Sonntag. 2. Oktober 1832
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
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„Ich und der Vater sind eins.“
Wochenkalender.
Sonntag, 2. Okt. 20. Sonntag nach Pfingsten Schutzengelfest. Aeußere Feier des Rosenkranzfe st es. (7. Okt.-
Montag, 3. Okt. Theresia vom Kinde Jesu, Jgfr.
Dienstag, 4. Ott. Franziskus von Assisi, Bet.
Mittwoch, 5. Okt. Plazidus u. Gef., Mart.
Donnerstag, 6. Okt. Bruno, Bet.
Freitag, 7. Okt., Rosenkranzfest. Marcus, Papst, Bek.
Sergius u. Gef., Mart.
Samstag, 8. Okt. Brigitta, Witwe.
20. Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Epheser 5, 15—21.
Evangelium. Johannes 4, 46—53. Jesus heilt den Lohn eines königlichen Beamten.
In jener Zeit war in Kapharnaum ein königlicher Beamter, dessen Sohn krank darniederlag. Als er vernahm Jesus sei von Judäa nach Galiläa gekommen, ging er zu ihm und bat ihn, herabzukommen und seinen Sohn gesund zu machen, denn er war dem Tode nahe. Jesus sprach zu ihm: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht." Der königliche Beamte entgegnete ihm: „Herr, komm herab, bevor mein Sohn stirbt!" Jesus erwiderte ihm: „Geh hin, dein Sohn lebt." Der Mann glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm gesprochen hatte, und ging. Aber schon unterwegs kamen ihm seine Knechte entgegen und meldeten, sein Sohn sei am Leben. Er erkundigte sich bei ihnen nach der Stunde, in der es mit ihm besser geworden sei. Sie sagten ihm: „Gestern um die siebte Stunde verließ ihn das Fieber." Da erkannte der Baler, daß es die Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: „Dein Sohn lebt." Und er wurde gläubig mit seinem ganzen Hause.
Das grötzte aller Geschenke.
voll des hl. Geistes und re- ket mit einander in Psalmen, ^mnen und geistlichen Liedern. Singet und spielet in eurem - Herzen dem Herrn und saget allzeit Dank für alles."
Das ist die Mahnung, die der Völkerapostel in der Epistel des heutigen Sonntags uns allen erteilt „Saget Dank für alles". Und welches ist das größte aller göttlichen Geschenke, für das wir dem gütigen Gott danken müssen? Nicht der Leib mit seinen gesunden Gliedern, mit seinen sinnlichen Freuden, mit seiner frohen Schaffenskraft. Sondern die Seele, dieses Siegel der Gottheit, dieser unsterbliche, unvergängliche Geist, wenn er sich sonnt in der Liebe unb Freundschaft Gottes, wenn er dereinst untertaucht in den Ozean der unendlichen Seligkeit.
Mit großem Nachdruck hat der Heiland auf
diese Wahrheit hingewiesen in seiner Predigt bei der Tempelweihe zu Jerusalem. Der hl. Johannes erzählt darüber folgendes:
„Man beging in Jerusalem das Fest der Tempelweihe. Es war Winter. Jesus wandelte im Tempel in der Halle Salomons. Da umringten ihn die Juden und fragten: „Wie lange hälft du uns in Spannung? Bist du der Messias, so sage es offen heraus."
Jesus antwortete ihnen: ich habe es euch ge- .sagt, aber ihr glaubt es nicht. Die Werke, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, geben von mir Zeugnis. Aber ihr glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen ’ Schafen gehört. Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich schenke ihnen das ewige Leben. Sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen; und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Was der Vater mir gegeben hat, ist das größte von allem. Niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind ein." Joh. 10, 22—30.
Herrlicher als Gold strahlt aus dieser Predig! die Würde des Heilandes, aber auch die Würde der Seele. Kein geringerer als der Vater selbst, der im Himmel thront, der keinen Anfang und kein Ende hat, von dem alles Gute im Himmel und auf Erden kommt, hat seinem Sohn die Schafe gegeben. Es find die unsterblichen Seelen. Und was wird der göttliche Hirt tun mit unseren Seelen? Er wird sie hüten und weiden, besitzen und beseligen für immer und ewig. Niemand kann sie seiner Hand entreißen. Er schenkt ihnen das ewige Leben. Vater und Sohn besitzen die Seelen gemeinsam. Der Vater hat sie erschaffen, der Sohn hat sie erlöst. Vom Vater hat sie der Sohn erhalten; dem Vater wird er sie wieder schenken. Alles hat der Sohn vom Vater, sagt der Heiland: „Und, was der Vater mir gegeben hat, ist größer als alles."
Geheimnisvolle Worte. Könnte ich ihnen doch Verständnis und Leben einhauchen! Meine schwache Kenntnis wird nicht hinreichen, den vollen Sinn dieser Worte aufzufassen. Zu armselig ist meine Feder, den Inhalt und die Tiefe dieser Heilandsworte euch zu erschließen. „Was der Vater mir gegeben hat, ist größer als alles." Mir will scheinen, daß es zwei große Geschenke sind, auf die des Heiland Hinweisen wollte. Das erste Geschenk ist seine göttliche Natur und Wesenheit. Ist ja der Sohn von Ewigkeit vom Vater gezeugt. Ihm völlig ebenbürtig an Ewigkeit und Herrlichkeit, an Macht und Größe. Deshalb ist und bleibt er Gottessohn und wahrer Gott, auch wenn er im geringen Menschengewand erscheint. In edlem Selbstbewußtsein erhebt er deshalb den Juden gegenüber seine Stimme, daß sie forttönt in alle Jahrhunderte:
Die Juden faßten diese Erklärung als Gotteslästerung auf und wollten den freimütigen Sprecher steinigen. Nimmt Jesus etwas zurück von seiner Erklärung? Nicht das geringste. Im Gegenteil. Nochmals betont er in der Fortsetzung seiner Rede seine göttliche Natur, seine innige Verbundenheit mit dem Vater.
Aber noch etwas anderes „Großes" hat der himmlische Vater seinem Sohne anvertraut. Und das sind die Schafe, die seine Stimme hören. Die Seelen, die er erwählt hat, auf Jesus zu hören, seine Lehre und seine Beispiele zu befolgen, an seinem Kreuz und seiner Glorie teilzunehmen Und sind diese Seelen in der Tat nicht „größer als alles?" Hat Gott nicht um der Seelen willen Himmel und Erde erschaffen? Alle Goldbarren der Welt und alle Edelsteine im Schoß der Erde und im Besitze der Millionäre sind gegen eine einzige Seele nur Staub und Spinngewebe. Hat Christus etwa für Städte und Länder, für Paläste und Fabriken sein Blut gegeben? Nein: wohl aber für die Seelen. Bedenket, sagt der Apostel, daß ihr nicht mit vergänglichem Gold oder Silber von eurem gottlosen Wandel erkauft seid, sondern mit dem Blute des makellosen, unbefleckten Lammes.
Was immer also es auf fick hat mit der Sorge um die Gesundheit. mit der Sorge um die Kleider und Lebensmittel, mit der Sorge um Fortkommen, Arbeit und Stellung — die Sorge um die Seele, die Sorge um Gnade, Tugend, Fortschritt im Glauben muß den ersten Platz einnehmen. Dabei berücksichtigt der liebe Gott in seiner unbegrenzten Allmacht die verschiedensten Möglichkeiten. Kleine und große Seelen sind bei ihm gleich. Allen gilt seine Freundschaft und Liebe Zu Beginn ihrer Lebensgeschichte widmet die hl. Theresia vom Kinde Jesus, deren Andenken wir morgen begehen, diesem Gedanken folgende Betrachtung:
„Die Seelen gleichen den Blumen der Felder und Wiesen, deren Einfachheit Gott entzückt. Eben dadurch, daß er sich zu ihnen herabläßt, bekundet er seine unermeßliche Größe. Wie die Sonne mit ihren Strahlen sowohl die hochragende Zeder als das kleinste Blümchen am Wegerand vergoldet, so erleuchtet die göttliche Sonne jede Menschenseele, mag sie groß und reichbegabt oder klein und einfältig sein."
Alles in allem: Eins nur ist notwendig: rette deine Seele!
Der Talpfarrer.
Vom Glauben.
Zum 20. Sonntag nach Pfingsten.
„Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, dann glaubt ihr nicht". Mit diesem Verweise antwortet der Herr auf bie Bitte des königlichen Ve-