Seife 12 / Hummer 41.
kanats Erfurt: Melchendorf, Dittelstedt, Hochheim, Friedrichsdorf und Witterda wurden mit dem 1. Oktober dem neuen Kreise Weißensee zugeteilt, da an diesem Tage der Landkreis Erfurt aufgelöst wurde. Diese Neueinteilung sindet bei der Bevölkerung darum größten Widerstand, weil die gesamte Kreisverwaltung aus seinem natürlichen Mittelpunkt Erfurt herausgerissen und der sehr abseits liegenden nur 2500 Einwohner zählenden Kreisstadt zugewiesen wurden. Hoffentlich finden die katholischen Dörfer für ihre Sonderinteressen auch im neuen säst rein protestantischen Groß-Kreise volles Verständnis.
Heiligenstadt. Die Pfarrstelle an der hiesigen Propsteikirche ad B. M. V. ist dem Herrn Stadtdechanten Robert B u ch in Worbis verliehen worden. Stadtdechant Robert Buch ist in Heiligenstadt ein alter Bekannter, war er doch von 1897 bis 1925, also 28 Jahre als Lehrer und Rektor in den Anstalten der Schulschwestern tätig Am 31. Juli 1925 wurde ihm die durch Verzicht des Geistlichen Rats Hartmann in Worbis frei gewordene Stelle als Pfarrer und Stadtdechant verliehen. Stadtdechant Buch hat auch in Worbis neben der Seelsorgsarbeit die Leitung des Karitasverbandes für das Eichsfeld beibehalten. Der neue Pfarrer der Propsteikirche wurde am 28. Februar 1874 in Küllstedt geboren, besuchte von 1887 bis 1893 das Gymnasium in Heiligenstadt und studierte dann in Paderborn und Freiburg Theologie und Philosophie. Er wurde am 2. April 1897 zum Priester geweiht und wirkte zunächst als Anstaltsgeistlicher an der höheren Töchterschule zu Heiligenstadt. 1902 bestand er die Rek- torprüfung und leitete von 1904 bis zur Aufhebung der Lehrer- und Lehrerinnenseminare die Pädagogischen Kurse. 450 Lehrerinnen haben während dieser Zeit auf dem Berge ihre Ausbildung erhalten. Nebenbei war Rektor Buch besonders nach dem Kriegs in der Karitas tätig. Er war Mitgründer der Sterbenothilfe und bis zu seinem Weggang nach Worbis Vorsitzender des Ortsausschusses der katholischen Vereine. Zu feinem Abschiede wurden damals von den Schülerinnen des Oberlyzeums und den Schulschwestern sinnige Feiern veranstaltet, bei denen zum Ausdruck kam, welche Verdienste er sich um die Anstalt erworben hat. Die siebenjährige Tätigkeit des Pfarrers und Stadtdechanten in Worbis hat ihn dort in derBevölkerung fast unentbehrlich gemacht, so daß sein Scheiden in Worbis recht bedauert wird. Wir Heiligenstädter heißen ihn in unserer Mitte schon jetzt herzlich willkommen und wünschen seiner neuen Tätigkeit in unserer Stadt Gottes reichsten Segen.
Beuren. Nachdem unser Herr Pfarrer, der Geistliche Rat H e rz b e r g, im Sommer 1931 unter allgemeiner Anteilnahme der ganzen Gemeinde das goldene Priester- jubiläum gefeiert hatte, hat er jetzt um Entbindung von seinem Amte gebeten und wird am 1. Oktober d. J. in den Ruhestand treten. Ueber 37 Jahre ist er hier gewesen und hat wie in jungen, so auch in älteren Jahren den gleichen Eifer in der Seelsorge für feine Gemeinde entwickelt. Voll Liebe und Dankbarkeit blickt heute die ganze Gemeinde zu ihrem Seelsorger empor. Möge der liebe Gott ihm reichlich lohnen, was er in unserer Gemeinde Gutes getan. Mit Bedauern sehen wir den Herrn Pfarrer aus dem Amte scheiden, freuen uns aber doch, daß er sich entschlossen hat, feinen Wohnsitz hier beizubehalten. Wir wünschen ihm einen langen, gesunden, zufriedenen Lebensabend. — Zu seinem Nachfolger ist der Herr Pfarrer Kirchberg bisher in Gerbershausen, ernannt.
Gernrode. Am vergangenen Sonntage wurde das neue Orgelwerk unseres neuerbauten Gotteshauses, das am Mittwoch seine Weihe durch die Hand des Missionsbischofes Gotthardt aus Windhoek (Süüwestafrika) erhielt, in einer religiösen Feierstunde eingeweiht. Nach dem gemeinsam gesungenen Liede „Alles meinem Gott zu Ehren" deutete Pfarrer Zeuch in einer kurzen Ansprache die Bedeutung der Orgel im kirchlichen Leben. Domorganist Paul Hebestreit aus Paderborn (feine Eltern stammen aus unserer Gemeinde) spielte dann meisterhaft auf dem Werk, wobei die verschiedensten Stimmkombinationen und alle Registerwerke prachtvoll zum Ausdruck kamen. Unter Leitung des Psarrherrn brachte der Kirchenchor „Cäcilia" verschiedene Chöre, bei denen die Schulung der Sänger besonders auffiel, zum Vorkrage. Das Orgelwerk ist aus den Werkstätten der Firma Eggert in Paderborn hervorgegangen.
Ecklingerode. Unser Lehrer Apel konnte sein silbernes Dienstjubiläum feiern. Er wirkt seit 24 Jahren in unserer Gemeinde.
Hülfensberg. Wie bereits früher berichtet, wird von Heimattreuen Eichsfeldern die Errichtung eines weithin sichtbaren Ehrenmales für den Bekennerbischof Dr. Konrad Martin auf dem Hülfensberge geplant. Nunmehr wird zur Erlangung von Entwürfen ein Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich jeder beteiligen kann. Als Standort kommt jene Stelle des Gipfels in Frage, von der man den schönsten Blick auf das Eichsfeld und den Geburtsort des Bischofs (Geismar) hat. Entwürfe müssen am 1. Dezember in den Händen der Kommission sein, an deren Spitze Rektor Siebert, Gelsenkirchen, Cäcilien- straße 13 und Studienrat Dr. Johannes Müller, Heiligenstadt stehen.
Heyerode. Der Gesellenverein konnte fein 6. Stiftungsfest feiern. In stattlicher Zahl schritten am Mor
gen die Kolpingssöhne zum Tische des Herrn, und abends fanden sie sich im Jugendheim ein. Nachdem Schmiedemeister Henning als Senior Begrüßungsworte gesprochen hatte, hielt Diözesanpräses Bolte die Festrede, in der er an die Worte des heiligen Vaters erinnerte, der den Gesellenverein als Bollwerk des katholischen Glaubens bezeichnete. Rektor H u h n st o ck machte Ausführungen über die moderne Jugendbewegung und über die Arbeit im Gesellenverein. Im Schlußwort richtete Dechant Helbig ein ernstes Mahnwort an jene Eltern, deren Söhne dem Gesellenverein noch fernstehen. Er dankte den erschienenen Gästen für ihr Interesse am Gesellenverein, dem Leiter desselben Vikar Dirk, dem Rektor H u h n st o ck für feine hingebungsvolle Arbeit und nicht zuletzt dem Festredner des Abends.
Lengenfeld unterm Stein. Im hiesigen Krankenhaus fand eine Führerinnentagung der Jungfrauenkongregationen im Dekanat, auf der der stellvertretende Diöze- sanprüses über Führerinnenpersönlichkeit und Aufgaben der Kongregation sprach. Mit einer kurzen Andacht wurde die Tagung beendet.
Effelder. Eine herzliche Abschiedsfeier bereiteten Jungmännerverein und Deutsche Jiigendkraft dem von hier scheidenden Lehrer Konty, der sich hingebungsvoll unserer Jugend gewidmet hat. Er wurde im Fackelzuge zur Gemeindeschule geleitet, wo in Ansprachen und Versen feine mannigfachen Verdienste gefeiert wurden. Auch die Diözesanleitung und die Bezirksleitung ehrten den Scheidenden durch anerkennende Schreiben.
Dingelstädt. Mit einem Ausspracheabend, den Rektor Wenzel leitete, begann die hiesige Zentrumsortsgruppe ihre Wahlarbeit. In einem eineinhalbstündigen Referat zeichnete Studienrat Pradel die letzten politischen Vorgänge. Die Aussprache beschäftigte sich eingehend mit der Notlage der Erwerbslosen. Ueber das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung sprach Dr. Hartung, der dasselbe als ein sehr gewagtes Experiment bezeichnete. Das Schlußwort sprach Rektor Wenzel.
Aus den Missionen.
Besuch aus den (Remissionen im St. Bonifatius- Kloster zu Hünfeld.
Schon manchen lieben Gast aus den verschiedenen Oblatenmissionen der Erde hat das St. Boni- fatiuskloster in den letzten Jahren gesehen, aber wohl noch keinem wurde ein so herzlicher Empfang bereitet, wie dem schlichten Missionar, der letzten Samstag zu uns kam. Es ist P. Ludwig E g e n o l f aus Dehren im Westerwald.
1902 wurde er in der Hünfelder Klosterkirche zum Priester geweiht. Ein Jahr später zog er in die Eismissionen des nördlichen Kanadas. Ununterbrochen hat er feit dieser Zeit die Mission St. Peter am Renntiersee im Apostolischen Vikariat Keewatin betreut.
Diese Mission darf den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, eine der schwersten der Welt zu sein. Wiederholt ist das Thermometer auf 50 Grad Kälte gefallen. Ohne Zugangsstraße liegt sie in weltabgeschiedener Einsamkeit. P. Egenolf hat bis zum nächsten priesterlichen Mitbruder 500 Kilometer weit. Sein Missionsbezirk mißt 1000 Kilometer im Durchmesser, zählt aber nur 600 Bewohner, die zu zwei verschiedenen Jndianerstämmen gehören. Die bloßen Transportkosten für 20 Zentner Lebensmittel von der nächsten Bahnstation bis zur Mission betragen über 1000 Rm. Bei solchen Preisen ist es selbstverständlich, daß der Missionar in äußerster Armut und Entsagung leben muß.
Ein anschauliches Bild über seine Tätigkeit entwarf P. Egenolf in einem Briefe, den er vor zwei Jahren einem Bekannten schrieb. Es heißt darin:
„Ich bin eben (8. März) von der letzten Reise zu meinen Indianern zurückgekehrt. Seit November habe ich niemals zwei aufeinander folgende Sonntage zu Hause verlebt. Ständig war ich unterwegs, bald im Norden, bald im Süden. Welche Mühen diese Reisen mit sich brachten, weiß nur Gott allein. Einzig das Verlangen, den Seelen Gutes zu tun, hat mir die Kraft und den Mut dazu gegeben.
Für die nächste Zeit steht mir noch eine größere Reise bevor nach der Südspitze des Renntiersees, wo ich ein Zusammentreffen mit meinem nächsten priesterlichen Mitbruder vereinbart habe. Auch diese Fahrt wird keine Vergnügungsreise. Meine armen Hunde sind völlig erschöpft. Seit Beginn des Winters mußten sie wenigstens 4000 Kilometer mit dem Schlitten zurücklegen. Es packt mich das Mitleid, wenn ich sie sehe, aber ich kann ihnen die
bevorstehenden 500 Kilometer nicht ersparen. Dann sollen sie allerdings Ruhe haben für lange Zeit.
Nicht nur die Hunde sind am Ende ihrer Kraft. Auch ich verspüre die langen und beschwerlichen Reisen. Man muß halb von Eisen sein und viel Mut im Herzen und besonders eine brennende Gieb’ zu Gott und den armen Indianern in der Seele tragen, um der Kälte und allen anderen Hindernissen ein wenig gewachsen zu sein. Doch bei allen Entbehrungen, die ich unzählige Mal kosten mußte, fühle ich mich glücklich. Ein Opfer nur fällt mir schwer, daß ich auf die öftere Beichte verzichten muß, weil mein nächster priesterlicher Mitbruder □00 Kilometer von Her entfernt wohnt. O, wenn ich die heilige Lossprechung empfangen könnte, so oft ich es wünsche, ich wäre der glücklichste Mensch . der Welt."
Es ist ein heldenhaftes Opferleben, das P. Egenolf im Inneren der Eismissionen führt. Selbst Andersgläubige, die zufällig Zeugen seiner Wirksamkeit waren, bewundern diesen Mann und halten 1 mit ihrer Anerkennung nicht zurück. Als vor einigen Jahren der protestantische Forscher Tolstoy mehrere Tage in der Mission des P. Egenolf geweilt hatte, schrieb er:
„Welch herrliche Aufgabe hat P. Cgenott verwirklicht! 640 Kilometer von jeder Bahnstation : entfernt, einsam und verloren im hohen Norden, , erscheint er uns wie ein Held aus einem Märcken- - land. Um im Sommer zu ihm gelangen, müssen wir ein schmales 3nbHnerboot HniHen und wohl 40 Trcm^"""n ^H Wasserfälle, , die den Reisenden zwingen, an Land zu gehen und sein Boot weite Strecken zu tragen. Im Winter bedient man sich des Hundeschlittens. P. Egenolf j scheut sich nicht, bei sechsundfünfzig Grad Kälte mit seinem Hundeschlitten 6—800 Kilometer über Eis und Schnee zu ziehen, wenn es gilt, einem armen ? Indianer zu Hilfe zu eilen.
Auf die Indianer hat er einen großen Einfluß. Ein Wort von ihm genügt, und sie tun alles. Die Indianer wollten mir ihre Hunde nicht leihen. Kaum hatte P. Egenolf meinen Wunsch geäußert, so stellte mir jeder sein Hundegespann zur Verfügung und wollte mich als Führer begleiten. Der Name Egenolf war mein Reisepaß und wirkte fast Wunder der Zuvorkommenheit bei den verschiedenen Stämmen, die ich besuchte. Für die katholische Kirche ist er ein wahrer Eckpfeiler im hohen Norden."
P. Egenolf, der schon 29 Jahre ohne Unterbrechung in den Eismissionen zugebracht hat, wäre auch jetzt noch nicht in die Heimat zurückgekehrt, wenn ihn nicht sein Oberhirte, Bischof Ovid Charlebois, als feinen Stellvertreter zum Generalkani- tel des Oblatenordens nach Rom entsandt hätte. Wir wünschen dem verdienten Gottesboten einige Monate ungetrübte Freude in der alten Heimat und dann ein noch recht langes, gesegnetes Wirken bei feinen geliebten Indianern am Renntiersee.
Kurhesfische Zentrumspartei.
Der Landesausschuß der Kurhessischen Zentrumspartei tagte am 2. Okt. in Fulda, um die Vorbereitungen für den neuen Wahlkampf zu treffen, den uns Herr von Papen leider nicht erspart hat. Aus allen Teilen unserer Heimat waren die Vertreter erschienen. Zu Beginn der Sitzung gedachte der Vorsitzende der Kurhessischen Zentrumspartei, Landtagsabgeordneter Rhiel ° Fulda, des 85. Geburtstages des Herrn Reichspräsidenten. Er sprach die Hoffnung aus, daß es Herrn v. Hindenburg vergönnt sein möge, das deutsche Volk auch durch diese schwere Zeit glücklich hindurchzuführen. An der Unterstützung durch die Zentrumspartei werde es dabei dem Herrn Reichspräsidenten nicht fehlen.
Unser bisheriger Reichstagsabgeordneter D r. Crone-Münz ebrock erstattete sodann einen wegweisenden Bericht über die politische Lage. Er kennzeichnete den Ablauf der politischen Geschehnisse bis zur Reichstagsauflösung, nahm kritisch Stellung zu den wirtschaits-, sozial-, vor allem auch zu den handelspolitischen Maßnahmen des Kabinetts von Papen. Klar stellte er die Richtlinien heraus, nach denen das Zentrum zukünftig vorzugehen gedenkt. Das Zentrum ist und bleibt Versa s sungsparte ü Zentvumspollitik ist selbständige Politik, die weder nach links