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Seite 8 / Nummer 44.

In dieser Stunde wird diejenige Partei den Höhe­punkt ihrer Sendung und Leistung erreichen, die am wenigsten an sich und am ausschließlichsten an den Staat und die Volksgesamtheit denkt. Eine solche Einstellung verlangt aber den entschlossenen Ver­zicht auf jene Geisteshaltung, die gerade bei uns in Deutschland in vielfach abstoßenden Formen vertreten ist. Die Verabsolutierung der eigenen Meinung und die Kanonisierung der eige­nen Gesinnung führt im politischen Bereich zu Aus­wirkungen, in denen jeder Ansatz zur Erarbeitung neuer Erkenntnisse und Ziele, zur Schaffung neuer Fron­ten und politischer Weggemeinschaften im Keim s e l b st e r st i ck t. Grenzen zwischen den verschiedenen politischen Lagern werden und müssen bleiben. Die Bretterzäune und Stacheldrähte könnten aber ruhig verschwinden, ohne daß das politische Leben dadurch an Reiz oder Wert verlöre.

Durch die Seele des deutschen Volkes geht ein starkes und ehrliches Sehnen, aus dem hassenden und raufenden, aus dem verhetzten und zerklüfte­ten Deutschland von heute herauszuwachsen und vorzustoßen nach einem Deutschland von morgen in dem die furchtbaren Spannungen und Zerklüf­tungen dieser Tage überwunden werden durch das wiedererwachende und durch brüderliche Tat ge­festigte Bewußtsein der Zusammengehörigkeit.

Wenn heute drei, vier, fünf politische Führer der verschiedenen Lager den Mut hätten, sich den aufrüttelnden Ernst der Stunde einzugestehen und aus der Erkenntnis die­ses Ernstes zu dem Entschluß vorzustoßen. ihre ganze Autorität und den ganzen Ein­satz ihres Führertums zu wagen, um ihre Gefolgschaft auf die

Zeugnis für das Zentrum!

DieNeue Leipziger Zeitung", ein Blatt von im allgemeinen neutraler Haltung, versucht in einem recht lesenswerten Artikel die Haltung der deutschen Parteien zu charakterisieren. Sehr interessant ist das Urteil über das Zentrum. Weil es sich ganz wesentlich von dem Urteil anderer Blätter unterscheidet, verlohnt es sich, es in seinen wichtigsten Sätzen wörtlich anzuführen. Das Blatt schreibt in seiner Nummer vom 15. September:

Das Zentrum war von je die Partei der gro­ßen Slaatskunst, die Partei eines Windthorst, in dem schon Bismarck seinen Meister fand. Die Par­tei des sozialen, aber nicht des sozialistischen Ge­dankens. Seine Mitkelstandsfürsorae stand stets im Vordergrund, und der gewerkschaftliche Ge­danke fand in den christlichen Gewerkschaften seinen Ausdruck. Beim Zentrum war von jeher die Ver­nunft, es trieb die Politik des Möglichen, verstand stets Maß und Ziel zu halten und wirtschaftliche Gegensätze auszugleichen . . . Brüning als Führer des Zentrums hat das Slaatsschiff durch die Fährnisse und Klippen des mit reinen Phrasen kämpfenden Nationalsozialismus als guter Lotse hmdl.rchgesteuerl. Ihm verdanken wir. daß wir heute keine Inflation haben. Ihm verdankt der in­dustrielle Teil Deutschlands, zu dem ja auch Sachsen gehört, daß Deutschland sich nicht gegen das Aus­land abschloß. Brüning wird auch künftig Hüter der politischen Vernunft sein ...

Kleine poltt. HadnithteH

23 Wahlvorschläge in Hessen-Nassau. Beim Wahl- leiter in Kassel sind für den 19. Wahlkreis (Hessen- Najsau) insgesamt 23 Wahlvorschläge für die kom­mende Reichstagswahl eingegangen. Ob sie alle gültig sind, wird in diesen Tagen entschieden.

Um unsere Schule. Vom 12. bis 14. Oktober fand im Canisiushause der katholischen Schulorganisation ein Führerkursus statt, zu der zahlreiche Teilnehmer, Geist­liche und Lehrer, erschienen waren. Es kam bei dieser Arbeitstagung nicht nicht darauf an, die ideellen Ziele wieder klar vor Augen zu stellen, es galt auch die Li­nien katholischer Kulturpolitik von neuem und scharf zu zeichnen. In den Borträgen wurden wissenschaftlich und kritisch Stellung genommen zu den Auffassungen über pädagogische Probleme bei den Bolschewisten, den So­zialisten, den Nationalsozialisten und den gläubigen Protestanten. Nach dieser Auseinandersetzung mit den

Bildung einer deutschen Mot- und

Mehrheilsgemeinschaft

zu verpflichten, dann wäre die Durchbruchsschlacht deutscher Selbstbesinnung geschlagen.

Dieser Not- und Mehrheitspakt könnte meinet­wegen befristet sein. Aber er müßte eine Laufzeit haben, welche der Staatsführung eine sachentspre­chende Arbeit?- und Gestaltungsfreiheit schafft. So lange der gegenwärtige Herr Reichspräsident uns erhalten bleibt und er dadurch in der Lage ist als strenger Hüter und Wahrer der Verfassung, als ausgleichender Faktor gegenüber drohenden Einsei- tigkoiten von der einen oder anderen Seite zu wir­ken, so lange stünde dieser Versuch unter einem Stern, der vielen das Hoffen ermöglichte, die sonst zweifeln oder am Erfolg gar verzweifeln würden. Wer will es wagen die Verantwortung dafür zu tragen, daß die uns noch bleibende Frist unge­nutzt vorübergeht?

Zur Zeit stehen wir im Kampf. Und während des Kampfes gibt es nur eine Pflicht: kämpfen. Aber wir führen diesen Kampf so, daß am Tage nach der Schlacht die Gegner sich nicht zu scheuen brauchen, Auge inAugedas Fazit des politischen Waffenganges zu ziehen und einen Weg zu finden, um das zu verwirklichen, was für uns und alle, die uns nahe stehen, das Ziel unseres Ringens und Mä­hens ist:

Ein Deutschland, das Gott gibt. was Gottes ist:

Ein Deutschland, das für den Staat fordert, was des Staates ist:

Ein Deutschland, das dem Volke, aber auch ehrlich und ohne Hinterhalt, läßt, was des Volkes ist.

Gegnern und Andersdenkenden arbeitete eine zweite Vortragsreihe die positiven Aufgaben heraus: Schule und Volk als Problem und Aufgabe. Im Zusammen­hang damit wurden die Fragen der Elternpädagogik, der Erziehungsberatung, der Freizeitarbeit und schließlich des Zusammenhanges von Schule und Volk behandelt. Die Schulorganisation wird einen eingehenden Bericht über die ganze Tagung mit ihren Referaten und Dis­kussionsbeiträgen herausgeben, so daß alle, welche an diesen Fragen interessiert sind, mit teilnehmen können an dem fruchtbaren, gesunden Optimismus, den Prälat Böhler im Schlußwort als ein besonders freudiges Symptom der Tagung feststellen konnte. Die Aus­sprachen, die sich jeweilig an die Vorträge anschloffen, brachten viele Vorschläge und Beispiele aus der Praxis. Besonders waren es die Beiträge von Prälat Böhler, Pater Schröteler, Studiendirektor Monzel, Rektor A. Weber, Dr. Kautz u. a., die lebendig und zündend die Tagung auf einer erfreulichen Höhe hiel­ten. Mit dieser zweitägigen Aussprache hat die katho­lische Schulorganisation sich ein wirkliches und bleiben­des Verdienst um die katholische Pädagogik der Gegen­wart erworben. Die Zukunft wird lehren, daß sie mit ihren Ideen auf dem richtigen Wege ist.

Die angekündigten Maßnahmen zu Gunsten der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen wurden am 25. ds. Mts. im Reichsversorgungsblatt bekanntge- geben. Sie wirkten sich aus bei den sogenannten Kann-Bezügen", insbesondere zu Gunsten der Be­rufsausbildung von Kindern, der Schwerbeschädigten und von Kriegerwaisen, ferner für einen bestimmten Personenkreis bei der Zusatzrente, bei der Gewährung von Unterstützung z. B. von Kriegereltern, die eine Versorgung nicht mehr erhalten können, sowie bei der Kapitaläbsindung zur Abwendung der Zwangsvoll­streckung. Die für diese Maßnahmen bereitgestellten Mittel werden den Versorgungsämtern überwiesen.

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Genf.

In der in Genf tagenden Hygiene-Kommission des Völkerbundes kam es zu einem bemerkenswer­ten Zwischenfall. In einem Berichte über Mutter- und Kinderschuß wurde die Propaganda antikon­zeptioneller Mittel empfohlen. Zahlreiche katho­lische Organisationen hatten dagegen Protest ein­gelegt. Die irische Delegation, von der belgischen, italienischen, holländischen, luxemburgischen u. a. unterstützt, verlangte Streichung des betr. Passus. Gegenüber dem Drängen des Völkerbundssekreta­

riates auf Beibehaltung drohte Irland, das Do fit ment in seinem Staate nicht zuzulassen. Am 4 Oktober kam es in der Kommission zu einer Ein) aung, nach welcher der angegriffene Passus zww nicht vollständig unterdrückt wird, jedoch revidier werden muß.

Holland.

Holland ist so weitherzig und großzügig in be» 'ug auf die Zulassung katholischer kirchlicher Schm len wie kaum ein anderes Land. Die von den Katholiken selbst gegründeten und mit Staatszui. schössen unterstützten Volksschulen zählen 217 462 Knaben und 221 378 Mädchen, die katholischen«i Heren Schulen 8 344 Knaben und 9 003 Mädchen- Die Zahl der Lehrkräfte beträgt 13 873, davon 4 506 Ordensleute. Die St.-Radbod-Stiftung der kathol. Universität Riimwegen erhielt durch eine allgemeine Kollekte 188 675 Gulden.

Tschechoslowakei.

Die neuen Normallehrpläne für die Bürgerschu­len, welche das Unterrichtsministerium für das ge­samte Gebiet der Tschechoslowakei in Kraft gesetzt hat, räumen von der 4. Schulklasse an dem Reli- gionsunterricht keinen Platz mehr ein. Er kann auch nicht als Freifach innerhalb der Schule erteilt werden. Die PragerDeutsche Presse" (Nr. 228), welche gegen diese Maßnahme protestiert, stellt fest, daß die neuen Lehrpläne auf eine direkt feind-- liche Einstellung des Schulministeriums gegen hier Religion schließen lassen.

Amerika.

Ein heftiger Wahlkampf tobt auch in den Ber» einigten Staaten um den Präsidentenposten. Gleich­zeitig mit der deutschen Reichstagswahl wird auch! in Amerika die Entscheidung fallen. Aller Wahl- scheinlichkeit nach wird der seitherige Präsident Hoover, der wieder als Kandidat der repubfifani. schen Partei aufgestellt ist, unterliegen gegen Roose- velt, der für die Demokraten kandidiert. Schon bei der letzten Wahl hatten die Demokraten beste Aussichten. Ihr Kandidat Al Smith unterlag aber im Wahlkamps, weil gegen ihn als einen Katho- liken von protestantischer Seite eine unglaubliche Hetze einsetzte. Auch bei der jetzigen Wahl wollte-- 2H Smith wieder kandidieren, aber der demokra­tische Parteiausschuß entschied sich schließlich miti Rücksicht auf die Konfession# den Protestanten Roosevelt, der übrigens ein Neffe des früherer) amerikanischen Präsidenten ist. Aus Anlaß der Rolle, die die kathol sche Konfession eines Bewer­bers zum zweitenmal in Amerika gespielt, wird von einer amerikanischen Seite festgestellt, daß Amerika durchaus nicht jene Toleranz in konfessio­nellen Dingen besitzt, deren es sich gern rühmt.

Sâesz

Auch etwas wert. Dame (zum Bettler):Ich gebe Ihnen kein Geld, Sie versaufen ja doch alles!" Bett­ler:Aber auf Ihr Wohl, gnä' Frau!"

Paffender Name.Also hier am Platz steht das be­kannte Lehrlingsheim!"So, so, daher wohl der Name Stiftsplatz?"

Mißverstanden. Hausfrau (zur neu eintretenden Kö­chin):Sie haben also einen Verehrer? Was ist er denn?" Köchin (zögernd):Am liebsten Gänsebraten mit Knödel."

Zweck des Sprengwagens. Bauer sieht zum ersten Mal einen Sprengwagen in der Stadt. Da sagt er zu seiner Frau:Du, Alte, guck, was die Städter in ihrer Schlauhell wieder erfunden haben, damit sich die Ben- gels nicht hinten dran hängen können.

Klub der Freunde.Aber, Eduard, wo kommst du denn her? Du bist ja voller Beulen und Wunden!" Ach, mir hatten eine kleine Sitzung im Klub der Freunde."

Netter Gesangverein. Gast (zum Wirt):3d; denke, . der Gesangverein wird jetzt vortragen: warum blei­ben denn die Herren alle sitzen!" Wirt:Ja, wissen S', singe können se noch, aber nicht mehr stehen!"

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