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Seife 6 / Nummer 40,

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Wir freuen uns jedenfalls, daß ein so hervor­ragender Mann, wie Prof. Dr. Dessauer, den Wahlvorschlag der Zentrumspartei in unserer Hei­mat anführt. Heute wird glücklicherweise der P e r- fönllchkeit im öffentlichen Leben wieder wach­sende Bedeutung beigemessen. Das Zentrum wird sich vor allen, die die hier in Betracht kom­menden Wahlvorschläge auf die Persönlichkeit der Spitzenkandidaten hin prüfen (und das werden hoffentlich recht viele tun), sehen lassen können.

wachsende Mol der Landgemeinden.

Präsidium und Hauptvorstaud des Preußischen Landgemeindetages West traten unter dem Vor­sitz des Präsidenten Doetsch im Rathaus Köln zu einer Beratung brennender Gegenwartsfragen der westlichen Landgemeinden zusammen. In den Verhandlungen kam die trostlose Finanzlage und die quälende Sorge um die weitere Entwicklung zum beredten Ausdruck. Im Anschluß an ein von dem gefchäftsführenden Präsidenten Dr. Göb, Ber­lin. gehaltenen umfassenden Vortrag über „Die Forderungen zur Beseitigung der Finanznot der westlichen Landgemeinden" wurde der nachstehen­den Entschließung einstimmig .zugestimmt:

„Die Lage zahlreicher westlicher Landgemein­den mit hohen Wohlfahrtsausgaben wird immer verzweifelter. Diese Landgemeinden wer­den. obwohl die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen in ihnen besonders groß und daher der Anspruch auf Hilfe der Reiches durchaus begründet ist, bei der Verteilung der Reichswohlfahrtshilfe über­haupt nicht berücksichtigt. Sie sind lediglich auf die geringen Mittel des preußischen Ausgleichs- fonds angewiesen, die nicht ausreichen, um auch nur die dringendsten Notstände zu beseitigen. Da­zu kommt, daß die Bestimmungen über die Her­absetzung der Unterstützungen zu einer weiteren Belastung vieler Gemeindeetats durch Zusatzunter- stützungen geführt haben. Besondere Härten sind in den Landgemeinden mit gleicher Struktur und gleichen Teuerungsverhältnissen durch die Zu­grundelegung der Klassifizierung der Einwohner­zahl und der Ortsklasseneinteilung bei der Fest­setzung der Arbeitslosenunterstützung entstanden. Diese Vorschriften, durch welche zahlreiche Land­gemeinden geradezu unter ein Ausnahmerecht ge­stellt werden, sind sofort zu beseitigen.

Die bisherige Entwicklung hat gezeigt, daß die jetzige Regelung in der Aufbringung der Wohl- fahrtslaften auf dem Wege über das Dotations- system unzulänglich und unhaltbar ist. Eine durch­greifende Hilfe kann für die Gemeinden nur durch die vom Preußischen Landgemeindetag West un­aufhörlich geforderte Zusammenfassung der gesam­ten Arbeitslosenhilfe in eine Reichsarbeitslosenfür­sorge unter hinreichender Beteiligung von Reich und Ländern erreicht werden. Sollte die Reichs- regierung sich zu dieser Maßnahme immer noch nicht entschließen, so muß bis zur Erreichung die­ses Zieles eine Erhöhung der Reichswohlfahrts­hilfe Platz greifen, mit der zwingenden Vorschrift, daß auch die kreisangehörigen Gemeinden entspre­chend des von ihnen zu tragenden Fürsorgeaufwan­des unmittelbar beteiligt werden.

Die Notwendigkeit der sofortigen Durchführung eines großzügigen Arbeitsbeschaffungsprogramms wird durchaus anerkannt. Der Preußische Land­gemeindetag West weist jedoch darauf hin, daß die mit Wohlfahrtsausgaben besonders belasteten Land­gemeinden nicht warten können, bis die Auswir­kung der vorbereiteten Maßnahmen in die Erschei­nung tritt. Der Winter steht vor der Tür. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen steigt von Mo­nat zu Monat. Eine Kasse nach der anderen versiegt, eine Gemeinde nach der anderen, ein Amt nach dem anderen wird zahlungsunfähig und mit­tellos, die Gefahr von Unruhen wegen der Un­möglichkeit der Unterftützungszahlung wächst von Tag zu Tag.

Mill die Reichsregierung diesen Zustand der Verzweiflung weitertreiben lassen, will sie das Chaos, oder will sie endlich den Ernst der Situa­tion der Landgemeinden erkennen und ihnen durch direkte Zuweisung von Geldmitteln helfen?"

Vrof.Sr.Llmscher, Jührer der preußischen Zenlrumsfraklion

Die Zenkrumsfraktion des Preußischen Landtages

wählte den Abgeordneten Prof. Dr. Lauscher zu ihrem Vorsitzenden. Seit dem Tode des früheren Vorsitzenden der Fraktion, Dr. Heß, war dieses Amt bisher noch nicht wieder besetzt worden.

Zum zweiten Vorsitzenden der Fraktion wurde Abg. Steger wiedergewählt, während die Wahl des dritten Vorsitzenden auf Abg. Heusen-Godes- berg fiel. Als Beisitzer gingen aus der Wahl her­vor die Abgeordneten Lstterhaus, Frau Stoffels, Schmelzer, Graf Matuschka, Kloft, Meistermann, Zawadzki, Dr. Wester, Hettlage und Diehl.

Dem Vorstand gehören weiter als dauernde Mitglieder an der zur Zeit amtierende Vizeprä­sident des Preußischen Landtags, Abg. Baumhoff, und die jeweiligen Mitglieder des Kabinetts, die zugleich Mitglieder der Landtagsfraktion sind. Die Führung der Fraktionsgeschäfte wird weiter wie bisher Dr. Graß haben.

Der neugewählte Vorsitzende, Prälat Professor Dr. Lauscher, dankte in bewegten Worten für das ihm bekundete Vertrauen. Er nehme die Wahl an, weil er es als heilige Gewissenspflicht ansehe, sich dem Rufe, der in so ernster und schwerer Stunde an ihn ergehe, nicht zu versagen. Mehr als je stehe das Zentrum im Mittelpunkt des po­litischen Geschehens, mehr denn je sei es als die einzige Partei der Mitte, die bisher siegreich jedem Ansturm getrotzt habe, berufen, die Grundlagen der parlamentarischen Demokratie und damit zu- gleicb die Rechte und Freiheiten zu schützen, auf die eine Nation vom Range des deutschen Volkes unmöglich verzichten könne. Aber auch die andere Aufgabe, die darin bestehe, diese Demokratie mit dem Geiste lekensstarken Christentums zu durch­dringen und sie dadurch erst lebensstark und zu­kunftssicher zu machen, könne nur durch das Zen­trum gelöst werden. Das beweise seine ganze, mehr als sechzigjährige Geschichte und zu allermeist die jüngste Vergangenheit. Es beanspruche gewiß keine Unfehlbarkeit für seine einzelnen politischen Ueber- legungen und Entschließungen, aber es dürfe für sich in Anspruch nehmen, daß es jederzeit in den ewigen Wahrheiten, die ihm auch im Politischen letzte Richtschnur seien, eine untrügliche Orientie­rung für entscheidende Zielsetzungen gefunden habe und gewiß sei, sie auch künftig zu finden. Gerade hierin liege auch das Geheimnis feiner inneren Ge­schlossenheit begründet, die unzählige Male über Zersetzungs- und Zerfplitterungsgefahr triumphiert habe, und auch für die Zukunft feine Lebens- und Aktionskraft gewährleiste.

Der Redner gedachte dankbar der verdienftvol- len Tätigkeit des Abg. Steger, der die Fraktion seit der schweren Erkrankung des verewigten Vor­sitzenden geleitet habe, und widmete dann seinem Vorgänger Dr. Heß und dem ihm vor wenig mehr als Jahresfrist im Tode voraufgegangenen lang­jährigen Vorsitzenden Dr. Porsch Worte pietätvol­len Gedenkens. Im Geiste dieser Männer und gleichsam aus ihren Händen übernehme er sein verantwortungsvolles Amt, und in ihrem Geiste gedenke er es zu führen. Er bitte die Fraktion

Das soll man von den verhandln»«?« zwischen Zenlrum und tlalionalsoziaiislen halten?

Das Zentrum und die Nationalsozialisten ha­ben nach der Reichstagswahl miteinander verhan­delt, um festzustellen, ob die Möglichkeit bestehe, eine Regierung zu bilden, die auf eine feste Mehr­heit im Reichstag sich stützen könne. Jede verant­wortungsbewußte Partei, die nicht eine Opposi­tionspartei sein und alle praktische Arbeit verwei­gern will, hat die Pflicht, solche Verhandlungen auch mit gegnerischen Parteien zu führen, wenn sie nicht völlig ausgeschaltet werden soll. Die Tat­sache, daß das Zentrum mit den Nationalsoziali­sten sich auf Verhandlungen einließ, wird erst dann richtig beurteilt werden können, wenn der Verlauf und das Resultat dieser Verhandlungen öffentlich bekannt wird. Die Wähler haben wohl ein Recht, den Inhalt dieser Verhandlungen ken­

und jedes einzelne Mitglied um Vertrauen und > treue Mitarbeit.

Einig und geschloffen wie immer, tatbereit und opferwillig wie jederzeit, werde die Zentrumsfrak-1 tion auch weiterhin mit Gottes Hilfe ihre Pflicht« tun im Dienste unseres Volkes und unseres Vater... lanües.

Prof. Dr. Lauscher ist am 18. Februar 1872 in t Helgen (Bezirk Aachen) geboren. Nach dem Be­such des Aachener Kaiser - Karl - Gymnasiums stu- eierte er Theologie in Bonn und im Vriefter» ' seminar Köln. Nach mehrjähriger Tätigkeit in der.9 Seelsorge und — als Religionslehrer — an ver­schiedenen Gymnasien in Essen und Köln, wurde $ er im Jahre 1917 ordentlicher Professor der Theo- • logie an der Universität Bonn, deren Lehrkörper i er auch heute noch angehört. Prof. Dr. Lauscher, v dessen wissenschaftliche Lehrtätigkeit reiche An­erkennung fand, ist seit 1928 Päpstlicher Hausprä. lat und seit 1931 Ehrendomherr in Köln.

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Man darf die preußische Zentrumsfraktion aufrichtig zu der Wahl beglückwünschen, mit der sie sich einen neuen Führer gegeben hat. Denn Prof. Lauscher ist eine Persönlichkeit von stärkster geistiger Prägung, bei der in unseren verwirrten Zeiten die verantwortungsreiche Führung in be­ten Händen liegt. Seit der verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung dem Landtage zugehörig und mit hingebendem Eifer in der po­litischen Arbeit tätig, verfügt er über eine reiche parlamentarische Erfahrung und eine genaue Kenntnis der preußischen Politik. Mit der Beson­nenheit seines politischen Urteils verbindet sich ein ester Wille, der aus dem Geistig-Weltanschaulichen jerous die praktische Arbeit zu gestalten sucht. Diese Einstellung, die auf dem Boden einer wirk- ich universellen Bildung erwachsen ist, lenkte die

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Tätigkeit Prof. Lauschers in besonderem Maße auf j

>05 weite und wichtige Gebiet Im Plenum des Landtages und nen Ausschüssen, in denen der der parlamentarischen Arbeit zu

der Kulturpolitik« noch mehr in sei- entscheidende Teil leisten ist, hat er

mit unermüdlichem Eifer die kulturellen Jnteres- en des katholischen Volkes mehr als ein Jahrzehnt sindurch vertreten. Im Rahmen dieser ungemein wertvollen kulturpolitischen Arbeit galt sein ne» anderer Eifer den Fragen der Erziehung und der Schulpolitik. Volksschule, höhere Schule und Uni­versitäten fanden in ihm einen ebenso sachkundigen wie warmherzigen Anwalt ihrer weltanschaulichen und fachlichen Interessen. In all diesen Fragen unserer Kulturpolitik war Prof. Lauscher schon seit angem nicht nur der Berater und Sprecher der Fraktion, sondern einer der maßgebenden, auch vom Gegner geachteten Persönlichkeiten der Volks­vertretung. Wenn er im Landtage, zu dessen be­ten Rednern er gehört, das Wort nahm, dann fand seine lebendige, geistvolle und beste parla, mentarische Tradition verkörpernde Rede immer die besondere Ausmerksamkeit des Hauses.

Prof. Lauscher übernimmt jetzt in besonders

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schwerer Zeit ein verantwortungsvolles politisches Amt. Wir dürfen ihm versichern, daß die ganze preußische Zentrumspartei in rückhaltlosem Ver­trauen zu ihm steht.

nen zu lernen, damit sie beurteilen können, ob wesentliche Grundsätze der Parteien, oder Ver­sprechungen, die im Wahlkampf gemacht wurden, dabei preisgegeben wurden. Es ist wünschenswert, daß über diese wichtigen Vorgänge bald restlose Klarheit geschaffen wird.

Weil aber manche Politiker die Gelegenheit be. nutzen, um aus diesen Verhandlungen einen Nut­zen für die eigene Partei zu gewinnen, so ist es zweckmäßig, einmal zu untersuchen, mit welchem Recht dies geschieht. Den Deutschnationalen muß man entgegenhalten, daß sie doch seit vielen Jah­ren gerade das dem Zentrum zum Vorwurf ma­chen, daß es mit der Linken und nicht mit der Rechten Koalition mache. Sie selbst haben dem Nationalsozialismus die Wege bereitet und haben sich seines Wachstums gefreut. Welches Uebermaß von Heuchelei und Unehrlichkeit liegt darin, daß sie jetzt dem Zentrum vorwerfen, daß es mit den Nationalsozialisten verhandelt habe? Die Deutsch­nationalen treiben unter der Führung von Hugen-