gemahls legte sie sich das Speisegebot auf, wonach sie sich aller Nahrung enthielt, die aus ungerechten Ein­künften stammte. Und nach dem Tode Ludwigs und ihrer Flucht von der Wartburg widmete sie sich ganz dem Dienste der Armen. Darum ist sie mit Recht in diesen Tagen ihres Gedächtnisses als Schutzfrau des deutschen Volkes gefeiert worden. Sie ist unter den Heiligen des Monats diejenige, der unsere Notlage, die so sehr der damaligen ähnelt, wohl am tiefsten zu ^er^en geht und die wohl nach einmal von der Wartburg herabkäme, um ihren deutschen Schwestern und trübern zu helfen. Wir können keine bessere Patronin für un­sere Gegenwart finden.

Das Grab des versoiglea Priesters.

Einer wahren Begebenheit nacherzählt von Franziska Rademaker.

Es war zur Zeit der französischen Revolution. Im Luxemburger Land, das als „Wülderdeparte- tnent" zu Frankreich gehört, wütete der Feind. Der Glaube an Gott und die Liebe zum Vater­lands waren gleichermaßen das Ziel des Halses der Revolutionssöldlinge. Zwar hatten wetterfeste Männer von den Bergen wie Makkabäer in die Haitfen der Gottesfeinde geschlagen, aber der überlegenen Zahl der Republikaner mußten sie weichen. Wie Edelwild wurden die Priester von Dorf, von Wald zu Wald gehetzt. Die grausigen Verfolgungsgeschichten waren auch in die Gegend von Ruette gedrungen, einem entlegenen Stra­ßendorf, vier Stunden jenseits Arlon. Flüsternd erzählte man sich von Laienjagden und Priester- hetzen, flüsternd, denn der Feind war wie ein Horcher an der Wand . . .

An einem kalten, von Schneegestöber erfüllten Winterabend des Jahres 1798 bereitete sich der Pfarrer von Ruette in einem Versteck auf die nächtliche Feier der heiligen Messe vor. Da er­schien vor ihm ein Mann mit der Kunde, in einem einsamen Gehöft liege ein Sterbender und verlange schmerzlich nach der heiligen Wegzehrung zur Stärkung in der letzten Not.

Der Pfarrer zögerte nicht. Schnell zog er ei­nen Bauernkittel an, setzte einen breitrandigen Schäferhut auf und drückte ihn tief in die Stirn. Das hochwürdigste Gut in einem kleinen, goldenen Ziborium tragend, wagte er sich in die Nacht hin­aus.

Aber es war gefährlich, denn die Häscher such­ten ihn. Unlängst erst hatten sie sein Versteck im Steinbruch von Grandcourt entdeckt, und fast wäre er damals in ihre Hände gefallen.

Deshalb wanderte der Priester vorsichtig, schlug mit dem Allerheiligsten einsame Pfade ein. Den­noch war er erblickt worden, denn plötzlich dran­gen barsche Anrufe an sein Ohr. Ein einziger Ge­danke erwachte da in des Priesters Seele: Das Allerheiligste Sakrament? Er mußte es retten vor der Verunehrung durch die Gottesräuber! Diese eine Idee erfaßte ihn so vollständig, daß er das go'dene Gefäß mit der heiligen Himmelsspeise test und innig umfaßte und kreuz und quer durch Wald und Feld eilte — ohne ein bestimmtes Ziel zu

wissen —, bis sich vor ihm, das Tal der Vir asU- tat.

Hier standen am Ufer des Flüßchens alte, hohle Weidenftümpfe, wie eine Schildwache marschierten sie auf und gaben dem Wasserlaus das Geleit bis zum kleinen Dorfe Gomery. In den fließenden Wellen zerschmolzen die Schneeflocken rasch, die dunklen Baumsckatten und der aufleuchtende Was- ierspiel zeigten dem Verfolgten wie den Verfol­gern das Hindernis an.

Bis hierhin hatte der Priester vor seinen Fein­den einen kleinen Vorsprung gehabt, nun malen sie ihm dicht auf den Fersen. Sie forschten nach seiner Fußspur, aber sie fanden sie nicht mehr, denn der dichter fallende Schnee hatte sie undeut­lich gemacht. Unter Schimpfen und Fluchen such­ten die Soldaten das Ufer ab. Ihr Opfer mußte doch hier sein — aber es war nichts zu finden. Nach wiederholtem erfolglosen Suchen zogen sie schließlich enttäuscht ab.

Seit jenem Tage blieb der Pfarrer von Ruett- verschwunden. Man konnte es sich nicht erklären. Lange Jahre nachher aber, als die alten Weiden- stümpfe gefällt wurden, gab die Axt des Hol^ Hackers im größten derselben einen metallenen Wi­derklang. Geschickt geführte Streiche öffneten den Baumstamm, und es bot sich den Leuten ein er­schütterndes Schauspiel dar. Im engen Hohl-'

Nomsn aus gogenWZMZen und künftigen Tagen.

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Don Johannes Stuifenbetger.

„Da kannst Du recht haben. Aber nimmt die Steuern, die Löhne, die Ausgaben für Handwerker, für Kleider, Schuhe, und was man sonst noch braucht, zu den Zinsen hinzu. Wie soll das alles der Hof tragen können?"

Und die Bäuerin rechnete mit ihrem klaren Verstand, daß sich die Tausender schneller aneinander reihten, als die Perlen beim Rosenkranz.

„Du hast halt zuviel gekauft und bist damit in Schul­den gekommen", schloß sie mit leichtem Vorwurf ihre Rechnung. Der Bauer aber greinte:

„Das ist alles, was Du kannst, mir Vorhaltungen machen. Anstatt daß Du mir hilfst und Mut machst. . . Hat's Dir nicht auch gefallen, daß der alte Rothof neu und zum Mustergut für's ganze Oberamt wurde?"

„Freilich hat's mir gefallen, und ich bin ja auch so stolz auf Dich. Aber jetzt. . . jetzt fürchte ich, die Schul­den fressen uns auf."

„Wenn ich von der Bank Geld als Hypothek kriege, dann nicht. Dann bekomme ich Ruhe und alles geht gut. . . . Aber es ist wie verhext. Jetzt kommt das Finanzamt mit 1400 Mark Steuern daher. Wenn ich bis Montag nicht bezahle, dann erfolgt Zwangsvollstreckung, dann ist der Kredit hin, dann ist alles hin, mein guter Name und der Rothof auch. Aber wer gibt mir schnell 1400 Mark?"

„Willst nicht zum Schimmelbauern und zum Wald­bauern gehen? Der Schimmelbauer hat Schafe verkauft und der Waldbauer ein Paar junge Farren. Die könnten das Geld für eine Woche Dir leihen."

„Ich kann in Thalhangen keinen Bauern um Geld anbetteln. Nein, die Schande! . . . Am Sonntag erzählen sie dann in allen Wirtshäusern herum: „Der Rothof wackelt auch schon. Der Rothofbauer muß Schulden ma­chen, beim Schimmelbauern und beim Waldbauern hat er Geld geholt. Jawohl, gleich bei zweien. . . . Nein, nein, das bringe ich nicht fertig."

„Ich wüßte schon einer, der's vielleicht machen könnte, und der auch schweigen würde, aber ob er's Dir tut?"

„Wen meinst Du?" frug der Bauer neugierig.

„Ich weiß nicht, ob Du zu ihm gehst. Er hat meinem Vater manchmal geholfen, wenn sich die Verhältnisse ge­rade einmal unglücklich klemmten. . . Aber Du und er, Ihr geht, glaube ich, einander aus dem Wege?"

„Wen meinst Du denn? So rede halt deutlich!" drängte der Bauer.

„Du gehst ja doch nicht zu ihm".

„Das weißt Du ja gar nicht. In der Not lernt auch der Bauer das Schöntun. Für 1400 Mark ginge der Rotbauer heute sogar zum Pfarrer beichten."

Und als die Bäuerin lachte: „Wirklich? ... Er ist's nämlich, der Herr Pfarrer".

Da riß gleich wieder frohe Hoffnung den heißblütigen Bauern hoch. Dankbar schloß er seine Frau in den Arm.

„Klara, Du bist doch ein kluges Weib. Ich gehe zum Pfarrer. Wird der schauen! Schon lange hat er mich in

raum des Baumes stand ein Skelett, dessen Hande ein goldenes Ziborium umschungen hielten. Das Gefäß aber war leer.

In stummer Beredsamkeit offenbarte sich hier das Ende des Pfarrers von Ruette. Ein Kranker hatte sehnsüchtig auf die heilige Wegzehrung ge­wartet, die der Priester ihm bringen sollte, und der Priester kam nicht. Im sicheren Versteck von Ruette hatten eifrige Gläubige alles zur Feier der heiligen Messe vorbereitet und warteten auf die Wiederkehr des Pfarrers — und er kam nicht.

Im hohlen WeiÄenbaume aber stand gezwängt aufrecht ein Priester und hielt Anbetung vor dem Allerheiligsten, das er in seinen Händen trug, er betete, daß das hochwürdigste Gut nicht eine Beute der Verfolger werde, dessen Flüche und Drohungen von außen an sein Ohr klangen.

Und als alles wieder ruhig wurde, merkte der Verborgene bald, daß er wohl in höchster Gefahr in dieses Versteck sich hatte hineinschwingen und hineinzwängen können, aber daß es ihm unmög­lich war, ohne fremde Hilfe den Schlupfwinkel zu verlassen. Er war lebendig begraben! Und fremde Hilfe kam nicht. Sein Schicksal war besiegelt. Da genoß er selbst die heilige Hostie als Wegzehrung und betete, bis er endlich seine Seele in die Hände des Schöpfers aushauchte.

(Radidcudt verboten.

seiner Kirche und in seinem Pfarrhof nicht mehr ge­sehen. Aber beim Pfarrer ist ja mehr Freude über einen Sünder, als über zehn Gerechte. So ähnlich habe ich's in der Schule gelernt . . . Vielleicht freut der Pfarrer sich auch über den verlorenen Sohn, der zu ihm heimkehrt, und gibt mir die 1400 Mark auf die Bürgschaft meiner Bekehrung. Ich habe ihm ohnehin bisher so wenig Arbeit gemacht und habe auch die Kir­chenbänke wenig abgenützt. Ich nahm andern Leuten nicht gern den Platz weg. Aber ich habe auch nie übex den Pfarrer geschimpft, nein, nein, das liegt mir nicht. Ich schicke ihm Dich und meine Kinder. Das mutz er mir auch anrechnen . .

In seliger Hoftnungsstimmung scherzte und plauderte der Bauer weiter, bis er schließlich unter seinem dicken Federbett einschlief.

Die Rothofbäuerin zählte nicht zu den Frühauf­stehern. Der Morgenschlaf tat ihr so wohl und erhielt sie jung. Aber heute weckte sie der erste Lichtstrahl des neuen Tages. Nebenan schlief der Bauer und wälzte sich unruhig in schweren Träumen. Plötzlich richtete er sich im Bette auf und schrie: „Ich mach's wahr, ich mach's wahr. Ich werde rot, ganz rot!"

Die Bäuerin rüttelte den Träumer wach und forschte?

„Was hast Du denn geträumt, Fritz. Was machst Du denn wahr? Warum wirst Du denn rot, ganz rot? Hast Dich sogar im Schlafe wegen Deiner Schulden geschämt?"

„Geträumt hat es mir, ich war beim Pfarrer zuM Beichten. Aber er hat mich gar nicht angehört. „Das schlechte Beispiel der Pfarrei hat er mich geheißen. Ich sei kein verlorener Sohn, der reuig heimkehre. Ich sei der reißende Wolf, der seine ganze Herde auffresse. Ein Schlimmer sei ich, ein Roter, ein ganz Roter, ein Kommunist. . ."

.„Geh! Es ist ja nur ein dummer Traum. So redet der Herr Pfarrer nicht zu Dir. Da brauchst Du keine Angst zu haben."

„Hahal Ich ein Roter, ein Kommunist! Gelt, da lachst Du auch . . ." und er griff zärtlich nach den wir­ren Schwarzlocken der Bäuerin:

„Du Liebe, Du schwarze Hex," scherzte er. „Du bringst alles fertig . . . Weißt Du was? Geh' doch Du heute früh erst in die Kirche und bezahle beim Pfarrer eine Messe. Sagst halt: für ein schweres Anliegen. Dabei hörst Du ihn ein wenig aus, wie er über mich denkt, und ob ich zu ihm kommen darf. Dich kann er ja •* leiden. Willst Du? . . . Gelt, Du willst?"

Und die Bäuerin wollte. Wie hätte sie diesem Manne ein Nein sagen können, den sie mit ihrer Liebe vergötterte seit jenem Winterabend, da er zum Schluß des Krieges mit seiner Truppe aus dem Felde heim-