Sonntag. 16. Moder 1932.
Nr. 42
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 2L-Pfennlg B 45 1L- Pfennig (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzetgea-Pretse: Eolonelzetl, ün Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Lolonelzeü» tm Reklainetell 0.60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und OR.»®eb. 0.10 Goldmark. Porl» extra Anzeigen mllssep ' 'Hea» bis Montag morgen» im Besitz der Fuldaer Aettendruckeret in Fulda sein
-I — 1 ant Bering Der Fuldaer AcNeadructereU Berlageorf Fulda. —»
Wochenkalender.
Sonnlag, 16. Oktober. 22. Sonntag nach Pfingsten. Lullus, Bisch., Bek. Hedwig, Witwe.
Montag, 17. Okt. Margareta M. Alacoque, Jgfr.
Dienstag, 18. Okt. Lucas, Evangelist.
Mittwoch, 19. Okt. Petrus von Alcantara, Bek.
Donnerstag 20. Okt.. Johannes von Kenti, Bet. Wendelinus, Abt.
Freitag, 21. Okt. Hilarion, Abt. Ursula und Gef., Jgfr. Samstag, 22. Okt. Mariensamstag.
22. Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Philipper 1, 6—11.
Evangelium. Matthäus 22, 15—21. Die Steuerfrage.
In jener Zeit gingen die Pharisäer hin und faßten den Plan, Jesus in einem Ausspruche zu fangen. Sie schickten also ihre Schüler mit den Herodianern zu ihm und ließen ihm sagen: „Meister, wir wissen, du bist wahrhaft und lehrst den Weg Gottes der Wahrheit gemäß, ohne nach jemand zu fragen; denn du siehst nicht aus die Person des Menschen. So sage uns denn, was meinst du: ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen oder nicht?" Jesus durchschaute ihre Arglist und entgegnete: „Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich? Zeigt mir die Steuermünze!" Sie reichten ihm einen Denar. Jesus fragte: „Wessen ist das Bild und die Aufschrift?" Sie antworteten ihm: „Des Kaisers." Da sprach er zu ihnen: „Gebt also dem Kaiser, was dem Kaiser gebührt, und Gott, was Gott gebührt!"
Ein lebendiger Gotteslempel.
ls ich vor einiger Zeit das Innere einer nichtkatholischen Kirche sehen wollte, zu meinem Bedauern aber die Türe verschlossen fand, sagte ein Bürger, der eben vorüberging, zu
mir: da brauchen Sie nicht hineingehen, die Mühe können Sie sich sparen: es ist doch nichts darin! — ■ Kann man auch über eine katholische Kirche ein so wegwersendes Urteil abgeben? O nein. Denn da ist etwas darin. Ganz zu schweigen vom Altar, vom Beichtstuhl, von den Bildern: der Heiland selbst ist dort zugegen, der König des irdischen und himmlischen- Jerusalem, der im Tabernakel wohnt, in Brotsqestalt verhüllt.
Ich weiß noch ein anderes Gebäude, das an Würde dem steinernen Gotteshaus nicht nachsteht: ein Gebäude, nicht aus Holz oder Steinen erbaut, sondern aus Fleisch und Bein zusammengesetzt, unser Leib.
Daß dieses Gebäude nicht von Menschen, sondern von Gott aufgerichtet ist, das hat mit g-roßer Zartheit und Wahrheit die Makkabäische Mutter ihren Söhnen auseinandergesetzt, als sie zu ihnen sprach: „Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Schoß geworden seid: denn nicht ich habe euch Geist und Seele und Leben gegeben und nicht ich selbst habe Glied an Glied zusammengeiügt, sondern ber Schöpfer der Welt, der den Menschen in seiner
Erzeugung bildet. Und dieser Urheber aller Dinge wird euch Geist und Leben nach seiner Barmherzigkeit wiedergeben."
Gewiß, unser Leib wird vergehen und verfaulen. Doch wird er nach Umfluß der Zeit wieder neu aufgestellt und aufgebaut werden. Das hat diese tapfere Makkabäermutter deutlich genug gesagt. Der Heiland aber hat diese Wahrheit bereits in die Praxis umgesetzt durch die Auferweckung des Lazarus. Das Vorspiel dieses denkwürdigen Wunders haben wir schon in letzter Lesung vernommen. Lassen wir uns nun heute durch unsern Gewährsmann Johannes die eigentliche Totenerweckuna ausführlich berichten:
Bei keiner Ankunft fand Dèfus den Lazarus bereits 4 Tage im Grabe liegen. Bethanien lag nahe bei Jerusalem, nur etwa 15 Stadien davon entfernt. So waren denn viele Juden zu Marina und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. Sobald Martha von Jesu Ankunst hörte, eilte sie ihm entgegen; Maria aber blieb im Hause. Herr, sagte Martha zu Jesus, wärest du hier gewesen. mein Bruder wäre nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich, daß Gott dir alles gewährt, um was du ihn bittest. Jesus sagte zu ihr: dein Bruder wird aufcrstehen. Ich weiß es, erwiderte ihm Martha, daß er auferstehen wird bei der Auferstehung am jüngsten Tage. Jesus sprach zu ihr: ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; und wer im Glauben an mich lebt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du bas9 Ja, Herr, antwortete sie ihm, ich glaube, daß du Christus ^-«v. ber Sohn des lebendigen Gottes, der in die W .mmen soll. Darnach ging sie fort, rief ihre Schwester Maria und sagte leise zu ihr der Meister ist da und ruft dich. Kaum hatte jene das gehört, da erhob sie sich rasch und eiste zu ihm. Denn Jesus war noch nicht in den Flecken gekommen, sondern befand sich noch an dem Orte, wo Martha n,.d begegnet war. Die Juden, die bei ihr im Hause waren, um sie zu trösten, sahen, wie Maria eilends aufstand und wegging. In der Meinung, sie gehe zum Grabe, um dort zu weinen, folgten sie ihr. Sobald Maria an den Ort kam, wo Jesus war und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen mit den Worten: Herr, wärest du hier gewesen, so wäre mein Bruder nicht gestorben. Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden, die mit ihr gekommen waren, weinten wurde er tief ergriffen und erschüttert. Er fragte: wohin habt ihr ihn gelegt? Herr, komm und sieh, antworteten sie ihm. Jesus brach in Tränen aus. Da sagten die Juden: siehe, wie lieb er ihn hatte! Einige aber meinten: hätte der, der dem Blinden die Augen öffnete, nicht verhindern können, daß dieser hier starb? Aufs neue tmf ergriffen, ging Jesus zum Grabe. Da war eine
Gruft, auf der ein Stein lag. Martha, die Schw^ ster des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht schon, denn er liegt schon vier Tage. Jesus erwiderte ihr: habe ich dir nicht gesagt, daß du die Herrlichkeit Gottes sehen werdest, wenn du glaubst? Nun hoben sie den Stein weg. Jesus erhob seine Augen und betete: Vater, ich danke dir, daß du mich erhört hast. Ich wußte zwar, daß du mich jederzeit erhörst, aber wegen des umstehenden Volkes habe ich es gesagt, damit es glaube, daß du mich gesandt hast. Nach diesen Worten rief er mit lauter Stimme:
„Lazarus, komm hervor!"
Der Tote kam hervor, Hände und Füße mit Bin« den umwickelt, das Antlitz mit einem Schweißtuch bedeckt. Jesus gebot ihnen: macht ihn frei und laßt ihn gehen. (Joh. 11, 17—45).
Auch uns allen blüht das Schicksal des Lazarus. Wir werden sterben und auferstehen. Erstrahlt nicht im Lichte dieser Wahrheit unser armer Körper? Gottes Eigentum ist und bleibt er. Das dürfen wir nie vergessen. Deswegen ist es unsere hl. Pflicht, die Leiblichkeit, den Körper und seine Glieder, Kräfte, Anlagen und Triebe nach Gottes Forderungen zu gebrauchen. Gewiß dürfen wir das leibliche nicht überschätzen. Soll ja der Leib nicht der Herrscher, sondern der Diener sein, ein williges Organ, ein schmiegsames Werkzeug der Seele. Unmäßigkeit im Essen oder Trinken, Unkeuschheit, Müßiggang, Ueberanstrengung, Sportwut, Schönheitskult sind Sünden gegen den Leib. Wir dürfen das leibliche auch nicht unterschätzen und sollen deshalb auf die Gesundheit, Kräftigung und Erholung die gebührende Rücksicht nehmen. Welche Ehrfurcht und Behandlung dem toten Leibe zukommt, lehrt uns S. Augustin in folgender Unterweisung: Die Leiber der Verstorbenen darf man nicht entehren oder wegwerfen. Am allerwenigsten die Leiber der Gerechten, deren der hl. Geist zu so manchen guten Werken sich bedient hat. Wenn wir nämlich des Vaters Kleid oder R ng ehren und umsomehr ehren, je lieber uns der Vater war, so müssen wir umsomehr die Leiber ehren, die viel inniger mit uns verbunden sind als ein Kleid. —
So wollen wir unsern Leib, der zur Auferstehung und Verklärung bestimmt ist, als einen „lebendigen Gottestempel" betrachten und achten.
Der Talpfarrer.
Gott urd toset — Arche und Stoßt
I Zum 22. Sonntag nach Pfingsten.
Das Wort, mit dem Christus im heutigen Evangelium die hinterlistige Frage der Pharisäer beantwortet, ist richtunggebend geworden für die christliche Auffassung des Staates und seines Verhältnisses zur Kirche: „Gebt dem Kaiser, was des