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Seite 8 / Kummer 42.

Gilden, die alle wirtschaftlichen und politischen Fragen streng ausschließen, um sich gant den Be­langen christlicher Karitas auf medizinischen und fürsorgerischen Gebieten zu widmen.

Darum, katholische Kollegen und Kolleginnen, schließt euch ohne Ausnahme zusammen in einer St. Lukasgilde, die dann nach kurzer Zeit zur ge­meinsamen Aktion sich zusammenfindet. Hoffent­lich bringt bereits das Patronatsfest am 18. Okto­ber eine stattliche Schar von Gründungsmitglie­dern. Unser die Tat — die Zukunft aber Gottes!

Dr. F a l b e s a n e r, Kreistommunalarzt, Saarlouis.

(Zustimmungserklärung freuâ. erbeten.)

Ehristuskretse.

Christus in der Mitte, im „Kreis" um ihn d i e I u- gend: heutige Jugend, die mit liebenswerter Dringlich­keit zur Erkenntnis ihrer selbst, ihrer Ausgabe strebt und dazu des Vorbildes bedarf. Soll diese Jugend den Gott­menschen so erleben, daß er ihr zum Meister, Helfer, Füh­rer im Alltagskampf — nicht allein zum Elöser in der religiösen Sphäre — wird, dann muß sie Christus von Grund auf kennen und schauen lernen.

Ein neuerschienenes Buch von Pater Martin Manu- wald ) ist durch die Erfassung und Bewältigung dieser Aufgabe wichtig. Nach einer thematischen Einführung gibt es in fünf umfänglichen Hauptkapiteln:

Szenische Christuskreise / Gestalten-Christuskreise / Thematische Christuskreise / Wege zur Gestaltung des Christusbildes / Letztes Hochziel ein wahrhaft lebendiges Bild vom menschlichen und göttlichen Christus. ' Seine Lebensgeschichte, seine Wesensart werden da der Jugend in einer vollkommen neuen — ihrem Lebensstadium ganz gemäßen Form geschildert.

Das Leben Christi: Pater Manuwald zeigt daraus eine Reihe Szenen, malt sie wie ein Miniaturist bis ins letzte einzelne, so daß dem Lesenden die Begebnisse leib­haftig werden. Die Auswahl dieser Szenen ist so sinnvoll, daß sie zusammen die Person Christi ausdrücken. Christus und die Menschen: Personen des Evangeliums werden in ihren Verhältnissen zu Christus gezeigt. Hier treten — als Griff in des Lesers eigene Welt — Erlebnisberichte aus der Gegenwart dazwischen; sie stehen im inneren Konnex mit dem biblischen Geschehen, sind Beispiele ver­wirklichter Christusnachfolge in unserer Zeit.

Nachdem nun Christi Leben und sein Wirken zum Menschen hin deutlich und auch in ihrem Sinn gezeigt wurden, ist Naum gegeben für den Hauptinhalt des Bu­ches, der dem starken Wunsch der Jugend gilt: Christus als Führer durch diese Zeit. Wiederum reichen dabei gedankliche, klare Ueberlegung oder Betrachtung und be­zeugendes Erlebnis einander die Hand. Menschenschwäche und -verrat dem Göttlichen gegenüber, aber auch die Macht Christi über die Seelen — Manuwald durchdenkt das bis auf den Grund, und er läßt Judas und Petrus, läßt moderne Menschen als sinnfällige Beweise auf­treten.

Dann steigert und sammelt sich das Ganze in den Worten über das Leben, die Selbstgestaltung schon des jungen Menschen in Christi Geist. Wie leicht könnte ge­rade ein solcher „Aufruf" ins Rhetorisch-Pädagogische oder Mystisch-Aszetische abgleite» — mit beiden weiß Ju­gend nichts anzufangen! Minuwald besteht die Feuer­probe, er führt zwischendurch, lehrt die Jugend Ja sagen zum Leben, sich sammeln um Christus und Ankergründ' finden in ihm.

So wie dieses Buch aus der praktischen Seelsorge er­wachsen ist wird es auch in ihrem Dienst am stärksten wirken. Man gebe es der 14—24jährigen Jugend aller Stände, gebe es künftigen Priestern!

*) Martin Manuwald S. I., Christuskreise. Der Jugend und ihren Führern. Zweite, neugefaßte Auf­lage. 8° (VIII u. 186 S.) Freiburg im Breisgau 1932, Herder. 2.80 Mk.; kartoniert 3.30 Mk.^ in Leinwand 4 Mk.

Der erchsrsiische tieniM der llmdl- umrschen Kalhol ken in Kopenhagen.

(ls. bis 21. August 1932.)

Von P. Amand Breitung S. I.

Da der erste eucharistische Kongreß der skandinavischen Katholiken durch seinen ganzen Verlauf ein herrliches Zeugnis ablegte von der sieghaften Kraft unseres Heiligen katholischen Glaubens, den auf die Dauer keine Gewalt der Erde niederzuhalten vermag, durste ein alter Fuldaer der gerade sein 83. Lebensjahr antrat und also seine Landsleute wohl kannte, bei den Lesern des Bonifatius- boten schon ein reges Interesse voraussetzen an diesem unvermuteten Heroortreten des im Norden so lange ge­ächteten Katholizismus. Ich ging also daran, einen klei­nen Bericht für den Boten unseres hl. Bonifatius zu schreiben. Aber als ich — langsam kme ein alter Mann — meine Mitteilungen eben abschließen will, kommt mir

mein Neber Vonifatiusbote schon mit einem fertigen Be­richt entgegen (Sonntag, 11. Sept.). Es bleibt mir da nur das eine übrig, einige wenige Kleinigkeiten nachzu­tragen, die uns zugleich den hochverehrten, nunmehr in Gott ruhenden Präfekten der Propaganda, Kardinal Wil­helm van Rossum, bis in die letzten Tage vor seinem seligen Tode begleiten lassen werden

Versetzen wir uns also zuerst im Geiste um 400 Jahre zurück! Was geht da in der obengenannten dänischen Hauptstadt vor sich? Am dritten Weihnachtstag 1530 stürmt ein lutherischer Fanatiker, Ambrosius Bogbrinder, an der Spitze einer wild aufgereizten Menge von Bür­gern und niederem Volk in die altehrwürdige Liebfrauen­kirche (heutzutage „Fruekirke"); die Rasenden zerschlagen Heiligenbilder, Monstranzen, Kelche und reißen die 16 Altäre des großen Gotteshauses nieder — ein grauenvol­les Bild des damaligen trostlosen Zustandes der Kirche in den nordischen Ländern! — Und heute? Der Apostolische Vikar von Dänemark, Bischof Joseph Brems, lädt die Katholiken der vier nordischen Länder zur feierlichen Be­kundung ihres katholischen Glaubens an das hh. Sakra­ment ein, und eine Festprozession von 7000 singenden und laut betenden Katholiken, geführt von einem langen Zuge Priester im weißen Chorrock, diese gefolgt von einer Reihe von Prälaten und Bischöfen mit Stab und Mitra und zwei purpurgekleideten Kardinälen, trägt das Hei­ligste Sakrament im Triumph durch die Straßen dersel­ben Hauptstadt des seit 4 Jahrhunderten protestantischen Landes; die Nachkommen aber jener Kirchenstürmer von 1530 sieht man teils im Festzuge selbst andächtig einher­schreiten, teils zu beiden Seiten dieser herrlichen Fron­leichnamsprozession in würdiger Haltung fast 2 Stunden lang ruhig Spalier bilden. Ohne Zweifel ein anschauli­ches Bild des Umschwunges, der sich in dem einst so katho­likenfeindlichen Norden zugunsten unserer heiligen Kirche vollzogen hat! Selbst wenn wir davon absehen könnten, daß Gläubige wie Hirten den König des Landes mit freu­digem Huldigungstelegramm begrüßen dursten, und der edle Fürst selbst unsere Kirchenfllrsten huldvoll zur Audienz eingeladen und empfangen hat.

Da nun der ganze Kongreß der Verehrung des aller­heiligsten Sakramentes galt, sollte auch schon Donners­tag, den 18. August, 9 Uhr abends eine festliche Sakra­mentsandacht in St. Ansgar, der katholischen Hauptkirche Kopenhagens, als würdige Vorfeier denselben einleiten. Als daher zur festgesetzten Stunde die in den zwei letz­ten Tagen vom fernen Süden wie vom hohen Norden hier eingetroffenen Prälaten, Bischöfe und Kardinäle in feierlicher Prozession ihren Einzug hielten, hatten schon viele Hunderte von Gläubigen das geräumige Gottes­haus bis auf den letzten Platz gefüllt. In einer kurzen, zündenden Ansprache forderte nun unser eigener Aposto­lischer Vikar, Bischof Joseph Brems, alle auf, durch eifrige Begehung der drei Kongreßlage die Gnaden des Himmels in reichem Maße auf alle Teilnehmer herabzu­ziehen zu dauernder Frucht für die Seelen. Nach dem sich anschließenden „0 sakrum convisium" und „Tantum ergo" erteilte der vom nördlichsten der skandinaoi chen Lander gekommene Bischof, der Apostolische Vikar von Island, Monseigneur Meulenberg (unser Landsmann!) den sakramentalen Segen, worauf das zahlreich versam­melte Volk mit dem begeisterten Sakramentslied „Hj- tidsdag i Kristi Kirke", diese eindrucksvolle Vorfeier ab­schloß.

*

Den ersten der drei Tage eröffnete eine Feier in der Herz-Jesu-Kirche der Stenosgade, benannt nach dem berühmten Anatomen, Konvertiten und Bischof Niko­laus Steno (hieß eigentlich als Däne Stensen). Etwa 800 festlich geschmückte Kinder füllten das herrliche Got­teshaus. Die Festpredigt behandelte das Wort der Liebe: „Lasset die Kleinen zu mir kommen!" und ermahnte die Kinder, oft den Heiland im Tabernakel zu besuchen. Er­greifend war es, den hohen Celebranten, den hochbetag­ten Kardinal van Rossum, assistiert von mehreren Prie­stern, sovielen Kleinen die hl. Kommunion austeilen zu sehen. Auch als nach bem Gottesdienst diese Hunderte von vergnügten Kindern mit Schokolade bewirtet wurden, wollte Se. Eminenz die Freude der Kleinen durch seinen Besuch erhöhen. Ob er wohl ahnte, daß es einer der letzten Sonnenblicke war, bevor nach ein paar Tagen seinem brechenden Auge der matte Glanz der Sterbekerze leuchten sollte?

Am Abend, um 18.30 Uhr, hielten in der Anbetungs­kirche der Apostolische Vikar von Schweden, Bischof Müller, ebenfalls unser Landsmann, den Segen, und ein dänischer Prämonstratenser die Predigt über das Kö­nigtum Christi. Hochinteressant war es gewesen, als schon am Nachmittag P. Koch, S. I., den Nachweis lie­ferte, wie zu den zwei einzigen Tabernakeln, die vor etwa 150 Jahren hier im Lande überhaupt ge­duldet waren (in Kopenhagen und in Fredericia), nach endlich (1849) erfolgter Erklärung der Religionsfreiheit nach und nach 6 7 andere kamen, und so das heilige Sakrament unaufhaltsam "wieder von Dänemark Besitz nimmt, wo es im katholischen Mittelalter in 2 5 0 0 Tabernakeln gethront hat. 21 Uhr, abends, end­lich kam jene Festoersammlung, welche die Staatsradio- phonie weltweit hintragen sollte. Zu den Klängen einer Festpolonaise hielt die lange Reihe der Prälaten und Bischöfe ihren Einzug in den Saal, und nun erscholl, von 300 Menschen gesungen, das eigens für diesen Abend gedichtete Lied: „Jesus in Deinem Sakrament." Jetzt erhob sich unser eigener Oberhirte, um zuerst die Blicke aller nach Rom zu richten, wo der Vater der Chri­stenheit schon 1925 die 400 skandinavischen Rompilger so

huldvoll ausgenommen Habs. Und nun redete er t französischer Sprache Se. Heiligkeit selbst an und bc um den Apostolischen Segen für Dänemark und alle di skandlnavischen Länder, auf daß hier das katholisch Glaubensleben wieder frisch erblühen möge. Nun zi den Tausenden gewandt, forderte er alle auf zu einen neunmaligen Hoch auf Se. Heiligkeit Papst Pius XI Als das neunfache Hurra! (das dänische Hoch) begeister nach Rom hin erklungen (Radio!), erscholl von den ver einten Kirchenchören Hallers klangvolles „Tu es Pe trus", das großen Eindruck machte. Ein zweites neun i maliges Hurra verkündete nun dem ganzen Lande bb Xreue der Katholiken zu ihrem geliebten König Kri ftian X., worauf die gewaltige Versammlung stehen! fang ctro^e des beliebten Volksliedes „Kong Kristian' n

■Run folgte auf Französisch der Reihe nach die Be grußung aller zum Kongreß erschienenen Prälaten, samt i lieber Bischöfe und der beiden Kardinäle. Auf dänisch) wurden begrüßt die Ordensobern der in Skandinavier arbeitenden Genossenschaften. Einen besonders herzlicher Gruß erhielten in deutscher Sprache die deutschen Glau bensbrüder, deren Bischöfe schon seit etwa 150 Jahren dem skandinavischen Norden so viele seeleneifrige Prie­ster zu Hilfe geschickt hätten, aber wegen ihrer jährlich zu dieser Zeit am Grabe des hl. Bonifatius in Fulda statfindenden Versammlung am Besuche des nord, euchar. >r Kongresses sich nicht hätten beteiligen können. Auf flä­misch endlich begrüßte der Hochwürdigste Herr seine Landsleute und Sprachgenossen aus Holland und Bel­gien und schloß dann auf dänisch mit dem Dank an seine eigene Herde für die so eifrige Teilnahme an dem eucha- 4 ristischen Kongresse, die auf alle Gottes reichsten Segen herabrufen möge.

Nachdem zum Abschlusse der bischöslichen Begrüßungs- , rede der Chor das freudige „Jubilate Deo" gesungen hatte, bestieg unter großem Beifall der hochbetagte Kar­dinal van Rossum die Rednerbühne, um uns zu ver­sichern, wie sehr der Papst, der, als Christi Stellver­treter und Nachfolger Petri, alle Völker in seinem Her­zen trage, die skandinavischen Völker liebe. Derselbe freue sich außerordentlich über diesen Kongreß, der un­sern Glauben, unsere Andacht zum hl. Sakrament und. unsere Ergebenheit für die hl. Kirche und die Sache Got-i tes bekunde und sende seinen Apostolischen Segen, den ich allen Teilnehmern am Kongresse in seinem Namen erteilen soll.

Dieser Gruß, vom Oberhaupt der Christenheit selbst gesandt, machte tiefen Eindruck. In langer Reihe folgten nun die Grüße, welche die fremden Kirchenfüstren ihrer­seits, jeder von seiner Herde, in der Sprache ihres Lan­des dem Kongresse überbrachten. Hier erklangen, wirk- lich in echt katholischer Brüderlichkeit, nacheinander p ol- nisch, deutsch, französisch, italienisch, tschechisch, dänisch, schwedisch, norwegisch,! f i n n l ä n d i s ch. Der indische Bischof aber von der ■ Malabarküste, Mons. Chulaparambil schloß seine auf englisch gehaltene Rede mit dem Wunsche, der Herr möge - das Land wieder katholisch machen, wie es gewesen, - und es möge Friede und Einigkeit in der ganzen Welt herrschen: „Pax Christi in regno Christi!"

Als würdger Schluß erklang jetzt, von Tausenden gesungen, das herrliche Lied: „F e st s o l l m e i n T a u f- bund ewig st e h n l", worauf alle Kardinäle, Bi- schüfe, Prälaten, wie Gläubige — einstimmig das Credo fangen und nun, gemeinschaftlich niederkniend, von dec Hand des Kardinals van Rossum den päpstlichen Segen empfingen.

Wie aber hier bei der festlichen Begrüßung der greise Kardinal van Rossum bei seinem ersten Auftreten vor i der großen Festversammiung mit lautem Beifall begrüßt wurde, so hatte schon am Abend vorher, als er, von unserem Hochwürdigsten Herrn begleitet, im Automobil vor der bischöflichen Wohnung ankam, bei den Hunderten, die seiner harrten, sein Erscheinen einen stürmischen Jubel ausgelöst. Es war dies das unwillkürliche Hervorbre­chen des tiefgefühlten Dankes für das wirksame Interesse, das Se. Eminenz schon 1923 gerade unsern nordischen Missionen dadurch erwiesen hatte, daß er in allen diesen bis in das ferne Island hinauf die Notlage der wenigen , unter lauter Andersgläubigen versprengten Katholiken mit eigenen Augen hat ansehen wollen, was ja dem schon Hochbetagten schwere Opfer kosten mußte.

Man wird daher auch die Rührung begreifen, mit der alle bei der großen Sakramentsprozession am letzten Kongreßtage den ehrwürdigen Greis mit so großer An­dacht das Allerheiligste tragen sahen. Zu wiederholten Malen, wenn die Prozession einen kurzen Halt machte, konnte er die Monstranz auf einen Betschemel stützen, was dem Ermatteten einige Augenblicke der notwendig- - sten Ruhe gewährte.

Und trotzdem trieb den schwachen Priestergreis schon am nächsten Tag, wo ihn hier bei der Audienz eine ■ königliche Ehrung erwartet hätte, der rastlose Seelen­eifer in die Ferne, um in Holland noch einen letzten i Missionsbischof zu weihen. Nach der anstrengenden Weihehandlung mußte er sich vor der geplanten Rück­reise nach Rom noch einen letzten Tag stiller Ruhe bei seinen Ordensbrüdern im Redemptoristenkloster zu Wit- - ten bei Aachen gönnen. Aber schon am Abend rief ihn i Gottes Wille durch bedrohliche Verschlimmerung seiner Krankheit in das Krankenhaus „Kalvarienberg" in ' Maastricht, und hier erwartete ihn bereits in der Frühe: des nächsten Morgens der Tod, bei dem. wie wir alle mit Grund hoffen, der Ruf des Herrn an ihn gar gnä- - big erging: „Wohlan, du guter und getreuer Knecht, gehe ein in diè Freude deines Herrn!" R. I..P.