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Aummer 36 / Seite 13

tennen keine Angst und keine DerMeifluM, wir kennen nur die sieghafte Kraft unseres Glaubens. Indem wir das E wige an die erste Stelle sehen, leisten wir schon dadurch allem Zeitlichen den j größten Dienst. Von unten her können die Dinge dieser Welt nicht geordnet werden, da muß man sich schon orientieren an den ewigen Sternen.

Indem wir Christus und die Groß­stadt betrachten, machen wir von vorneherein den Anspruch des Königtums Christi auch auf dieses schöne und fruchtbare Wunder der neueren Kultur geltend, Hat man auch gebaut ohne uns, eines Tages schlägt doch wieder unsere Stunde, im­mer dann, wenn der Mensch unter dem Druck sei­ner eigenen Erfindungen verzweifelt. Viele ha­ben sich bemüht, bas Zeitalter der Technik zu mei­stern: sie sind nicht mit ihm fertig geworden. Denn das ist nur möglich, wenn man es vom Menschen her versteht, Menschen aber begreift man immer nur von Gott her. So konnten die neueren von Gott gelösten Weltanschauungen einander nur im­mer ihre Unzulänglichkeit vererben, denn der Erbe des Reiches ist allein Christus.

Wir begehen diese festlichen Tage, obwohl wir um die Sorgen der Menschen von heute wissen. Ja, eben diese Sorge zwingt uns dazu, weil kein anderer Arzt außer Christus mehr vorhanden ist. Stehen nicht wirklich die Führer der Wirtschaft und der Politik verzweifelt vor ihrer Aufgabe? Zu un­gefähr der gleichen Zeit, in der in Essen die deut- fd>en Katholiken sich versammeln, wird in Berlin das Parlament zusammentreten. Der Kundgebung einer in seiner Religion geeinten Millionenschar im Ruhrgebiet wird die Ausstellung der deutschen Zwietracht in der Reichshauptstadt gegenüber­stehen. Eines beleuchtet das andere. Nur ein ein­ziger Wille kann uns dabei beseelen, nämlich un­sere urgesunden religiösen und nationalen Kräfte deni ganzen Volke zuzuführen, unsere Einheit zum Vorbild der Einheit aller Deutschen zu machen. Die Interessen spalten, der Glaube fügt zusammen.

Mehr als früher sind unsere heutigen Katho­likentage Massenversammlungen. Gerade in Essen wird derZuftrom kaum zu bändigen sein. Auch das ist ein Zeichen, daß wir lebendig sind. In unseren Tagen ist der Laie aufgerufen worden. Zum uni­versalen Königtum Christi gehört nicht nur die Kirche, gehört auch die Welt. Sie auf den ver­schiedenen Gebieten der Kultur nach Gottes Gesetz zu erneuern, ist die Aufgabe der Laien. Mir haben verstanden, daß man schlecht für das Jenseits sorgt, wenn man das Diesseits ver­nachlässigt. Wir haben begriffen, daß neben der kritischen Aufgabe und über ihr die schöpferische Tat steht. Wir geben dieKultur nicht auf, an deren Wiege im Abendland die katholische Kirche gestanden hat. Wie schon in Münster, wie in Nürnberg wird das Bild unserer Versammlungen nicht nur im Zeichen Rede stehen, sondern auch in dem der schönen Künste, der malerischen Auszüge, der Freude am Leben und an seinem Reichtum. Auch die tech­nischen Errungenschaften, wie Radio und Film, stellen wir in den Dienst unserer Idee.

Im Lichte des Glaubens werden wir tiefer schauen als unter den wechselnden Gestirnen des Tages. Diese Zeit hält uns in Atem. Jeder Tag bringt neue Überraschungen. Selbst die Träger hoher autoritativer Gewalten sind bedenklich an das Rampenlicht der Sensation geraten. Wichtig erscheint uns oft am Abend, was schon am näch­sten Morgen seine Bedeutung verloren hat. Und nach Wochen sagt sich der Stille im Lande: Geplät­scher war alles. Mehr Personalien als Ideen. Mehr Zickzack als Fortschritt. Unsere Katholiken­tage nehmen die Dinge nicht vom Standpunkt irrationalen Geflackers, nicht vom Interesse einer Gruppe her, sie sind keine Parteiversammlungen, so gern ihre Gegner sie dazu stempeln möchten Es sind katholische Tage, eine Begegnung des ernsten und tiefen Wallens unserer Zeit mit dem Jahrhun­derte alten Strome des Christentums. Wie die grauen Mauern der Münsterkirche von Essen an

Ort und Stelle geblieben sind, soviel Neues auch um sie gebaut wurde, so sind wir noch da. In den Fundamenten sind wir, wie sie, tief verwurzelt in )er Heimaterde. In einer Stadt tagen wir, in )er Deutschtum und Christentum vor o vielen Jahrhunderten ihren Bund geschlossen ha- ben. Es ist der Bund, an dem wir seschalten.

Mit unseren Fahnen zieht das Deutschland seiner besten Traditio­nen.

Freiwilliger Arbeitsdienst oder Arbeitsdienstpflichk.

Unter diesem Titel bringt das Augustheft der Zeitschrift Caritas eine eingehende Untersuchung dieses aktuellen Themas durch Wilhelm Rei­nermann. Seiner Arbeit entnehmen wir fol­gende grundsätzlichen Ausführungen:

Notzeiten sind auch meist Saatzeiten im Leben eines Volkes. So ist es auch jetzt in diesen Tagen. Neben all der Wirrnis und Jrrnis zeigen sich doch anderseits starke Kräfte zur Gesundung und zum Aufbau. Eine neue Ehrfurcht ist erstanden, der Führergedanke blüht, und gläubiger Reformwille rcädyft. Vor allem wird die Jugend von einer gro­ßen Hingabebereitschaft erfaßt. Die deutsche Ju­gend will dienen, opfern und sich hingeben. Ar­beit und Kraft, Heimat und Volk, Freiheit und Zukunft heißen die begehrten Güter. In der Ar- beitsdienstbewequng fließen all diese Regungen und Strebungen stärkstens zusammen. Die katho­lische Jugend Deutschlands, die mit 1,6 Millionen Mitgliedern die größte organisierte Jugendgemein­schaft in unserem Volke und darüber hinaus in der ganzen Welt darstellt, hat von Anfang an den Gedanken des Arbeitsdienstes freudig aufgegrif­fen und praktisch verwirklicht. Schon Jahre vor der gesetzlichen Regelung des Arbeitsdienstes hat sie viele Hunderte von praktischen Arbeitsverrich­tungen, insbesondere in der Form des Baues von Heimen und Sportanlagen, durchgeführt. Inner­halb ihres Rahmens hat sie ein Heimatwerk für frei­willigen Arbeitsdienst gegründet, dem auch die großen Standesorganisationen sowie der Deutsche Caritasverband beigetreten sind. Dieses Heimat­werk hat zur Aufgabe, den Arbeitsdienst inner­halb des katholischen Volksteils zu fördern und nach außen zu vertreten. Taufende und aber Tausende von katholischen Jugendlichen sind in allen Gauen Deutschlands als Arbeitswillige in­zwischen tätig gewesen oder noch tätig. Neben den offenen Arbeitsdiensten, die am Wohnort sta­tioniert sind, wurden um der erzieherischen und qemeinschaftsbildenden Wirkung willen vor allem geschlossene Arbeitsdienstlager eingerichtet. Die einzelnen Verbände, wie z. B. Gesellenverein, Jungmännerverband, Werkiugend usw. haben trotz der bisher engen gesetzlichen und finanziellen Gren­zen Lager errichtet, Gruppe um Gruppe ausgestellt und konnten reichlich Erfahrung sammeln.

Was nun die jetzt erfolgte Neugestaltung des Arbeitsdienstes betrifft, io begrüßt die katholische Jugend Deutschlands mit Freuden die getroffene Erweiterung hinsichtlich des Personenkreises. Wenn auf Grund der neuen Regierungsverordnung und mit Hilfe der Gelder, welche die verflossene Re­gierung Brüning für dieses Aufgabengebiet her- beigeschafft hatte, nunmehr alle jungen Deutschen, insbesondere aber alle jugendlichen Erwerbslosen, als Dienstwillige ausgenommen werden können, so ist damit eine alte Forderung der katholischen Jugend erfüllt. Sie hat nämlich wegen der so­zialen wie auch wegen der volkserzieherischen Be­deutung des freiwilligen Arbeitsdienstes gekämpft. In einer Denkschrift an das zuständige Reichsar­beitsministerium wurde u. a. gefordert, daß die Arbeitsdienstwilligen mindestens bis zum 25. Le­benensjahr, und zwar für 40 Wochen, die staatliche Förderung erhalten unb daß bir Dienstzeit bis 52 Wochen verlängert werde, wenn nicht eine ge­eignete Arbeitsstelle nachgewiesen werden könne. Eine solche Erweiterung entspricht auch der Ziel­setzung des Arbeitsdienstes, wie wir ihn sehen: da­

nach ist der Arbeitsdienst keine kürsorgerische Maß­nahme für Erwerbslose, sondern eine soziale B-- wegung für alle jungen Deutschen. Durch ernst? Dienstbarkeit soll die deutsche Jugend zu Pflicht geist und Verantwortung und zum Einsatz brach­liegender Arbeitskräfte für die Volksgemeinschaft geführt und gleichzeitig die gegenwärtige leiblich- und seelische Not der erwerbslosen Jugendlichen weithin gebannt werden. Vor allem soll durch den Arbeitsdienst in der Form der Vorbereitung zur Siedlung neuer Raum für das Jndustrievolk der Deutschen geschaffen werden. Eine solche Zielsetzung, die ähnlich umfassend ist wie die bc- neuen Verordnung, scheint nun den katholischen Verbänden Deutschland am besten auf dem Be­den der Freiwilligkeit verwirklicht werden zu fön. nen.

Damit sind wir bei der Frage angelangi Freiwilliger oder pflichtmäßiger Arbeitsdienst^ Wenn der Arbeitsdienst mehr ist als eine Hilfs­maßnahme für Erwerbslose, wenn er eine neue Form sozialen und vaterländischen Gemeinschafts- dienstes sein soll, dann liegt der Gedanke der Pflichtmäßigkeit nahe. Aber man übersieht hier­bei, neben anderem, von dem wir noch sprechen daß es sich um Arbeitsdienst, nicht um irgendeinen anderen Dienst handelt. Wer in der Praxis des Arbeitsdienstes steht, weiß aber, daß Arbeitsdienst als Pflichtdienst nur mit militärischer Disziplin durchfiihrbar ist. Dann aber kommt eine Misch- form heraus, die keinen Teil befriedigt, weder den der Arbeitsdienst will, noch den, der Militärdienst will. Auf dem Verbandstaa der Industrie- unb Handelskammern des Ruhrgebietes am 11. Jul sagte der Leiter des deutschen Instituts für tech­nische Arbeitsschukung, Dr. Arnhold, folgendes: „Militärischer Gehorsam läßt sich erzwingen, Ar­beiten und Schaffen aber gehören zu den Dingen, die sich nicht befehlen lassen bei denen ein innerer Antrieb vorhanden sein muß." (Tremonia, Dort­mund, N 193: Essener Volkszeitung Nr. 194 1932.)

Dem dürfte noch eine andere Erwägung bin- zuqefügt werden: Stern und Kern des Arbeits­dienstes ist die Berufsauffassung von der Arbeit: Arbeit als Beruf, Arbeit als Dienst. Danach ist die Arbeit nickst bloß Erwerb, sondern ein unum gängliches Mittel zur persönlichen Entfaltung unb ein Dienst an der Gemeinschaft. Diese Auffas­sung von der Arbeit ist christliches Erbgut. Es ist erfreulich, daß sich in der gegenwärtigen Not­zeit wieder eine Hinwendung zu solcher Arbeits­auffassung vollzieht. Diese Entwicklung, deren Wert für die Volksgesamtheit, insbesondere für die junge Generation, nicht hoch genug veranschlagt werden kann, würde aber eine harte Störung er­fahren, wenn der Zwangscharakter zum Arbeits­dienst hinzuträte. Denn eine bessere Auffassuna und Neugestaltung der Arbeit kann im Grunde nur aus der Freiwilligkeit geboren werden. Darum wird ein weitreichender Ausbau des freiwllliaen Arbeitsdienstes dem sozialen und nationalen Dienft- aebanf^n besser als jede andere Regelung zum Durchbruch verhelfen. In Bulgarien, dem ein­zigen Land, das die gesetzliche ArbeitsdienM-cht kennt, zeigt sich ziemlich deutlich, daß von einem innerlich bejahten, nationalen Opferdienst bei einer Zwangsregelung wohl kaum noch gesprochen wer­den kann.

Ein notwendiger Erlast.

Wie wir bereits mitteilten, hat der stellvertretende Innenminister in Preußen einen sehr begrüßenswerten Erlaß gegen die Auswüchse des Badelebens und das An­wachsen der öffentlichen Unsittlichkeit her­ausgegeben. Dazu schreibt das „Berliner Katholische Sonntagsblatt":

S.üt einigen Jahren haben wir zusammen mit der Katholischen Aktion gegen die Auswüchse ge­kämpft, die sich im Großstadtleben und besonders

Bei Nieren-, Blasen- und Frauenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker

1931 : 19 400 Badegäste

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Auskunft und Schriften duichdie Kur Verwaltung Bad Wildungen.