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ter Schülern mit Stiletmessern und Pistolen ausgetragcn werden. Im Dritten Reiche wird es wohl so g°hen wie in Chicago, daß auch Damen nicht ohne Revolver in der Handtasche ausgehen können.
Lächerlicher Raiionalismus blüht nicht bloß auf deutschem, sondern auch tschechischem Boden. Für einen waschechten Tschechen existiert auf Gottes Erde einzig das Land Böhmen. Alles andere hat keine Existenzberechtigung oder sollte von Rechts wegen als Provinz der Prager Herrschaft unterstellt werden. Im Hultschiner Revier, nahe der schlesischen Grenze, kau. jüngst ein gefährlicher Dorfbrand aus. In nachbarlicher Hilfsbereitschaft war schleunig eine deutsche Feuerwehr zur Stelle. Aber sie hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die 3 Dorfgewaltigen, der tschechische Bürgermeister mit Schulleiter und Feuerwehrkommandant erklärten: Marsch weiter! Hier habt ihr nichts zu suchen. Es, handelt sich um ein tschechisches Feuer. Ein tschechisches Feuer darf nicht durch deutsche Feuerwehr gelöscht werden. Und faktisch muß sie wieder Kehrt machen. Vergebens protestierten die armen Abbrandler dagegen. Zur Strafe für solchen „Volksverrat" verweigerten nun auch die Tschechen ihren Volksgenossen jeglichen Hilfsdienst, banden ihren Feuerwehrhelm ab und gingen ins Wirtshaus. Da sieht man, wie fanatischer Nationalismus den ganzen christlichen Geist der Nächstenliebe mordet.
Oldenburg. Die rein nationalsozialistisch zusammengesetzte Regierung von Oldenburg hat beschlossen, vom 1. September an die Schlachtsteuer einzuführen. Wie haben die Nationalsozialisten die Schlachtsteuer in Grund und Boden hinein verdammt, und jetzt gehen ihre eigenen Parteifreunde in Oldenburg den gleichen Weg! Es mehren sich eben allenhalben die Anzeichen, daß in einem Dritten Reich mindestens nicht besser regiert - werden würde, wie im Zweiten Reich.
Die Zentrumsmandale im Rcichs'ag. Nachdem Dr. Brüning sich entschlossen hat, das Mandat der Reichs- liste anzunehmen, wird der Wahlkreis Breslau den Syndikus der Industrie- und Handelsbeiräte des Zentrums, Dr. Fonk, in den Reichstag schicken.
Altona. Zu den Ermittlungen über die Handgranatenanschläge in Schleswig-Holstein verlautet von amtlicher Seite, daß auch der in den neuen Reichstag gewählte Nationalsozialist Moder-Altona verhaftet worden ist, der Führer der vierten SS.-Standarte ist in deren Bereich sich sämtliche Anschläge ereigneten. Eine Verletzung der Abgeordneten-Immunität kommt nicht in Frage, da die Sitzungsperiode des Reichstages noch nicht begonnen hat.
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Oesterreich.
Am 19. August verstarb der ehemalige Bundeskanzler und Außenminister Dr. Iohannes Schöbe: im Alter von 57 Jahren.
Kaum vierzehn Tage find verflossen, da Oesterreich seinen Altbundeskanzler Ignaz Seipel zu Grabe trug. Jetzt verliert es in Johannes Schober wieder einen vom besten Wollen beseelten Politiker, der die Geschicke Oesterreichs im letzten Jahrzehnt in stärkstem Maße mitbestimmte und mitgestaltete.
Holland.
Vor kurzem waren in Holland Gerüchte im Umlauf, nach denen gewisse deutsche Parteien zwecks Wiederaufrichtung der Monarchie mit dem Exkaiser Fühlung genommen hätten. Der Abgeordnete Floris Vos brachte in der Kammer auch eine diesbezügliche Interpellation ein.
Ministerpräsident Ruys de Beerenbrouck antwortete darauf zugleich auch im Namen des Außenministers, daß andere als äußerst vage, unkontrollierbare Gerüchte über die Wiedereinführung des früheren deutschen Kaisers in seine ehemalige Würde der Regierung nicht bekannt geworden seien. Infolgedessen habe man bis jetzt auch noch keine Schritte unternommen, um festzu- stetten, inwieweit diese Gerüchte auf Wahrheit beruhten.
Die Frage, ob die Minister, wenn diese Gerüchte auf Wahrheit beruhen sollten, bereit seien, die zu ergreifenden Maßnahmen mitzuteilen, welche für den Fall der Nichtbeachtung des von Wilhelm 11. abgegebenen Versprechens, sich jeder politischen Betätigung zu enthalten, getroffen würden, sei in der vorliegenden Form nicht zu be ntworten. Wohl aber könne die Regierung erneut die Versi-
' gerungen geben, welche sie km Jahre 1920 und vorher gegeben habe, wonach der Exkaiser darauf achten und bedacht sein solle, daß er die ihm gewährte Gastfreundschaft nicht so gebrauche, daß sie mit den Landesinteressen in Widerspruch stehe.
WerS der kaZhsUfchen Presse.
Den spanischen Katholiken scheint es immer mehr zu dämmern, was sie versäumten und nicht toten, um ihre Position zu festigen und zu retten, so daß die Ereignisse sie völlig überraschten und wie eine Sturmwelle plötzlich über sie hereinbrachen. Vor allem hat sich jetzt überall die Erkenntnis durchgesetzt, daß in erster Linie eine tüchtige und leistungsfähige katholische Presse notwendig ist. Das zeigte der katholische Pressetag, der in allen Diözesen mit Hochdruck begangen wurde. M. Ribo bemerkte: „Es genügt denn doch nicht, daß die Katholiken sich immer mit den Worten vertrösten, „die Feinde würden die Kirche in Ewigkeit nicht überwältigen." Diese Versicherung des göttlichen Stifters sei nicht gegeben, um im Dauerschlaf bleiben zu können, und gelte nicht für die einzelnen Länder, sondern für die ganze Welt." El Mati von Barcelona erklärte in seinem Fest- artikel, die katholische Presse sei in Spanien stets vernachlässigt und stets nur kritisiert worden und deshalb hinter jener der Gegner zurück. Wolle man diese schlagen, so heiße es nun, energisch das Versäumte nachzuholen.
Das geflügelte Wort Dr. Se pe s.
Das Jahr 1922 war das große Jahr des soeben verstorbenen Bundeskanzlers Dr. Seipel. Es war die Zeit seiner ersten Kanzlerschaft, in der sein großes staatsmännisches Talent den größten Erfolg zu verzeichnen hatte. Damals gelang es ihm, den Sanierungskredit für Oesterreich zu erhalten, also ein Werk zu vollbringen, das die Rettung des Vaterlandes vor dem drohenden völligen Zusammenbruch bedeutete. In der Brandung jener Tage ragte die Gestalt Dr. Seipels wie ein Fels hervor; er ward von vielen geliebt, von vielen bekämpft, aber von allen geehrt. Freund und Gegner fühlten es und gestanden es auch offen zu, daß dieser Prälat als Bundeskanzler eine kraftvolle Persönlichkeit sei, die rasch und sichtbar in das historische Maß hineinwuchs.
Nichts ist manchmal für eine Persönlichkeit charakteristischer als ein von ihr geprägtes Wort, das Jnhaltswert mit Schwungkraft verbindet. Es gibt Worte, die das Wesensbild ihres Urhebers blitzartig beleuchten, und zu diesem gehört das in snen Tanen von Dr. Seipel gevrägte Wort von der „Sanieruna der Seelen". Nur ein Priester, der auch als Staatsmann den Seelsorger nicht vergaß, konnte diesen markigen Ausspruch formen. Das Wort setzte denn auch rasch Flügel an und flatterte hinaus in die Welt. Es wurde viel zitiert, viel interpretiert, von vielen gedeutet, von manchen mißdeutet, aber von allen als ein Wortzeichen der Zeit in Sprachgebrauch genommen.
Das Wort von der „Sanierung der Seelen" war schon wegen feiner knappen einprägsamen Form ein glücklicher Wurf, und der tiefere Sinn, der ihm innewohnt, erhöhte seinen Jnhaltswert. Es ist auch ein bedeutsames Wort, hier wie dort anwendbar, gültig für jetzt und für später, dabei ein Wort von solch durchsichtiger Klarheit, daß es eigentlich keiner Erläuterung bedarf. Wer mit offenen Augen in unserer Zeiten Wirrnis heineinsieht, der versteht ohne weiteres, was es mit der Sanierung der Seelen fr ;e Bewandtnis hat.
Dieses Wort Dr. S ; wird sicherlich in den Bereich der historischen geflügelten Worte einge- hen. Es drückt in guter Form einen guten Gedanken aus und leuchtet hinein in das seelische Elend der Zeit.
KauZ Keller t«
In Breslau ist am 20. August der Schriftsteller Paul Keller gestorben.
Das Wesen seiner Dichtung und den Quell seiner schöpferischen Tätigkeit hat Paul Keller in dem frohen Leitspruch über einem seiner Romane zum Ausdruck gebracht: „Es ist die größte Lust des Lebens, anderen die Last des Lebens zu erleichtern". Seine Aufgabe zu verwirklichen, war der Dichter
wie geschaffen. Seine Jugend bereits gab ihm ek» frohes und reiches Erbe mit. Ueber feinen Dichtungen schwebt die sonnige Landschaft seiner Jugend- sahre, die schlesischen Gebirgsdörfer, in die ihn der Kram- und Marktwagen seines Vaters trägt
Geboren 1873 in Arnsdorf in Schlesien besuchte Paul Keller nach ungetrübter Jugendzeit das Lehrerseminar in Breslau, betätigte sich vorübergehend im Schuldienste, um im Jahre 1908 sich ganz der Literatur zuzuwenden und die Leitung des Guckkastens zu übernehmen, der glänzend ausgestatte- ten Wochenschrift für Humor, Kunst und Leben. Im Jahre 1912 folgte die Gründung der Monatsschrift „Die Bergstadt", eine der besten katholischen deutschen Zeitschriften auf dem Gebiete der Literatur, die in kurzer Zeit schon eine fünfstellige Abonnentenziffer aufweisen konnte — dank des Namens und der Leistungen ihres Leiters.
Mit dem Novellenband „Gold und Myrrhe" (1898) hatte Paul Keller seine dichterische Laufbahn begonnen, eine Laufbahn, auf der er der beliebteste Erzähler des Volkes und der Jugend bleiben sollte, ein Sänger deutscher Landschaft und Künder der Seele des Volkes und vor allem des Kindes. Den Schulmeister kann der Dichter zwar nie ganz verleugnen: er tritt uns entgegen aus den Heimatromanen „Waldwinter" (1902) und „Die Heimat" (1904), aus den Plaudereien „Der alte und der neue Schulschrank", „Der Schultornister" und „Die Wunderorgel": aber immer ist es ein humorvoller und gut gelaunter Schulmeister: der Dichter, der bereits vor dem Kriege den Weg zum Volkstum jenseits der Gren- ■ zen gefunden hat, schreibt 1907 die „Alte Krone", ein serbisches Sagenbuch, und darauf aufbauend die politischen Bekenntnisromane „3n fremden Spiegeln" (1921) und „Die vier Einsiedler" (1923). Romane wie: „Der Sohn der Hagar" (1907), „Die fünf Waldstädte" (1910) und „Ferien vom Ich" (1915) zählen zu den bekanntesten Werken des Verfassers.
Einen glücklichen Griff tat der Dichter, als er das Märchenland der Romantik der deutschen Lr- teratur wieder zuführte in Schöpfungen wie: .Das letzte Märchen (1905) und „Frühlingsmar- eben", oder in der reizenden Novellen fammlung , Das Niklasschiff", deren Volkstümlichkeit an Johann Peter Hebel erinnert oder Geschichten eines Peter Rosegger.
Paul Kellers Bekenntnis zum Katholizismus - hat den tiefsten Ausdruck gefunden in seinem „Papst"-Hvmnus, dessen wuchtige Strovhe anläßlich der Katholikenversammlung in Wien Hun- derktausende zur Begeisterung emporriß:
Ragender Fels in der Zeiten Drang, Stetiger Geist ohn' Furcht und Bang
Ragende Wog' und Wetternacht
Haben dich nimmer zu Fall gebracht.
Brecher der Brandung und Trutz dem Sturm,
Stehst du im Meer, ein fester Turm:
Heiliger Vater, der Kirche Zier
Der Herr, der Herr, der Herr sei mit dir!
Des Dichters Liebe zum deutschen Vaterland« hat ihn in dessen schwerster Zeit die Worte niederschreiben lassen: „Vaterland, das Unvergängliche, läßt sich wohl besudeln, nimmer entseelen.
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Dr Adolf D anders, Lichtstrahlen. Religiöse Ge- danken im Werktagsleben. 3 Bände. 8° Freiburg rm Breisgau 1932, Herder. 3 Bände in einem Lemenband 5R0 Mk 1. Band: Es werde Licht. (VI uu. llo S.) 140 Mk.: kartoniert 1.80 Mk. 2. Band Das Licht der Welt (VI u 148 S.) 1.40 Mk.-, kartoniert 1.80 Mk. 3 Band: Wandelt im Licht. (VI u. 118 S.) 1.40 Mk.; kartoniert 1.80 Mk. Den vielen vor Lebensangst und -hast eng und kurzsichtig gewordenen Menschen bringt dieses Buch Licht in die Seele: Gottes Wort laßt sie ihre durchs Tageseinerlei oft überdeckte und vergessene Macht empfinden. Ein Christ und verstehender Zeitgenosse spricht sich vom Herzen, was ihm selbst und was übern Geaenwartsmenschen die „Worte des ewigen Lebens aus der Heiligen Schrift als Trost, Stärkung, Rlchtweiser ein können. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, andern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes 'ommt." Es wird heute nicht viele Bücher vom religiösen Leben geben, die jenes Wort so lebendig, ruhig, über» reuqend und beglückend erweisen. Während das erste dieser „Trostbücher" nach der Bibel von Gott, von den Geheimnissen der Religion, von der Menschenseele und ihrem Drang hinauf: vom „Oberreich" also spricht, handeln Band 2 und 3 — dem liturgischen Gesang des Kir- ■ chenjahres folgend — vom Leben in „dieser Zeit", seiner Bemächtigung aus Kraft der Seele. Alle könnten es als Haus- und Besinnungsbuch gleich gut brauchen!