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Sâs 6 / Nummer 34.

nur bäuerlichen Besitz) ausweist. Wie erklärt s:ch die Radikalisierung der oldenburgischen Bauern? Der oldenburgische Bauer ist fortschrittlich. Er hat in der Jnflations- und Nach,Inflationszeit feinen Betrieb modernisiert und baber — in Der Hoffnung auf eine dauernd günstige Konjunktur — Schulden gemacht. In der Hoffnung wurde er getäuscht; die Schulden blieben und stiegen von Jahr zu Jahr aus 20-, 30-, 40», 50 000 Mk. und mehr. Das Tragische dabei ist, daß gerade die Höfe, auf denen am modernsten gewirtschaftet wird, die darum für die Allgemeinheit am mei­sten leisten, am stärksten verschuldet wurden. Das ständige Ansteigen der Schulden hat die Bauern wirklich aus dem Fasson gebracht; ihre „Wut" (das Wort darf man ohne Uebertreibung ge­brauchen) richtet sich in erster Linie gegen den hohen Zinsfuß, der landwirtschaftlich ja auch nicht tragbar ist. Immer wieder bekommt man zu hören: „Wir würden uns mit allem abfinden und auch durch die allgemeine wirtschaftliche De­pression uns nicht unterkriegen lassen, wenn nur die Schulden Md Zinsen nicht wären. Uebernimm meinen Zinsendienst und ich bin — trotz allem andern — wieder ein friedlicher Bürger. Aber sehen, wie das Erbe meiner Väter — ohne meine Schuld — mir von Jahr zu Jahr mehr aus den Händen entgleitet, das macht mich radikal."

Hier liegt in der Tat der entscheidende Punkt der Agrarfrage. Hier wird in irgendeiner Weise an geilest werden müssen. Im übrigen hat die Wahl im Oldenburger Münsterland gezeigt, daß die Reden Rövers vielen die Augen geöffnet habem Das Zentrum nahm zu,, der National­sozialismus nahm ab. Die nationcilsozialistifche Mehrheit in Oldenburg besteht nicht mehr.

Sogar 608 Abgeordnete.

Die endgültige Verteilung der Reichstagsmandate.

Der Reichswahlleiter teilt mit: Am Montagvor- mittag um 10.30 Uhr fand die Sitzung des Wahl­ausschusses statt, in der die Feststellung über die den Parteien zugefallenen Verbandssitze getroffen wurde. Der Reichswahlausfchnß stellte fest, daß insgesamt 42 sogenannte Verbandssitze und 66 Sitze auf Reichswahlvorschlägen den Parteien zu­fallen. Einschließlich der 500 Kreissitze stellt sich die Gesamtzahl der Sitze nunmehr auf 608. Die Zahl der Mandate ist also um 1 höher als nach der vorläufigen Feststellung. Dieses eine Mandat ist dem Reichswahlvorschlag der Bayerischen Volks- partsi zugefallen. Bei Berücksichtigung des Ab­kommens zwischen Bayerischer Volkspartei und Wirtschaftspartei darf damit gerechnet werden, daß dieses Ttan bat der Wirtschaftspartei zu gestanden wird. Es wird dem Bewerber Mollath zugewiefen werden.

Die Stärke der einzelnen Parteien stellt sich jetzt folgendermaßen:

Sozialdemokratische Partei Deutschlands 133 Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 230

Kommunisten 89

Zentrum 75

Deutschnationale Volkspartei 37

Deutsche Volksptrtei 7

Deutsches Landvolk 1

Bayerische Volkspartei 22

Wirtschaftspartei 2

Deutsche Staatspartei 4

Christlich-sozialer Volksdienst 4

Deutsche Bauerpartei 2

Württembergifcher Bauern- und Weingärtner­

bund (Landbund) 2

zusammen 608

Der Ro m haß

ist in gewissen Kreisen der Rechten viel größer als die Furcht vor den Kommunisten. Die kon­fessionelle Enge ist dort so gräßlich, daß sie als hoffnungslos 'bezeichnet werden muß. So lesen wir beispielsweise in dem in Eutin erscheinenden Anzeiger für das Fürstentum Lübeck, Nr. 183 vom 6 August, Seite 3, den folgenden Bericht: „Auf einem Bezirksappell der Bezirksgruppe Groß-Kiel des Stahlhelms, BoF., sprach anstatt dès verhin­derten Landesführers Oberst Tüllmann H. J. Kühl (Itzehoe) über das „Gebot der Stunde".

Nach längeren politischen Mt'sführMgen über das Ergebnis der Wahl am 31. Juli, die keine Ent­scheidung gebracht habe, stellte der Redner als eine bemerkenswerte Tatsache dieses Wahlergebnisses fest, daß das Zentrum in allen norddeutschen Wahlkreisen sich um etwa 50 v. H. verstärkt habe. Man dürfe sich nicht durch eine kommunistische Gefahr von einer viel größeren ablenken lassen. Bismarcks Wort von dem „Reichsfeind Rom" gelte auch heufe noch. Der gefährlichste Gegner des völkischen Deutschlands sei das u I t r a m o n - tane Zentrum. Die letzten Ausführungen fanden bei der Versammlung stürmischen Beifall."

In jenen Kreisen erzeugt der Anblick des schwarzen Rockes eines katholischen Priesters, oder das Wort Zentrum einen wahren Koller. Zur Stärkung der Verdauung gehören morgens zwei scharf gesalzene Jesuiten lebendig verspeist; am Abend auf der Bierbank muß das Kännlein Dünnbier durch die Zermalmung des Zentrums und Roms gewürzt werden. Da hat fich seit dem Kulturkampf auch nicht das Geringste geändert. Die konfessionelle Enge jener Kreise ist gewiß aus dem Milieu zu entschuldigen, aus dem sie kommen und das von keinem Lufthauch freieren Denkens über die religiöse und Poliitische Ueber­zeugung von Millionen von deutschen Katholiken berührt, weils eben am Salze gebricht. Aber zuweilen muß doch gesagt werden, daß jene Un­duldsamkeit gegen den eigenen Volksgenossen auf demselben Holze wächst, aus dem der Hochmut er sprossen ist, den das Ausland mit einer be­stimmten deutschen Kaste untrennbar verknüpft sieht. Der Fall ist hoffnungslos, upb es ist Tat­sache, daß die Herrschaften, die im November 1918 die Sprache verloren hatten, jetzt wieder sich mausig machen. Sie glauben, die Zeit des Herren­klubglanzes sei für sie ein Freibrief auf Frech­heiten, und sie wittern Morgenluft.

Es gärt in der SA.

Der „Deut sche" schreibt unter d iese r Ueber - fchrift:

,/3n den Formationen der SA. und SS. der Nationalspzialisten gärt es. Eine Lockerung der Disziplin ist die Folge. Die Führung hat die SA. nicht mehr ganz fest in der Hand. Die blutigen Zusammenstöße der letzten Tage zeigen das. Es erweist sich wiederum die Wahrheit des Satzes, daß man angesichts des Feindes nicht dauernd eine Armee Gewehr bei Fuß halten kann. Darü­ber hinaus sind der SA. offenbar Versprechungen gemacht worden. Jedenfalls war die Mehrheit der SA. und SS. der Ueberzeugung, bei der Machtübernahme würden sie als Polizei oder Hilfspolizei sofort bewaffnet und besoldet wer­den. Mit der Exekutive gegen die preußische Regierung Md der Einsetzung des Staatskom- Mifsars sollten unseres Wissens sofort 20 000 Mann der SS. als Hilfspolizei eingesetzt werden.

Allerdings regen sich da bei der national soziaü- stlschen Führung erhebliche Bedenken. Wegen der starken Radikalisierung der SA. Md wegen der Tatsache, daß eine große Zahl der SA. aus dem kommunistischen Lager herübergewechselt ist.

Die Zahl der frühevetn Kommunisten in der Berliner SA. wird z. B. bis auf 30 Prozent geschätzt. I

Große Hoffnungen hat man anscheinend in der SA. auf den Arbeitsdienst gefetzt. Man glaubte offenbar, mit der baldigen Einführung der Arbeitsdienftp flicht reinern zu können. Und die SA. war der Meinung, sie werde als Jn- ftruktions- und Aufsichtspersonal dort Verwen­dung finden. Weiter wurden die Köpfe der SA. verwirrt durch das Gerede, es sei ein baldiger Ausbau der Reichswehr bis zu einem Stand von 300 000 Mann geplant."

Endlich scharfe Maßnahmen gegen den Terror,

Die Terrorakte in Königsberg, van denen wir in den vergangenen Wochen schon berichteten, sind nicht die einzigen Bluttaten seit der Wahs geblieben. Nacht für Nacht find, besonders im Osten und Norden des Reiches, die Pistolen losgegangen, Handgranaten geworfen und Bom­ben gelegt worden. Nach anfänglichem Zögern ist die Reichsregierung am 9. August endlich mit drakonischen Maßnahmen gegen die Terroristen vorgegangen.' Politische Gewalttaten wurden un­ter schwerste Strafandrohungen gestellt; für die ernstesten Fälle wird sogar die Todesstrafe an­gedroht. Künftig hat auch der sein Leben ver­wirkt, der ohne Ueberlegung in der Leidenschaft des politischen Kampfes einem tödlichen Angriff

auf seine Gegner unternimmt, oder einen Poki- zelbeamten oder einen Angehörigen der Wehr­macht tötet. Um die neuen schweren Strafan­drohungen mit Nachdruck zur Geltung zu bringen, hat die Reichsregierung im Einvernehmen mit der zuständigen Landesregierung Sondergerichte errichtet, die nach einem beschleunigten Verfahren urteilen, und deren Urteil keinem anderen Rechts­mittel unterworfen und deshalb sofort vollstreck­bar ist. — Weiter hat der Reichspräsident den politischen Burgfrieden für die Zeit vom 12. bis zum 31. August 1932 verlängert. Allein der Ver- fassungstag am 11. August war von dieser Vev- ordnung ausgenommen.

Hitler gibt Arbeit und Brot.

Er gründet eine Sp stzekfabri k!

Einen ausgezeichneten Begriff davon, wie rm Dritten Reiche die deutsche Volksgemeinschaft zur Blüte gebracht wird, bekommt man beim Le­sen einer in zahlreichen Naziblättern erschienenen Aufforderung zu Spitzeldiensten, die wir unsern Lesern nicht vorenthalten wollen. Sie lautet wie folgt:

Bevor Sie überzeugt von der Wahrheit der nationalsozialistischen Idee, aus Ihrer bis­herigen Partei austreten, überlegen Sie, ob Sie der nationalsozialistischen Bewegung nicht besser dienen können, wenn Sie dort Mitglied bleiben und Ms über alle Vorgänge und Ab­sichten Ihrer bisherigen Partei laufend 'in­formieren.

Jeder Leser ein Agent unseres In­formationsdienstes.

Ihr Name ist durch das Reidaktiionsgcheimnis geischützt! Ihre Arbeit wird genau so gewertet wie die Opfer jedes Parteigenossen und SA.- Mannes, der feine Pflicht tut. Melden Sie Kaufend an die Schriftâeitung des Hakenkreuz- banner, Mannheim P 5, 13a.

Für solche Nachrichten gibt das Hakenkreuz­banner doch sicher amd) braune Lappen. In oep Not wird so mancher leicht zum Spitzel. Aus- gevechnet hat die Zeitung, die dieses Patent zu,ml Wiederaufbau der deutschen Volksgemeinschaft fand, auch noch den Namen „Volksgemeinschaft". Das muß ja ein ganz dauerhaftes Zusammenhalten im Dritten Reiche abgeben, wenn erst die alk- gemeine Bespitzelung ais Endprodukt der Hitleri- sdjen Spltzölsabrik einmal in Schwung ist. Bei den alten Deutschen, auf die sich die Hakenkreuzlier immer so gerne berufen, galt jede Art von Verrat! und Bespitzelung als schmählichstes Verbrechen. Im Deutschen Dritten Reiche dagegen wird Verrat sogar zur Ehrensache. Das muß ja ein Reich von seltsamer Schönheit und Würde weiden. Es fehlte Nur noch die Aufforderung, daß die Nazijüngelchen ihre parteipolitisch anders eingestellten Eltern aus- h drehen sollen. Vielleicht wird auch das noch ein Erziehung sgrMdfatz im Dritten Reichte.

Das Urteil eines 2luslandsdeutschen über Brüning.

In einem Briefe aus dem fernen Corea heißt es: „Die Entwicklung in der alten Heimat verfolge ich mit großem Interesse. Brünings Ent­lassung war eine Unkiugheit unst üieUevdjt doch gut für ihn selbst und auch für die Sache, weil sie sdmdto die Klärung bringt. Interessant, daß die Ausländsdeutschen und nicht zuletzt auch viele deutsche Konsuls für ihn sind, obwohl sie welt­anschaulich doch auf ganz anderem Boden sieben. Man sieht eben von der Ferne doch deutlicher."

Erste „Soziale Woche der deutschen Katholiken".

Vom 9. bis 13. Oktober 1932 soll unter Führung des Volksvereins für das kath. Deutschland in M.-Glad- bach die erste „Soziale Woche der deutschen Katholiken" stattfinden. Es ist in Aussicht genommen, daß auf die­ser Tagung die wichtigsten sozialen Fragen der Gegen­wart und Zukunft vor einer größeren Oeffentlichkeit zur Erörterung gebracht werden. Im besonderen dürf­ten auch hier die wirtschaftspolitischen Möglichkeiten der berufsständischen Ordnung, wie sie in der „Enzyklika Quadragesio anno" entwickelt wird, von Praktikern und Wissenschaftlern behandelt werden. Es ist daran ge­dacht, die soziale Woche Deutschlands so zu organisie­ren, daß sie Studierenden, sozialen und wirtschaftlichen Führern, Geistlichen, Politikern und Gelehrten Aufschluß und Anregungen gibt. Es wird sich infolgedessen als notwendig herausstellen, in M.-Gladbach u. a. auch ver­billigte Quartiere bereitzustellen. Von der Zentralstelle des Volksvereins find die Vorarbeiten im vollen Um­fange ausgenommen worden. Nähere Einzelheiten mit­zuteilen ist die Zentralstelle in M.-Gladbach gern bereit.