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Sonntag. 25. September 1832

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Verlag der Fuldaer UcHenbrutfeteL verlogsor» Faldos '

Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 L-Vfeantg B 45 R.- Pfennig (Zustellgevahr epra)

Wochenkalender.

Sonntag, 25. September. 19. Sonntag nach Pfingsten.

Montag, 26. Sept. Cyprian und Gen., Mart.

Dienstag, 27. Sept. Kosmas und Dainianus, Mart.

Mittwoch, 28. Sept. Lioba, 3gfr. Wenzeslaus, Mart.

) Donnerstag, 29. Sept. Weihefest der Kirche des hl. Erz­engels Michael.

' Freitag, 30. Sept. Hieronymus, Bek., Kirchenlehrer.

Samstag, 1. Okt. Mariensamstag. Remigius, Bek.

RBl Sonntag, 25. Sept., Kollekte für das Priester­seminar.

19. Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Epheser 4, 2328.

Evangelium. Matthäus 22, 114. Das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl.

In jener Zeit redete Jesus zu den Hohenpriestern und Pharisäern in Gleichnissen und sprach:Das Him­melreich ist einem Könige gleich, der seinem Sohne Hoch­zeit hielt. Er sandte seine Knechte aus, die Geladenen zur Hochzeit zu rufen. Doch sie wollten nicht kommen. Da sandte er andere Knechte aus mit dem Auftrag: Sagt den Geladenen: Seht, mein Mahl habe ich be­reitet, meine Ochsen und mein Mastvieh geschlachtet; alles steht bereit, kommt zur Hochzeit! Allein sie achteten nicht darauf und gingen weg, der eine auf sein Landgut, der andere zu seinem Geschäfte. Die übrigen aber fie­len über seine Knechte her, verhöhnten sie, ja schlugen sie tot. Als der König das hörte, ward er ,zornig. Er sandte seine Truppen aus, ließ jene Mörder umbringen und ihre Stadt in Brand stecken. Dann sprach er zu seinen Knechten: Das Hochzeitsmahl ist zwar bereitet: doch die Geladenen waren seiner nicht wert. So geht denn hinaus an die Straßenkreuzungen und ladet zur Hoch­zeit, wen ihr nur findet. Die Knechte gingen auf die Straßen hinaus und brachten alle herbei, die sie fan­den, Gute und Böse. So füllte sich der Hochzeitssaal mit Gästen. Nun trat der König ein, um sich die Gäste an- zusehen Sein Blick fiel auf einen, der kein hochzeit­liches Gewand trug. Er redete ihn an: Freund, wie bist du. hier hereingekommen ohne hochzeitliches Ge­wand? Er aber schwieg. Da gebot der König den Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die Finsternis! Dort wird Heulen und Zähne­knirschen sein. Denn viele sind berufen, wenige aber auserwählt." 9

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Zeeßenweide

E as ist das für ein seltsamer Kling- & flauer, der heute an mein Ohr tönt, £ von dem ich gestern und vor- I gestern nichts vernommen habe? * Und ich erhebe meine Augen und siehe: stattliche Reihen von Rindern und Kühen ziehen an meinem Pfarrhaus vorüber und werden von lustigen Buben unter Peitschenknallen auf die Herbstiveide geführt. Viele der hungrigen Tiere tragen eine Schelle um den Hals, die beim Gehen anschlägt unb weithin die Luft erfüllt mit ihrem hellen Getön

Da denke ich an das Festmahl, das nach dem heutigen Evangelium der König feinen Gästen bereitet hat. Da denke ich auch an die Seelenweide, auf die der Heiland feine Jünger zu führen ver­spricht an der Stelle des Iohannesevangeliums, die uns heute beschäftigen soll:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer nicht durch die Tür zum Schafstall eingeht, sondern an­derswo einsteigt, ist ein Dieb und Räuber. Wer aber durch die Tür eingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören seine Stimme. Er ruft seine Schafe beim Namen und führt sie heraus. Hat er alle die Seinen herausgelassen, so geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. Einem Fremden dagegen folgen ste nicht; sie fliehen vielmehr vor ihm, weil sie die Stimme der Frem­den nicht kennen."

Dieses Gleichnis trug ihnen Jesus vor. Aber sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Da fuhr Jesus fort:Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber, aber die Schafe haben auf sie nicht gehört. 3d) bin die Tür. Wer durch mich hineinqeht, wird gerettet, er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu morden und zu verderben. 3d) bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle ha­ben." Joh. 10.

Daß unser Heiland unter derWeide" nicht ejne körperliche, sondern die Seelenweide verstan­den wissen will, ist klar. Die wissen, daß Jesus gekommen ist, um die Seelen zu suchen und zu be­glücken. Von solcher Seelenweide ist schon im Psalm 22 die Rede:

Der Herr ist mein Hirt; Nichts wird mir mangeln.

Auf gutes Weideland wird er mich führen;

Sorgt liebevoll für meine Seele.

Geleitet mich auf den Pfaden der Gerechtigkeit

Um seines Namens willen.

Morin aber diese Seelennahrung besteht, hat der Heiland mit eigenen Worten angedeutet:Ich bin gekommen, daß sie das Leben haben und es im Ueberfluß haben." Haben «denn die Menschen, zu denen der Herr diese Worte sprach, nicht gelebt? Gewiß, sie haben gelebt. Indessen war es nur das irdische, das zeitliche Leben, das gegenüber dem ewigen, wahren Leben den NamenLeben" gar nicht verdient. Der Heiland meint das übernatür­liche Leben, das Leben aus dem Glauben, das Leben der Gnade und des Friedens, das Leben der Freude und Wonne, das Leben der ewigen Selig­keit.

Die Türe zu diesem Leben ist Jesus selbst. Zweimal erklärt der Heiland selbst:Ich bin die

Türe. Durch diese Türe gehen wir dann, wenn wir einen vollkommenen Glauben haben. Mit Ab­sicht sage ich: einenvollkommenen". Nicht der theoretische Glaube allein, sondern der praktische. Nicht die Ueberzeugung allein. sondern das Han­deln. Denn derGlaube ohne die Werke ist tot." Jener Glaube aber, der tätig ist in guten Werken, das ist der allseitige, den ganzen Menschen erfas­sende, mit einem Wort der vollkommene Glaube.

Zu diesem Glauben gelangen wir unter ande­rem durch die Türe der hl. Schrift. Sagt doch der Heiland selber:Forschet in der Schrift; in ihr glaubt ihr mit Recht, das ewige Leben zu finden." Die hl. Schrift ist nichts anderes als Christus selbst. Jener gelehrte Einsiedler von Bethlehem, dessen Andenken wir am Ende dieses Monats be­gehen, der hl. Hieronymus, hat diesem Gedanken Ausdruck verliehen mit den Worten:Wer in Un­wissenheit ist über die hl Schrift, der ist in Unwis­senheit über Christus selbst." In der ganzen hl. Schrift finden wir Christus, den Herrn. Nicht bloß im neuen, sondern schon im alten Testament. Das alte zeigt uns Christus in der Zukunft; das neue in der Gegenwart. Das alte in der Ver­heißung; das neue in der Erfüllung. Das alte im Schatten; das neue im Licht. Das alte in Bil­dern, Gleichnissen und Typen; das neue in Wahr­heit und Wirklichkeit Im alten hören wir die Patriarchen und Propheten, im neuen Christi herr­liches, lebenspendendes Wort.

Von dieser großen Aufgabe und Würde der Bibel war der eben genannte hl. Kirchenlehrer Hieronymus felsenfest überzeugt. Darum scheute er keine Mühe und Anstrengung, die Bibel sowohl selber besser kennen zu lernen als auch andern zu­gänglich und bekannt zu machen. Deshalb studierte er unter großen Opfern nicht nur die lateinische, sondern auch die griechische und hebräische Svrache, um die Hl. Schrift im Urtext lesen zu können und ihrem Verständnis näher zu. kommen. Die Haupt­stadt mit ihrem Getöse und Lärm verließ er und brachte seine letzten Lebenstage in Bethlehem zu, nahe d"r Krippe des Herrn. Die griechischen und hebräischen Partien der Bibel übersetzte er ins La­teinische, unb diese lateinische Ausgabe, Vulgata genairnt, ist bis zum heutigen Tage in der katho­lischen Kirche kompetent und maßgebend.

Nachdem die testen Päpste um die Wette die Lektüre der Hl. Schrift auch in der Muttersprache nicht bloß dem Klerus, sondern auch den Laien empfohlen haben, darf kein Katholik mehr sich von der Lektüre der Hl. Schrift dispensieren, wenn er darauf Anspruch erhebt, ein guter Katholik zu sein. Lesen wir also täglich im Evangelium, das einem Strome gleicht, aus welchem das Lamm trinkt und in welchem der Elefant schwimmt.

Der Talpfarrer.