Einzelbild herunterladen
 

Seite 10 / Nummer 33.

Rittergut Steinhagen stammt, gestattet hat, daß in der unweit des Gutshofes stehenden Kapelle ab und zu eine heilige Messe gelesen werden darf, feierte dort Herr Pfarrer Fick — Steinhagen gehört zu unserer Pfarrei — das heilige Opfer, zu dem sich etwa 200 fromme Beter einfanden. Der Besitzer des Gutes hat in opferfreudi­ger Weise das kleine Kirchlein ausmalen lassen.

Hildebrandshausen. Der Altveteran Joseph Hosbach konnte seinen 90. Geburtstag feiern.

Hohengandern. Bei bemerkenswerter Rüstigkeit vol­lendete Landwirt Lorenz Hagemann sein 90. Lebens­jahr.

Hundeshagen. Für die Jungfrauenkongregationen des Hahletales fand hier ein Bezirkstag statt, zu dem sich ganze Scharen jugendfroher Marienkinder aus Böseckendorf, Neuendorf, Teistungen, Berlingerode und Ferna eingefunden hatten. Nach der Segens and acht, in der dem eucharistischen Heiland und der Gottesmutter gehuldigt worden war, versammelten sich die mehr als 300 Teilnehmerinnen im Saale der Gemeindeschenke. Nach Vegrüßungsworten unseres Herrn Pfarrvikars Roden sprach Fräulein Egberts von der Zentrale des Mädchenschutzverbandes. Bei frohen Liedern und hei­terem Spiel vergingen die Stunden nur allzu schnell.

Heyerode. Die Eheleute Karl Zengerling und Frau Maria geborene Mainzer konnten ihre goldene Hochzeit feiern.

Heiligenstadt. Mit dem hochbetagten Tischlermeister Karl Zehrt ist ein angesehener Bürger unserer Stadt aus dem Leben geschieden. Noch vor wenigen Wochen war es ihm vergönnt, die goldene Hochzeit zu begehen.

Kirchworbis. Die ganze Gemeinde bereitete dem Pater M. Weber aus Brasilien, der von hier stammt, ei­nen festlichen Empfang. Unter Dorantritt einer Musik­kapelle wurde er durch die festlich geschmückten Straßen zu seinem Elternhause geleitet, wo sein ehemaliger Leh­rer, Hauptlehrer i. R. Ständer, herzliche Begrüßungs­worte sprach.

Rustenfelde (Eichsfeld). In der Nähe der alten Feste Rusteberg, dort, wo der Rustebach durch ein romantisches Tal fließt, in einem längst verlassenen Steinbruch, stehen die Zelte der Neudeutschen Ju­gend. Hoch über dem Lagerplatz steht das Lager­kreuz, das Wahrzeichen christlicher Jugend. An dem Fahnenmast gegenüber wehen lustig Fahnen und Wim­pel. Das Lager selbst ist aufs beste geordnet. Zwölf Spitzzelte umsäumen den Platz; außerdem ist noch ein Proviantzelt und die Küche vorhanden. Die Küche, welche —eingefaßt — den denkbar saubersten Eindruck macht. Im Lager selbst herrscht reges Leben. Eben ertönt das Signal zum Abendessen. Jedes Fähnlein tritt geordnet an, empfängt das Abendessen und verschwin­det damit in eine lauschige Ecke. In kurzer Zeit ist auch die Arbeit vollbracht, und bald darauf ertönt das

«Sie gehen entschieden zu weit, Herr Kagestolz, wenn Sie behaupten, iolche Prachthausfrauen wie früher gebe es heute nicht mehr" — sagte Frau Lotte zu ihrem Tischgast, der sich eben einen zweiten Teller von der ihm offenbar herrlich schmeckenden Suppe erbat. — Herr Hagestolz verneigte sich — „es gibt Ausnahmen. Wie z. B. bringen Sie es nur fertig, diese delikate Suppe um 1 Uhr auf den Tisch zu stellen, wenn Ihr Gatte um 12 Uhr 20 anruft, ob er noch mich, den verwöhnten Junggesellen, miibiingen könne?" Der Hausherr lächelte zufrieden: „Meine Frau könnte Ihnen jeden Tag im Monat eine andere, ebenso schmackhafte und ebenso schnell zubereitete Suppe vorsetzen. Sie sehen mich ungläubig an, Herr Hagestolz? — Lotte, sag Du das Zauberwort!" Urb Lotte flüsterte: „Maggi's Suppen."

Esten 1906 — Esten 1932.

Nur noch eine kurze Spanne Zeit trennt uns vom Beginn des Essener Kathkolikentages, des ten in dieser Stadt nach 25 Jahren. Welche Verände­rung in einem Vierteljahrhundert! Damals war Essen die in rasender Aufwärtsentwicklung begriffene Indu­striestadt. Mit Stolz zeigte man dem Zentralkomitee die Kruppsche Gußstahlfabrik und die musterhaften Wohl­fahrtseinrichtungen. Ein Kanonensalut begrüßte zum ersten Male in der Geschichte die Leitung des Katholiken­tages beim Besuch des Kruppschen Schießplatzes. Mit Stolz wies man in den Versammlungen auf den syste­matischen Aufbau der Sozialversichrung hin. Grollend sprach man über die Sozialdemokratie, die Umsturzpar­tei, deren vergiftende Wühlarbeit Gott Dank auf eine unbeeinflußbare katholische Arbeiterschaft stoße. Dröh­nend sausten unablässig in Deutschlands Waffenschmiede die Hämmer auf ungebärdige Stahlblöcke nieder; und Hunderte von Fabrikschornsteinen stießen ihren schwarzen Rauch in die Lüfte. Eine lebensstarke Arbeiterschaft rührte die schwielige Faust in riesigen Fabrikräumen und Dichter besangen den Rhythmus der Arbeit, das Hohe Lied des 20. Jahrhunderts. Die Straßen waren voller schwarzweihroter Fahnen. Ein starkes Staatsge­

Zeichen zum gemeinsamen Abendgebet. Es gilt, Gott zu danken für all die schönen Stunden, die er uns an diesem Tage erleben ließ. Feierlich ertönt das Lied „Kein schöner Land". Danach allen eine „Gute Nacht", und bald darauf ist im Lager tiefe Stille. Nur ab und zu hört man das Knistern des Lagerfeuers oder den Ruf eines ausgescheuchten Vogels. Die Nachtwache schaut, aui den Speer gestützt, in die dunkle Nacht unb sieht im Geiste Gestalten längst vergangener Zeiten. Am Morgen ist um 6 Uhr Wecken — alles aus den Zelten heraus, „Achtung, angetreten!", gemeinsame Frei­übungen sorgen dafür, daß auch den Langschläfern der Schlaf aus den Singen flieht. Dann beten wir das Morgengebet, und dann gibt es Kaffee. Nach dem Kaffee stellen sich die Fähnlein aus uiib fangen an zu üben; denn am Mend sollte ein großer Sängerwett­streit stattsindcn. Als Preis winkte ein Feldgieker und eine Wurst. Aus allen Gegenden des Waldes ertönt herrlicher Gesang, der davon zeugte, daß fleißig ge­übt wurde. Nachdem gab es Mittagessen. Dann folgt Baden. Endlich ist die Zeit gekommen zum Abend­essen. Jetzt stellen sich die Fähnlein den Preisrichtern zu edlem Wettstreit. Nach ungefähr anderthalb Stun­den war die ganze Sache erledigt, und die Preisrichter konnten den Siegern die Preise überreichen, was un­ter ungeheurem Jubel vor sich ging. Plötzlich trafen die St.-Georgs-Pfadfinder aus Heiligenstadt ein, um ein paar frohe Tage bei ihren Freunden zu verleben. Sie ivurden mit einem kräftigen Heil empfangen. Bald hatten sie ihr Zelt aufgebaut und saßm gemütlich beim Abendessen. Gegen 12 Uhr erlebte das Lager einen regelrechten Lagerspuk, der allgemeine Heiterkeit her­vorrief. Sonntag 6 Uhr Wecken, dann die üblichen Gesundheitsmaßregeln, und es erfolgte der Abmarsch nach Rustenfelde, wo Gaupräses Wetzel eine Messe hielt. Fast alle Mann gingen zum Tische des Herrn. Hell erklingt das Lied „Ein Haus voll Glorie schauet". Der Gaukaplan richtet ergreifende Worte an die Neu- deutschen und ermahnt sie zu starkem Schaffen für ihre Idee. Es war ein feierlicher Augenblick, der alle Her­zen entflammte und neue Taten reifen ließ. Nach der Messe geht es wieder in das Lager zurück. Es folgt nun für jeden freie Zeit. Nach dem Mittagessen erhielt das Lager Besuch. Die Sturm- und Jung- schar aus Heiligenstadt trafen ein, um das Lager zu besichtigen. Der Sonntag endete mit einem lustigen Abend. Zu diesem waren viele Leute aus den umlie­genden Dörfern gekommen. Es gab viel zu lachen. Montag früh ging das Lager dem Ende zu. Die Zelte wurden abgebaut, und aus dem frohen Jungen-Lager wurde wieder der alte verlassene Steinbruch. Allen Jungen werden die hier erlebten Tage in froher Er­innerung bleiben. G. O.

Steinbach. Auch am vergangenen Sonntag hatten sich wieder zahlreiche Pilger in der stillen Wallfahrts­kapelle von Etzelbach eingefunden. Dechant Bierschenk- Neuendorf hielt das Hochamt, während Pfarrer Wand- Berlingerode die Predigt hielt. Schmerzlich berührte es die vielen Andächtigen, daß rohe Bubenhände das Glas­malereifenster an der Sildseite der Kapelle zerstört haben.

Steinbach. Das Wallfahrtskirchlein von Etzelbach er­hielt ein neues Glöcklein, nachdem das sehr alte, von Eichsfelder Glockengießern geschaffene, unbrauchbar ge­worden ist.

Uber. Die Eheleute Valentin Tasch und Ehefrau Eleonore geborene Zickenrott konnten ihre goldene Hoch­zeit begehen.

Wüstheuterode. Die Eheleute Johannes und Anna Mock konnten ihre goldene Hochzeit feiern.

Wingerode. Durch die reich geschmückten Dorfstraßen bewegte sich wie alljährlich am vergangenen Sonntag die stattliche Jgnatiuswalljahrt zur Jgnatiuskapelle, in der Pfarrer Wenzel das feierliche Hochamt zelebrierte

■t'WMWgWWgflWCTgf^WTIMW ?vw ". 1 WMgHaEBawMaBWKWW»^^ M.<iawwM»

fühl war noch vorhanden, obwohl schon untttirdischer Donner grollte. In den Festversammlungen standen auf hohem Podium Papst- und Kaiserbüste nebeneinander, lorbeerumkränzt. —

Und heute? Das größte Problem der Stadt Essen ist der Wohlfahrtsetat, die Ernährung Zehntausender von Arbeitslosen. Die besten Köpfe sinnen nach, wie man Teile der Jndustriebevölkerung wieder aufs Land um­siedeln kann. Der Rhythmus der Arbeit stockt. Die Ka­nonen sind verstummt. Im nahen Duisburg hat man einen gewaltigen Schiffsfriedhof angelegt, und auf Esse­ner Boden gibt es ersoffene Gruben, aus denen man funkelnagelneue Maschinen nicht einmal mehr vor der Stillegung gerettet hat. Man spricht verächtlich vom „Wohlfahrtsstaat" und hat den Abbau der Sozialver­sicherung begonnen. Der Feind von links ist heute zu­erst der Kommunismus und dann erst die Sozialdemo­kratie, die man wieder in die Opposition zum Staat ge­bracht hat. Und auf der äußersten Rechten ist ein neuer gewaltiger Radikalismus entstanden. Einst drohte nur ein rotes Meer von links, das ein Machtstaat in schim­mernder Wehr in Schach zu halten sich getrauen konnte. Heute braust auch ein rotes Meer von rechts, und dazwi­schen ist das Bürgertum, der Hort der Staatsgesinnung, zermürbt. Keine einheitliche Flagge vermag sich mehr

Die Festrede hielt der aus Cutter gebürtige Jesuitenpater Dietrich, der den Ordensstifter Ignatius als ein Vor­bild des Glaubenseifers und des Bekennermutes feierte.

Somkilffarias Poppes Heimgang.

HeiIigenstadt, 7. August.

Eine Woche ist es her. Im Mutterhause der Schul­schwestern zu Heiligenstadt war feierliche Einkleidung und Ablegung der Gelübde. Das bedeutet für den Supe­rior der Kongregation Stunden anstrengenden Dien­stes. Doch die Schwestern sollten nicht darunter leiden, daß der Schmerz ihn plagte. Er beherrschte sich wie immer, hielt aus. Währeiid der Nacht saß er am Schreibtisch, und der Samstag sah ihn noch im Beicht­stuhl. Jeder Widerstand hat eine Grenze. Der ärztliche F reund setzte dem Schwerkranken zu, er müsse endlich Zeit gönnen. Es war zu spät. —

Sim Mittwoch zeigte das Sterbeglöcklein von „Unserer Lieben Frau" den Tod des höchsten elchsfeldischen Geist­lichen an. Tiefe Trauer weckte die Kunde in Stadt und Land. Gefaßt und still ergeben, lächelnd fromm war der fromme Priester entschlummert. So fanden ihn alte die vielen, die da kamen, um ihn noch einmal zu sehen. Täglich läutete um die Mittagsstuiide die große Marienglocke. In sich versunkene Beter knieten im Gotteshause. „O Herr, gib ihm die ewige Ruhe" haben sie gefleht. Vielleicht und mancher auch ein „Bitte für uns" gesprochen. Draußen bei der Annenkapelle wird zu Füßen des Christusbildes und im Schatten blühender Linden, wo schon die Gebeine anderer Seelsorger der Gemeinde ruhen, ein Grab geschaufelt.

Dumpf dröhnt am Samstagmorgen schon vor 6 Uhr wieder die Glocke von St. Marien. Ueber die reifen Felder scheint die Morgensonne. Im Wehen sanfter Winde wiegen sich die fruchtbeladenen Aehren und Zweige. Sommer und Ernte. Heimgang. — Kinder- scharen eilen zur Kirche. Sie erzählen sich über den Priester, für den sie jetzt beten wollen. Wie er sreund- lich ihnen die christlichen Wahrheiten nahe zu bringen suchte, und wie er ernst wurde, wenn er auf Bosheit stieß. Dann kommen die Erwachsenen in die Trauer­schmuck tragende Kirche. Still und in sich gekehrt gehen sie wieder davon. Immer näher rückt die Stunde, da sie den Marrn, dem all ihre Liebe und all der Schmerz gilt, in die Gruft senken werden. Schon versammeln sich im Chore seine geistlichen Mitbrüder.

Es schlägt 9 Uhr. Aus der Kirche treten die Priester. Sie schreiten still durch die Gasse der Spalier bilden­den Schulkinder zum Psarrhaufe in der Lindenallee. Polizei und Schützen hatten so gut abgesperrt, daß keinerlei Stockung entstehen konnte. Generalvikar Msgr. Günther segnet die zwischen Blumen aufgebahrte Leiche, während draußen der Altstädter Kirchenchor singt: „Beugt dich ein Leid, vertrau auf Gott." Und nun setzt sich

der Trauerzug

m Bewegung. Voran wird das 'Kreuz getragen. Schüler aller katholischen Lehranstalten der Stadt folgen. Dann kommen die Vereinsabordnungen mit ihren umflorten Fahnen — unter ihnen Chargierte der „Germcnia", Münster — die Ordensschwestern und fast der gesamte Eichsfelder Klerus und Geistliche aus der Diaspora. Ms Vertreter des Hochwürdigsten Herrn Erzbischofs Caspar Klein, des Generalvikariats und Domkapitels von Paderborn ist Generalvikar Gierse erschienen, den der soeben ernannte Ehrendomkapitular Propst Legge, Magdeburg, begleitet. Der Hochwürdigste Herr Bischof Dr. Joseph Damian Schmitt von Fulda wird vertreten durch Generalvikar Günther. Vom Domkapitel sehen wir außerdem Domdechant Prälat Dr. Leimbach und Domkapitular Dr. Mock. Kolpingssöhne dürfen den Sarg tragen. Hinter ihm gehen die beiden überlebenden Brüder und zahlreiche Verwandte des Verstorbenen.

durchzusetzen, weil die Staatsgesinnung zersetzt ist, und Tag für Tag flitzen Ueberfallkommandos durch die Stra­ßen, um kämpfende Stoßtrupps auseinanderzuhalten. Das Hohe Lied der Arbeit ist verstummt, ebenso die Hymnendichter der Industriekultur. In müdem Faden­puls schlägt nur mehr das Herz der Industriestadt, deren Entwicklung man, wie das päpstliche Organ, der „Osser- vatore Romano" noch jüngst ausführte, das deutsche Chi- kago genannt hatte.

Der Essener Katholikentag von 1906 sah 40 000 Ar­beiter und Knappen im Licht des Hellen Tages durch die Straßen marschieren. Söhne eines festgeordneten, kraft­vollen und wirtschaftlich emporblühenden Staates, unge­brochen an Leib und Seele, machtbewußt, tatenfroh, fort- schrittsfreudig. Was ist aus diesem kriegsstarken Armee­korps der Arbeit geworden? Tausende ruhen als Kriegs­opfer in fremder Erde, Taufende sind Arbeitslose, Wohl­fahrtsempfänger, Kriegsrentenempfänger, Wohlfahrts- „Rentner". Alle von ihnen aber, die den Krieg über­lebten, hat der wahnsinnige Lebenskampf der letzten 25 Jahre zermürbt. — In der Nacht vor dem Katholiken­tag 1932 sieht man aus allen Ecken der Stadt flammen­tragende Männer durch Essens verarmte Straßen ziehen, viel verhärmte Gesichter, verbittert, leidverzerrt. Die Ge­neration von 1906, die den Weg umsäumt, den diese