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Sonntag, 9. Oktober 1932

Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 2L-Pfenntg B 45 L-Pfennig (Zustellgebübr egtra) Redaktlansschlutz Montag. Anzetgen-Preise: Lolonelzeile Im Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Lolonelzell» tw Reklameteil 0,60 Goldmark, Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmart. Porl» «xtr» Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckere« In Fulda lein.

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Wochenkalender.

Sonnlag, 9. Oktober. 21. Sonntag nach Pfingsten. Dionysius und Gen., Mart.

Montag, 10. Okt. Franz Borgias, Bek.

Dienstag, 11. Ott. Fest der Mutterschaft Mariä.

Mittwoch, 12. Okt. Bom Tage.

Donnerstag, 13. Okt. Eduard, Bet.

Freitag, 14. Okt. Kallistus I., Papst, Mart. Burkhard, Bisch., Bek.

Samstag, 15. Okt. Theresia, 3g fr.

21. Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Epheser 6, 1017.

Evangelium. Matthäus 18, 2335. Das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht.

In jener Zeit trug Jesus seinen Jüngern felgendes Gleichnis vor: Das Himmelreich ist einem Könige gleich, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. Als er damit begann, brachte man ihm einen, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Da er nicht bezah­len konnte, befahl der Herr, ihn und sein Weib und seine Kinder und sein ganzes Besitztum zu verkaufen, um damit die Schuld zu bezahlen. Da warf sich der Knecht ihm zu Füßen und flehteHab Geduld mit mir, . ich will dir alles bezahlen." Der Herr erbarmte sich des Knechtes, gab ihn frei und erließ ihm die Schuld. Als aber der Knecht hinausging, traf er einen seiner

Mitknechte, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte und würgte ihn, indem er sprach:Bezahle was du schuldig bist." Da fiel der Mitknecht ihm zu Füßen und bat:Hab Geduld mit mir, ich will dir alles be­zahlen." Er aber wollte nicht, sondern ging hin und ließ ihn in den Kerker werfen, bis seine Schuld bezahlt wäre. Als die Mitknechte sahen, was geschah, wurden sie sehr betrübt. Sie gingen hin und meldeten ihrem Herrn alles, was sich zugetragen hatte. Da ließ der Herr ihn zu sich kommen und sprach zu ihm:Du böser Knechtl Ich habe dir die ganze Schuld erlassen, weil du mich gebeten hast. Hättest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmen müssen, wie ich mich deiner er­barmt habe?" Boll Zorn übergab ihn den Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt hätte. So wird auch mein himmlischer Vater mit euch ver­fahren, wenn ihr nicht, ein jeder seinem Bruder, von Herzen verzeiht.

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Unser Freund schläft

^c «mm, sagst du, soll ich über mein Vermögen Rechenschaft

geben? Antwort: weil der liebe Gott der erste und oberste Eiaen- tumer aller Dinge ist. Dem Herrn gehört die Erde und all ihre Fülle, sagt der Psalmist. Nur Gotesleugner, welche von der hl.

Schrift Narren genannt werden, können diese Wahrheit bezweifeln.

Ist nun Gott oberster Herr alles Besitzes und aller Güter, wie viel mehr Herr des Lebens.

Im Abschnitt unseres Johannes-Evangeliums, der heute an die Reihe kommt, findet dieser Gedanke einen lichtvollen Beweis und eine treff­liche Bestätigung. Die Auferweckung des Lazarus in ihrem Vorspiel ist kurzgesagt der Inhalt dieses Stückes. Lesen wir ihn mit gebührender Aufmerk­samkeit:

Es war einer krank, Lazarus von Bethanien, dem Flecken Marias und ihrer Schwester Martha. Maria war jene, die den Herrn mit Balsam ge­salbt und seine Füße mit ihren Haaren getrocknet hatte. Deren Bruder Lazarus lag also krank dar­nieder. Da ließen die Schwestern ihm sagen:Herr, siehe, den du lieb hast, der ist krank."

Auf diese Botschaft hin sprach Jesus: diese Krankheit führt nicht zum Tode, sondern dient zur Verherrlichung Gottes; der Sohn Gottes soll durch sie verherrlicht werden. Jesus hatte aber Martha, ihre Schwester Maria und den Lazarus lieb; aber dennoch blieb er zwei Tage an dem Orte, wo er weilte. Dann erst sagte er zu den Jüngern: laßt uns wieder nach Judäa ziehen. Die Jünger er­widerten ihm: Meister, eben noch wollten die Juden dich steinigen, und du gehst wieder dahin? Jesus entgegnete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wer bei Tage wandelt, strauchelt nicht, weil er das Licht dieser Welt sieht; wer aber bei Nacht wandelt, der strauchelt, weil ihm das Licht fehlt. Dann fuhr er fort:

Unser Freund Lazarus schläft"; aber ich gehe hin, um ihn vom Schlafe aufzuwecken. Da sagten die Jünger zu ihm: wenn er schläft, wird er schon wieder gesund werden. Jesus hatte aber seinen Tod gemeint; sie aber meinten, er rede von der Ruhe des Schlafes. Da sagte ihnen Je­sus offen heraus: Lazarus ist gestorben, und ich freue mich euretwegen, daß ich nicht dort war, da­mit ihr glaubet. Laßt uns nun zu ihm gehen." Joh. 11.

Jenen Tod, den wir so gern als einen grim­migen, unerbittlichen und unversöhnlichen Feind betrachten, dessen Andenken wie ein Schatten auf die Seele fällt, nennt also der Heiland einen Schlaf. Da kommen wir aber nur schwer mit, bester Hei­land. Ist denn das Sterben eine so angenehme Sache wie das Einschlafen, wenn wir abends tot­müde in das Bett sinken? Ist der Tod eine so freiwillige Uebung wie der Schlaf, dem wir nach Belieben uns überlassen und aus dem wir zu be­stimmter Zeit wieder erwachen? In diesem Sinn kann der Tod kein Schlaf genannt werden, wenig­stens nicht von uns aus gesehen. Für uns ist und

bleibt er eine aufgezwungene Last und ein eiserner Zwang.

Doch mit den Augen des Heilandes betrachtet ist der Tod nur ein Schlaf. Denn so leicht es für uns ist, einen Schlafenden aufzuwecken, ebenso leicht und tausendmal leichter ist es für den Hei­land, einen toten in das Leben zurückzurufen. Und' von dieser seiner Allmacht wollte der Heiland durch die Auferweckung des Lazarus eine Probe geben.

Betrachte, wie der Evangelist sorgsam alle Um­stände herausstreicht, die das Wunder der Aufer­weckung wie mit einem hochkerzigen Scheinwerfer beleuchten. Zunächst meldet er die Erkrankung des Lazarus, dann feinen Tod, endlich sein Begräbnis und zuletzt den durchdringenden Verwesungsge­ruch, der aus der Gruft emporstieg. Dabei ver­gißt er auch nicht, ausdrücklich zu erwähnen daß Jesus nicht am Krankenbett seines Freundes weilte, auch nicht in Bethanien, ja nicht einmal in der Nähe, sondern in weiter Ferne.

Doch, was hindert den Heiland der Tod, das Begräbnis, die weite Entfernung? Mit überlegter Langsamkeit und ausgeklügelter Verspätung kommt Jesus mit den Aposteln nach Bethanien, be­gibt sich auf den Friedhof und ruft in die Gruft hinein die gewaltigen Worte: Lazarus, komm heraus! Und es ist, als ob Lazarus nur geschla­fen hätte, und sogleich erwachte er zu neuem Le­ben, gelangt in den Besitz all seiner Kräfte und er­hebt sich vor den Augen der freudig erschreckten Zuschauer aus dem Vette des Grabes.

Ja, der Tod ist in den Augen Gottes nur ein Schlaf. Und auch in unseren Augen soll er nur ein Schlaf sein. Und je tiefer wir uns hinein­leben in die Ueberzeugung, daß der Tod nur ein Schlaf ist, ein vorübergehender Zustand, aus dem wir früher oder später erwachen, desto wahrer ist unser Glaube, desto frischer unsere Hof^ung, desto froher unsere Zuversicht. So ist es tu erklären, daß so viele Heilige frei gewesen sind von jeder Spur von Todesfurcht, die-sich doch wie ein kalter Nebel um kleinmütige Seelen legt. Und nicht bloß haben sie dem Tod gleichmütig in die Augen ge­schaut, sondern auch den Tod wie einen guten Freund begrüßt und herbeigesehnt. Lesen wir nicht von Paulus jenes herzerquickende Wort:Ich ver­lange, aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein?" Und vom hl. Bischof Cyprian erzählt die Geschichte, daß er dem Henker, der mit seiner Enthauptung beauftragt war, 25 Goldstücke aus­zahlen ließ, gleichsam um ihm zu danken für das gute Werk. Einen köstlichen Zug lesen wir auch von der hl. Theresia vom Kinde Jesu. Als sie vielleicht vier Jahre zählte, umschlang sie eines Tages ihre Mutter mit den Worten:Mama, wenn du nur sterben tätest!" Erschrocken entgegnete Frau Martin:Mein Liebling, wie kommst du zu einem solchen Wunsche? Hast du mich denn nicht