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Seite 2 / Nummer 34.

macht: Mei große Heerlager, die einander in un­versöhnlicher Feinds^baft gegenüberstehen. Ueber dem einen ragt das Banner Gottes; über dem am deren läßt der „Fürst dieser Welt" das Banner wehen. Beide Heerlager ringen in erbittertem Kampfe miteinander. Eine Versöhnung gibt es nicht. Dieses Ringen dauert so lange, als noch ein Mensch auf Erden lebt. Denn der Kampf geht um den Menschen, um jede einzelne Menschenseele. Und jeder Mensch hat sich zu entscheiden, welchen! der zwei Heerlager er angehören will. Neutrali­tät ist für ihn unmöglich.

Dieses Bild ist gleichsam eine Darstellung des Heilandswortes, das wir im heutigen Evange­lium lesen: „Niemand kann zwei Herren dienen ... Ihr könnt nicht zugleich Gott dienen und dem Mammon." — Mammon — das bedeutet hier den Inbegriff des rein Irdischen. Dem Mammon die­nen, heißt nicht, sich um die Erdengüter bemühen, die wir zum Leben brauchen. Das müssen wir ja tun. Es heißt auch nicht, nach einem ange­messenen Wohlstand streben. Das ist erlaubt. Dem Mammon dienen, heißt vielmehr: im Erwerben und Genießen rein irdischer Güter aufgehen, den Sinn des Lebens darin erblicken und die höheren übernatürlichen Güter, das eigentliche Ziel des Menschenlebens, darüber vergessen. Wer das tut, tritt aus dem Bereiche des Gottesreiches heraus. Gott will keine halben Seelen. Er ist, wie die Hl. Schrift sagt, ein „eifersüchtiger Gott". Entweder gehören wir ihm ganz oder überhaupt nicht. Das meint Christus, wenn er sagt: „Niemand kann zwei Herren zugleich dienen."

Wir Menschen leiden vielfach an dem tiefen und verhängnisvollen Irrtum, daß wir glauben, im­mer und überall Kompromisse schließen zu können zwischen Gott und Welt, zwischen den Verheißun­gen des Jenseits und den Lockungen des Dies­seits, zwischen den Forderungen der Religion und den Begierden unserer sinnlicher Natur. Daß wir glauben, Brücken schlagen zu können über eine Kluft, die unüberbrückbar ist. Daß wir unser Le­ben einteilen in Stunden, die wir Gott weihen, in denen wir Christen Gotteskinder fein wollen, und in Stunden und Tage, da wir nur Erdenkin­der sind, die sich „den Verhältnissen anpaffen", d. h. sich widerstandslos mittreiben lassen in dem Strom der gottfremden, nach Geld, Macht, Genuß hungernden Diesseitskultur. Diese schwächliche Halbheit ist das traurige Kennzeichen unseres Ge­schlechtes. Christus aber sagt: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!"

Die meisten Menschen sind sich gar nicht be­wußt, wie tief sie in die Knechtschaft des Gottes Mammon geraten sind, und wie tyrannisch dieser Gott sie beherrscht. Noch ragen die Türme unserer Gotteshäuser gen Himmel; aber in ihrem Schat­ten erheben sich auch die Kathedralen des Fürsten der Erde. In so manchem Prunkgebäude dieser Banken, Börsen, Theater, Nachtlokale hat er sei­nen Thron errichtet, um die Opfer der Menschen entgegenzunehmen. Das aber ist der tiefe Unter­schied zwischen Gottesdienst und Mammonsdienst, daß der erstere uns die innere Freiheit gibt, der letztere uns die Freiheit raubt, uns zu Sklaven macht, die ihm ihr Bestes opfern müssen. Wie mancher Reichgewordene hat das an sich erfahren! Wie mancher alaubte dem Glück nachzujagen, in­dem er seine Seele dem Gelde verschrieb und all den dunklen Trieben, deren Erfüllung hinter dem Besiß des Geldes verheißend winkte, und zu spät erkannte er, daß er bei dieser Jagd unendlich Wert­volleres verloren hatte, Güter, die mit keinem Gelde der Erde bezahlt werden können. Aber nicht nur die äußerlich Reichen sind in Gefahr, ihre Seelen zu verlieren. Es gibt einen Mam­monismus der Besißenden und der Besitzlosen. Einen Mammonismus der gierig zusammenraffen­den Hand und einen Mammonismus der in Neid und Haß geballten Faust. Nur der äußere Er­folg ist bei beiden verschieden; die Gesinnuna ist die gleiche. Und mit der Gesinnung die Abwen­duna von Gott.

Es hat einen tiefen Sinn, daß uralte Men- schensagen von einem Fluche singen, der auf dem Golde ruht. Die Erfahrung und Weisheit von

Jahrhunderten spricht mrs diesen Sagen. Nicht das Gold an sich ist etwas schlechtes. Es kann sich verbinden mit dem, was gut und edel im Men­schen ist, aber auch mit dem, was niedrig und ge­mein ist. Es kann Arznei und kann Gift sein. Kann Fesseln lösen und kann Fesseln schlagen. Kann heilen und kann verwunden. Kann Hilfe sein auf dem Wege zu Gott und geradewegs ins Verder­ben führen. Wenn ein Familienvater nach harter Wochenarbeit seinen Lohn nach Hause trägt und sich freut, daß er den Seinen wieder für einige Tage diese Notdurft des Lebens befriedigen kgnn, dann liegt sogar etwas Heiliges auf diesem mit ehrlicher Mühe und saurem Schweiße erworbenen Gelde. Alles kommt eben darauf an, wie nur uns innerlich zu ihm stellen, ob wir des Geldes Herr oder Sklave find, ob wir es besitzen oder von ihm besessen sind.

Das meint Jesus, wenn er so eindringlich da­vor warnt, dem Mammon zu dienen. Herr über den Mammon bleiben wir nur, wenn wir bewußt

Der Lehrer.

Was kann so aus dem Vollen ein Menschenherz erfreun, als in die dunklen Schollen das goldne Korn zu streun, im Glanz der Sommerauen durch junge Saat zu gehn und Sonnenschein und Tauen vom Himmel zu erflehn!

Doch höhern Preis gewinnen, die rüstig sind zur Tat, in dunkle junge Sinnen zu streun des Wissens Saal, zu harren, bis die Hülle der zarte keim gesprengt, bis der Erkenntnis Fülle empor zum Lichte drängt.

Wohl gilt es. stets vom Frischen zu jäten Tag für Tag das Unkraut, das sich zwischen die Aehren drängen mag. Doch fröhlich soll uns machen der Blumen Zier im Feld, der Kinder Sang und Lachen, das uns auch jung erhält.

0 daß uns immer bliebe die Kraft zum Wirken treu, und treu die Lust und Liebe, ob karg der Lohn auch sei! Doch reift ein Mann im Knaben zu seines Volkes Heil, cm Erntesegen haben auch wir wohl unser Teil.

Paul Heyse.

mit ihm Gott dienen. Gott dienen, heißt Gottes Kind sein und aus dieser Kindschaft Gottes her­aus die innere Freiheit gegenüber allen Erdendin­gen bewahren, die klare Erkenntnis, daß alle Er­dengüter immer nur Mittel zu höheren Zwecken, niemals aber Selbstzweck fein dürfen. In wem diese Erkenntnis wirklich lebendig ist, der versteht auch die Mahnung des Herrn: „Seid nicht ängst­lich besorgt Dr euer Leben, was ihr essen sollt, noch für euern Leib, was ihr anziehen sollt!" Er wird sich auch von den driickendsten Sorgen des heute so unsäglich harten Lebens nicht erdrücken lassen, wird bei allen diesen Sorgen und Mühen und Entbeh­rungen doch stets die große und tapfere Zuversicht behalten: Ich bin in Gottes Hand! Und Gott ist kein Tyrann, sondern ein Vater. Sein Auge, das über Sonne und Sterne wacht, sieht auch auf mich und hat die Haare meines Hauptes gezählt. Er weiß um die Not, die mich drückt. Er hat selbst das Kreuz auf meine Schultern gelegt und weiß auch, wozu es gut ist. Und ich will still warten und es ihm überlassen, wann und wie er helfen wird.

Dieses starke, großherzige, beharrliche Vertrauen des Menschenkindes zum göttlichen Vater verlangt

Jesus von uns allen. Die Heiligen haben es immer geübt, und das hat sie groß und sieghaft gemacht. Auch wir wollen darum ringen. Das ist nicht immer leicht. In der jeßigen Notzeit ist es für viele sogar sehr schwer . Aber gerade das unerschütterliche, hingebende, kindliche Vertrauen auf Gott schafft in uns die Grundlage rmd Vor­aussetzung des wahren Glückes: die königliche Frei­heit von den Dingen der Erde und damit die in­nere Ruhe, den Frieden des Herzens, das sich trotz aller Erdennot doch gleich den Vögeln des Him­mels und den Blumen des Feldes in des ewigen Vaters Hand geborgen weiß.

Die Gottesmutter hilft.

Es war im Sommer des Jubeljahres 1550. Da wanderten zwei Frauen durch die Täler der 21= brüten auf ziemlich beschwerlichem Wege dem Städtchen Loreto, ihrer Heimat, zu. Die Sonne brannte heiß Der Staub legte sich auf die Klei­dung, auf Hand und Gesicht. Die beiden Frauen trugen abwechselnd einen Knaben, der erst einige Monate alt war. Es ging gegen den Himmel- fahrtstag der Gottesmutter, da wollten sie in Lo­reto sein. Oftmals mußten die Beiden rasten ob der Müdigkeit und der sengenden Hitze.

Die eine der Frauen, die größere, war die Ge­mahlin des Ritters Johannes von Lellis, sie selber, Kamilla, aus einem altadligen Geschlechte Loretos. — Ihre Begleiterin war eine entfernte Verwandte, die einstmals schön und bewundert, dann durch eine Krankheit bös entstellt war. Kamilla hatte sie arm und elend in chr Haus ausgenommen. Die Verwandte, Benedikta, dankte es ihr mit Treue, Fleiß und Hingabe.

Kamilla hatte schon einen Sohn begraben müf. sen. Nach langen Jahren, sie stand schon im 59., schenkte ihr der Herrgott einen zweiten.

Sie nannte ihn Kamillus. Er war ihre Freude und chre Sorge. Ihr Gemahl weilte fast ununter­brochen in Kriegsdiensten, denn die Zeit war voller Kämpfe und Streit.

So trugen die beiden Frauen jetzt das Kind von Buchianico, dem Wohnsitz der Lellier, nach Loreto, um es der Gottesmutter besonderem Schutz und besonderer Fürsorge anzuvertrauen.

Bei Verwandten traten die beiden Pilgerinnen in Loreto als Gast ein.

Und am Himmelfahrtstage Mariens trug Ka­milla das Kind zur prächtigen Kirche hin, in wel­cher das Häuschen von Nazareth stand, das En­gel dorthin getragen.

Mit der ganzen einzigen Schönheit und dem prächtigen Farbenreichtum der schönsten Blumen war das Häuschen geschmückt. Ungezählte Kerzen umstanden es, als wollten sie der Gottesmutter den Himmelsweg gieren

Dicht gedrängt stand die Schar der Beter und Beterinnen, arm und reich, vornehm und gering — der Armen waren es mehr, denn in ihnen wohnt nicht selten der Glaube lebendiger und das Vertrauen tiefer.

Jeder trug ein Geschenk für die Himmelsköni­gin, aber auch jeder eine Bitte, eine Not. Des- ungeachtet löste ein Loblied das andere ab und das „Regina coeli* und „O sanctissima" wollte Nicht endigen.

Kamilla und Benedikta knieten noch lange — als die Beterschar sich verloren. Die Mutter hielt das Kind auf den Armen und befahl es unter heißem Gebete dem Schutze der Gottesmutter, da­mit sie es dorthin geleite, wo sie selber in ewiger Glückseligkeit throne.

Und kaum je einmal wurden die Bitten der Lauretanischen Litanei inniger gebetet.

„Benedikta", sprach auf einmal Kamilla, „sieh, mein Leben zählt schon der Jahre viel und du hast kaum die Hälfte. Versprich mir, wenn Gott mich vor dir abberuft, daß du meinen Sohn im Gebete nicht vergessen und für ihn täglich zur himmlischen Mutter beten willst!"

Benedikta nahm eine Kerze und zum Bilde der Himmelskönigin hintretend, antwortete sie: „Ja, Kamilla, ich gelobe es dir bei diesem Heiligtum Loretos!"

„Amen," sprach Kamilla und eine stille Freude glitt über ihr Gesicht.

Nach wenigen Tagen kehrten die Beiden heim nach Buchianico in den Abbruzzen. Das Leben nahm im alten Schlosse seinen Fortgang. Der