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Ratgeber für Landwirt schaft,
===3=======^ Gartenbau und Gauswefen. - -
nr 22. XD 42. Zahrgang. ex □ o Gratisbeigabe zum Bonifatiusbaten. □ j Zulda, Den 30. Oktober 1932
Landwirlschaftsschule Fulda.
Am Donnerstag, den 10. November d. I., vormittags 8.15 Uhr beginnt der Unterricht in der Landwirtschaftsschule wieder. Im Interesse des deutschen Nährstandes mache ich darauf aufmerksam, daß folgende jungen Landwirtesden Besuch der Landwirtschastsfchule nicht versäumen sollen:
1. Sämtliche Schüler der Oberklaffe (1931 Unterklasse). Leider ist es immer noch Sitte, daß manche Landwirtssöhne die Landwjrtfchaftsfchule nur ein Winterhalbjahr besuchen, während gerade in der Oberklasse (im 2. Winterhalbjahr) die wichtigen landwirtschaftlichen Lehrfächer unterrichtet werden.
2. Allen Schülern, die nur ein Winterhalbjahr die Schule besucht haben, ist Gelegenheit geboten dieses Jahr am Unterricht in der Oberklasse teilzuney- men.
3. Alle jungen Landwirte, die das 18. Lebensjahr erreicht haben. Gerade in der heutigen Notzeit ist es dringendes Erfordernis für den jungen Landwirt, in der arbeitsarmen Winterzeit auch dem Geist Nahrung zu geben, um der schweren, zukünftigen Aufgabe gewachsen zu sein.
Die Eisenbahnverwaltung gewährt 70 Prozent Fahrpreisermäßigung durch Lösung einer Schülermonatskarte, die aber, um Kosten M sparen, am 1. November erfolgen sollte. Die Schülermonatskarten sind in der Landwirtschaftsschule zu haben Auch die Post gewährt Ermäßigung und zwar 50 Prozent.
Der Unterricht wird erteilt von 8.15—1.00 Uhr mittags, so daß die meisten Schüler nach Hause fahren und den Eltern noch behilflich sein können. Das Schulgeld beträgt für das ganze Winterhalbjahr nur 50 Rm., zahlbar in 2 Raten (November und Januar).
Sonstige Unkosten für Bücher etc. entstehen nicht. Nur für Hefte zirka 2 Rm. Diese Vorteile sollte sich jeder Landwirt zu Nutze machen und ganz besonders auch Arbeitslose.
Dauern, seid vorsichtig!
Jetzt kommt bald wieder die ruhige Zeit für H Euch. Da überlaufen Euch Händler, Hausierer, sogenannte Agenten und Vertreter. Da gilt es alle Vorsicht anzuwenden, daß man nicht hereingelegt wird. Die Ueberredungskunst dieser Leute ist groß und mancher verfällt ihr. Unterschreibt keinen Vertrag, den Ihr nicht gelesen habt, oder dessen Inhalt Euch nicht ganz klar und verständlich ist. Hütet Euch besonders vor Verträgen, in denen von Euch das Unterzeichnen von Wechseln verlangt wird, selbst wenn man Euch versichert, schriftlich oder mündlich, daß Ihr die Wechsel selbst nicht einzulösen braucht und daß sie bei der „vertretenen Firma" im Depot liegen bleiben werden. Der Wechsel ist, soweit derselbe nicht in Eurer Genossenschaft verlangt wird, immer eine gefährliche Sache. Wir warnen wieder! Weist solchen ausdringlichen Leuten die Türe und holt Euch vorher und nicht immer erst nachher Rat und Auskunft bei Euren Bauernvereinssekretariaten.
Aenderungen in der Znvaliden- und Angestellten-Versicherung durch die Notverordnung vom 8. Dezember 1931.
(Schluß.)
Soll man nun mit Rücksicht auf die Härten, die durch die Notverordnung heroorgerusen worden sind, die Versicherung aufgeben? Es wäre Torheit, die man noch einmal recht bereuen dürfte. Ich rate unter keinen Umständen dazu. Warum? Weil man wohl annehmen und hoffen darf, daß die Notverordnung, schon ihres Namen wegen, etwas Vorübergehendes ist. Wenn die jetzige schwere
Zeit der Not vorüber ist, werden wohl die Notverordnungen aufgehoben und die früheren Rechts- verhältnisse der Hauptsache nach wieder hergestellt werden. Darum geht mein Rat dahin: Wer sich bisher in der Invalidenversicherung oder in der Angestelltenversicherung freiwillig weiter versichert hat, möge dies auch fernerhin tun. Er möge dabei nur so viele Beiträge leisten, als zur Aufrechterhaltung der Anwartschaft unbedingt notwendig sind. Die Vorschriften über die Anwartschaft sind durch die Notverordnung nicht geändert. In der Invalidenversicherung wird die Anwartschaft aufrecht erhalten durch Kleben von mindestens zwanzig Marken innerhalb zweier Jahre nach der Ausstellung der Quittungskarte. Wer sich in der Angestelltenversicherung freiwillig weiter versichern will, muß innerhalb der ersten zehn Jahre nach dem ersten Jahr der Versicherung, mindestens acht Beiträge jedes Jahr leisten, von da ab nur mindestens vier Monatsbeiträge im Jahre.
Verwendet Tiertörpermeht
der Tierkörperverwertungsanstalt Pilgerzell.
Vor einigen Monaten habe ich den Landwirten meines Schulbezirks empfohlen, besonders für Mastschweine und Legehennen das arteigene, eiweißreiche Tierkörpermehl zu kaufen, damit das Geld im Lande bleibt und weil durch veterinär-polizei- Uche Aufsicht Gewähr geleistet wird, daß das «teutsche Tierkörpermehl von einwandfreier Beschaffenheit ist. Es besteht also keine Gefahr der lUebertragung von Krankheiten.
Heute empfehle ich das Tierkörpermehl noch aus einem anderen Grunde, nämlich wegen fei- |ner Billigkeit. Ein Vergleich mit anderen ^Futtermitteln läßt dies leicht erkennen. Der Zentner kostet heute: Fischmehl 12 Rm., Fleischmehl 12 Rm., Tierkörpermehl 8.50 Rm., Sojaschrot 6.75 Rm., Roggen 8 Rm., Gerste 8 Rm.
Obwohl der Eiweißgehalt vom Fischmehl, |unb darauf kommt es an, nicht wesentlich höher äst, als vom Tierkörpermehl, ist der Preisunterschied bedeutend. Wer also Tierkörpermehl verwendet, der spart. Das Pilgerzeller Dierkörpermehl ist imKornhausFulda zuhaben und wird regelmäßig in eine Versuchsanstalt zur Untersuchung eingesandt. Durch die letzte Untersuchung ist festgestellt worden: 42 Proz. Eiweiß, 18 Proz. phosphorsauren Kalk, 2 Proz. kohlensauren Kalk.
Ich empfehle nachstehende Fütterung der M a sd sch weine, da die Schweinepreise bis Frühjahr 1933 nicht erheblich schwanken werden, je Tier und Tag: 8 Pfund gedämpfte Kartoffel, 1,5 Pfund Gerstenschrot, 100 Gramm Tierkörpermehl, 2 Liter süße Magermilch. Bei dieser Fütterung hat der «Landwirt ca. 20 Rm. Reingewinn je Stück, also immer noch eine annehmbare Rente.
Vielfach verwenden die Landwirte zur Schweinemast das etwas billigere So ja sch rot. Wenn sich auch zugeben muß, daß Sojaschrot, besser aber iein Gemisch von mehreren Oelkuchen in Zeiten, Iwo das tierische Eiweiß hoch im Preise steht, teil- | messe zur Schweinemast verwendet werden kann, ifo ist es heute, wo das Tierkörpermehl nur 8.50 Rm. je Zentner kostet, ein wirtschaftlicher Fehler, pflanzliches Eiweiß (Oelkuchen) zu verwenden, weil lauter dem niedrigen Preis des Tierkörpermehls die Preßluft mehr angeregt wird und die Futterver- wertung eine bessere ist. Unter diesen Verhältnissen ist also heute trotz des etwas niedrigen Preises der Oelkuchen bei der Schweinemast demTier- körperw-bl den Vorzug zu geben. Das sollten sich alle La- 'M? merken, die fo lehr für Sojaschrot schwärmen.
Für Hühner empfehle ich folgende M i • sichung je Tier und Tag: 25 Gramm Tierkörpermehl, 20 Gramm Weizenkleie, 20 Gramm Haferschrot, 15 Gramm Gerstenschrot, 15 Gramm Wei-
^zenfchrot, 5 Gramm süße oder saure Magermilch» dazu 2 Gramm Sch'ämmkreide, 2 Gramm Holz, kohle (zur Reinigung). Direktor Tremmel,
Sehl im Herbst die Dachrinnen nach!
Die kühleren Tage der Herbstwochen sind die rechte Zeit, um die Dächer der Wohn- und Wirtschaftsgebäude für den Winter herzurichten. Das Dach wird im Winter durch erhöhte Niederschlagsmengen, Schnee und Frost sehr stark beansprucht, so daß eine rechtzeitige gründliche Ueberprüfung notwendig ist, um nachher vor eindringendem Re-, gen- und Schmelzwafser geschützt zu sein.
Fast jedes Dach — gleichgültig, ob es mit Pappe oder Hartmaterial (Ziegel, Schiefer, Zinkblech) eingeüeckt ist — wird fehlerhafte Stellen aufweisen, die geeignet sind, seine Dichtigkeit zu beeinträchtigen. Die erheblichen Temperaturunterschiede in unseren Landstrichen mit dem häufigen Wechsel von starkem Frost, Schnee, Regen und großer Hitze, bringen es mit sich, daß Rinnen sich verziehen und die Dachhaut Risse, Fugen und Löcher erhält. Während nun das Nachsehen und Jnstandset- zen der mit hartem Material eingedeckten Dächer besser dem dafür vorgebildeten Handwerker überlassen bleibt, da die Ausbesserungsarbeiten Erfahrung und Sachkenntnis verlangen und ihre Ausführung auch oft mit Gefahr verbunden ist, bietet die Unterhaltung der Pappdächer und der Regenrohre dem im Umgang mit Handwerkszeug geschickten Hausbesitzer keine Schwierigkeiten.
Da sind zunächst die Regen- und Fallrohre, die von allem angesammelten Schmutz, von Mörtei- und Steinbrocken, von Moos und faulendem Laub zu befreien sind. Nach der Reinigung sind die Rinnen mit einer Gießkanne nachzuspülen, und bei dieser Gelegenheit kann man feststellen, ob das notwendige Gefälle noch ausreicht und nicht infolge Durchhängens „Säcke" entstanden sind. Dieses Uebel, das die einwandfreie Entwässerung des ganzen Daches in Frage stellen kann, wird sich oft bei älteren Gebäuden zeigen wie auch bei solchen Bauten, bei denen während der Errichtung allzusehr gespart worden und u. a. auch eine genügende Unterstützung der vorgehängten Rinnen durch Rinneisen unterblieben ist. Die Rinnersen, die aus feu- eroerzinktem Bandeisen bestehen sollen, dürfen einen Höchstabftand von nicht mehr als einem Meter haben, wenn ein Geradehängen der Rinnen gewährleistet werden soll. Durch einfaches Hochbiegen der herabgebogenen Rohre läßt sich hier nicht Abhilfe schaffen, da sich die zuwenig unterstützten Rohre durch die Last des Schnees und des Regenwassers bald wieder durchbiegen werden. Hier müssen nachträglich Rinneisen eingesetzt werden, die am Dachgebälk (Sparren) oder an einem etwa vorhandenen Gesims anzubringen sind.
Der titelte vernichlungskamps gegen den Kohlweißling ist voriiher!
Wer fleißig und in kurzen Zwischenräumen Eier und Raupen vernichtet hat, braucht nicht über allzu kahlgefressene Blätter, deren viele Rippen wie Besenreiser aussehen, zu klagen.
Jetzt beginnt aber der indirekte Winterfeldzug gegen die freßgierigen Schmetterlinge. Wodurch? Dadurch, daß man die kleinen gelben Häuflein von Puppen einer Schlupfwespe nicht vernichtet, sondern in Ruhe läßt. Ein verhängnisvoller Irrtum ist es, diese fälschlich als Eier des Kohlweißlinges zu bezeichnen, es sind ja Puppen eines der größten Feinde des Kohlweißlings.
Diese Schlupfwespe legt in den Fettring einer lebenden Raupe mit ihrer Eiröhre einige Eier, die sich im Leibe der Raupe zu kleinen Maden entwik- keln. Sobald die Raupe die Verheerung in ihrem eigenen Leibe merkt, versucht sie ängstlich der entsetzlichen Gefahr, bei lebendigem Leibe aufgefrefjen zu werden, dadurch zu entweichen, daß sie sich be-