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ten Führer des Volkes ist er der Künder des neuen' Bundes. Auch an diese starren Herzen soll seine Heilsbotschaft anpochen. Ähre eigene Schuld, wenn die Gnade seiner Gegenwart chnen zum Fluche wird! So greift er denn sofort die Frage auf, die durch das Erscheinen des Kranken nahs- gelegt wird: „Ist es erlaubt am Sabbat zu hei­len?" Bezeichnend, daß alle auf die Frage schwei­gen! Lauernd warten sie, was er sagen und tun wird. Jesus aber zögert nicht, durch die Tat selbst die Antwort zu geben. Und seine weiteren Worte enthalten eine klare Verurteilung ihrer har­ten Pharisäersatzung: Euer Ochse gilt euch mehr als ein leidender Mitmensch! Wieder schweigen sie. Ein eisiges, feindseliges Schweigen! Em Schweigen, das Anklage bedeutet: Sabbatschänder!

Christus führt hier, wie er es so oft tut, die Erfüllung des göttlichen Gesetzes auf ihren We­senskern zurück. Das Gesetz bleibt bestehen. Das hat der Herr in feiner Bergpredigt mit großem Nachdruck betont: „Eher werden Himmel und Erde vergehen, als daß ein Strichlein vom Gesetze ver­geht." Auch das dritte Gebot auf den Steintafeln vom Sinai behält feine volle Geltung: Gedenke, daß du den Sabbat heiligst? Aber dieses Gebot wird nicht durch bloße Aeußerlichkeiten, durch aus­geklügelte Berechnungen und Vorschriften erfüllt, sondern durch ein Verhalten, das dem Geiste des Gebotes entspricht, durch eine aus wirkli­cher innerer Gottverbundenheit herauswachsende Heiligung des Gottestages. Deshalb bedeutet die Heilung des Wassersüchtigen, diese Tat erbarmender Liebe, keine Sabbatschöndung, sondern höchste Sab- batheiligunq.

Die Lehre, die der Heiland hier den Pharisäern gibt, gilt auch für uns. Auch wir haben die Pflicht, den Sonntag zu einem Tag des Herrn zu ma­chen. Aeußerlich und innerlich! Das ist eine Pflicht, an die gerade in unserer Zeit nicht ernst genug gemahnt werden kann. Wir wollen hier nicht reden von dem frevelhaften Leichtsinn, mit dem heute manche Christen sich über alle chre Sonntagspflichten hinwegsetzen, auch nicht von den furchtbaren Ausschreitungen, die oft den Tag des Herrn zu einem Tage des Satans machen. Aber wie steht es mit uns selbst? G^en wir dem Sonntag feinen eigentlichen Sinn? Die Kirche hat als Hüterin des göttlichen Gesetzes bestimmte Gebote und Verbote erlaßen: aber deren bloß äußerliche Beobachtung genügt nicht. Sie sind wie ein Rahmen, dem noch das formenreiche und farbenfrohe Bild eingefügt werden muß.

Für den gläubigen Christen ist der Sonntag zunächst ein Tag besonderen Gottesdienstes. Ge­wiß, jedes Tagewerk muß Gottesdienst im weite­ren Sinne sein; aber einen Tag der Woche sol­len wir ausschließlich Gott schenken. Den ganzen Tag, nicht nur einige seiner Stunden! Auch un­sern Leib sollen wir an diesem Tage Gott wei­hen. Mit gefalteten Händen und gebeugtem Knie, mit Gebet und Gesang und Enthaltung von der Arbeit, die dem Werktag sein Gepräge gibt. Nicht nur als Einzelwesen sollen wir den Tag des Herrn heiligen, sondern in Gemeinschaft mit un­serer Familie, mit der ganzen Pfarrgemeinde. Und in Gemeinschaft mit Christus! Deshalb ru­fen die Glocken am Sonntag zu geweihter Stätte. Deshalb steht im Mittelpunkt der Sonntagsfeier das Meßopfer, in dem unser ewiger Hohepriester in enger Verbundenheit mit uns durch Gebet und Opfer den gemeinsamen göttlichen Vater verherr­licht.

Der Sonntag soll ferner für uns ein Tag stil­ler Besinnung sein. Wie haben wir gehetzten Menschen solche Besinnung nötig, die uns aus der harten Fron der Woche, aus der Dumpfheit und der Haft und den tausend Nichtigkeiten des Werk­tags wieder zu den Quellen des Lebens hinführt, damit unsere müden Augen wieder ihr Leuchten bekommen und unsere Herzen jene Ruhe, die aus dem Geiste von Bethanien, aus der Erkenntnis des „Einen Notwendigen" strömt. Je herrischer und brutaler das Werktagsleben uns zu vergewal- tigen sucht, desto notwendiger brauchen wir die­sen Sabbat der Seele, das ruhevolle, besinnliche Rasten in Gott und den großen, ewigkeitfüllenden Wahrheiten, die im Herzen Gottes geborgen liegen.

Und der Sonntag soll schließlich ein Tag der Freude sein. Auch natürliche Freude soll er uns schenken. „Wochenend" — das ist heute ja gleich-

Helferdienst der Engel zurückgewiesen, als er zu Petrus im Oelgarten sprach: „Glaubst du nicht, ich könnte den Vater bitten, und er würde mir Legio- ^n von Engeln zu S)ilfe senden?", und hat die i Ditte doch nicht ausgesproä,en? Gewiß, damals wollte er schwach werden, um unsere selbstbewußte Stärke zu beschämen, wollte leiden, um uns zu erlösen, die wir uns selbst nicht helfen können, wollte zum Vater beten in Angst und Blutschweiß, w\\ wir uns vor dem Vater nicht beugen, die Stimme seiner Boten nicht hören, ihre Hilfe nicht erbitten wollen in unseres Herzens Stolz. Auf dem Höhepunkt dieser Leidensnacht aber gab er uns das Beispiel: ein Engel kam und stärkte chn in her Todesangst.

Wie lieblich ist es, im irdischen Leben bes Got­tessohnes die Tätigkeit der hl. Engel zu verfolgen. Schon bei der Verkündigung des Vorläufers er­scheint der heilige Erzengel Gabriel zur Rechten des Altars als Bote des Herrn, ja er schlägt den Stolz des ungläubigen Vaters mit Stummheit bis zur Geburt des Vorläufers. Im stillen Kämmer­lein zu Nazareth tritt er dann ehrfurchtsvoll zur betenden Jungfrau, ihr Jawort zu erbitten — es gibt in der Geschichte der Kunst wohl keine lieb­licheren Darstellungen, als die Mariä-Verkündi- gungsszenen der mittelalterlichen Meister. In je­ner Seit war das Volk und seine Kunst noch gläu­big und demütig, man misste noch zu beten, auch zu den heiligen Engeln, und darum find diese En­gelszenen so lieblich und anmutig geworden. Heute aber malt uns die auf ihre Sachlichkeit so einge­bildete Kunst bisweilen Engel dahin, die eher Koh­lenarbeiter als Himmelsbewohner, eher Fratzen als ein Abglanz der himmlischen Schönheit, die nicht wie Boten Gottes, sondern eher wie Vaga­bunden aus dem Jenseits aussehen. Die Seit ist zu stolz und ungläubig, um überirdische Schönheit erfassen und wiedergeben, um mit Kindeslippen ein Gebet um Hilfe an die himmlischen Geister lal­len zu können. Freilich — Engel mit Köpfen wie Zementklötze und mit Flügeln wie Kolbenstangen, mit Bolschewistengesichtern und Terrorfäusten sind zu wenig vertrauenerweckend, um ein Ausdruck der Lehre unserer Kirche von der Welt der heiligen Enael sein zu können.

Und dock» müssen auch wir uns wieder zu der bemütigen Engelverehrung aus kindlichem Glau­ben durchringen. Wie von Jesus nach den 40 Ta­gen des Fastens in der Wüste muß es auch von uns heißen können: „Und Engel kamen und be­dienten ihn"; auch an unserem Grabe muß einst ein Engel sitzen können in leuchtendem Gewände und strahlendem Antlitz, unseren Angehörigen zu verkünden: „Was sucht ihr den Lebendigen unter den Toten; er ist nicht hier; er ist auferstanden? Mit ben heiligen Engeln wird er ein ewiges Alleluja singen!"

SonnkagsherUguKg.

Zum 16. Sonntag nach Pfingsten.

Eine eigenartige Szene: Christus als Gast im Kreise seiner erbitterten Feinde? Ein „Oberster der Pharisäer" hat ihn an einem Sabbat zu Tisch geladen. Gewiß nicht aus Gastfreundschaft! Das zeigt die Bemerkung des Evangelisten: „Sie gaben genau auf ihn acht." Sie wollten Material zur Anklage gegen ihn sammeln. Ihre Versuche, ihn vor dem Volke durch arglistige Fragen bloßzu- stellen, sind schon oft mißlungen und endeten im­mer mit ihrer eigenen öffentlichen Beschämung durch die göttliche Weisheit des Herrn. Nun wol­len sie den Versuch im engen Kreise Gleichgesinn­ter wiederholen. Sie hofften wohl, daß es ihnen hier beim ungezwungenen Mahle gelingen werde, Jesus zu einer unbedachten Aeußerung zu veran­lassen. Oder gar zu einer „gesetzwidrigen" Hand- ^mg! Deshalb wählen sie den Sabbat. Ja, es fdwint, als hätten sie- die Gelegenheit zu einer sol­chen Handlung selbst herbeigeführt. Es ist wohl kein Zufall, daß plötzlich der Wassersüchtige hilfe­flehend vor Jesus steht. Ohne ausdrückliche Zu­stimmung des Hausherrn hätte der Kranke es ge­wiß nicht gewagt, an einem Sabbat in das Haus dieses angesehenen und gesetzesstrengen Pharisäers ffinzudringen.

Der Herr durchschaut die Gedanken und Ab- stchten seiner Gegner sehr wohl; aber dennoch ist er der Einladung gefolgt. Auch für die verblende­

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sam ein Zauberwort für den geplagten Groß­städter, für den Arbeiter an der Werkbank, im Kontor, am Ladentisch, am Schreibputt. Wie ist es ihnen allen zu gönnen, dieses tiefe Aufatmen nach sechstägiger nervenzerreibender Fron! Dis Kirche ist weit davon entfernt, die gesunden Freu­den des Wochenends zu mißbilligen, wenn nur Gott darüber nicht vergessen wird. Aber solche Freuden finden wir nicht in übertriebenem Ge­nuß, im lärmvollen Getriebe mehr oder weniger zweifelhafter Vergnügungslotäle, auch nicht im ausschließlichen Sport, am wenigsten in sündhaf­ten Ausschweifungen. Daß bie Welt heute voll ist von Vergnügungsstätten und dabei erschreckend leer an Freude, kommt vielleicht gerade daher, daß die meisten Menschen gar nicht mehr wissen, was das Wort „Sonntag ist's!" auch in natürlicher Hinsicht bedeutet. Und doch gibt es so viele wirk­lich beglückende, Leib und Seele zugleich erquik- kende Sonntagsfreuden, die jeder sich bereiten kann — bei einem guten Buch, in der Höhenluft echter Kunst, im Familien- und Freundeskreise und nicht zuletzt in Gottes weiter Natur. Unge­zählte reine Quellen rauschen an unserem Wege, aus denen wir Freude trinken können. Freude, die Gott segnet!

Wenn wir den Sonntag so mit dem Geiste des dritten Gebotes erfüllen, dann wird er für uns wirklich das, was er nach Gottes Vaterweisheit fein soll; eine Segens- und Kraftquelle für die Werkwoche. Dann läuten feine Glocken auch in unsern Alltag hinein; dann liegt das Licht seines Sonnenscheins über dem Staub der täglichen Be­rufsarbeit. Und unser Werktag ist gesegnet, weil wir den Sonntag geheiligt haben.

Zum Feste Mariä Gebutk.

8. September.

Bei zwei Heiligen nur feiert die Kirche außer dem Tage chres Todes als des Geburtstages für die Ewigkeit auch den irdischen Geburtstag: beim heiligen Johannes, dem Vorläufer Christi, und bei feiner hochheiligen Mutter selber, der allerseligsten Jungfrau. In diesen beiden sieht sie das Morgen­rot des neuen Erlösungstages emporsteigen. Die Geburt des Täufers ist ja auch in der heiligen Ge­schichte ausführlich erzählt mit all den Wunderzei­chen, die sie umgaben, so daß die Umgebung des heiligen Elternpaares sich verwundert fragte: Was wird wohl aus diesem Kinde werden? Die Geburt der Jungfrau freilich bleibt ganz im Dunkel; der Evangelist, and) St. Lukas, weiß nichts von ihr zu erzählen. Nur die fromme Legende umrankt sie mit ihren Blüten, erzählt von dem innigen Ver­langen Joachims und Annas, der auch bis ins hohe Alter Kinderlosen, von dem Gelübde der Mutter, ihr Kind dem Tempel zu weihen und von der Er­füllung ihrer Sehnsucht nach göttlicher Verheißung. So ist ganz in der Stille das Reis aus der Wur­zel Jesse aufgesproßt, an dem „das Blümelein er­blühen soll im kalten Winter, zur halben Nacht". Und die Welt ringsum ahnt nicht, welche Freude ihr erwachsen soll aus der Geburt des verarmten Königskindes aus Davids Stamm.

Heute freilich jubelt die Kirche in ihrem Stun­dengebet:

Deine Geburt, o jungfräuliche Gottesmutter, hat der ganzen Welt Freude verkündet, denn aus dir ist aufgegangen die Sonne der Gerechtigkeit, Christus unser Gott.

Der den Fluch von uns genommen, Segen uns gebracht, den Tod vernichtet und das ewige Leben uns geschenkt hat.

Gebenedeit bist du unter den Weibern und ge­benedeit ist die Frucht deines Leibes.

So ist Mariä Geburt in Wahrheit unser ka­tholischer „Muttertag", an dem wir aus ganzem Herzen ihr und uns Glück wünschen, der Mutter zu ihrer Geburt die der Welt das Heil verkündet, uns selber, daß wir eine solche Mutter besitzen und ihrer Muttersorge uns freuen dürfen. Seien wir aber auch ihrer Mahnung gedenk, die die Kirche mit den Worten der Weisheit uns wieder­holt: „Nun also, Kinder, höret mich; selig, wer meine Wege beachtet. Wer mich findet, findet das Leben und lchöpft Heil vom Herrn",