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Seite 6 / Nummer 35.

kommissar solche Verbände als besonders geeignet bezeichnet, die durch Gemein'chaftsideen, welche außerhalb des freiwilligen Arbeitsdienstes liegen, ihre Mitglieder zusammenfassen und in der Lage sind, für die Maßnahmen des freiwilligen Arbeits­dienstes einen bestimmten Stamm von Arbeits­dienstwilligen zu stellen.

Zum Arbeitsdienst können grundsätzlich nur Arbeitsdienstwillige bis zu 25 Jahren zugelassen werden. Eine Ausnahme ist vom Reichskommissar nur für die Führerawsbildung und -Verwendung in dem erforderlichen Umfange zugelassen worden.

Ais Meldestellen für Arbeitsdienstwillige, die sich nach den neuen Bestimmungen bekanntlich nicht lediglich auf Unterstützungsempfänger beschränken, sind in allen Fällen die Arbeitsämter bestimmt wor­den. Meldungen beim Reichskommissar oder den Bezirkskommissaren sind daher zwecklos. Die Ar­beitsämter sind angewiesen worden. Wünschen von Arbeitsdienstwilligen, zu besondere« Maßnahmen zugelassen zu werden, möglichst zu entsprechen.

Ein begrüßenswerter Erlaß.

Der preußische kommissarische Innenminister Dr. Bracht hat einen sehr begrüßenswerten Erlaß herausgegeben, der den von dem katholischen Volks­teil so oft schon dringend erhobenen Forderungen auf Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit in etwa nachkommt. In diesem Erlaß wird das in der Nähe von Berlin besonders eingefressene Nackt­baden verboten und die Polizeibehörden angewie­sen, den wilden Badebetrieb schärfer zu überwachen. Ausschreitungen und Unanständigkeiten zu unter­drücken. (Da müßte freilich mit dem sog. „Fa­milienbad" zuerst Schluß gemacht werden!) Ver­boten werden ferner alle Nacktdarstellungen in sog. Revuen und Theatern im Interesse der deutschen Frauenwürde. Ebenso wird der sozialistischen sog. „Freikörperkultur" (Nacktturnen) das schmutzige Handwerk gelegt. Ferner soll die Polizei swär- ser die Straßen, Buchhandlungen, Kirche und an­dere Einrichtungen überwachen, um dem Schmutz, der sich namentlich in Großstädten breit macht und den deutschen Namen schändet, ein Ende zu machen. Hoffentlich wird jetzt auch durchgegriffen, es ist höchste Zeit!

Die Personalveränderungen in Preußen.

Auf Grund der Verordnung über die Neuglie­derung von Landkreisen vom 1. August 1932 hat die preußische Staatsregierung nunmehr zahlreiche Perjonalvsründerungen beschlossen.

Für die Provinz Hessen-Nassau sind in diesem Zusammenhänge folgende Personalien zu melden:

Zum 1. Oktober werden in den einstweiligen Ruhestand versetzt die Landräte: Dr. Wiechens- Gersfeld. Treibert-Fritzlar. von Uslar-Wolfhagen, Beaucamp-Kirchhain, Kolb-Schmalkalden, Coß- mann-Biedenkopf.

Während die bisherigen Verfetz^aen in den einstweiligen Ruhestand vorgenommsn werden, wird eine kleine Anzahl anderer Landräte, darun­ter Landrat Gröninger-Witzenhausen mit soforti­ger Wirkung in den Ruhestand versetzt.

Zum 1. Oktober 1932 werden die nachbenann- ten Beamten zu Landräten der folgenden neu- gebildeten Landkreise ernannt: Zum Landrat des Landkreises Fulda der Landrat Frhr. von Gagern- Fulda; zum Landrat des Streifes Fritzlar der Landrat Frhr. von Funck-Homberg; zum Landrat des Kreises Kassel der Landrat Dr. Ohle-Kassel; zum Landrat des Kreises Marburg der Landrar Schwebel-Marburg. Mit der kommissarischen Ver­waltung des Kreises Witzenhausen wird der Land rat von Uslar-Wolfhagen betraut.

Gemeindewahlen in Preußen?

In politischen Kreisen wird damit gerechnet, daß ein Antrag der Nationalsozialisten im Land­tag auf Durchführung der Gemeindewahlen unter Umständen Erfolg haben könnte, da die Kommu­nisten auf Grund ihrer Erfolge bei den Reichs­tagswahlen voransüchtlich zustimmen werden. Da­mit wäre die Annahme des Antrages gesichert, denn Nationalsozialisten und Kommunisten ver­fügen mit zusammen 219 Stimmen im Landtag

lieber die absolute Mehrheit. Es wird sich dann allerdings noch der Staatsrat mit einem solchen Antrag befassen, und es ist noch nicht vorauszu­sehen. welche Stellung dieser einnimmt. Für den Fall der Annahme des Antrages wäre mit Neu­wahlen im Oktober zu rechnen.

Die Toten der „Niobe".

Nachdem es endlich gelungen war, das Wrack zu heben, begann die Bergung und Identifizie­rung der Toten. Leider hat sich die Vermutung als richtig erwiesen, daß nicht alle Toten aus dem Schiffsrumpf würden geborgen werden können. 35, mehr als die Hälfte, hat das Meer behalten, und es besteht wenig Aussicht, daß sie noch einmal an Land getrieben werden.

Das ganze deutsche Volk vereint sich mit den Hinterbliebenen in der Trauer um die hoffnungs­vollen jungen Seeleute, die auf so tragische Weise ums Leben kamen, die stolz und fröhlich hinaus­fuhren auf das Meer, das sie liebten, und die heute in der kühlen Erde oder auf dem Meeres­boden ruhen. Nicht minder groß ist das Mitge­fühl mit den Angehörigen der Toten.

Die Flaggen auf Halbmast erzählten am Diens­tag von dem schwersten Unglück, das die deutsche Neichsmarine nach dem Kriege ereilt hat!

Thüringen.

Der Thüringische Landtag wählte am Dienstag seinen Präsidenten und Vizepräsidenten. Die größte Fraktion wird naturgemäß den Präsidenten stellen. Der Vizepräsident wird wohl aus dem Thüringer Landbund ernannt werden, da die Na­tionalsozialisten grundsätzlich gegen die Sozial­demokraten sind. Der Aeltestenrat wird dann nach § 10 der Geschäftsordnung gebildet. Er setzt sich zusammen aus dem Präsidenten und seinem Ver­treter und aus den Vertretern der Fraktionen, wo­von die größeren je sieben Abgeordnete einen Ver­treter, die kleinen einen Vertreter stellen. Bei dem Zusammentritt des Landtages führt das älteste Mitglied, wenn es aber ablehnt, das nächstälteste Mitglied den Vorsitz.

MufssNni und HMer.

Ein großer Unterschied der Person und Sachen!

Hiller hat beim Reichspräsidenten beansprucht, daß er in Deutschland die Rolle spielen wolle, die Mussolini im Oktober 1922 nach seinem siegrei­chen „Marsch auf Rom" spielte. Hitler vergaß dabei einiges, was zur Beurteilung seines An­spruchs von Bedeutung ist. Zunächst vergaß er, daß er kein Mussolini ist, da seine ganze Kunst und Kraft im Mundwerk liegt. Dann hatte er übersehen, daß er selbst gar keinen siegreichen Marsch auf Berlin hinter sich hat, da feine Ab­geordneten nur etwa ein Drittel des Reichstages ausmachen und seine SA.-Leute schon zehn Jahre lang vergeblich auf diesen Marsch warten müs­sen, da Hitler weiß, daß sie mit blutigen Köpfen heimgeschickt würden. Hitler täuschte sich auch in anderen Punkten. Mussolini fand im italie­nischen Parlament, das ebenso wie das deutsche in freier Wahl gewählt war, eine parlamentariick- Mehrheit von 306 gegen 116 Stimmen für ' Regierung. Und der italienische Reichstag be­schloß mit 275 gegen 90 Stimmen seine Verta­gung auf unbestimmte Zeit. Hofft Hitler ein ähn­liches Resultat im deutschen Reichstag zu erzie­len? Die Zeit, in der Hitler den Marsch auf Ber­lin hätte probieren können mit einer wenigstens geringen Hoffnung auf Erfolg, ist längst vorbei. Er hat den Termin räumt. Heute, wo das deutsche Volk die Methoden und Ziele Hitlers ge­nau kennt und zu zwei Dritteln mit aller Ent­schiedenheit ablehm. heute, wo Hunderttausende bef­reit sind, für ihre politische Freiheit gegen die SA.- Leute von Hitler zu kämpfen bis aufs Blut, heute ist die Zeit eines Putsches vorüber! Hitler muß sich entscheiden, daß er sich aus einem politischen Revolutionär und Putschisten zu einem vernünfti­gen Politiker entwickeln soll. Das fällt ihm schwer. Wahrscheinlich tob^n auch alle Voraussetzungen! Aber durch die Pose eines Mussolini macht er sich nur lächerlich! Seine Feinde fangen schon an. ihn Schmusolini zu nennen. Er muß also an­fangen. ernst zu machen, sonst geht es seiner Par­tei schlecht.

Die „Religion" der Nslionalsozialisle».

Der Jesuitenpater Koch schreibt im Juli-Heft der „Stimmen der Zeit" (Freiburg, Herder):

„Eine Strömung wie die Rasfenbewegung, die triebhaft in allen Menschen schlief, doch heute überall mächtig aus dem Boden quillt und bei uns infolge schicksalsschwerster Erlebnisse zu einer brau­senden Gärung vieler Millionen geworden ist, muß wohl neben frühlingsverheißenden Kräften der Neugeburt auch Geröll mit sich führen und kann in ihrem Ungestüm leicht zu einer Ursache todbrin­gender Verwüstung werden. Volkshygiene, Ras- ienhygiene, Eugenik dienen, richtig umgrenzt, dem Wohle des Vaterlandes. Die Pflege des Gemein- fchaftsgefühls und der Volksverbundenheit, des Heimatsinnes und nationaler Gesinnung, das Er­wachen zu berechtigter Selbstbehauptung,' die stär­kere Betonung der guten Eigenschaften des deut­schen Wesens, das alles sind in der Tat Aufgaben, die uns auf der Seele brennen. Das große Ver­hängnis aber ist jener Radikalismus, der im Banne einer leuchtenden Idee blind wird für die gegebenen Wirklichkeiten und sich durch fein drän­gendes Stürmen dazu fortreißen läßt, gerade die Mächte am leidenschaftlichsten zu bekämpfen, die seiner wahren Grundidee am freundlichsten gegen­überstehen und sie am besten zu fördern imstande sind. Daher kommt die falsche Einstellung zur Religion, insbesondere zur katholischen Kirche. Das große Verhängnis des Nationalsozialismus und verwandter Strömungen ist deren Befangen­heit in darwinistifchen Gedankengängen. Die Seele, von der die Nationalsozialisten so begeistert sprechen, ist ihnen nicht der von der Gottheit ein­gebrachte Odem des Lebens, sondern selbst wieder in Stoff gebrannter Mythus, wesentlich abhängig und unrettbar bestimmt durch den Rhythmus des Blutes, wobei wenigstens Rosenberg glaubt, alles Notwendige für die Blüte der Höchstwerte einer Rasse sei schon in deren Ursprung niedergelegt und müsse nur bewußt werden. Auf den ersten Blick könnte man vielleicht meinen, daß die nationalso­zialistische Feindseligkeit gegen die katholische! Kirche nebensächlich sei, während der Marxismus, die Vernichtung des ganzen Christentums und aller Jenseitsreligion notwendige Aufgabe der Selbst­behauptung sein muß. Bei näherer Prüfung sieht man aber, daß der Mpthus vom 20. Jahrhundert das Evangelium einer Bewegung zu werden droht, der die Vernichtung der katholischen Kirche, beson­ders die Ausschaltung des Papsttums aus dem öffentlichen Leben, wesentliches Programm ist. Im Grunde verkündigt das nationalsozialistische Prophetentum eine rassisch betonte, rassisch be­schränkte Naturreligion."

Die Encykiika „S -aSragefimo anno“ «Md Beten praMsche KnroenBnng.

Bei der Münchener Papstfeier, die aus Anlaß des 10. Krönungstages Sr. Heiligkeit Pius XL in der überfüllten St. Michaelskirche vor den Vertretern des Staates und der Stadt stattfand, hielt Sr. Em. Kardinal Faulhaber die Festpre­digt. Diese befaßte sich mit den Hauptgedanken des Weltrundschreibens Pius XI. „Ueber die Ge­sellschaftsordnung" in der markanten und uner­schrockenen Sprache des Führers, dessen Worte nicht bloß von den Hörern mit dankbarster Auf­merksamkeit ausgenommen mürben, die auch au­ßerhalb Münchens einem starken Echo begegnen werden.

Ein ernstes neues Wort des Papstes: Der Hl. Vater anerkennt die chriftl. Gewerkschaften.

Mit einem großen Verstehen für den wirtschaft­lichen Kampf um das tägliche Brot und für die see­lischen Kämpfe unter dem Druck der Not, mit einer großen väterlichen Liebe zum Arbeiter hat der Hl. Vater den Weltbrief Quadragesimo geschrieben. Wer ihn langsam durchliest und wiederholt auf sich wirken läßt, wird den Pulsschlag seines väter­lichen Herzens aus jeder Zeile fühlen. Papst Leo hatte gefordert, die Arbeiterklasse müsse in die Ge­sellschaft wirklich eingegliedert werden und die Ver­einsfreiheit erhalten, die Arbeiter dürften nicht wie Staatsbürger zweiter Klasse betrachtet, nicht wie eine Ware oder Maschine behandelt werden, die wirtschaftliche Lage des Arbeiters müsse gebessert, sein Leben in gefährlichen Betrieben geschützt wer­den. Papst Pius dankt den Männern, die bei der ozialen Gesetzgebung, in der Wissenschaft der Ge- ellschaftslehre und in den Arbeiterverbänden mit« wirkten, und begrüßt ein Arbeiterrecht, das die