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Ar. 41

Sonntag, 9. Oktober

1932

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K-KM

Hirtenwort zur Winterhilfe

Geliebte Diözesanen!

Die Not der Zeit macht es mir zur ernsten Pflicht, Euch von neuem zur Unterstützung Eurer hilfsbedürftigen Brüder anzuregen. Immer hatten wir gehofft, daß die Verhältnisse sich wieder zum Bessern wenden würden. Unser Hoffen ist ent­täuscht worden. Die Not ist nicht bloß geblieben, sie ist größer geworden. Die öffentlichen Fürsorge­verbände sind nicht mehr in der Lage, ihr zu steu­ern; ihre Leistungsfähigkeit versiegte mit der kata­strophalen Krisis unseres Wirtschaftslebens. Von ihren Unterstützungen können die Hilfsbedürftigen kaum mehr leben.

Je mehr die öffentlichen Hilfsquellen versiegen, Bum so mehr muß die private Liebestätigkeit alles tun, was ihr noch möglich ist. Jetzt kann und muß sich die wahre Liebesgesinnung bewähren, die un­ser Heiland von uns fordert. Die Notlage hat sich für viele unserer Mitbrüder derart verschlimmert, daß auch wir zu Opfern für sie bereit sein müssen. Einnert Euch, wie der Heilige Vater schon im ver­gangenen Jahre alle zu einem Liebesfeldzug für die Armen aufgerufen hat; denkt daran, wie er in diesem Jahre die Feier des Herz-Jesu-Festes zum Anlaß genommen hat, nicht bloß zur Sühne des Abfalles von Gott die Gläubigen zu mahnen, sondern sie auch aufgefordert, die Liebe zum hei­ligsten Herzen Jesu durch Werke barmherziger Liebe unseren bedrängten Brüdern gegenüber zu beweisen.

In diesem Sinne rufe ich alle zu werktätiger Liebe auf. Meine Bitte geht an alle, die zum Geben in der Lage sind; besonders aber an Euch, liebe Landleute! Ihr habt in den letzten Jahren Eure Gaben den Bedürftigen in der Stadt freudig zur Verfügung gestellt. Ihr habt dadurch das Herz Eures Bischofs mit Freude und Dank gegen Gott erfüllt. Kein Mensch vermag zu sagen, wie viel Not durch Eure Liebestat gelindert, wie viel Tränen getrocknet wurden und wie viele Arme und Bedrängte durch Euer Liebeswerk den Glau­ben an Gott und an die Menschheit wiedergefun­den haben. Indem ich Euch für alles noch einmal meine Anerkennung und meinen oberhirtlichen Dank ausspreche, hege ich das volle Vertrauen, daß Ihr auch in diesem Jahre nach Kräften zu helfen bereit seid. Gott hat Euch in diesem Jahre einen reichen Erntesegen beschert. Zeigt Eure Dankbar­keit gegen Gott dadurch, daß Ihr den Firmen in Stadt und Land davon mitgebt.

Ihr andern aber, die Ihr noch über ein regel­mäßiges Einkommen aus Stellung, Geschäft und Arbeit verfügt, zögert nicht, auch davon den Ver­lassenen mitzugeben, die nur von Unterstützung le­ben müssen. Laßt Erich von der Liebe leiten, die für die kleinen Opfer für andere sich mehr als ent­schädigt fühlt durch das Bewußtsein, die Bruder­pflicht erfüllt zu haben. Gott segnet das Scherf­lein der Witwe besonders und wird selbst den Trunk Wassers, dem Armen aus Liebe gereicht, nicht unbelohnt lassen. Denkt an das Heilands­wort: Wahrlich ich sage euch, was ihr dem Gering­sten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan (Mtth. 25,40).

Ach verordne deshalb für das Karitaswinter- werk das Folgende:

1. Der Karitasverband für die Diözese Fulda wird mit seinen Karitasausschüssen in den einzel­nen Gemeinden mit den öffentlichen Fürsorgestel­len für die Durchführung der Winterhilfe zusam­menarbeiten.

2. In den Landgemeinden werden die Herren Pfarrer die Sammlung von Lebensmitteln, Kar­toffeln, Getreide, Fleisch in die Hand nehmen nach Maßgabe der Ordnung, die sie von Karitasver- bande erhalten. Von den gesammelten Lebens­mitteln müssen die bedürftigen Ortsarmen zuerst

bedacht werden Die Ortsarmen werden aber and) bereitwillig bei der Einerntung der Früchte behilf­lich sein.

3. In den größeren Städten soll a l l m o n a t - (i ch eine Kollekte für die Armen gehalten werden. Im übrigen werden sich die Gläubigen an den all­gemein veranstalteten Haussammlungen beteiligen.

4. Die katholischen Vereine werden sich an der Organisierung des freiwilligen Arbeitsdien sieg beteiligen und auch sonst alles tun, was zur Vermittlung von Arbeitsgelegenheiten ihnen mög­lich ist.

Auch mögen die Gläubigen die von anderer Seite zur Linderung der Not veranstalteten Haus- sammlungen unterstützen.

t Joseph Damian, Bischof von Fulda.

*

Der V o r st a n d des Karitasverban­des der Diözese Fulda bittet zur Aus­führung des Winterhilfswerkes durch die Karitas­aasschüsse der einzelnen Pfarreien, das Folgende beachten zu wollen.

1. In den vergangenen Jahren sind auf dem Lande hauptsächlich nur Kartoffeln gesammelt wor­den. Die Not ist in diesem Jahre bedeutend größer geworden. Die Herbeischaffung weiterer Lebensmittel wird zur dringenden Notwendigkeit. Wir bitten deshalb, mit der Kartoffel'ammlung dre Sammlung von Getreide (Roggen und Wei­zen), sowie Hülsenfrüchte und Gemüse unmittel­bar zu verbinden. Ob die Fleischsammlung schon jetzt, oder erst in den späteren Monaten vor­genommen werden soll, wird der Entscheidung der örtlichen Karitasstellen überlassen.

2. Innerhalb der Diözese sind folgere Sam melbezirke vorgesehen:

1. Sammelbezirk für d ie Stadt Fulda: Der Landkreis Fulda.

2. Sammelbezirk für Kassel: Die Gemeinden Fritzlar, Naumburg, Volkmarsen; die Gemeinden oes Dekanates Amöneourg mit Ausnahme jener, die für Marburg bestimmt sind; die Pfarreien Kirchgandern, Rohrberg mit Freienhagen und Ru stenfelde mit Marth auf dem Eichsfelde.

3. Sammelbezirk für Marburg: Die Pfarreien Schröck, Bauerbach und Anzefahr.

4. Sammelbezirk für Orb: Die Pfarreien Oberiidorf, Kassel, Wirtheim und Ulmbach.

5. Sammelbezirk für Hanau: Die Pfarreien des Freigerichts, sowie die anderen katholischen Gemeinden der Kreise Gelnhausen und Schlüchtern, soweit sie nicht Orb zugewiesen sind; die Pfarreien Michelsrombach und Burghaun im Kreise Hünfeld.

6. Sammelbezirk für Eisenach: Die Gemeinden des Dekanates Geisa.

7. Sammelbezirk für das St., Josephâhaus in Hünfeld: Die katholischen Gemeinden des Kreises Hünfeld mit Ausnahme der Pfarreien Michelsrom­bach und Burghaun. Die vom St. Josephshaus nicht mehr benötigten Gaben stehen zur Verfügung des Diözesanvorstandes.

8. Für Berlin sind als Sammelbezirke zur Verfügung gestellt: Die Pfarreien Ershausen mit Misserode und Lehna, Geismar mit Großtöpfer, Nebendorf und Döringsdorf, Pfaffschwende mit Volkerode, Kella, Wiesenfeld mit Sikkerode und Schwobfeld.

9. Hildesheim und Hannover können sammeln in den Pfarreien Berlingerode und Bleckenrode, Ecklingerode, Neuendorf mit Böseckendorf und Teistungen.

10. Für die Städte Apolda, Erfurt, Heiligen- stadt, Gotha, Jena, Nordhausen und Weimar kann in den übrigen Pfarrgemeinden des Kommissaria­tes Heiligenstadt und des Dekanates Erfurt ge­sammelt werden. Die Städte haben sich an Herrn Stadtdechant Buch in Worbis zu wenden, der ihnen die Orte zur Sammlung anweist.

3. Die Sammlung liegt in den Händen der Karitasausschüsse der einzelnen Gemeinden. Es

wird sich empfehlen, daß die Städte dazu Hilfs­kräfte zur Verfügung stellen. Die Zeit der Samm­lung ist dann mit dem zuständigen Herrn Pfarrer zu vereinbaren. Für die Abholung der Lebens­mittel sind die einzelnen Städte selbst verantwort­lich. Die Herren Pfarrer wollen sobald wie mög­lich auf dem ihnen zugesandten Fragebogen dem Karitassekretariate in Fulda über die Sammlung Mitteilung machen.

4. Es wird nochmals darauf aufmerksam ge­macht, daß die O r t s a r m e n in erster Linie bedacht werden müssen. Die reiche Ernte wird es aber ermöglichen, daß wir auch für die Not der Städte sorgen, denen der Erntesegen nicht unmittelbar zur Verfügung steht.

Ktrs ist Ttöjee fulda

Veränderungen im Diözesanklerus. Der Hochw.

Herr Bischof hat die Pfarrei Eisenach dem Pfar­rer Arthur Hilden in Hersfeld, die Pfarrei Hers­feld Sem Pastor Leo Herbert in Hofgeismar, die Propsteipfarrei H e i l i g e n st a d t dem Stadt­dechanten Pfarrer Robert B u ch in Worbis, die Pfarrei Beuren dem Pfarrer Philipp Kirch­berg in Herbertshausen ab 1. Okotber dieses Jahres übertragen. Anweisung erhielt vom 1. Ok­tober dieses Jahres ab Kaplan Joseph Heim in Fritzlar als Pastor in Hofgeismar.

Des 85. Geburtstages unseres Reichspräsidenten Paul v. Hindenburg wurde am Sonntag in den Kirchen gedacht. Die Gläubigen wurden zu eifrigem Gebete für ihn sowie für Volk und Vaterland auf- geforbert.

vom Bischöflichen Genercilvikaricrt Fulda. In diesen Tagen wurden die Verwaltungsräume des Generalvikariats im Nordflügel des ehemaligen Benediktiner! öfters und jetzigen Priesterseminars

geräumt. Das Generalvikariat ist nunmehr in der ehemaligen Landesbibliothek, die in den letzten Monaten entsprechend umgebaut und geschmackvoll renoviert wurde.

Fulda. Nach langem Leiden ist am Montag im 67. Lebensjahre Herr Konrektor i. R. Georg Ebel g e st o r b e n. Mit ihm ist ein im Volksschuldienst der Stadt Fulda bewährter Mann in die Ewigkeit gegangen. Jahrzehntelang hat er an der Stadt­schule gewirkt. Seine Schüler waren ihm zugetan und haben im späteren Leben ihn wegen seiner menschenfreundlichen, schlichten und gerechten Art immer hoch in Ehren gehalten. Er war nicht nur ein Lehrer, der seinen Schülern ein gediegenes Wissen vermittelte, ihnen mit guten Worten zur Seite stand, er stand mit seinem Leben voll und ganz hinter seinen Worten. Gottesfürchtig, gewis­senhaft und pflichttreu, opferbereit für seine Schü­ler und seine Mitarbeiter, Feind jeder Unmäßia- keit und Unlauterkeit, so war er ein wertvoller