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Ritter kam selten heim, die Kriegsdienste drängten sich. So blieb Kamilla die Erziehung des Kindes ganz allein. Er hatte das lebendige feurige Tem­perament seines Vaters, dazu eine sehr große Be­gabung und Geschicklichkeit.

Sehr früh schon machte sich bei ihm der Hang zum Spielen bemerkbar.

Da starb die Mutetr, als er kaum dreizehn

Jahre alt war.

Nun riß sich der Vater wohl öfters von seinem Dienste los, aber das Kriegshandwerk erfüllte ihn f so sehr, daß er des Knaben Sinn mit tausend Er­lebnissen aus Schlachten und Kämpfen füllte und in ihm eine tiefe Neigung zum Soldatenleben weckte.

Mit neunzehn Jahren zog er mit dem Vater in venetianische Dienste. In Ancona erkrankten beide und mußten umkehren. Der Vater wollte nach Loreto, um dort die Gesundung abzuwarten. Allein das Fieber nahm ihn mit. Kamillus war Waise und hatte niemand, dem er sich anvertrauen konnte und der chm Rat gab.

Er war noch krank, als er sich auf den Heim­weg begab. In einem Städtchen mußte er einkeh­ren und einige Tage rasten. Er lernte dort die f Minderbrüder kennen und in seinem raschen Tem­perament beschloß er, nun nach dem Tode des Va­ters Franziskaner zu werden.

Er wurde jedoch abgewiesen. So kam er nach Haus, wo Benedikta sein Haus und Gut verwal­tete und sein Engel im Gebet war.

Es litt ihn nicht in der Ruhe des Dörfchens, tobschon seine Fußwunde recht böse zu werden schien. — Er ging nach Rom ins Spital der Un­heilbaren und nahm eine Stelle als Diener an.

Wegen seiner Streitsucht enthob man chn bald wieder des Amtes und als die Wunde so weit ge­nesen, nahm er Kriegsdienste.

Niemand kümmerte sich um den jungen Edel­mann, der in der rauhen Gesellschaft gar bald alle Erziehung über Bord warf und mit Leidenschaft­lichkeit sich dem Spiel hingab.

Sieben lange Jahre fuhr er auf den venotiani- schen und genuesischen Galeeren auf Kriegs- und Beutezüge aus; dazwischen mancherlei Händel aus­

tragend.

In einem furchtbaren Sturme, der die Galeere zu vernichten drohte, besann er sich auf sich selbst, grub seine alten Gebete heraus und holte aus seinem Mantel ein kleines Serdentuch, das ihm die Mutter als Andenken hinterlassen und auf welches sie das Häuschen von Loreto gestickt hatte. In die­ser Not gelobte er der Gottesmutter, ihr Diener im Ordenskleide zu werden.

Trotzdem gab er sich wieder dem Spiel hin — )als sie der Gefahr entronnen waren und in Neapel landeten.

Alles, alles setzte er ein.

Da hieß ihn die Not um ein Almosen und ein Stückchen Brot bitten — und dann mußte der Edelmann Knechtesdienste tun, um nicht vor Hun­ger und Elend umzukommen.

Einst half er beim Bau eines Kapuzinerklosters. Die freundliche Art der Mönche rief sein Gelübde wach und er versprach, ihm nachzukommen und wurde Novize.

Da brach die Fußwunde wieder auf und Ka­millus wurde entlassen.

Traurig suchte er seine Heimat auf, wo Bene­dikta als die einzioe Verwandte ihn freundlich auf­nahm und ihn tröstete und ihn um so eifriger der „gütigen Mutter" empfahl, als sie voll Freude und Dank merkte, daß sie ihn bereits aus dem furchtbaren Leben des Krieges und den noch ent- fetzttcheren Leidenschaften herausgerissen hatte.

Kamillus suchte wieder im römischen Spital Hilfe und gab zugleich selber Hilfe, wo er konnte, diesmal aber mit Sanftmut und Güte, so daß ihn alle lieb gewannen. — Er ging ins Kloster zurück und wurde wegen der neu aufbrechenden Wunde zum zweiten Male entlassen. — Er wanderte wie- der zu seinem Zufluchtsort, dem Spital in Rom, und übte unermüdlich die Werke der Barmherzig­keit.

Wre auf himmlische Eingebung kam ihm der Gedanke, gleichgesinnte Männer zu suchen, die nicht um Geld, sondern um der Barmherzigkeit willen die Kranken pflegten.

Er hielt diesen Plan fest. Brüder fand er bald. Doch hatten sie viel Anfeindung und Bitterkeit zu

überwinden, ehe sie mit Hilfe eines Gönners ein kleines Haus mieten und die Pflege der Kranken beginnen konnten.

Doch lag sichtbar Gottes Segen auf dem Werke. Kamillus selbst nahm noch das Studium auf, um Priester zu werden und den Armen und Kranken auch seelische Hilfe geben zu können.

In einem kleinen Haus in Rom am Tiber- flusse begannen diese Männer der Liebe ihr selbst­loses Werk.

Das Arbeitsfeld vergrößerte sich täglich, aber auch die Zahl der Helfer nahm zu.

Kein Armer war zu gering, kein Kranker zu elend, daß ihm nicht Hilfe und Liebe geworden wäre. Wohin die Männer in der einfachen dunk­len Kleidung mit dem Roten Kreuz darauf kamen, brachten sie Trost und Hilfe.

Mit besonderer Liebe widmeten sie sich den Pesttranken, die in diesen Jahren sehr häufig wa­ren.

Die Mitgliederzahl wurde so groß, daß Kamil­lus sie zu einer Genossenschaft erheben ließ und der Papst bestätigte sie später als Orden.

Nun war das Arbeiten der Liebesjünger eine einzige Tat der Barmherzigkeit und des Gebetes unter dem Wahlspruch: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan!"

Es war das Arbeiten aber auch ein Säen auf fruchtbares Ackerland, das hundertfältige Frucht trug. Schon beim Tode des Heiligen waren feine Klöster in allen größeren Städten Italiens und über dessen Grenzen hinaus.

Das tat seiner Demut, Bescheidenheit und sei­nem Eifer keinen Abbruch, sondern vergrößerte sie nur. Und allen Erfolg und alle Größe legte er demütig zu den Füßen der Gottesmutter, die ihn als Stern des Meeres aus der Nacht der Sünde gerettet und ihm und tausend anderen durch ihn den Weg in die ewige Heimat erleuchtet hatte.

Ein echter Mann.

Man ist heute daran gewöhnt, Klagen, Jam­mern, Schimpfen, Unzufriedenheit, bittere Worte zu hören. Und da begegnet einem plötzlich einer, der kein Wort über die Lippen bringt, das auch nur an einen Seufzer denkt. Ein Familienvater mit sechs kleinen Kindern. Hat er Arbeit? Arbeit, ja! Aber keinen Verdienst! Man wundert sich, wenn man so etwas hört. Aber da spricht er in seiner kernigen, männlichen Art, mit den hellen blauen Augen und der freien, offenen Stirn: „Ar­beit habe ich immer! Daheim oder bei Verwand­ten! Ein Mann, der keine Arbeit hat, der ist ein Taugenichts! Arbeiten kann man immer von morgens bis in die Nacht hinein! Gewiß, ich habe keinen Verdienst, ich bin Maurer und bei meinem Meister ist nichts zu bekommen und bei einem anderen schon gar nicht, denn bei meinem Meister arbeite ich schon von meiner Lehrzeit an, und er kennt mich unb ich kenne ihn — aber wo nichts ist — nun, da kann man nichts verlangen! Das ist wohl schlimm! Aber Arbeit habe ich immer, da ist zu Hause ein Schrank, ein Stuhl, eine alte Kommode auszubeflern, da kann man selber dies und das machen, was man sonst saufen würde oder zum Ausbessern wegtrüge! Da gibts die Volksbüchereien, wo man mal endlich an die Bü­cher herankommt, von denen man schon lange ge­hört hat, aber nie Zeit hatte, sie zu lesen. Da kann man sich bilden, da sind die Kinder, denen man helfen kann, etwas zu lernen, auch noch nebenbei, wenn sie von der Schule heimkommen!" Und ein griesgrämiges Gesicht kennt dieser Mann nicht: „Ich würde mich vor meinem Weib und meinen Kindern ja schämen, ließe ich mir meine Sorgen so von der Stirn weg ablesen. Die Frau soll doch zum Mann aufschauen können, soll doch an ihm eine Stütze haben — aber das kann sie nicht, wenn nichts als Kummer dem Mann das Gesicht verhärtet und trübt. Dazu, um den Kummer sich vom Herzen zu schluchzen, ist Gott da und der Heiland! Da ist die stille Kirche, der Tabernakel --O, ja, es gibt manche schwere Stunde, die ich da ichon zugebracht habe. Manchmal fmb meine rauhen Hände ringend zum Gotteskreuz aufgefahren und mein Herz hat geschrien „Herr hilf!" Aber wenn ich dann wieder bei den Mei­nen war — nein da haben sie nichts davon ge­merkt! Im Gegenteil, da hatte ich das.schwere

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Herz plötzlich leicht und bin sogar manchmal zum Nachbar gegangen und hab gerufen: Du, sei ein Mann! Wenn einer sich zum Kreuzestod auslie­fern ließ, dann werden wir wohl mit der Brot­rinde und den Kartoffeln durchhalten, bis es einmal besser kommt! Und die Augen dieses Mannes die leuchteten ein heiliges, großes männ­liches Feuer! Und die Aeuglein der Kinder, die schauten hell und rein und glücklich zu ihm aus, wenn auch die Kittelchen so einfach, so gestopft, so geflickt waren und die Füßchen barfuß über Stock und Stein trippelten! Und die Frau dieses Mannes, die hatte wohl ein ernstes, ja, fast feierliches Ge­sicht, aber das siebente Kindchen, das sie bereits unter dem Herzen trug, zauberte ihr ein neues Mutter glück in die Augen.--

Ob es viele solcher Männer gibt? Ob es viele solcher Familien gibt? So mancher Mann, der sich eine Persönlichkeit dünkt, der mit großen Reden alle anderen um und dumm reden will — er ist doch im Letzten schwach — und muß den Kopf nei­gen vor so einem Mann!

Und wenn wir uns wirklich fragen, ja, ändern wir denn mit den Sorgen, denen wir uns so ganz hingeben, etwas? Wird es um einen Dent beste-? Nern! Im Gegenteil! Und Arbeitslos? Der Mann hat wohl recht, das gibt es im Grunde nicht, arbeiten kann jeder! Arbeit irgend welcher Art findet jeder! Und wer arbeitet und sich ab­lenkt, der roirb auch die drückende Last des Nichts­verdienens nicht so hart spüren, der wird im Aller­letzten doch feinen Körper, seine Nerven stählen. — Möge dieser einfache Maurer, Vater von sechs und nun bald sieben Kindern manchem Manne ein Vor­bild werden, der nur Vater eines Kindes ist!

Sport und Sonntag.

Noch dem Kriege ist die Sportbewegung ins Riesige gewachsen. Der Sport ist heute eine öf­fentliche Angelegenheit erster Ordnung, die alle Bevölkerungsschichten und alle Stände angeht.

Diese an sich erfreuliche Zunahme der Sport­begeisterung hat neben manchem Guten auch viele Auswüchse und Gefahren mit sich gebracht. Lä­cherliche Vergötterung der Sportgrößen, unsinnige Rekordwut, übertriebene Wertschätzung der Kör­perkraft, die das Interesse an höheren geistigen Dingen zurückdrängt. Sehr oft bringt auch diese übertriebene Sportbegeisterung die Erfüllung der kirchlichen Pflichten in ernste Gefahr.

Der Sonntag ist der Tag Gottes. Auch heute noch. Für alle. Auch für Sportler. Wenn Sonn­tag für Sonntag schon in den frühesten Morgen­stunden auf den Spiel- und Sportplätzen der Sportbetrieb beginnt, dann besteht die Gefahr, daß der Tag Gottes dem Götzen „Sport" geop­fert wird. Wenn am Sonntag ein Meisterschafts­spiel auf das andere und ein Wettkampf auf den anderen erfolgt, die von den Teilnehmern häufig lange Anfahrten erfordern, dann bleibt nicht ge­nügend Zeit für die Ehre Gottes am Tage Got­tes. Auf diese Weise kann den jungen Leuten der Sinn für die gottgewollte Sonntagsfeier verloren gehen, und es wird kaum ausbleiben, daß sie auch im späteren Leben auf die Erfüllung des Gottes­gebotes: „Gedenke, daß du den Sabbat heiligst" nicht genügend Wert legen.

Der Sonntag ist der Tag der Familie. Die Arbeitswoche reißt die Familie auseinander. Der Sonntag soll sie wieder zusammenführen. Pflege des Familienlebens ist heute, wo so viele sami- lienzerstörende Kräfte am Werke sind, von größ­ter Wichtigkeit. Wenn aber der Sport Sonntag für Sonntag die Jugend dem (Elternhaus fernhält, muß das Familienleben darunter leiden.

Die Kirche ist keine Feindin des Sporkes. Sie hat von jeher körperliche Ertüchtigung und ver­nünftiger Leibespflege das Wort geredet. Aber sie bekämpft die Auswüchse. Körperkultur darf nicht zum Körperkultus werden. Sport ist kein Ersatz für Religion. Kein nachdenkender Christ kann ruhigen Herzens zusehen, wenn das neuheid­nische Sportgötzentum dabei ist, den Gottestag zu zerstören.

Die Sonn- und Feiertage sind uns vom Herrn der Welt als Tage der Einkehr und Ruhe geschenkt.