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kann auch 9 ar nicht anders fein, weil die neue Zeit, die heraufsteigt, wie ein neuer Wein im Faß ist, der Halt gähren muß.

Wir müssen mehr beten und nicht zu viel schwäßen. Beten zu Gott, daß er unser Vaterland lebten Endes reaiert. Wenn man es auch nicht glaubt; es ist aber so! Beten müssen wir mehr für die Regierung, daß sie Einsicht gewinnt und Tat­kraft für Gottes Gesetz und des Volkes Wohl. Nicht schimpfen, sondern beten! Mittun, wo wir können. Und dieses Mittel kann dazu führen, daß das Zentrum eine Koalition mit Hitler eingeht. Troß alles Staubes, der dadurch aufgewirbelt wird.

Die Koalition in katholischer Sicht.

Zunächst ein Beispiel aus dem täglichen Leben. Zwei Bauern! Nachbarn! Der eine Hitler, der andere Zentrum. Sie bekommen die Dresch­maschine. Die Pferde der beiden Bauern helfen die Dreschmaschine von der einen Scheuer in die andere fahren. Abends geht der eine in die Hitler- Versammlung, der andere in die Zentrums-Ver­sammlung.

Die Koalition zwischen Zentrum und Hitler wäre, wenn sie käme, eine rein politische Angele­genheit der beiden Parteien. Wohlgemerkt: Nein politisch. Freilich darf hier die Zentrumspartei, als auf dem Boden des katholischen Christentums stehend, die Grundsäße der Religion nicht verges­sen. Diese bleiben immer maßgebend. Die reli­giösen Grundsäße über die Kirche Christi, die Liebe über den Haß, über den Staat, das Eigentum usw. bleiben. „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen."

Die Koalition ist also niemals eine Gesinnungs- gemeinschaft, sondern wie es immer und immer wieder gesagt wird: eine Arbeitsgemeinschaft. Das will man aber in vielen Kreisen einfach nicht ver­stehen, wenn die Koalition nicht in ihre Gedanken­gänge paßt. Die Sozialdemokraten sind in der alten Koalition geblieben, was sie waren: Gottes­leugner, Materialisten! Das Zentrum hat, gestützt auf die Koalition, den roten Partner in die Schranken gewiesen, wenn religiöse Grundsäße auf dem Spiele standen. Die Parteien bleiben in der Koalition fest auf ihrem Standpunkt stehen, links sowohl, wie rechts. Sie gehen nur zusammen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, das man viel­leicht aus sehr verschiedenen Beweggründen erstrebt. Für die Zentrumspartei war und ist der Beweg­

„mUBtiining für das Bolt und die Freiheit"

Der Reichsparteivorstand des Zentrums hielt im Reichstag eine Tagung ab, deren charakteri­stischster Zug die völlige Einmütigkeit in der Beur­teilung der politischen Lage war. Sie war aus allen Teilen des Reiches außerordentlich stark be­sucht. Den Vorsitz führte der Parteivorsitzende Prälat Kaas, der trotz seiner leider noch nicht völlig wiederhergestellten Gesundheit erschienen war, um dadurch die Bedeutung dieser Kundge­bung des Zentrums noch besonders zu unterstrei­chen.

Der Parteivorsitzende

sagte in seinen kurzen Begrüßungsworten klar und mit unmißverständlicher Deutlichkeit, worauf es bei den gegenwärtigen Kämpfen um die Gestal­tung der Zukunft ankommt.

Die heutige Tagung des Parteivorstandes, so führte Prälat Kaas aus, fällt in eine Stunde, in der — wenn nicht unabsehbares Unglück sich aus den Wirrnissen von heute ergeben soll — nüchterne Sachlichkeit und ruhiges Wollen derer besonders notwendig ist, von deren Entschließungen die Ge­staltung der kommenden Wochen und Monate ab­hängt. In solcher Stunde, wo die

1 Deutsche Ientrumspartei in schwerstem und entscheidendem Kampfe zwischen den Fronten

steht, wollte ich in Ihrer Mitte nicht fehlen, wenn mir auch mein Gesundheitszustand es nicht möglich macht, die eigentliche Leitung der Verhandlungen persönlich durchzuführen. Ich möchte jedoch nicht

grund das Vaterland, die zu Recht bestehende Ver­fassung und ihre Respektierung. 9lid)t um der Partei willen treibt das Zentrum Politik, wie die Geschichte es erweist, sondern um des Wohles von Land und Leut. Ich glaube, man kann sehr wohl sagen, daß das Zentrum bisher mit seinen Koali­tionen sehr viel Unheil verhütet hat. Ohne Zen­trum hätte die Sozialdemokratie sicher sich ganz programmäßig „ausgewirkt". Gewiß nichk zum Nutzen des Vaterlandes.

Und wenn man sieht, daß ohne Koalition eine Regierung überhaupt nicht zustande kommt, dann ist doch sicher die Koalition gerechtfertigt. Denn eine Regierung muß sein! Chaos muß doch ver­mieden werden! Diktatur ist doch sicher nicht gut! Die Berfassung, welche ganz legal zustandekam, ist doch nach katholischer Auffassung die „Gewalt". Und sie „ist von Gott". Also muß sie respektiert werden!

Die Stellung der katholischen Kirche zu den Parteien wird durch eine Koalition nicht berührt. Die Kirche fragt nur, ob die Ziele und Mittel, die Grundsäße und leitenden Gedanken einer Partei gegen oder für den Glauben und die christliche Sit­tenlehre sind. Darum verbietet sie dem Katholiken, einer Partei beizutreten, die glaubens- und kirchen­feindlich ist. Anders ist die Sache bei einer Koali­tion. Wenn Katholiken sich mit einer Partei ver­binden sollten (zu einer Arbeitsgemeinschaft), die nicht den Forderungen der Kirche und der christ­lichen Religion Rechnung trägt, so kann die Kirche doch dazu schweigen, weil von den Katholiken durch die Koalition der Boden der Religion und des Glaubens nicht verlassen wird. Freilich kann es sein, daß sich die Lage der Katholiken durch die Koalition verschlimmert. In diesem Falle könnte die Kirche die Koalition nicht billigen.

Große Erfolge für die Religion und die Sitt­lichkeit sind gewöhnlich nicht zu erwarten, wenn in einer Koalition Parteien verbunden sind, die in Fragen der Religion und der Sitte sehr weit aus­einander gehen. Deshalb sind derartige Koalitio- nen durchaus keine idealen Einrichtungen, sie brin­gen leicht auch dem katholischen Teil Gefahren. Darum ist es vom höheren Standpunkt des Glau­bens aus anzuftreben, daß solche Parteien sich zu­sammenschließen, die in bezug auf Glaube und Sitte möglichst in ihren Grundsätzen übereinstimmen oder doch sich nahestehen.

Das, meine Lieben, ist das Grundsätzliche über die Koalitionen vom katholischen Standpunkt aus. Einmal ruhig überdenken! Und dann beten wir für die Führer des Volkes!

Behüt Gott, meine Lieben! Bruder Maurus.

darauf verzichten, wenigstens einige einleitende Worte an die Mitglieder des Parteivorstandes zu richten, um damit der inneren Uebereinstimmung Ausdruck zu geben, die uns in der Beurteilung der gegenwärtigen Lage und in der sich aus chr erge­benden Folgerungen verbinden muß und ver­bindet.

Mit besonderer Herzlichkeit und dankbarer Freude begrüße ich die Anwesenheit des Herrn Reichskanzlers a. D.

Dr. Brüning.

Nach einem Wahlkampf von gigantischem Ausmaß, von dessen Mühen er einen besonders großen und entscheidenden Anteil in bewundernswerter Hin­gabe und Spannkraft getragen hat, sehen wir chn hier unter uns als den ungebrochenen und zielkla­ren Vertreter einer dem wahren Wohl des Volkes und des Staates gewidmeten Aufbaupolitik, deren letztes Kapitel zweifellos noch nicht geschrieben ist.

Bereits der letzte Wahlkampf ist gegen unseren willen

und gegen unseren Rat entfesselt worden. In ei­ner Zeit, wo aus wirtschaftlichen und anderen Gründen jede vermeidbare Störung sachlicher Auf­bauarbeit unterbleiben müßte, hat man mit der Begründung, daß der alte Reichstag dem Volks­willen nicht mehr entspreche — von einer Regie­rung, die wahrhaftig am wenigsten das Recht hatte, sich auf den Volkswillen zu berufen —, zu den Juli mahlen aufgerufen. Aus diesen Juliwah­

len ist ein Reichstag heroorgegangen, der an Ar. beitsfähigkeit und Arbeitsbereitschäft den früheren zum mindesten nicht übertraf. Die Versuche der Regierung, mit den Hauptsiegern des letzten Wahl- kampfes die Voraussetzungen für ein stabiles poli­tisches Weiterarbeiten zu schaffen, sind nach kurzem Anlauf zusammengebrochen. Erst in diesem Au­genblick hat die Zentrumspartei in staatspoliti- schem Pflichtgefühl den Versuch unternommen, aus der Volksvertretung heraus selbst eine arbeitsbe- reite Mehrheit zur Stützung einer autoritären Staatsführung zu bilden. Die Größe, die Un­dankbarkeit, das beispiellose Risiko dieser Auf­gabe hätte in normalen Zeiten jeden von uns qe» schreckt. Aber angesichts der Tatsache, daß hier der einzige Weg zur Sicherung einer verfas­sungsmäßigen und organischen Weiterentwicklung war, mußten alle Bedenken und Gefühlsregungen parteipolitischen Einschlags schweigen. Die hierauf bezüglichen Bemühungen waren erst in ihren An­fängen begriffen. Ich verzichte deshalb darauf, ein endgültiges Urteil über ihre letztlichen Aus­sichtsmöglichkeiten zu fällen. Das eine ist jeden­falls gewiß:

Wo in dem Gefolge dieser Bemühungen der aus den letzten Wahlen hervorgeganaene Reichstag „drohte" arbeitsfähig zu werden, sah das Kabinett von Papen ihn als feinen Feind an und beschloß, den im Werden begrif- 1 fenen Sammlungsprozeß durch eine nochma- 1 lige Auflösung brüsk zu unterbrechen.

Man hat an den Volkswillen appelliert. Nie­mals hat eine Regierung von dem angerufenen Volkswillen eine so vernichtende Antwort erhalten wie die in der denkwürdigen Montags- sitzung, in der das „Kabinett der nationalen Kon­zentration" ausgerechnet

42 Stimmen auf sich „konzentrierte".

In den letzten Tagen geht ein halb groteskes, halb abstoßendes Frage- und Antwortspiel zwischen Regierung und Volksvertretung über die formal rechtliche Zulässigkeit oder Unzulässigkeit der Mon­tagsvorgänge vor sich. Mag auch formaljuristisch die Montagsobstimmung über die Notverordnung und das Mißtrauensvotum nicht als rechtswirk­sam angesehen werden können, als politisches Votum und als politisches Verdikt gegen dieses so­genannte Konzentrationskabinett ist es von einer Wucht, deren Eindruck sich niemand, der die Dinge sieht, wie sie sind, entziehen kann.

Schwere Dämpfte liegen hinter uns, schwere lie­gen vor uns. Niemals brauchten wir die Ge­schlossenheit unserer Reihen notwendiger als heute. Niemals war die Aufgabe des Zentrums und der mit ihm einig gehenden Gruppen als Ordnungs- und Regulierungsfaktor des politischen Geschehens wichtiger als jetzt. Mit einer Ueber» Heblichkeit, die durch sachliche Gründe wenig ge­rechtfertigt erscheint, belieben gewisse Wortführer der neuen Regierungsmethoden verächtlich über „Parteien" zu sprechen. Sie vergessen dabei, ba§

eine Gesinnungsgemeinschafl wie die Deutsch- Zentrumspartei in der Hierarchie der politischen Werte jedenfalls einen besseren Platz verdient als die kleinen vom eigenen vertrauen lebenden Cliquen, die vom Willen des Volkes reden, aber nicht den Mut haben, die aus dem Willen dieses Volkes sich für sie ergebenden Folgerungen zu ziehen.

Die Deutsche Zeutrumspartei hat an der Gestal- tung des neuen deutschen Volksstaates einen be» deuffamen Anteil gehabt. Die in Weimar geschaf­fene Verfassung konnte von ihr wesentlich beein» flußt, jedoch nicht in allem so gestaltet werden, wie es ihren Auffassungen und Ueberzeugungen ent­spräche. Immerhin hat dieses Werk in langen und schweren Uebergangsjahren die Einheit von Staat und Volk gesichert und Fortschritte gebracht, die nur blinde Parteienge leugnen kann. Ander­seits ist aber auch für uns diese Verfassung nicht in all ihren Einzelheiten das letzte Wort deutscher Staatsgestaltung. Sie trägt die Züge der Zeit, in der sie entstanden ist. Manche ihrer Inhalte sind heute überholt, der Korrektur und Verbesserung dringend bedürftig. Das sind für uns nicht Er­kenntnisse von heute, sondern schon seit langem. Es ist nicht unsere Schuld, wenn bisher die Möglich­keiten nicht zu schaffen waren, um die sich aufdrän- genden Verbesserungen zu verwirklichen.

Unter Wahrung dessen, was der Konservie­rung wert ist, sind wir jederzeit bereit, mit denen, die die Grundlagen dieses Staates mit