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Sonntag, 30. Mob er 1932

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 2L«Dfenntg O 45 L-Pfennig (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Diontag. Anzeigen-Preise: Tolonelzetle tw Anzetgenlell 0,15 Goldmart, Tolonelzell» tu» Reklameteil 0.60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ofj.-Geb. 0,10 Goldmark. Porl» «xtr» Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei to Fulda fein

~ Drues und Verlag der Fuldaer Actleudruckeret. Verlagsort Fulda.

Wochenkalender.

Sonnlag. 30. Oktober. 24. Sonntag nach Pfingsten. C h r i st k ö n i g s f e st.

Montag. 31. Okt. Vigil von Allerheiligen. (Vigilfast- tag).

Dienstag, 1. November. Allerheiligen.

Mittwoch, 2. Nov. Allerseelen.

Donnerstag, 3. Nov. Von der Allerheiligenoktav.

Freitag, 4. Nov. Karl Borromäus, Bischof, Bek. H e r z- Jesu-Freitag.

Samstag, 5. Nov. Kirchweihfest.

24. Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Römer 13, 810.

Evangelium. Matthäus 8, 2327. Der Sturm auf dem See.

In jener Zeit stieg Jesus in ein Boot, und seine Jün­ger folgten ihm. Und siehe, ein gewaltiger Sturm er­hob sich auf dem See, so daß das Boot von den Wogen überflutet wurde. Er aber schlief. Da traten seine Jün­ger zu ihm und weckten ihn und riefen:Herr, rette uns, wir gehen zugrunde!". Jesus aber sprach zu ihnen:Was seid ihr so furchtsam, ihr Schwachgläubigen!" Dann stand er auf, gebot dem Wind und dem See, und es ward tiefe Stille. Da staunten die Leute und sagten: Wer ist doch dieser! Selbst Wind und See gehorchen ihm!"

ThrM âömgrum.

Zum Christkönig-Sonntag.

scheint es nicht seltsam: Christus hat geschwiegen, als das Volk ihm huldigend dasHosanna!" sang. Er hat sich verborgen, als es ihn mit Ge­walt zum König krönen wollte. Aber in der Stunde tiefster Erniedrigung, als dieses selbe Volk das Kreuz für ihn bereitet, als er von aller Macht entblößt dasteht, von den Jüngern verlassen, ohnmächtig der Willkür eines heidnischen Richters preisgegeben, da nimmt er feierlich die Königswürde für sich in Anspruch.

I Ein Bild voll starker innerer Wucht: Christus vor Vilatus! Eine Welt liegt zwischen beiden zwischen dem amtlichen Vertreter der gewaltigsten Erdenmacht, dem blasierten Sohn einer übersät­tigten, von Skepsis erfüllten Zeit, und dem schlich­ten Lehrer Israels, der da in Fesseln vor ihm steht, erniedrigt durch Mißhandlungen, von den Führern des eigenen Volkes verfemt und auf den Tod verklagt, umtobt von einer wilderregten Menge, deren Schrei nach dem Kreuze über ihn hinwegbrandet. Fast unwirklich klingt da die Frage, die vom Richter zum Angeklagten geht: Bist du ein König?"

Aber bei dieser Frage hebt sich das Auge des gefesselten Mannes vor Pilatus. Sein Blick geht groß, wissend an dem Römer vorbei, als tauche

er in unergründliche Fernen, in kommende Jahr­hunderte, Jahrtausende hinein. Und er schaut . . .

Er sieht, wie Tausende und Abertausende von Menschen, jeden Alters und Geschlechtes und Stan­des, schweigend Folterqualen erdulden, bereitwil­lig ihr Haupt vor dem Henkersschwerte beugen, furchtlos den Bestien der Arena entgegenschreiten, ohne Zittern den Scheiterhaufen besteigen mit seinem Ramen auf den Lippen. Er sieht, wie durch die Länder und über die Meere der Erde, durch die Wildnisse und Einöden, durch Kälte und Son­nenbrand Sendboten wandern, endlose Mühen, Enttäuschungen, Gefahren und Verfolgungen er­tragen mit seiner Botschaft in Munde. Er sieht, wie ungezählte Menschen in heldenhaftem Kampfe mit sich selbst ringen, mit den dunklen Gewalten in der eigenen Seele, mit Begierde und Leiden­schaft, wie sie ringen um Reinheit, um Tugend, um Eotteskindfchaft mit seinem Bilde vor Au­gen. Er sieht, wie überall bis an die fernsten En­den der Erde sich Tempel erheben, die sein Zeichen tragen; sieht Heere zu heiligem Kampfe ziehen, die seinen Fahnen folgen; sieht Völker und Fürsten sich in den Staub neigen vor Altären, auf denen sein Gedächtnis gefeiert wird. Er sieht, wie Jahr­hundert um Jahrhundert seine irdischen Statthal­ter dem lauschenden Erdkreis seine Lehre und sein Gesetz in stets gleicher Reinheit und Hoheit ver­künden, sieht, wie im 20. Jahrhundert nach seinem Tode der elfte Pius der Welt feierlich sein König­tum proklamiert, und wie in einer Zeit tiefster Zerrissenheit, hemmungsloser Leidenschaften, aus­schweifender Sittenlosigkeit und organisierten Got­teshasses eine gläubige Jugend durch die Straßen der Großstädte zieht mit dem sieghaften Lied auf den Lippen:Christus, Herr der neuen Zeit!" Ein gewaltiges, zeit- und weltumspannendes Schauen!---

Und die Gestalt des stillen, ganz in Schmach und Niedrigkeit getauchten Mannes vor dem Tri­bunal des Landpflegers richtet sich auf zu hoheits­voller Majestät. In leeres Nichts versinkt vor ihm der stolze Römer und seine armselige Macht, in leeres Nichts versinken die haßerfüllten Führer Israels und das verblendete Volk, das nach feinem Blute ruft. Und aus göttlichen Tiefen heraus klingt machtvoll, bezwingend die Antwort:3a, ich bin ein König?" Und dann fügt Jesus noch ein Wort hinzu, mit dem er das Geheimnis seines König­tums offenbart:Mein Reich ist nicht von dieser Welt."

Nicht von dieser Welt! Darum wählt der Herr die Stunde äußerer Erniedrigung und Machtlosigkeit zur Verkündigung seines König­tums. Wurzel und Ziel dieses Königtums liegen jenseits aller irdischen Macht und Größe. Nicht von dieser Welt, aber doch in dieser Welt! Die gesamte Schöpfung ist Ehristi Reich. Paulus, der

große Reichsherold Christi, kündet es: Christus ist gesetztüber jede Herrschaft und Gewalt und Macht und über jede Hoheit und Würde nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und alles hat er ihm zu Füßen gelegt." (Eph. 20, 21 f.) Dieses Königtum Christi wird im allgemei­nen zu wenig von uns beachtet. Wir stellen uns den Herrn meistens nur als den milden Heiland vor, als den Mann der Schmerzen, den Freund der Sünder, den Gnadenspender. An die alles be­herrschende Majestät des Herrschers Christus den­ken wir weniger. Aber heute, da Christi heilige Person so allgemein angefeindet und gelästert wird, ist es von großer Bedeutung, daß wir in ihin besonders auch den Herrn und König schauen und bekennen. Es sammt nicht von ungefähr, daß sein irdischer Stellvertreter gerade in der jetzigen Zeit das Fest Christi des Königs eingesetzt hat.

Das Königtum Christi ist nicht nur eine Würde, sondern ein Amt, das dem Gottmenschen seinem Wesen nach zukommt.Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben". Wahrheitskündung ist das Amt des Lehrers; Vermittlung aber, oberste Leitung ist Amt des Königs. Niemand kann Chri­stus dieses Königsamt nehmen. Unwiderruflich, aus der Fülle göttlicher Machtvollkommenheit ist es ihm für alle Zeiten verliehen. Ob wir ihn an­erkennen oder nicht: Christus bleibt der König. Aber ob wir ihn aus freiem Willen anerkennen oder nicht, das entscheidet unser eigenes Geschick für die Ewigkeit. Königsvasallen oder Rebellen ein Drittes gibt es nicht! Dieses Entweder oder ist das tiefste Thema der Weltgeschichte, ist auch der Angelpunkt im Leben jedes einzelnen Christen. Nie aber ist der Menschheit dieses Ent­weder oder mit so unerbittlicher Schärfe vor Augen gestellt worden wie unserer Generation. Denn nie hat die große Sünde des Menschengei­stes, die Selbstherrlichkeit, das Vergessen der Ge- schöpflichkeit und absoluten Abhängigkeit von ei­nem höchsten Herrn, so konkrete Form gefunden wie heute» im Bolschewismus und heidnischen Na­tionalismus. Gigant'sch ist dieser Kampf, der um Christi Königsherrschaft tobt. Ein Kampf, bei dem niemand von uns bloßer Zuschauer bleiben kann. Das Hoheitsgebiet Christi kennt keine neu­tralen Bezirke, in die man sich zurückziehen könnte. Auf allen Gebieten hat der Herr Königsrechte. Auch in Kunst und Literatur: auch im Geschäfts­leben, im gesellschaftlichen Leben, im politischen Leben. Alles muß Christus dienen, all unser freies Tun muß irgendwie auf ihn bezogen sein und im Einklang mit seinen Gesetzen stehen. All unser Denken, Wollen, Handeln muß zuletzt ausklingen in dem Worte, mit dem die Kirche immer ihre Ge­bets beschließt:Durch Christus, unfern Herrn!"

Auch heute noch steht Christus vor Pilatus, der Gottmensch vor dem Richterstuhle einer gottent-