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Serke 12 / Nummer 3S.

Tugurt in der Sahara, 300 Meilen von der Küste und 120 Meilen von der nächsten katholischen Missionsstation (Biskra) entfernt, eh«n neuen Posten für die Ge­winnung der 57 000 Einwohner des Gebietes errichtet. Die Schwestern gründeten in Verfolg der Methode des indirekten Apostolates, die in den mohammedanischen Gebieten Nordafrikas besonders gepflegt wird, sofort ein Krankenhaus, das schon kurz nach seiner Eröffnung den Zuspruch von 465 Patienten an einem Tage hatte.

HürdmalZchMe len z ichnel in einem be- forderen Erlaß tieZedeMMg des Essener

Katholikentages.

Der Erzbischof von Köln, Kardinal Schulte, richtet aus Anlaß der bevorstehenden Generalver­sammlung der Katholiken Deutschlands, die vom 31 August bis 5. September in Essen stattfindet, soeben folgenden Erlaß an die Erzdiözesanen:

Geliebte Erzdiözesanen!

Eure Aufmerksamkeit lenke ich auf eine Stadt unseres Erzbistums, in deren ausgedehntem Be­reich schon vor über tausend Jahren katholischer Glaube und katholisches Leben herrschten, wo be­reits vor Jahrhunderten, wie die uns erhalten ge­bliebenen kirchlichen Denkmäler und Urkunden des alten reichsunmittelbaren Stifts zeigen, aus katholischer Lebensauffassung heraus Kunst und Wissenschaft gepflegt und in Zeiten, als es eine allgemeine Volksbildung noch längst nicht gab, von Priestern und Ordensfrauen blühende Schulen für die Heranwachsende männliche und weibliche Ju­gend gegründet wurden. Diese Stadt entwickelte sich in der neuen Zeit zum Mittelpunkt gewaltiger Industrien, in deren Bezirk die Zechen und Fabri­ken rauchen, die Hochöfen alühen, die Maschinen rattern und die Stahl- und Eisenhämmer stampfen. Gott Dank hat dabei der katholische Teil der mäch­tig gewachsenen Bevölkerung den angestammten Heiligen Glauben treu bewahrt und trägt ihn tat­kräftig hinein in das vielgestaltige und brausende Leben der Großstadt Essen.

Was die Essener Katholiken vor 26 Jahren schon einmal gewagt und erfolgreich durchgeführt haben, wollen sie in diesem Jahre wiederholen. Mit meinem gern gegebenen Einverständnis haben sie — gemeinsam mit dem zuständigen Zentral­komitee — die Katholiken Deutschlands zur 71. Generalversammlung, die vom 31. August bis 5. September tagen soll, aufgerufen und nach Essen eingeladen

Da möchte ich freudig bewegten Herzens meine lieben Erzdiözcsanen bitten, dieser Einladung Folge zu leisten, soweit die Verhältnisse der einzelnen und der Familien in dieser Zeit der Unruhe, Be­drängnis und Not, unter der wir alle seufzen, es ermöglichen

Die Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands haben vom Jahre 1848 an, da in Mainz die erste abgehalten wurde, unvergleich­lichen Segen gebracht. Ihre Bedeutung ist immer noch größer geworden. „Christus in der Groß­stadt" lautet der Leitgedanke der Essener Tagung, ein Thema, verständnisvoll gewählt, wirklich den geistlichen und sittlichen Nöten der Gegenwart ab­gelauscht. sicherlich auch angepaßt der großen Erz­diözese Köln, wo auf verhältnismäßig deinem Raum etwa 2 400 000 Katholiken und 1 200 000 Nichtkathr^iken oft in erschreckender Dichtigkeit wohnen, wo auch die relativ geringe Landbevölke­rung vielfach engste Lebens- und Berufsbeziehung zur Großstadt hat und von dieser in ihren be­strickenden und gefährlichen Bann gezogen wird.

Möge der Ruf von Essen, „Christus in der Großstadt", v'elhunderttausendfältig in Menschen­seelen widerhallen und überallhin Gnade und S,- gen tragen!

Alle meine teuren Erzdiözesanen, nicht zuletzt die vielen, die gern nach Essen kommen würden, aber nicht dazu in der Lage sind, bitte ich innigst, den Segen Gottes, die mächtige Hilfe der unbe­fleckt empfangenen Gottesmutter, die der Kölner Kirche erste Patronin ist, und die Fürbitte des Hei­ligen Albertus Magnus von Köln, der in schwer­ster Zeit dem Volke am Rhein Führer und Frie­densbringer war, auf die Verhandlungen des Ka­

tholikentages herabzuflehen. Denn „jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Lichter, bei dem kein Wan­del ist und kein Schatten von Veränderlichkeit." (Jak. 1, 17.)

Köln den 9 August 1932.

Karl Joseph Kardinal Schulte,

Erzbischof von Köln.

Rundfunk und âsshsUkenkag.

Der Westdeutsche Rundfunk übernimmt folgende Stunden des Katholikentages auf seinen Sender und gibt sie an die übrigen deutschen Sender weiter. Auch aus­ländische Sender beteiligen sich:

Donnerstag, 1. September:

21—22 Uhr: „Das Deutsche Vater unser" von Gu­stav Kneip, Köln. Der Westdeutsche Rundfunk veran­staltet aus Anlaß des Katholikentages ein großes öffent­liches Konzert im Gürzenichsaal zu Köln von 20—22 Uhr mit der Uraufführung des Werkes von Gustav Kneip „Das Deutsche Vater unser" von 21—22 Uhr. Diese Uraufführung wird von mehreren deutschen Sendern übernommen. Ausführende sind ein eigens zusammen­gesetzter Großchor (auch Kölner Kirchenchöre) Solisten und Orchester des Westdeutschen Rundfunks. Leitung: Kapellmeister Dr. Wilhelm Buschkötter.

Hörbericht vom Aestgoitesdiensl des deutschen Katholiken­tages 1932 in Essen.

Sonntag, 4. September, 9.30—11 Uhr: Gesamtleitung: Direktor Marschall-Köln.

Volksgesang unter Führung der Essener Kirchenchöre (Chordirektor Wernet) — Städtisches Orchester Essen;

1. Einleitung: Glocken — Fanfaren — Instrumentales Vorspiel — Volksgesang: „Dem Hirten laßt erschal­len" — Zwischenspiel des Orchesters;

2. Festpredigt Sr. Eminenz Kardinal Schulte, Erz­bischof von Köln;

3. Orchesteroortrag zur Festkantate von Heinrich Lema- cher;

4. In der Pontifikalmesse Sr. Exzellenz Apost. Nuntius Cesare Orsenigo, Berlin: Festkantate über die II. Deutsche Singmesse des Diözesangesangbuches für Bläser, Schola und Volkschor, eingerichtet von Hein­rich Lemacher-Köln;

5. Schluß: Volksgesang: „Fest soll mein Taufbund immer stehen" — Glocken.

Sonnlag, 4. September, 17—18.15 Uhr:

Große öffentliche Schluhoersammlung des Katholikentages 1932 in den Ausstellungshallen der Gruga, Essen.

Mitwirkende: Essener Kirchenchöre (Leitung Chordirek­tor Wernet) — Städtisches Orchester Essen;

1. Orchestersatz;

2. Ansprache Sr. Exzellenz des Hochwürdigsten Herrn Apostolischen Nuntius Cesare Orsenigo, Berlin;

3. Chorgesang: „Auferstehung und Verherrlichung", Schlußsatz aus dem Tongemälde „Christus Rex", von Gustav Erlemann, op. 54;

4. Schlußrede des Oesterreichischen Justizministers Dr. Kurt von Schuschnigg;

5. Chorgesang: „Der Herr ist König", Psalm 92, für gemischten Chor und Blasorchester, Gottfr. Rüdinger, op. 82;

6. Ansprache Sr. Eminenz des Hochwürdigsten Herrn Kardinals und Erzbischofs Dr. Karl Joseph Schulte von Köln;

7. Gemeinschaftliches Lied: „Großer Gott, wir loben Dich".

Anmerkung: Der Westdeutsche Rundfunk und andere deutsche Sender übertragen diese Schlußversammlung.

Das Aestblall zum Katholikentag.

Nur noch wenige Tage trennen uns von dem gro­ßen Ereignis des diesjährigen Deutschen Katholiken­tages. Diese Veranstaltung wird bei allen Teilnehmern großartige und gewaltige Eindrücke hinterlassen, allein äußerlich schon werden der Festgottesdienst der 200000 auf den Höhen der Ruhrberge, die imposanten Mas­senveranstaltungen und die Kundgebungen der Jugend stets unvergeßlich bleiben. Aber auch der inneren Ge­staltung dieser Tagung, die bekanntlich unter dem The­ma: „Christus in der Großstadt" steht, wird eine über­aus weittragende Bedeutung zukommen. Die Auf- zeigung der Wege, auf denen das Leben unserer moder­nen Kulturwelt mit den alten, ewig wahren Werten des Christentums durchdrungen werden kann, muß über den Rahmen der katholischen Welt hinaus größte Be­achtung finden, weil sie von Wichtigkeit für die geistige Regeneration unseres Volkes überhaupt ist.

Das Festblatt zur 71. Generalversammlung der deutschen Katholiken will die Eindrücke und Werte die­ser Veranstaltung festhalten und weitesten Kreisen zu­gänglich machen. Schon die Tatsache, daß Reden über verschiedene Themen zur gleichen Zeit in verschiedenen Hallen gehalten werden, macht es erforderlich, daß man die Reden in ihrer Gesamtheit nachliest. Es wird deshalb der Bezug des Festblattes allen ein wichtiges

Mittel zur vollen Auswirkung des Katholikentages bsk allen Teilnehmern fein.

Die Bedeutung der Generalversammlung der Deut­schen Katholiken liegt nicht nur in der Erfassung der Massen der Anwesenden, sondern sie muß auch ’ eine Breitenwirkung in das gesamte katholische Volk hinein haben. Was in Essen dargelegt und erarbeitet wird, geht alle an, und ein Funke jener Begeisterung soll auch in das Herz eines jeden überspringen. Dafür ist der ausführliche Bericht des Festblattes der gegebene und wirksame Träger. Außer der Berichterstattung wird am Festblatt eine Reihe führender Persönlichkei­ten aus Wirtschaft, Kunst, Politik und Leben zu den brennendsten Fragen unserer Kultur Stellung nehmen. Dazu werden auch Aufsätze erscheinen, die die besondere Bedeutiing des Ruhrgebietes und der Stadt Essen und deren Verwachsenheit mit dem Katholikentag darlegen. Das Festblatt bildet somit für jeden Teilnehmer eine liebe Erinnerung, und für die, denen eine Teilnahme nicht vergönnt ist, wird es das Erlebnis dieser großen Heerschau des deutschen Katholizismus vermitteln.

Der Bezugspreis des reichbebilderten Festblattes be­trägt für alle sechs Ausgaben zusammen 1,20 Mk. zu­züglich Bestellgeld. Bestellungen nimmt jedes Post­amt (zehnter Nachtrag der Zeitungspreisliste) ober auch der Verlag Fredebeul u. Koenen, Essen, entgegen^

Körperkultur und Sittlichkeit.

Die moderne Körperkultur weist in Stadt und Land Erscheinungen auf, die vom Standpunkt der Sittlichkeit zu ernsten Besorgnissen Anlaß geben. Wenn die Kirche immer wieder warnend ihre Stimme erhebt, so ist sie weit entfernt, die gesundheitlichen und erzieherischen Werte der Leibesübungen zu unterschätzen. Sie will vielmehr Jugend und Volk vor sittlichen Schädigungen bewahren, die sich auf die Dauer unheilvoll auswirken müssen.

Die Leitsätze und Weisungen der deutschen Bischöfe zu den Fragen moderner Körperkultur sind keineswegs ausgehoben, sondern sind auch heute noch für die Ju­gend, die Eltern und Erzieher und für alle, welche im staatlichen und kommunalen Leben etwas zu sagen ha­ben, richtunggebend und im Gewissen verpflichtend. Wir sehen uns veranlaßt, dieselben, so weit sie die moderne Körperkultur betreffen, erneut zu veröffentlichen und verpflichten die Seelsorger, dieselben an einem der nächsten Sonntage auf der Kanzel den Gläubigen vor­zulosen und zu gewissenhafter Beobachtung einzuschär­fen. Sie lauten:

„Auch die vom Christentum gewollte Körper­pflege erstrebt den gesunden, starken, geschickten und schönen Körper, aber im Rahmen der Gesamterzie- hung und in Unterordnung des Körperlichen unter das Seelische. Die hierdurch gezogenen Grenzen liegen da, wo die Gefahrzone für Gesundheit, Schamhaftigkeit und Sittlichkeit wie für Charakter­bildung anfängt

Das Turnen muß nach Geschlechtern getrennt geschehen, und der Turnunterricht muß von Lehr­kräften des gleichen Geschlechts wie die Turnenden erteilt werden. Die Turnkleidung darf das Scham­gefühl nicht verletzen. Badeanzug beim Turnun­terricht ist für Knaben wie für Mädchen nicht zu dulden. Nacktübungen jeglicher Art sind zu ver­werfen. Für die Mädchen ist jede Turnkleidung abzulehnen, die die Körperformen aufdringlich be­tont oder sonst für weibliche Art unangemessen ist. Mädchenturnen soll nur in Hallen oder auf Plät­zen veranstaltet werden, wo die Oeffentlichkeit aus­geschlossen ist. Sofern dies nicht möglich ist, oder wenn eigene Turnkleidung nicht beschafft werden kann, muß man sich auf turnerische Uebungen be­schränken, die im gewöhnlichen Kleid ausführbar sind. Schauturnen und Wettkämpfe der Mädchen und Frauen sind abzulehnen; sie wecken zumeist ganz unweibliche Art. Diese Ablehnung gilt auch für Veranstaltungen innerhalb von Vereinen.

Dieselben praktischen Gesichtspunkte gelten in erhöhtem Maße für Baden und Schwimmen. Die Geschlechter sind zu trennen. Das seitens der Schule angeordnete Baden ganzer Schulklassen darf nur von Personen gleichen Geschlechts beaufsichtigt werden. Schauschwimmen von Frauen und Mäd­chen ist abzulehnen. Bei Strandbädern (an See oder Fluß) ist vollständige Trennung der Geschlech­ter zu fordern, und auf getrennte Aus- und Anklei­deräume, zu deren Einrichtung die Ortsbehörden anzuhalten sind, sowie auf anständige Badeklei­dung und auf beständige Aufsicht zu dringen. Das­selbe ist zu verlangen bei den immer mehr auf­kommenden Freilicht-Luftbädern, und zwar sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.

Auch der Sport muß sich den gezeichneten Grundsätzen einfügen. Er darf daher nicht ein­seitig Höchstleistungen erstreben und muß alles meiden, wodurch Gesundheit, christliche Sitte und

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