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Sette 14 / Nummer 40.

verehren, und ist also auch deshalb ein Jesus- Christus-Gebet! Alle Geheimnisse nämlich, die mir beim Beten des Rosenkranzes erwägen. geigen uns die hohe Würde des Heilandes und seine große Liebe zu den Menschen, woraus sich für uns die leicht einzusehende Pflicht ergibt, den Gottmen­schen zu ehren und zu verehren.

Das Rosenkranzgebet gibt uns nun zugleich aber auch eine ganz vorzügliche Art und Weise an, um diese Ehrung und Verehrung für den Heiland zum Ausdruck zu bringen! Es regt uns nämlich an, die Hauptereignisse aus dem Leben Jesu mit einem Kranz von Muttergottesgrüßen zu umgeben, wie man etwa ein Bild oder eine Statue mit einem Blumengewinde schmückt Zu diesem Kranze werden mit Recht die schönsten Blu­men genommen, die es gibt, die als Königinnen aller Blumen gelten, nämlich Rosen. Um jedes Geheimnis im Leben Jesu — man könnte auch sagen: um den Heiland in jedem Stadium seines Lebens — werden zehn Rosen gewunden, so daß sch'ießlich der Heiland im Schmucke von 50, ja von 150 Ro'en vor uns steht. Gewiß ein herrliches Bild! Das Rosenkranzqebet ist mithin ein Jesus- Christus-Gebet, weil dadurch Jesus Christus so innig verehrt wird!

Und noch aus einem dritten Grunde dürfen wir das Rosenkranzgebet ein Jesus-Christus-Gebet nennen! Warum? Nun, es eifert uns wie kaum ein anderes zur wirksamen Nachfolge Christi an! — Zur Nachahmung eines großen Menschen er- muntert bekanntlich nichts so sehr, wie die ge­naue Kenntnis seines Lebens. Diese bekommen wir aber, wie nachgewiesen und leicht einzusehen, durch die fleißige Uebung des Rosenkranzgebetes. Und was das Gute daran ist, diese Lebensge- schichts Jesu kann jeder lesen: der Gelehrte und der Ungelehrte, der Gesunde und der Kranke, sogar der Blinde. Und das Beste von allem: man kann sie nicht lesen, ohne zugleich daraus zu lernen! Den­ken wir nur einmal an die Geheimnisse des freu­denreichen Rosenkranzes! Was ergibt sich für uns nicht alles daraus? Wertschäßung der Jungfräu­lichkeit. Liebe zur Verborgenheit. Zufriedenheit mit der Armut. Gewissenhafte Beobachtung der gottesdienstlichen Verpflichtungen. Oder der schmerzhafte Rosenkranz! Was lehrt er uns nicht alles über den Fluch der Sünde und den Segen des Kreuzes! Und der glorreiche! Was sagt er uns nicht alles von den Hochfesten unseres Glau­bens und den Trostgründen unserer Religion. Wir sehen a 'o: das andächtige Rosenkranzgebet ist eine wahre Tugendschule und zeigt uns einen zu- verlässigen Weg zur Heiligkeit, weil unser Herr und Heiland ihn selbst gegangen ist, nicht um auf ihm heilig und vollkommen zu werden — er war es von Anfang an —, sondern um uns auf ihm seine Heiligkeit und Vollkommenheit zu zeigen und zu seiner Nachfolge einzuladen. Nicht wahr das Rosenkranzgebet ist wirklich ein Jesus-Nyrisdus- Gebet!

Das ist es aber nur dann, wenn man den Ro­senkranz in der rechten Weise betet; mit allem Nachdruck muß dieses betont werden! Verkehrt wäre es, wenn man beim Beten des Rosenkran­zes sich krampfhaft bemühen oder kurzsichtig damit begnügen wollte, einzig und allein die Worte des „Gegrußet seist du, Maria!" möglichst andächtig auszusprechen. Abgesehen davon, daß das auf die Dauer nicht möglich ist, wäre es auch nicht richtig! Man muß durch die Schale zum Kern durchdrin­gen! Man soll, indem man die Worte des „Ave Maria" dabei spricht, die Tatsachen und Ereig­nisse aus dem Leben Jesu dabei überdenken, an die uns der jedesmalige Zusaß des Geheimnisses erinnert, und zwar möglichst anschaulich, möglichst tontret, möglichst lebendig unter Zuhilfenahme der ganzen Phantasie! Doch beschränken wir uns nicht darauf, engherzig nur das zu betrachten, was der genaue Wortlaut der Einschiebung nahelegt. Er­weitern wir unseren Gedankenkreis, ziehen wir mit hinein alles, was dem betreffenden Ereignisse etwa vorangina oder nachfolqte. Auf diese Weise wird es uns niemals an Stoff zur Betrachtung fehlen. Es wird uns mit der Zeit sogar sehr leicht werden, immer wieder in das Leben und

in das Wesen des Heilandes einzudringen, wobei es nicht ausbleiben kann, daß das unvergleichliche Vorbild auch in unserer Seele sich immer kräfti­ger widerspiegelt.

Das Rosenkranzgebet mehr als Jesus-Christus- Gebet aufgsfaßt, und es wird gewiß noch mehr Freunde gewinnen, vor allem auch in der Män­nerwelt und bei denen, die wirklich nach Voll­kommenheit streben Bedauerlicherweise gibt es Kreise, die mit einer gewissen Mißachtung auf je­den herniedersckauen, in dessen Hand sie einen Ro­senkranz erblicken, und meinen, der Rosenkranz sei doch nur ein Notbehelf für geistig Träge. Wer so denkt, stellt in Wirklichkeit doch nur sich selbst ein betrübendes, geistiges Armutszeugnis aus und beweist dadurch, daß er denRosenkranz bisher noch keinmal richtig gebetet hat. Das Rosenkranzgebet ist nämlich ohne Zweifel eines der gedankenreich­sten Gebete, die wir haben: hoch wie der Him­mel, tief wie das Meer und unergründlich wie die Ewigkeit!

Der Richtige.

Eine lustige Deektivgeschichte von Johannes Feldmann.

Es war in einer norddeutschen Mittelstadt un­weit Magdeburg, wo Bernd Jlberg gerade zu tun hatte. Da kam ein neuer Fall dazwischen. Er be­gleitete Marta Rosen zur Bahn. In väterlichem Tone, bei dem sich doch der Vorgesetzte nicht ganz verleugnete, redete er unterwegs leise und ein­dringlich auf sie ein. Man konnte dem bildhüb­schen Mädchen eigentlich nicht böse fein; doch für eine angehende Kriminalistin besaß sie viel zu viel Herz und Gemüt.

„Seien Sie auf der Hut, Fräulein Rosen, und lassen Sie ihn ja nicht aus den Augen! In­ternationale Gauner wie ein Roll Lan arbeiten mit allen Feinheiten. Wenn er etwas merkt, ist es vorbei, auch mit Ihrer festen Anstellung, wie Sie wissen. Haben Sie die von Paris gemeldete Per­sonalbeschreibung noch gegenwärtig?"

Sie lächelte über seine ängstliche Besorgnis. „Aber gewiß, Herr Jlberg!" und dann rappelte sie die Beschreibung wie ein Uhrwerk herunter: ,30 Jahre, 170 Zentimeter, vollschlank, blond, bartlos, ovales, gut geschnittenes Gesicht, spricht fließend deutsch, französisch und englisch."

„Gut, Fräulein Rosen. Also nochmal: Sie lö­sen eine Karte 1 Klasse und fahren mit ihm bis Berlin. Dort verhaften lassen und mir telephonisch sofort melden! Zum Bahnsteig möchte ich liebe1 nicht mitgehen; vielleicht kennt er mich, und dann wäre er vorzeitig gewarnt. Alles Gute, Fräulein Rchen!" Er kehrte sich kurz um und verschwand bald unter den Reisenden.

Fünf Minuten später lief der D-Zug Aachen— Berlin ein. Marta Rosen durchschritt den Gang der 1. Fahrklasse und musterte dabei flüchtig die wenigen Reisenden, unter denen „ihr Mann" nicht war. Im vorletzten Abteil saß ein schwarzbärtiqer Herr, ganz in seine französische Zeitung vertieft. Sollte der Hochstapler den Zug schon unterwegs verlassen haben? — Doch halt! Da im letzten Ab­teil: 30 Jahre, 170 Zentimeter, vollschlank, blond, bartlos, ovales, hübsches Gesicht! All right! Das war ihr Mann! Sie trat mit flüchtigem ein.

Der Fremde erhob sich zuvorkommend: ,Zhre Handtasche, gnädiges Fräulein? Darf ich sie ins Neß verstauen?"

.,Danke sehr? Ich behalte sie gleich bei mir."

„So fahren Sie nicht weit?"

„Das weiß ich noch nicht."

Der Fremde lachte. „Genau wie ich. Mein Ziel ist Berlin oder Magdeburg, je nachdem."

Ein älterer Herr mit ehrwürdigem, weißem Barte sah auf einen Augenblick herein; doch schien ihm die Gesellschaft nicht zu behagen und er zog sich mit einer Entschuldigung wieder zurück. Der Zug fuhr ab, und der Schafiner erschien im Tür­rahmen. „Herr Doktor Lohfeld? Sie werden am Telephon gewünscht "

„Auf! Die Entscheidung naht!" zitierte der und eilte zur Telephonzelle. Der Schaffner warf einen Blick auf ihre Karte und ging. Im Nu stand auch Fräulein Rosen draußen im Gang der Zelle gegenüber, wb während sie angelegentlich zum

Fenster hinaussah, horchte sie gespannt. Der Fremde sprach so laut, daß sie alles ohne Anstren­gung verstand. „Hier Dr. Lohfeld.--Das freut mich ungemein, alter Junge! — — Also richtig noch in Magdeburg-- Wilhelmstraße 9 a, fe^r gut--und du hast nichts gegen eine Ueber- rumplung?--Wie, verheiratet bist du auch? --Hab ich nicht gewußt, gratuliere!--Gut, ich komme! In einer halben Stunde (hier ver­schwand die Lauscherin) bin ich bei dir. Auf Wie­dersehen!" — —

Marta Rosen fieberte; was in aller Welt hatte dieser Hochstapler mit ihrem Schwager, dem Rechtsanwalt Dr. Mahlert, zu tun? War das eine Fügung des Himmels, durch die ihre Lieben vor Unheil bewahrt werden sollten? Aber der Mann kam ja gar nicht wieder. Mißtrauisch ging sie auf die Suche. Im Nebenabteil saß der weißbärtige Herr und radebrechte mit dem Franzoken ein schlechtes Welsch. In den anderen Abteilen war er nicht; die Telephonzelle war leer; doch sie atmete auf! Im Speisewagen saß er seelenruhig bei einer Tasse Kaffee. Sie nahm nicht weit von ihm Plaß und bestellte auch einen Kaffee.

„Also, gnädiges Fräulein, die Entscheidung ist gefallen; ich fahre vorerst nur bis Magdeburg."

„Ich auch!" verseßte sie.

„Vorzüglich!" sagte er erfreut. „Kennen Sie Magdeburg?"

„Es ist meine Geburtsstaüt."

„Dann sind wir ja Landsleute? Gestatten Sie, Dr. Lohfeld, Rechtanwalt und Notar."

Nun waren sie bald in eine anregende Unter* Haltung vertieft. Wie anziehend wußte der „Herr Doktor" aber auch Erinnerungen aus der Kindheit wachzurufen! Sie waren ja Nachbarn gewesen, wie er behauptete. Ein Schwerverbrecher konnte das unmöglich sein. Hatte er gefehlt, so war es wohl nur Leichtsinn gewesen. Solche Bedauerns­werte müßten durch entsprechende, lohnende Be­schäftigung auf den rechten Weg zurückgebracht werden, statt sie hinter Schloß und Riegel auf Staatskosten zu ernähren.

Die Stadt nahte; sie begaben sich zu ihrem Ge­päck und traten auf den Gang hinaus. Der Zug hielt. Da trat der alte Herr aus dem Nsbenabteil zu ihr. „Steigen Sie auch schon aus?" fragte er. „Ich dachte, Sie wollten nach Berlin?"

Betroffen sah sie ihn an. „Woher wissen Sie . . . und inwiefern berührt Sie das? . . ."

„Oh, entschuldigen Sie; es geht mich ja auch nich s an." Er verbeugte sich und trat ins Abteil zurück. „Ich kenne die Dame zufällig," sagte er zu dem Franzosen, der sich ihm als Bankdirektor aus Paris vorgestellt hatte. „Ihr Vater ist ein Skatfreund von mir. Das junge Mädchen schwärmt für den Detektivberuf. Sehen Sie den jungen Herrn da an ihrer Seite, der so sorglos mit ihm plaudert und lacht. Sie sagte mir eben leise, es sei ein Hochstapler, den sie verhaften lassen wolle."

„Ah si?" Der Bankier machte ein erstauntes Gesicht. „Armer, junger Mann! Ja. der Polizei ist nichts mehr heilig. Sie bedient sich sogar der Anbahnung zarter Fäden, um die Verbrecher zu fassen. Aber nett ist das nicht von der falschen, hübschen Kröte."

„Er wollte erst nach Berlin, hat aber vorsichts­halber seinen Reiseplan geändert. Da steigt sie na­türlich nun auch in Magdeburg aus. Wie sagt doch die Heilige Schrift? Wo du hingehst, da will auch ich hingehn, nicht wahr?" Er lachte dabei schadenfroh-vergnügt vor sich hin. Die beiden Be­obachter folgten dem Paar mit ihren Blicken, bi» sie in der Halle untertauchten. Dann setzten sie ihre Unterhaltung kort.

Auf dem Bahnsteige in Berlin verabschiedeten sie sich herzlich. In diesem Augenblick traten zwei Polizeibeamte zu ihnen, und der Weißbärtige zeigte dem verblüfften Bankier seine Polizeimarke. Jähes Erschlaffen und Erblassen? „Verhaftet, mein Herr! Der Bart ist falsch wie der Meine. Ich sah es gleich. Auch die Zeitung hat Sie verraten. Sie behaupteten, von Ostende zu kommen, und die „Temps" war eine Nummer von heute morgen, ist also in Paris gekauft".

Die Handschellen schnappten zu. Der polizei- liche Mechanismus feßte ein. Der Fall war für j Bernd Jlberg erledigt.