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schlichte Leiste sind! Und da steht dieser Augustinus 1 dieser große, gewaltige, dieser sprühende Feuer­asist, der Jahrhunderte mit seiner Lebensweisheit überdauert! Muß nicht mancher Sohn, manche ' Tochter unserer Tage vor dem Angesicht dieses Heiligen gerade am Augustinustage, klein werden ■ und sich bis tief ins Herz hinein schämen? Warum Hilden nicht vielmehr Söhne und Töchter ihrs höhere Bildung und in ihren besseren Stellungen « diese aus, das schlichte, vielleicht manchmal noch recht kümmerliche Leben der alten Eltern heller, freudiger, leichter zu gestalten? Wir wollen bei oller Bewunderung für Augustinus' geistige Größe ganz gewiß nicht seine hohe Kindesachtung vor der Mutter vergessen. Und wenn es so man­chen Sohn und so manche Tochter gibt, die meinen: nun ja, die heilige Monika war aber selber eine gebildete Frau, mit der man reden und sich unter­halten und seine Gedanken und Ideen austauschen konnte, aber unsere Mutter —--. Nun, so wollen wir diesen ^agen, daß sie selber noch längst kein Augustinus an Wissen und Können und gei­stiger Höhe sind, also getrost mit ihren schlichten Eltern daheim im kleinen Städtchen oder auf dem Dorf „vorlieb" nehmen dürfen!

Und so mancher Mutter, die seufzt, ihr Kind sei ihr so ferngerückt, so ganz von anderen Ideen befangen, sei zugerufen: werdet Mütter, wie die hl. Monika eine Mutter gewesen ist! Groß in der Liebe und groß im Gebet! Treu eurem Kinde und treu eurem Golt! Wie oft war die hl. Mo- n ka untröstlich über die Irrwege, die ihr Kind einqeschlaaen, in denen es sich verstrickt hatte, wie hat sie gelitten und gebetet und doch gewann sie Mut und Trost aus den Worten, die einst ein Bischof zu ihr gesprochen hatte, daß der Sohn so vieler Tränen nicht verloren gehen könnte! Welch wunderbares Wort! Welch mächtiger Gedanke! Ergeben sich nicht manche Mütter mehr in Klagen und Jammern über ihre Kinder, statt im Gebet und Tränen heißen Mutterherzens vor Gott?

Ihr Mütter, unsere Zeit braucht tüchtige Söhne, Gotteskinder und Gottesstreiterl Gotteskünder und Gottesapostel! Verliert nicht so leicht den Mut, wenn euer Gebet nicht gleich Erhörung findet, ver- r liert nicht den Glauben an eure Kinder, wenn sie euch nicht gleich aufs Wort folgen wollen! Groß und leuchtend wie selten steht der Augustinustag heute vor uns — der Weg zu Gott mag weit und beschwerlich, voller Dornen und Disteln und Steinen sein, den eure Kinder wandern müssen — bleibt ihnen auf diesem Wege getreu, wie Monika ihrem Sohn getreu gewesen ist! Betet, wie Monika ge­betet hat! Geht euren Kindern nach, wie Monika Augustinus nachgegangen ist! Und ihr Kinder, nehmt nicht die Sponhelden, die Filmlieblinge, die Eroberer der Technik euch als Vorbilder, sondern Menschen des Geistes, Menschen der Liebe, Men- I sehen. denen der Herrgott bereits das Siegel der Ewigkeit und Heiligkeit auf die Stirne gedrückt hat!

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In der italienischen Zeitung Corriere della Sera wurde unlängst ein stimmungsvoller Artikel über die Kirche San Pietro in Ciel d'Oro veröffentlicht in dem die sterblichen Ueberreste des größten Kir­chenlehrers des Abendlandes, des hl. Augustinus, ruhen Der longobard-sche König Luitprand ließ um 720 die Gebeine Augustini von Sardinien in das vorerwähnte Heiligtum in Pavia überführen. Unter den vielen alten Basiliken Pavias ist die von San Pietro in ihren graziösen und doch uneben- mäßigen Linien, im Glanze der Fayencen, die d'e Fassaden zieren, gewiß nicht die unscheinbarste. Ihr wurde das Los zuteil, einen der größten Heiligen der Christenheit zur ewigen Ruhe aufzunehmen. So­bald man in die in ihrem Inneren sonst einfache und streng gehaltene Kirche eintritt, sieht man das großartige, weiße Grabmonument am Hauptaltar: ein gotisches Kunstwerk, aus vielen reichgeschmück ten Statuen, Säulen und Pfeilern bestehend. Es stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhun­derts und wird Bonino da Eampione oder Matteo zugeschrieben. In der Mitte des Monuments sieht man in Lebensgröße die ergreifende Szene des Todes des Kirchenvaters, der dort im priesterlichen Ornat von Gott und den Engeln bewacht und von

Heiligen umgeben liegt Die Jahrhunderte haben dem Grabmal die in Italien so oft bewunderte Gla­sur des Elfenbeins verliehen. Einmal im Jahre werden die Reliquien des hl. Augustinus, die sich hinter dem Gitter des Altars befinden, dem Volke gezeigt. Dier mächtige Schlüssel hüten das Reli- quiar. Dieses wurde anfänglich in der unterir­dischen Krypta von Benerdiktinern und danach von Augustinern aufbewahrt, um gegen jede Beraubung sicher zu sein. Die geweihte Stätte war in allen Jahrhunderten das Ziel zahlreicher Pilgerzüge. Päpste, Kaiser, Könige, He^sührer und Dichter, unter ihnen Petrarca (1304—1374) besuchten das Grab Augustini. Mit der Zeit beanspruchten auch andere Kirchen in Pavia die Reliquien des Kir­chenvaters zu besitzen, so daß diese besonders im 18. Jahrhundert eine Wanderschaft durch mehrere Basiliken der lombardischen Stadt antraten. Leo XIII ordnete ihre endgültige Ueberführung nach San Pietro in Ciel d'Oro an, wie eine Marmor- tafel mit schönen lateinischen Hexametern des Dichterpapstes erzählt.

St Augustinus und unsere Fs).

Das erste Amt unseres Herrn ist, Heiland sein, nicht Richter.

Der liebt einen Menschen wahrhaft, der Gott in ihm liebt.

Christus würdigt sich, in den Armen zu hun­gern, damit wir Ihm etwas tun könnten. Jeder schaut aus nach Christus, wie er im Himmel thront; achte du auf Ihn, wie er dort am Tore liegt; sieh Ihn dürstend, frierend, darbend, wandernd!

Meine Brüder, es ist so, daß die Gemeinsam­keit des menschlichen Loses erst so recht empfunden wird, wenn die Hand des Gebers sich in die Hand des Armen legt.

Ihr Armen, hört meine Frage: Was habt ihr denn, wenn ihr Gott habt? Ihr Reichen, hört meine Frage; Was habt ihr, wenn ihr Gott nicht habt?

„Angslus."

Wer kennt nicht das schöne Bild des franzö­sischen Malers Jean Francois Millet, das den Titel „Angelus" trägt?

Friedliche Abendstimmung: Zwei Landarbeiter, der Mann barhäuptig, seine Mütze in den Hän­den vor sich haltend, die Frau mit gefalteten Hän­den; beide stehen gesenkten Hauptes in Gebet ver­sunken auf weiter Flur, da das Angelusläuten aus der fernen Dorfkirche zu ihnen herüberklingt.

Es ist die Verfinnbildung eines schönen, alten Brauches, der in allen katholischen Ländern, be­sonders von der frommen Landbevölkerung, geübt wird.

Dreimal am Tage erschallt der Glocke Ruf zum Gebet. In der Frühe weckt sie den Christen zur Arbeit, die er mit einem Gebet beginnen soll. Am Mittag ertönt sie, um zu kurzer Rast aufzufordern und zur Stärkung durch die Hauptmahlzeit. Zum dritten Mal erklingt der Glocke Stimme, um den Feierabend einzuläuten. Den letzten Gedanken bringt des Künstlers Bild zum Ausdruck.

Dieses „Angelus"- oder „Aveläuten" erinnert an den „Englischen Gruß", d. h. an die Worte, mit denen einst der Engel Gabriel (nach Lukas 1, 28) der hl. Jungfrau die Menschwerdung unseres Er­lösers verkündigt hat: „Ave gratia plena. Dominus tecum. Benedicta tu in mulieribus, Gegrüßet sei du, Gnadenvolle. Der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Weibern."

Mit diesen Worten beginnt auch das Gebet, das wir heute den „Englischen Gruß" oder das „Ave Maria" nennen und das wir beim „Angelus" drei­mal beten. Es mürbe ursprünglich, d. h. seit den Tagen des Papstes Gregor I. (590—604) nur vom Priester beim Offertorium (Opferung) der hl. Messe des vierten Adventssonntags gesprochen, später jedoch, im 16. Jahrhundert wurde es durch eine Bitte an die Gottesmutter erweitert und als allgemeines Gebet üblich das wir fast immer im Anschluß an das „Vater unser" beten.

Außer dem dreimaligen „Ave Maria" beten wir beim Angelusläuten einen dreiteiligen Spruch, der in außerordentlich sinnvoller Weise den Vorgang

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dieses für die Christenheit grundlegenden Geheim- nisses der „Verkündigung" verdeutlicht.

Zuerst eine Andeutung des wunderbaren Ge­schehens: „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist." — Dann die Worte der hl. Jungfrau: „Siehe, ich bin eine Magd des Herrn; mir geschehe nach Deinem Wort." — Zum Schluß die schlichte, aber so unendlich bebeutvnasnolle Bestätigung der wun­derbaren Wirklichkeit: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt." — An feden dieser Sprüche schließt sich das „Gegrüßet seist du, Maria . . ." und es folgt zum Abschluß des Ganzen die bekannte inständige Bitte um die Eingießung der göttlichen Gnade durch die Mensch­werdung und den Kreuzestod unseres Erlösers.

Die Bezeichnung Angelus- oder Aveläuten ist in Deutschen Ländern meistens ersetzt durch den Aus­druck: Es wird „Der Engel des Herrn" geläutet oder gebetet; am Abend nennt man es auch wohl Vesperläuten.

Fragen wir uns nun einmal, wie „Der Engel des Herrn" geläutet oder gebetet wird, oder doch geläutet und gebetet werden sollte. Dreimal drei einzelne Glockenschläge, entsprechend den drei Sprüchen, erfolgen in solchen Abständen, daß der Beter mit Ruhe und Andacht jedesmal ein „Ave Maria" einschalten kann, und erst dann erfolgt, meistens mit einer anderen Glocke, ein regelrechtes Läuten, das ebenfalls der Dauer des Schlußge­betes entspricht. Die Voraussetzung für die rich­tige Art des Läutens und Betens ist natürlich die rechte Gesinnung dessen, der die Glocken bedient und auch weiß, was sein Tun bedeutet.

Wenn wir einmal darauf achten, ob auch heute noch dieser schöne Brauch geübt wird, wie dieser Sinn es vorschreibt, so werden wir mit Bedauern bemerken, daß dies nicht immer der Fall ist. Es mag verziehen werden, wenn mal die vielbeschäf­tigte Frau des Küsters oder gar eines seiner Kin­der in dessen Vertretung die Glocke zieht und zwar so hastig, daß der Beter nicht „mitkommen" kann. Manchmal trägt der mangelhaft einge­stellte Mechanismus eines elektrischen Läutewerkes infolge der Achtlosigkeit des Auftraggebers die Schuld an dem schlechten Läuten, was vermieden werden sollte. Wenn aber das Läuten durch gläu­bige Angestellte besorgt wird, so darf man mit Recht erwarten, daß es auch im rechten Geiste ge­schieht. Wir Katholiken können auf Reisen mit­unter feststellen, daß in protestantischen Gegenden noch heute die Erinnerung an die katholische Ver­gangenheit in den alten Gotteshäusern fortlobt und das Angelusläuten in der hergebrachten strengen Form erfolgt, wenn auch den Gläubigen das eigentliche Verständnis dafür verloren gegangen ist. Auf die Frage der Bedeutung des Läutens erhält man die Antwort: „Das stammt noch aus katholischer Zeit" Läutet man dort richtig, warum nicht überall bei uns?

Wohl uns Katholiken, die wir noch teilhaben können an den reichen Schätzen schöner alter Sit­ten und Gebräuche, die uns die Kirche aufbewahrt hat und zur täglichen Befolgung und Auswertung darbietet. Kaum ein Gebrauch ist so bedeutungs­voll und so sinnig wie der des Angelusläutens für den christlichen Alltagsmenschen.

Wenn, nach dem Vorbilde der frommen Beter des Milletschen Bildes, der Arbeiter in der Werk­statt, der Angestellte eines Fabrik betriebes, der Beamte oder Gelehrte in feinem Arbeitszimmer, der Wanderer auf der Landstraße oder der Bürger im Straßengewühl beim Läuten des Angelus sich besinnt und für einige Minuten seine Gedanken auf das tiefste Geheimnis der christlichen Kirche richtet, so wird dadurch niemand geschädigt. Dem stillen Beter aber wird das zuteil, was wir alle besonders in unserer großen Not der Jetztzeit zu erflehen stärkste Veranlassung haben: Gnade.

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