Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 L.-Vteantg B 45 L-Vfennig (Zustellgebsttn epra) Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Preise: Tolonelzeil» tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Lolonelzeü» tm Reklameteil 0.60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und DR.-(9eb. 0.10 Goldmark. Bort« «xtr» Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Wettenbruderei tu Fulda fein.
Mi I ■■■ Druck und Verlag der Fuldaer Acliendruckerel- Verlagsorl Fulda. —
Wschenkalenèsr.
Sonntag, 21. August. 14. Sonntag nach Pfingsten. Johanna Franziska, Witwe.
Montag, 22. Aug. Oktavtag von Mariä Himmelfahrt. Timotheus und Gen., Mart.
Dienstag, 23. August. Philipp Benitius, Bek. Vigil des hl. Apostels Bartholomäus.
Mittwoch, 24. August. Bartholomäus, Apostel.
Donnerstag, 25. August. Ludwig, Bek.
Freitag, 26. August. Zephyrinus, Papst, Mart.
Samstag, 27. August. Joseph von Calasanza, Bek.
14. Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Galater 5, 16—24.
Evangelium. Matthäus 6, 24—33. Gottes Vakergüle.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern mißachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Seid nicht ängstlich besorgt für euer Leben, was ihr essen sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist denn das Leben nicht mehr als die Nahrung, und der Leib nicht mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen: euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr als sie? Wer von euch kann mit seinen Sorgen seiner Gestalt auch nur eine Elle zusetzen? Und was seid ihr so ängstlich besorgt für die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes!' Wie sie wachsen! ■ Sie arbeiten nicht, sie spinnen nicht, und doch, sage ich euch, nicht einmal Salomon in all feiner Pracht war so gekleidet wie eine einzige oon ihnen. Wenn Gott nun das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel mehr euch, Kleinmütige. Seid also nicht ängstlich besorgt und fraget nicht: Was sollen wir essen? was sollen wir trinken? womit sollen wir uns bekleiden? Um all das sorgen sich die Heiden. Euer Vater weiß ja, daß ihr das alles nötig habt. Suchet also zuerst das Reich Gottes und die Gerechtigkeit, und dies alles wird euch beigegeben werden."
Antec der Knute.
or zwei Jahren stand ich hoch oben auf dem Hügel des hl. Ludwig in Karthago und wohnte während des Eucharistischen Weltkongresses dem Pontifikalamte in der sonnenbeglänz
ten, schneeweißen Kathedrale bei. Als ich nach Schluß des Gottesdienstes einen Rundgang in der Kirche machte, gelangte ich auch zum Grabe des hl. Königs Ludwig von Frankreich, der dort auf seinem Kreuzzug von einem Fieber hingerafft wurde. Es ist erstaunlich, wie ein Mann, dem alle Lüste und Herrlichkeiten der Welt offen stehen, einen so, weltabgewandten, gottesfürchtigen, abge- töteten, ich möchte sagen himmlischen Wandel führen konnte. Wo finde ich das Rätsel gelöst? Wo finde ich den Grundstein eines so gottinnigen Le
bens? Bei seiner frommen, erleuchteten Mutter Blanka. Als Ludwig noch ein Kind war und für alles Gute uni) Böse empfänglich, da nahm ihn die Mutter öfter zu sich und wiederholte mit ebensoviel Ernst als Zärtlichkeit die Worte:
„Mein Kind, du weißt, wie lieb ich dich habe; dennoch möchte ich lieber, daß du tot zu meinen Füßen niederfallen würdest, als daß du eine einzige Todsünde tätest!"
Diese mütterliche Warnung hat eingeschlagen und nachgewirkt im ganzen Leben Ludwigs. So konnte er den Reizen der Sünde widerstehen und sich zu den Höhen der Heiligkeit emporschwingen.
Ja, die Sünde ist eben ein Unglück, ein großes Unglück, das größte Unglück, das einzige Unglück. Ich will jetzt gar nicht reden vom Undank der Sünde, nicht von ihrer Abscheulichkeit und Gemeinheit, nicht von ihren entsetzlichen Strafen. Ich will nur darauf aufmerksam machen, daß die Sünde uns betrügt um die Freiheit der Gotteskinder und uns unter die unerträgliche Knute des Teufels bringt. Denn niemand, so erklärt der Heiland im heutigen Evangelium, kann zwei Herren dienen. Wer also Gott nicht dient, dient dem Satan.
Umständlich und weitläufig spricht der Herr die nämliche Wahrheit aus im Evangelium des hl. Johannes. Es könnte gär nicht besser in den Rahmen des heutigen Sonntags passen, als daß ich gerade diese Stelle hierhersetze und mit einer kurzen Erklärung belichte. Vernimm also die Worte des Herrn an die Juden, die auf ihre Freiheit so stolz waren!
„Wenn ihr euch an mein Wort haltet, seid ihr meine echten Jünger; dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
Wir sind Kinder Abrahams, hielten sie ihm entgegen, und sind nie jemandes Sklaven gewesen. Wie kannst du sagen: ihr werdet frei sein?
Jesu erwiderte ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: wer Sünde lut. ist der Sünde Sklave. Der Sklave bleibt nicht immer im Hause, der Sohn aber bleibt immer. Wenn nun der Sohn euch frei macht, seid ihr wirklich frei. Wohl weiß ich, daß ihr Kinder Abrahams seid. Allein ihr sucht mich zu töten, weil mein Wort bei euch keinen Anklang findet. Ich rede, was ich bei meinem Vater gesehen habe; ihr aber tut, was ihr bei eurem Vater gesehen habt.
Unser Vater ist Abraham, fielen sie ihm ins Wort.
Jesus erwiderte ihnen: Wenn ihr Kinder Abrahams seid, so tut auch die Werke Abrahams; nun geht ihr darauf aus, mich zu töten, und ich habe euch doch nur die Wahrheit gesagt, wie ich sie von Gott vernommen habe. So hat Abraham nicht getan. Ihr vollbringt die Werke eures Dakers.
Wir stammen doch nicht aus dem Ehebruch, ent
gegneten sie ihm; wir haben nur Gott zum Vater. Jesus erwiderte ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben; denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen. Ich bin nicht aus mir selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt. Warum versteht ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Ihr habt den Teufel zum Daker und wollt nach den Gelüsten eures Vater tun. Dieser war von Anbeginn ein Menschenmörder und ist in der Wahrheit nicht bestanden." — Joh. 8, 31—44. —
Scharf, aber mit unausweichlicher Folgerichtigkeit, redet der Heiland seinen Feinden ins Gewissen. Ihre verborgensten Gedanken zerrt er schonungslos ans Tageslicht. Mich zu ermorden, das habt ihr im Sinn. Ihr könnt mich nicht täuschen: ich schaue tief in eure Seelen hinein. — So möchte der Heiland sie zurückreißen vom Abgrund, sie retten vor der Schlechtigkeit eines Mordes, sie bewahren vor den Krallen des Teufels und den Flammen der Verdammnis. Nur die Verstocktheit der Juden ist schuld, daß feine Worte abprallen. Kinder des Teufels nennt er sie, nicht wegen der Nachfolge der Geburt, sondern wegen der Nachfolge der Sünbe, sagt der hl. Ambrosius. Denn wie der Teufel ein Mörder war, so wollt auch ihr Mörder werden. Hat nicht der Teufel dem Kain eingegeben, seinen Bruder Abel zu ermorden? Hat nicht der Teufel die Brüder des Joseph aufgestachelt, ihren Bruder durch Mord aus dem Wege zu schaffen? Nur durch Eingreifen der Vorsehung wurde dieser Brudermord vermieden. Hat nicht der Teufel dem Judas eingegeben, den Heiland durch Verrat in die Hände seiner Todfeinde zu liefern? Und so geben jetzt die Juden dem Mörder von Anbeginn williges Gehör, den unerträglichen Lehrer der Wahrheit, den Sohn des ewigen Vaters, ihren künftigen Richter hinterlistig umzubringen. So sind sie in Wahrheit Kinder des Teufels und dadurch auch Sklaven des Teufels, Sklaven der Sünde, Erben der Hölle.
Freunde, hüten wir uns vor diesem schlimmen Zwingherrn, dem Teufel. Bewahre deine Freiheit und mach dich nicht zum Knechte Satans, der dir im Pfuhl der Verdammnis den ewigen Lohn hohnlächelnd zahlen würde. Sei lieber ein Diener Gottes, ein Freund der Tugend, ein Eiferer der Heiligkeit. Dann wirft du einst die liebliche Einladung vernehmen: „Wohlan, du guter und treuer Knecht, geh ein in die Freuden deines Herrn."
Der Talpfarrer.
Keine zwei Herren!
Zum 14. Sonntag nach Pfingsten.
Der heilige Ignatius von ßotjola hat in feinem berühmten Exerzitienbüchlein ein packendes Bild zum Gegenstand einer besonderen Betrachtung ge-