Ratgeber für Landwirtschaft,
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Nr. 21. Ä 42. 3ahrgang. ex o □
Bratisbeigabe zum Bonifatiusboten. □ □ Zulda, den 9. Oktober 1932
DiHchks ist Pitz-Sammler tnö B;-Sffer.
Auf dem Gebiete der Pikkunde herricht vieiiach grosse Unkenntnis. Man muß selbstverständlich vor- fich.ig sein, weil es giftige, das Wohl und Leben des Menschen schädigende Pilze gibt Es grbt aber auch viele eßbare Pilze. die wohl schmecken und richtig zubereitet, keine Gefahr aufkommen lassen. Falsch ist die alte Behauptung, man könne gütige Pilze beim Kochen erkennen, wenn man eine Zwiebel, etwâs Petersilie, einen silbernen Löffel oder ähnliches beigebe. Wenn die Geaen- stände sich schwarz färben oder blau anlaufen, dann sollen giftige Pilze darunter sein. Diese angeblichen Mittel haben sich bei zahlreichen Versuchen nicht bewährt, sondern bei manchen Pilzarien das Gegenteil erwiesen. Dieses unsinnige Mittel hat daher schon viele Pilzvergiftungen verursacht. Von höchstem Interesse ist es, daß nach jahrelangen Beobachtungen in allen bekanntgewordenen Fällen es nur der Knollenblätterpilz war der Pilzvergiftungen mit tödlichem Ausgange verursachte. Wer nicht fähig ist, sich zu merken, daß der Knollenblätterpilz weiße Blätter, der Champignon dagegen rosa oder bräunlich gefärbte Blätter hat, der lasse einfach das Suchen des Champignons beu ■ feite.
Ungenießbar, demnach zu meiden. sind Grüner Täubling, Gallenröhrling, Dickfußröhrling. Ver- fl^ächtig und deshalb auszuschließen sind: Wilder Milchling, Eiftreicker, Fliegenpilz und Grublicher Milchling.
Giftig sind: Satanspilz, Speitäubling, Büscheler Schwefelkopf und am giftigsten der Knollenblätterpilz.
Wenn also die nötige Vorsicht beim Sammeln und Zubereiten der Pilze nicht außer acht gelassen wird, können Pilzvergiftungen gar nicht vorkommen. Die ersten Symptome einer Pilzvergiftung sind Magenschmerzen, Reißen im Unterleibe, Neigung zum Erbrechen, Ausleerungen nach oben und unten. Später fühlt der Kranke Hiße im Unterleib, heftige Schmerzen und großen Durst. Hier ist ärztliche Hilfe nötig. Bis der Arzt kommt, suche man den Mageninhalt durch Milch, Selterswasser oder kaltes Wasser zu verdünnen, oder noch besser
Erbrechen herbeizuführen.
Niemals sammle man bei Reqenwetter oder sofort nach einem anhaltenden Regen. Tropfnasse und alte Pilze führen häufig leichtere Vergiftungen herbei, die zwar gewöhnlich nach Entleerung des Magens und des Urins bald wieder enden, aber doch unberechtigterweise vom Pilzgenuß aü- halten. Man sammle schön trockene Pilze, die auch leichter zu erkennen sind, lasse ganz junge stehen, weil in diesem jugendlichen Zustand die Merkmale weniger ausgeprägt sind und Verwechslungen vorkommen können. Alte, verdorbene und in Fäulnis übergegangene Pilze, scheiden aus, man soll auch nicht versuchen, aus solchen die besten Teile aus Geiz herauszuschneiden. Die Natur hat den Tisch so reich gedeckt, daß nur das Veste für uns gut genug zu sein braucht. Daß von Maden und Würmern zerfressene Pilze nicht mehr zur menschlichen Nahrung dienen können, ist verständlich. Lieber wenige, gute Pilze oder gar keine, als schlechte, verdorbene. Es kommt häufig vor, daß gerade die besten und wertvollsten Speisepilze von Tieren (Schneisen, Insekten, Vögeln) angefressen sind. Dies hat nichts zu sagen, wenn der Pilz sonst noch gut, hart und jung ist.
Das Abschneiden der Pilze ist nicht zweckmäßig. Das Pilzlager zersetzt sich nämlich dadurch, daß der zurückbleibende Strunk fault, und das Wachstum neuer Pilze wird damit beeinträchtigt. Am besten ist es unbedingt, den ganzen Pilz vorsichtig herauszunehmen.
RosSbefsK, FutzkrankheUen und Lager — Feinde des Getreidebaus
Die Hoffnungen vieler Landwirte auf eine gute Weizenernte wurden in diesem Jahre in weiten Gebieten durch starkes Auftreten von Weizenrost und Fußkrankheiten enttäuscht. Ernteverluste von 8—10 dz Korn je Hektar sind keine Seltenheit; der geerntete Weizen zeigt schlechte Kornqualität. Wie erklären sich nun diese Verluste?
Die R o st pilze zerstören in den befallenen oberirdischen Pflanzenfetten die Leitungsbahnen für Wasser und Nährstoffe, indem sie mit ihren Keimschläuchen in die Pflanzen eindringen und somit eine ordnungsmäßige Ernährung verhindern. Die Entwicklung der Ähren und die Stärkebildung in den Körnern wird dadurch gestört, so daß nur Schmachtkörner geerntet werden. In ausgesprochenen Rostjahren erleidet die deutsche Landwirtschaft Ernteverluste bis in Hunderte von Millionen Mark.
Aus der Tatsache, daß der Rost ckm stärksten Weizen nach Klee oder nach einer anderen Leguminosenart befällt, ist zu schließen, daß das Auftreten des Rostes auf eine Verschiebung des Nährstoffgleichgewichtes durch diese stickstoffsammelnden, aber stark kali- und phosphorsäurezehrenden Vorfrüchte zurückzuführen ist. Hierfür har Prof. Neubauer-Dresden den Beweis erbracht, indem er feststellte-, daß die chemische Zusammensetzung des Strohs eines Weizens, der bis auf die Vorfrucht — Klee bzw. Kartoffeln — vollkommen gleiche Wachstumsbedingungen hatte, je nach der Vorfrucht ganz verschieden war:
Stroh von:
Stickstoff
Kali
Phosphorsäure
Kartoffelweizen
100
200
50 (normal)
Kleeweizen
100
68
21
Die Klee-Vorfrucht hat also das Nährstoffgleich- gewicht wesentlich gestört, so daß dem Kleeweizen zu wenig Kali und auch Phosphorsäure zur Verfügung stand. Dieser Kleeweizen zeigte sich besonders anfällig gegen Rost und brachte dadurch in dem von Prof. Neubauer untersuchten Fall gegenüber dem Kartoffelweizen einen Minderertrag von 14 Doppelzentnern Korn je Hektar.
Dr. Arland vom Institut für Pflanzenbau der Universität in Leipzig konnte feststellen, daß bei falscher Ernährung, insbesondere bei Kalimangel, die Spaltöffnungen in der Oberhaut der Pflanzen größer sind als normal, wodurch das Eindringen dem Keimschläuche des Rostpilzes in das Innere der Pflanze erleichtert wird, während ausreichende Düngung mit Kali und Phosphorsäure die Spaltöffnungen verkleinert, wodurch das Eindringen der Keimschläuche und somit der Rostbefall erschwert wird.
Zur Vermeidung der Fußkrankheiten, welche vor allem Weizen und Roggen, aber auch die Gerste befallen, ist nach Prof. Schaffnit besonders die Vorfrucht von großer Bedeutung. Schlechte Vorfrüchte sind Weizen, Roggen, Gerste, an zweiter Stelle Klee und Schmetterlingsblütler. Gute Vorfrüchte sind Hafer, Flachs, Rübsen und alle Hackfrüchte. Neben einer guten Vorfrucht ist für die Bekämpfung vor allen Dingen eine gründliche Stoppelbearbeitung und eine Kräftigung der Wurzeln durch ausreichende Düngung mit Kali wichtig. So berichtet z. B. Dr. F. Küpper-Bergheim (Landw. Zeitschrift f. d. Rheinprovinz Nr. 31/32.) von Weizenversuchen zur Bekämpfung der Fußkrankheiten, bei denen die reichlich mit Kainit und 40er Kalidüngesalz versorgten Teilstücke gegenüber der unbehandelten und stark erkrankten Fläche einen vollkommen gesunden Stand auf- wieien.
Oft noch großer als üie|e Scyaoigungen und die Verluste, die die Landwirtschaft alljährlich — und auch besonders in diesem Jahr — durch das Lagern des Getreides erlitten hat. Es ist eine altbekannte Tatsache, daß die Kalidüngung, welche durch Kräftigung des Wurzelsystems und Festi- gung und Verstärkung der Halme die Getreide- pflanzen standfester macht, Lagergetreide weit- gehendst verhütet, wodurch nicht nur die Erträge und Qualität der Ernte verbesiert, sondern auch die Erntearbeiten erleichtert und die hohen Kosten für das Handmähen des Getreides vermieden werden.
Getreiderost, Fußkrankheiten und Lager konnten sich in diesem Jahr nicht zuletzt deswegen so schädigend ausbreiten, weil der Boden infolge der Einschränkung im Kaliverbrauch an diesem Nährstoff verarmt war. Das Risiko ist daher bei allen Wintersaaten, die in diesem Jahr ohne Kali angebaut werden, besonders groß. Eine Kaligabe von 2—3 Doppelzentnern 40er Kalidüngesalz je Hektar oder auf sandigen Böden entsprechende Mengen Kainit dürfte, wenn auch der Phosphorsäurebedarf gedeckt wird, zur Sicherung der Wintersaaten genügen.
Aenderungen in der Znnaliden- und An- gesieUen-Versicherung durch die Solver- ordnung vom 8. Sezemder 1831.
II.
Ganz ähnlich ist jetzt die Wartezeit in der Angestelltenoersicherung geregelt. Die gewöhnliche Wartezeit für männliche und weibliche Versicherte ist wie bisher sechzig Beitragsmonate, also fünf Jahre unterder Voraussetzung, d aß für jeden Monat ein Beitrag geleistet worden ist oder wenigstens eine gesetzlich gültige Ersatztatsache aufgewiesen werden kann. Sind weniger als sechzig Beitragsmonate auf Grund der Versicherungspslicht nachgewiesen, ‘o beträgt d i e Wartezei t einhundertzwanzig Beitragsmonate. Das sind zehn Jahre wie bei der Invalidenversicherung. Bei dem Altersruhegeld beträgt die Wartezeit einhundertachtzig Beitragsmonate, das sind fünfzehn Jahre wie bei der Altersinvalidersnte. Altersruhegeld wird dann gewährt, wenn ein Versicherter 65 Jahre alt geworden ist, ohne berufsunfähig im Sinne des Angestelltenversicherungsgesetzes (zu mehr als 50 Prozent erwerbsbeschränkt) zu fein.
2. Eine weitere Aenderung betrifft den Beginn des Rentenbezuges. Bisher wurde die Invalidenrente und das Ruhegeld der Angestelltenversicherung bezahlt vom Tag der Invalidität bezw. Be- rufsunfähigkeit an, wenn dieser Zeitpunkt nicht fest- gestellt werden konnte, vom Ersten des Monats an, an dem der Antrag gestellt wurde. Es konnte also unter Umständen vorkommen, daß eine Invalidenrente für 1 Jahr nachbezahlt wurde. Das füllt jetzt grundsätzlich weg. Jetzt beginnen die Renten aus der Invalidenversicherung und aus der Angestelltenversicherung mit dem Ersten des Monats, der auf den Monat folgt, in dem die Voraussetzungen für die Gewährung der Rente erfüllt sind. Ist der Rentenantrag nach Ablauf des Monats gestellt, in dem die Voraussetzungen für die Gewährung der Rente erfüllt sind, so beginnt die Rente mit dem Ersten des Monats, der auf den Antragsmonat folgt. Die praktische Schlußiolge- rung, die daraus gezogen werden muß, lautet: rechtzeitig den Antrag auf die Invalidenrente und das Ruhegeld stellen. Wer das versäumt, muß es durch Ausfall der Rente büßen.
3. Treffen mehrere Renten zusammen, so wird nur die höhere Rente bezahlt. Zwei Renten neben-