Wochenkalender.
Sonntag, 4. September. 16. Sonntag nach Pfingsten.
Schutzengelfe st.
Montag, 5. Sept. Laurentius Justiniani, Bek.
Dienstag, 6. Sept. Vom Wochentag.
Mittwoch, 7. Sept. Vom Wochentag.
Donnerstag, 8. Sept. Mariä Geburt. Hadrian, Mart.
Freitag, 9. Sept. Gorgonius, Mart.
Samstag, 10. Sept. Nicolaus von Tolentino, Bet.
16. Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Epheser 3, 13—21.
Evangelium. Lukas 14, 1—11. Beim Gastmahl des
Pharisäers.
In jener Zeit ging Jesus an einem Sabbat in das Haus eines vornehmen Pharisäers speisen. Sie gaben genau auf ihn acht. Und siehe, vor ihm war ein Mann, der die Wassersucht hatte. Jesus fragte die Gesetzeslehrer und Pharisäer: „Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen?" Sie schwiegen. Da faßte er ihn an, heilte lhn und hieß ihn von bannen gehen. Dann sprach er zu ihnen: „Einem von euch fällt ein Esel oder ein Ochs in die Grube. Zieht er ihn nicht sofort heraus, auch an einem Sabbat?" Darauf konnten sie ihm nichts erwidern. Da er bemerkte, wie die Geladenen die ersten Plätze aussuchten, trug er ihnen ein Gleichnis vor: „Wenn du zu einem Hochzeitsmahle geladen bist, so setze dich nicht an den ersten Platz. Es könnte ja ein Vornehmerer als du von jenem geladen sein, und der, welcher dich und ihn geladen hat, könnte dann kommen und zu dir sagen: Mach diesem Platz. Dann müßtest du beschämt den letzten Platz einnehmen. Wenn du geladen bist, so geh und setze dich an den letzten Platz. Wenn dann dein Gastgeber kommt und dich auffordert: Freund, rücke höher hinauf! so wird dir das zur Ehre gereichen vor allen, die mit zu Tische sitzen. Denn jeder, der sich erhöht, wird erniedrigt, und wer sich erniedrigt, wird erhöht werden."
Eme sinnvolle Heilung.
Wohltaten auf einen Schlag hat der göttliche Heiland nach Ausweis des heutigen Sonntagsevangeliums gastlichen Haus des Pharisäers mit freigebiger Hand gespendet: den Wassersüchtigen hat er von der Inflation des Körpers befreit und die Pharisäer von der Inflation des Geistes, von der abscheulichen Geschwulst des Hochmutes. Denn „wer sich selbst erniedrigt", so beschließt der Heiland seine Lehre, „der wird erhöht werden."
So sucht der Heiland als weisester aller Lehrer mit den Werken seiner Allmacht auch gute Lehren zu verbinden. Diese Praxis des Meisters beobachten wir auch bei der Heilung des Windgeborenen, die uns heute beschäftigt. In der vorigen Lesung haben wir vernommen, daß diese Blindheit keineswegs die Folge einer Sünde war, sondern daß sie die ^ -' rlichung Gottes zum
Zwecke hatte. Lauschen wir nun dem Berichte des hl. Johannes:
„Jesus spie auf die Erde, machte mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: „Geh hin, wasche dich im Teiche Siloe." Das bedeutet „Gesandter." Er ging fort, wusch sich und kam sehend zurück." (Joh. 9, 6—8.)
Eine Tat göttlicher Allmacht. Ohne Operation, ohne Kurbehandlung, ohne Zeitaufwand bekam der Blindgeborene gesunde Augen. Welch ein Staunen wird ihn ergriffen haben, als er den Teich sah, in dem er sich gewaschen, die Straßen, durch die er schritt, die Sonne, die ihm zu Häupten brannte, die Fluren. die sich ringsum ausdehnten, die Menschen, die ihn mit neugierigen Mienen umringten, den göttlichen Wohltäter selber. dem er das köstliche Augenlicht zu verdanken hatte!
Sind wir nicht zum gleichen Dank verpflichtet, wenn wir gute Augen haben? Zu doppeltem Dank, wenn wir sie von Geburt an haben? Ist es nicht eine größere Wohltat, gesunde Augen von Kindheit an schon au besitzen, als erst nach 30 oder 40 Jahren zum Sehen zu kommen? Wenn wir dann und wann einem blinden Mitbruder, einer blinden Mitschwester begegnen oder einen Besuch in einem Blindenheim machen, vergessen wir nicht, dem guten Schöpfer der Augen herzlich zu danken. Gewöhnen wir uns auch daran, die Wunder Gottes in Feld und Wald, am Himmelszelt und auf dem Erdboden verständig zu betrachten und die Geschöpfe als Stufenleiter zu benützen, auf denen wir ^um allmächtigen. allgütigen Schöns er aufsteigen.
Eine Tat göttlicher Weisheit. Es geschah nämlich diese Heilung nicht bloß durch einen inneren, unsichtbaren Akt der Allmacht, sondern auch unter Gebrauch von mancherlei äußeren Handlungen und Zeremonien, die einen reichen Sinn haben, die für nachdenkliche Gemüter beherzigenswerte Lehren enthalten. Das erste ist, daß Jesus mit Speichel und Erde einen Teig, eine Art Salbe machte. Wollte der Heiland damit andeuten, daß er mit dem Vater die ersten Menschen aus Erde gebildet hat? Daß alles Körperliche am Menschen aus der Erde stammt und zur Erde zurllckkshrt? — Das zweite ist. daß Jesus die Erdmasse auf die Augen strich. War das vielleicht so eine „Heilerde". die durch ihre naturgemäßen Kräfte Augen heilt? O nein. Das Gegenteil. Solch ein Erden- pflaster mußte ja die Heilung eher erschweren als befördern. Vielleicht daß der Heiland mit dieser zweckwidrigen Salbe uns lehren wollte, daß alle menschliche Weisheit Torheit ist vor Gott. — Das dritte ist, daß der Blindgeborene zum Teiche Silos gehen muß, sich darin zu waschen. Johannes, welcher sein Evangelium in Griechischer Sprache
geschrieben hat, fügt dem Hebräischen Namen Si- loe zum besseren Verständnis die Uebersetzung bei mit den Worten: Silos, das bedeutet Gesandter. Wenn nun unser Blinder gerade an diesem Teiche die volle Gesundheit erlangt hat, so ist genugsam zum Ausdruck gebracht, daß alle Heilung des Leibes und der Seele von Jesus stammt, dem Sohne Gottes, den der Vater in diese Welt „gesandt" hat.
So hat sich also trefflich erfüllt, was der Heiland zum ooraus erklärt hat: diese Blindheit hat den Zweck, daß die Werke Gottes offenbar werden. Die Heilung eines Blinden ohne Medizin und Kur, dazu in wenigen Augenblicken, ist eine Tat, die sowohl den Heiland selbst als auch den Vater verherrlicht, von dem er gesandt ist. Und noch eins ist zu beachten: die Allmacht sehen wir begleitet von der Weisheit. Vom Blinden hat nämlich der Heiland eine gewisse Mitwirkung verlangt, die für uns sehr lehrreich ist. Welches Vertrauen hat der Winde seinem so gütigen Arzt entgegengebracht. Er hat nicht gedacht: wozu soll ich mich mit Erde bestreichen lassen und mit Wasser mich waschen?. Genau hat er die Anweisungen seines Arztes befolgt in der Ueberzeugung, daß ihm geholfen wird. Auch hat er dem Heiland in nichts widersprochen, sondern hat mit größter Bereitwilligkeit und in blindem Gehorsam seinen Vorschriften sich unterworfen. Vor allem aber — und damit komme ich auf den Anfang der Lesung zurück — hat der Blinde einen bewundernswerten Grad von Demut an den Tag gelegt. Wird er nicht dem Gespött sich ausgesetzt haben, als er, die blinden Augen mit Erde bedeckt, an der Hand eines Knaben den Weg zum Teich Silos zurücklegte? Wird man nickst gesagt haben: ist dieser Mensch vollends närrisch geworden, daß er mit erdbeschmutzten Augen durch die Straßen geht und am hellen Tage am Teiche Silos sich wäscht? Wenn solche Worte gefallen sind, hat sich der Blinde nicht daran gekehrt und sie ruhig hinqenommen. Hätte er am Heiland gezweifelt, hätte er in stolzem Hochmut die demütigende Kur abgelehnt, so wäre seine Blindheit geblieben wie zuvor. Die Demut aber, verbunden mit unerschütterlichem Vertrauen auf den großen Menschenfreund, hat ihm die Augen des Leibes und der Seele zugleich geöffnet. Die Demut fei auch unser Panier. Auf den heutigen Sonntag fällt das Fest des hl. Petrus Claver, der in seiner Demut so weit ging, den ärmsten, verachtetsten Menschen, den Negern, zu dienen und sich „Diener der Neger für immer" nannte. Durch unaufhörliche Gebete und schmerzliche Geißelungen zog er Gottes Segen auf sein Werk herab. Achtunddreißig Jahre setzte er sein Opferleben fort und bekehrte mehr als 300 000 Neger. Heben wir Demut in Gebet, Sakramentenempfang und Nächstenliebe.
Der Talpfarrer.