Nummer 38 / Sette 1L
e ^ung" hatten sich die MitgNeder der Gemeinde Eisenach und Vertreter der Filialgemeinde Ruhla, und Gerstungen zahlreich eingefunden. Unter den Klangen von Wagners „Einzug der Gäste betrat Herr Pfarrer Spies, begleitet von seiner getreuen Schwester, Herrn Kaplan Weyer und Mitgliedern des K.rchenvorstandes den Saal. Mit dem Liede „Gott grüße Dich begann die Feierstunde. Herr Lehrer Holzapfel dirigierte den Chor, welcher im Verlaufe des Abends noch andere Lieder zu Gehör brachte. Nachdem unser Herr Kaplan Worte der Begrüßung an die Versammelten gerichtet batte trua ein Mädchen ein Abschiedsgedicht vor, das in einem Dank" gipfelte. Herr A. Schulte trug mit keinem "herrlichen Bariton zwei geistliche Lieder vor. Am Flügel begleitete sinnvoll und technisch vollendet die Klavierlehrerin Isabella Sommer. Namens des Kirchenvorstandes feierte Kaufmann C. Nickel in beredten Worten die Verdienste des scheidenden Geistlichen. Seit seinem Einzug am 1. Oktober 1910 habe Pfarrer Spies seine Seelsorgertätigkeit ständig vergrößert. In Ruhla, Gerstungen und Kreutzburg (Werra) sind Möglichkeiten geschaffen worden, Religionsunterricht und Gottesdienste regelmäßig stattfinden zu lassen. Unter seiner Förderung sind neue Vereine entstanden. Die Kinder aus den entlegenen Winkeln des ihm unterstellten Diasporabezirks fanden in der von ihm ins Leben gerufenen Kommunikantenanstalt gastliche Aufnahme, um ihnen hier die notwendigste religiöse Unterweisung zu vermitteln. Den Armen und Hilfesuchenden war er ein steter Helfer und Berater. Er hatte mit den Katholiken Eisenachs die große Freude, im vergangenen Jubiläumsjahr den herrlich gestalteten Thüringer Katholikentag unter dem Protektorat des Bischofs von Fulda in der Stadt der heiligen Elisabeth zu erleben. Sein größtes Werk sei aber der Bau der kath. Schule. Wenn er auch jetzt erst errichtet werde, so habe er doch schon seit 1912 mit der Finanzierung begonnen und vor dem Kriege bereits einige Grundstücke zu diesem Zwecke angekauft. Allein für die Grundstücke habe er durch zähe Werbearbeit 100 000 Mark zusammengebracht. Den Fonds für die Schule habe leider die Inflation vernichtet. 1924 habe er die Geldbeschaffung nèu begonnen. Herr Nickel gab schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß Pfarrer Spies auch in Batten neue Werke schaffen, sich aber auch gesundheitlich erholen möge. Danach » brachte die Marianische Jungfrauenkongregation Herrn Pfarrer Spies durch Gedicht und Lied in herzlicher Weise ihren Dank für sein segensreiches Wirken in der Kongregation und verabschiedete sich von ihm mit dem Mendelssohn'schen Geleitsliede „Nun zu guter Letzt". Eine lange Reihe der Vertreter der kath. Vereine bedankte sich für die tatkräftige Förderung, die Pfarrer Spies den Vereinen angedeihen ließ. Es sprachen: Für den Männerverein Oberpostsekretär Schütten; Frl. I. Sommer für den Kath. Deutschen Frauenbund; Frau Siering für den christlichen Mütterverein; für die kath. Fürsorge und den Jungmädchenverein Frau Dr. Du Mont. Den Volksverein für das kath. Deutschland vertrat Herr K. Hagemann und Herr M. Dorn den Kath. Kaufm. Verein. Den Schluß im Reigen der Sprecher der Vereine machte K. Engelhardt für den Jungmännerverein. Besonders tief empfundene Dankesworte fanden Herr Jttermann von der rührigen Filialgemeinde Ruhla (Thür. Wald) und Herr Sinz von Gerstungen. Letzterer hob die unermüdliche rastlose Tätigkeit in der Diasporaseelsorge hervor. Er bedauerte, daß die von Herrn Architekt Seifert entworfene Kapelle aus Geldmangel nicht errichtet werden konnte und man sich noch immer mit einer Hauskapelle begnügen müsse. Es sei nicht übertrieben, wenn man sage, die ganze katholische Welt kennt seinen Namen; denn die Bittschreiben, die er in alle Länder hinaussandte, sind unzählige. In der Schlußrede, welche nun der Herr Pfarrer an seine bisherige Gemeinde zum letzten Male richtete, ging er auf einzelne Abschnitte seiner Eisenacher Tätigkeit ein, gab besonders seiner Freude über das gute Ansehen, das unsere kath. Privatschule bei der Schulbehörde genießt, Ausdruck und dankte für die ihm zuteil gewordenen Huldigungen. Wenn ihm bei seinen Unternehmungen Erverein seine betreuende Hand über die junge Gemeinde halten müssen; ihm und allen, die mit großer Gabe, wie auch mit geringen Scherflein beisteuerten, sei an dieser Stelle aufrichtigster Dank ausgesprochen!
Der Kirchenbou selbst wurde im August 1906 begonnen. Die Behörden, mit denen der Bischöfl. Stuhl sowie Kuratus Erb in Verhandlungen treten mußten zeigten bestes Entgegenkommen; leider sah sich Oberpräsident von Windheim außerstande, eine Beihilfe staat- llcherseits zu den Baukosten zur Verfügung zu stellen. Der von den Architekten Gebrüder Langenberg-Kassel entworfene Bauplan gelangte zur Ausführung; danach waren als Länge der Kirche 25 Meter, als Breite 11 Meter vorgesehen. Das Schiff allein weift 17 Meter auf. Der Bau ist aus Bruchsteinen in gotischem Stil ausgeführt und lehnt sich überaus freundlich mit dem an die Kirche sich anschmiegenden Pfarrhaus an den Lindenberg an. Nun schaut das schlanke Türmchen chon 25 Jahre herab auf die alte, geschichtlich interes- ante^ in den Fuldabogen gebettete Bartenwetzerstadt Eine würdige Ausstattung, soweit sie nicht schon durch Herrn Kuratus Erb beschafft werden konnte, erfolgte unter seinen gleichfalls rührigen Nachfolgern. In den letzten Jahren gelang es, zwei Künstlerinnen, Frl. v je Bircks und Frl. Marion Thielen, eine angehende
folg beschießen sei, so schreibe er es in erster Linie der göttlichen Vorsehung zu und dann habe er auch stets treue Mitarbeiter in seinen Kaplänen, seitens der Vereine und in einzelnen Personen gefunden. Nach dem Schlußwort, gesprochen von Kaplan Weyer, sang die Versammlung gemeinsam ein Lied zu Ehren der heiligen Elisabeth.
Eisenach. Die hiesige Ortsgruppe des Kathol. Deutschen Frauenbundes unternahm am Fest Mariä Geburt in einem Omnibus eine Gemeinschaftsfahrt zum vielbesuchten Kreuzberg. Bei der Hinfahrt berührte der Wagen auch das Dorf Batten (Rhön), wo gerade die Einführung des vor wenigen Tagen von uns geschiedenen Herrn Pfarrers Spies stattfinden sollte. Ein kurzer Besuch, und weiter ging es dem Ziele zu. Der mühevolle Aufstieg zum Berggipfel wurde durch herrliche Aussicht gelohnt. Weithin grüßen die 3 Kreuze in das Land. Fest gegen Wettersturm stehen Kloster und Kirche der Franziskaner, welche die zahlreichen Besucher willkommen heißen. Die Rückfahrt gestaltete sich ebenfalls erlebnisreich. Auf schönen Wegen durcheilte unser Wagen ein Stück Bayernlandes. Wenn gleich etwas müde, so doch mit dem Bewußtsein einen feinen Tag mit Bundesschwestern verlebt zu haben, erreichten wir wieder unsere Wartburgftadt.
Eisenach. Zu dem Sturmtag aus Anlaß der Bannerweihe des Jungmännervereins Geisa (Rhön) war auch Eisenach durch die Jungmänner- und Sturmschargruppe vertreten. Herrlich war die Fahrt im Omnibus durch das landschaftlich schöne Eisenacher Oberland. In Geisa war was los. Davon zeugte die Feftsttmmung der Bevölkerung und die fahnengeschmückte Stadt. Glanzvoll war der Verlauf des ganzen Tages. Wir aus der Diaspora fühlten uns nicht als Gruppe, sondern als Glied des großen, im Jungmännerverband zu- fannnengeschloffenen ' kathol. Jungvolkes. Eine besondere Freude für uns war das Wiedersehen mit unserem ehemaligen Präses, dem Bischöflichen Geheimsekretär und stellvertretenden Diözesanpräses Dr. Wahl. Der Geisataq wird uns ein« gute Erinnerung bleiben und neuen Antrieb geben.
Primiz des Jesuilenpalers Hartmann in der St. Wig- bertikirche zu Erfurt.
Nachdem die Mainzer Hofkirche zu St. Wigbert fast 200 Jahre lang keine Primiz mehr gesehen hatte, feierte im Jahre 1896 der Kapuzinerpater Adelarius Schmidt hier fein erstes hl. Meßopfer, und ihm folgte am vergangenen Sonntage der Jesuitenpater Albert Hartmann. Bereits um ^9 Uhr war das im Festschmuck prangende Gotteshaus von Andächtigen gefüllt. Gegen %9 Uhr verkündeten drei feierliche Choräle vom Kirchturm herab den Beginn des Festes. Kurz vor 9 Uhr erfolgte in Prozession die Einholung des Herrn Primizianten. Herr Pfarrer Schulte hatte es sich nicht nehmen lassen, die Festpredigt selbst zu übernehmen. Verbinden ihn doch mit dem Neugeweihten herzliche Beziehungen des Priesters zu seinem früheren Ministranten, des Seelsorgers zum folgsamen Zögling. Er sprach über die Würde und Macht des Priestertums, die sich besonders in der Feier des hl. Meßopfers und der Spendung des Vußsakramen- tes äußern. Er bezeichnete das Fest als eine Angelegenheit der ganzen Gemeinde und forderte zum königlichen Geschenk gegenseitigen Gebetes auf.
Der musikalische Teil der Feier war dem bewährten Wigbertkirchenchor und seinem begeisterten Dirigenten Klose anvertraut. Die „Petrimesse mit Orchesterbegleitung" von Gruber, ein Werk reich an Klangwirkungen und straffer Durchführung edler Motive, wurde glänzend gemeistert. Bei der stimmungsvollen „Sarabanda" während der hl. Kommunion und beim mächtigen Nachspiel vernahm die Gemeinde mit Staunen, was die Meisterhand eines Preis noch aus der alten Orgel herauszuholen wußte.
Die nachmittägige Muttergottesandacht sah das Gotteshaus wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Man
Ordensfrau, zu gewinnen, die ihre Kunst um Gotteslohn in den Dienst des Kirchleins stellten. Unter ihrer Hand hat die Kirche eine moderne religiös tief empfundene künstlerische Ausgestaltung erfahren. Die herrlichen Malereien, sowie die glutvollen bunten Fenster mit ihrer geheimnisvoll wirkenden Symbolsprache sind das Werk von E. Bircks, die plastischen Arbeiten an Altären, Kanzel, Kommunionbank und Taufstein, jedes Stück ein echtes religiöses Kunstwerk für sich, sind die Schöpfung von M. Thielen.
Wie die eingeschlossene Urkunde besagt, wurde die Kirche zu Ehren der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria geweiht, und zwar während Pius X. die Herde Christi weidete, während der Bischöfl. Stuhl zu Fulda verwaist und Dr. Wilhelm Arenhold Kapi- tularvikar zu Fulda und Anton Nietzge Pfarrer zu Rotenburg und Melsungen war.
Als Geistliche fungierten im Laufe der Jahre Lokalkaplan Eduard Braun, der als Dechant von Hanau im letzten Jahre gestorben ist, ferner die Kuraten Dr. Lammeyer, Hülsmann, Erb, Dehler, Biermann, Filthaut und als jetziger Stelleninhaber Pastor Decher. Die katholische Gemeinde Melsungen ist diesen ihren Seelsorgern in Treue und Dankbarkeit verbunden. Unvergeßlich wird ihr besonders sein der Erbauer ihres Kirchleins, Herr Kuratus Erb, der leider vor Jahresfrist als Pfar
war nicht allein gekommen, um dem Gesang des Kirchen- chors und dem Vargo der Künstler Link, Preis, Farren- kopf zu lauschen, sondern hauptsächlich, um den Primiz- fegen zu empfangen, den der hochwürdige Pater Hartmann am Schluß der Andacht spendete.
Am deutlichsten kam aber der Charakter des Ge-! meindefestes am Familienabend in der „Villa" zum Ausdruck. Wieder war es der Kirchenchor, der mit dem schneidigen Jubelliede von Negro die ganze große Versammlung in die rechte Stimmung versetzte. In seiner Begrüßung wies Dr. Landwehr auf die doppelte Veranlassung des heutigen Abends hin. Es gelte, zunächst einmal dem neuen Jesuitenpater Hartmann in einer weltlichen Feier menschlich näher zu treten, dann aber auch, das Jubiläum der zwanzigjährigen Amtstätigkeit des Herrn Pfarrers Schulte, deren Erfolge stadtbekannt sind, zu begehen. In feiner Erwiderung lehnte der Jubilar alle Verdienste bescheiden ab, indem er sich nur als Werkzeug der göttlichen Vorsehung bezeichnete. In launiger Weise beschäftigte er sich sodann mit dem Werdegang des Neu-. Priesters und wünschte ihm eine erfolgreiche Zukunft. Schließlich ergriff Pater Hartmann das Wort, um sich in gewandter Weise zu bedanken und klarzulegen, daß es ganz dem Geiste seines Ordens entspreche, die größte Lust darin zu suchen, die Last der andern zu erleichtern. Die Ansprachen wurden eingerahmt durch zahlreiche künstlerische Darbietungen von Gemeindemitgliedern. So trug Frl. Reichel mit großer Bravour ein feines Rondo von Mendelssohn vor. Frl. Farrenkopf erfreute die Zuhörer mit ihrer wohlgeschulten Sopranstimme durch mehrere Lieder und Willi Tohn sang zwei Arien von Richard Wagner so schön, daß er sich zu einer Zugabe verstehen muhte. Daß August Link mit seinem Cellospiel großen Beifall erntete, ist selbstverständlich.
Schließlich zeigte Eisenbahninspektor Radzimowski in einem Lichtbildervortrag „Hinter Klostermauern" au Hand erstklassiger Aufnahmen, wie die Mönche der Gegenwart leben, arbeiten und beten.
Mit dem Bewußtsein, ein ideales Gemeindefest e» lebt zu haben, ging jeder heim.
Erfurt. Am vergangenen Sonntag feierte der Cäcilienverein sein goldenes Jubiläum durch drei Festgottesdienste und einen Festabend. In der Festpredigt des feierlichen Levitenamtes nahm Herr Präses Pfarrer Hartmann Bezug auf Zweck und Ziel des! Vereins. — Um 7 Uhr war die deutsche Singmesse. Schon der erste vierstimmige Chor „Wohin soll ich mich wenden?" überraschte durch seine Geschlossenheit Auch das einfache und doch so feine „Heilig" von Schubert und das klangreiche „Ich lass' Dich nicht" von Back wurden mit großer Innigkeit gesungen. Mit Ergriffenheit bemerkte die Gemeinde, wie die Vereinsmitglieder geschlossen zur heiligen Kommunion schritten. Cäciliengeist! — Im feierlichen Hochamt kam Die Messe „zu Ehren der heiligen Cäcilia für vierstimmigen gemischten Chor mit Orgelbegleitung" von Wötz zur Aufführung. Gleich beim Kyrie konnte man feststellen: Der Chor verfügt nicht nur über gute Stimmen, sondern hat auch eine zielbewußte Schulung in der Stimmenbildung hinter sich. Besonders eindrucksvoll war das Credo und das feine Benediktus mit seinem vollendeten thematischen Aufbau. Der Vortrag der gregorianischen Wechselgesänge war mustergültig. — Die Festandacht zu Ehren der Mutter Gottes um 17 Uhr war ein feines geistliches Konzert mit Gebet und sakramentalem Segen. Die sechs Chorlieder wurden vom Verein in gleicher Weise wie die Messe gemeistert. Die tiefste Wirkung erzielten „Salve regina" von Schubert und „O Maria, sei gegrüßt" von Reger. Erwähnt muß endlich werden das sichere Orgelfpiel des Lehrers Buschmeyer, der sein schönes Instrument mit Meisterschaft beherrscht. — Am Festabend, um 20 Uhr, hatten sich Angehörige, Freunde und Gönner
rer von Großkrotzenburg verstarb und nun an der Jubelfeier nicht teilnehmen kann.
Heute dankt die Kirchengemeinde Melsungen ihrem Herrn und Gott für die vielen Gnaden, die von der heiligen Stätte ihres Gotteshauses über sie geflossen. Der Segen, der von einer in der brennenden Not der Diaspora erbauten Kirche ausgeht, ist wahrhaft unermeßlich! Darum möge niemals, so rufen wir am Jubttäums- tage unseres Gotteshauses, der Geist des hl. Bonifatius nachlassen, unseres Glaubensvatcrs, der einst vor ungefähr 1200 Jahren diese Gaue durchschritten und Altäre für das hl. Opfer errichtet hat. Auf dem diesjährigen Bonifatiustag zu Bamberg wurde wieder erneut auf das gigantische Werk St. Bonifatii hingewiesen; ein Vorkämpfer der Bonifatiussache, Graf Galen-Meerfeld, forderte mit begeisterten Worten alle Katholiken zur Bo- nifatiusarbeit auf, „wie sie im Bonifatiusverein kristallisiert ist; Bonifatiusgeist bedeute Seeleneifer, Opfermut, Liebr uüb Gottvertrauen. In diesem Geist müsse der Bonifatiusverein Gott dem Herrn Altäre bauen, denn höchstes und letztes Ziel der ganzen Schöpfung fei die Verherrlichung Gottes".
Bleibt dem „Sonifatiusboten" fre«!