Einzelbild herunterladen
 

Seite S / Nummer 32.

Sugegeben, es gäbe sich bei den Papieren um „Stiftun­gen" gehandelt, die ihm zu Wahlzwecken übergeben wurden. Prinz Menburg und Dr. Kienitz stehen den Nationalsozialisten nahe. Im Prozeß dürften Zeugen darüber vernommen werden, ob dem Prinzen Usenburg der Auftrag erteilt worden war, in schwerindustriellen Kreisen für die Reichstagswahl Wahlspenden für Hitler zu sammeln.

Nationalsozialisten überfallen katholische Jugendliche. In Schöneberg bei Berlin überfielen am Samstagabend Nationalsozialisten ein Mitglied des katholischen Jung­männerverbandes. Der Jungmann, der das Abzeichen der Volksfront trug, hatte den Strahenhelden nicht den geringsten Anlaß zu den Anrempelungen gegeben. Als andere Mitglieder des Sungmänneroereins hinzueillen, stießen die Nazis einen der katholischen Jungmannen in eine Fensterscheibe. Ein drittes Mitglied wurde durch Messerstiche im Rücken schwer verletzt und mußte nach dem Krankenhaus transportiert werden.

Katholiken dürfen unter der Naziherrschaft nicht Be­amte werden. Der zweite Kassenwart der Nazis in Reichenbach (Schlesien) hat in einem Briese an die Naziführung in Breslau sich folgenden Satz geleistet: „Aber es kommt der Tag, wo diese Männer Rechenschaft ablegen müssen. Denn, da sie „romhörig" sind, sind sie nicht fähig, ein öffentliches Amt zu bekleiden."

Nazis als Waffendiebe. Den Bemühungen der poli­tischen Polizei Kassel ist es nunmehr gelungen, den im Dezember 1930 in der Polizeiunterkunft Kassel ausge­führten Diebstahl von rund 80 Pistolen und rund 6000 Schuß Pistolen-Munition aufzuklären. Haupttäter ist der frühere Polizeiwachtmeister der Kasseler Schutzpoli­zei Krick, Mitglied der nationalsozialistischen Partei. Als Mittäter kommen drei weitere Angehörige der NSDAP, in Betracht. Ein Teil der gestohlenen Waffen ist be­reits sichergestellt. Die Kasseler Nazipressestelle beeilt sich, zu versichern, die NSDAP, habe mit dem Diebstahl nichts zu tun. Sie werde das Gerichtsverfahren abwar­ten. Wenn die Polizei in ihrem amtlichen Bericht „drei Angehörige der NSDAP." als Mittäter nennt, dann gibt das den Nazis gerade keinen Anlaß, wohlgemuth mit den Achseln zu zucken. Eine „staatsbejahende" Par­tei, die immer auf der Jagd nach „Legalität" ist, kann natürlich von keinem Verdacht getroffen werden. Wenn Kerri, Röver, Sprenger, Goebbels und andere Nazi- Größen vom Hängen, Erschießen, Köpferollen sprechen, dann ist das auch nur ein Zeichen der großen Friedfertig­keit der Nazi-Partei.

A«s!s«S

Oesterreich.

Oesterreichs bedeutendster Politiker, der ehema­lige Bunde.skanlzer Prälat Seipel, ist gestorben. Er hat sich unsterbliche Verdienste um unsere deutsche Schwesternrepublik erworben und sie im Jahre 1922 vor dem finanziellen Zusammenbruch bewahrt. Als Führer der christlich-sozialen Par­tei (die unserer Zentrumspartei entspricht), hat er einen großen Einfluß ausgeübt, als er das Bun­deskanzleramt niedergelegt hatte. Bei einem At­tentat drang ihm eine Revolverkugel in die Brust. Der Fremdkörper konnte nicht entfernt werden und trug jetzt zur Beschleunigung seines Todes bei. Viel­fach trat Prälat Seipel auch auf deutschen Katho­likentagen als Redner auf. Allzufrüh ist der be­deutende Mann uns entrissen worden.

Italien.

Die katholischen Aerzte Veneziens faßten nach Erörterung der Eingabe des Internationalen Aus­schusses für Hygiene beim Völkerbund einmütig die Erklärung: strikte gegen die Anwendung jedweder geburtenverhütender Praktiken zu sein, weil diese ihrer Ueberzeugung als Aerzte und als Katholiken durchaus widersprechen.

Zufolge der Bestimmungen des zwischen dem Heiligen Stuhl und Italien abgeschlossenen Kon­kordates ist das Wallfahrtsheiliqtum von Caravag- gio mit seinen Gütern vom italienischen Staate dem Bischof von Cremona ausgefolgt worden.

Am 27, Juli sind die Kartäuser wieder in ihre weltberühmte Certosa (Kartause) von Pavia ein­gezogen und nehmen daselbst ihr Ordensteben wie­der auf, das 1881 durch die Vertreibung der Mönche und die Säkularisation des Klosters hier eingegangen war. Der Orden erlangt nach mehr

als zweijährigen Unterhandlungen mit der Regie­rung zwar nicht das Eigentum, wohl aber das weitgehende Benützungsrecht dieses weltberühmten Baudenkmals zurück. Ein besonderer Vertrag re­gelt eingehend die Benützung als Kloster und die Offenhaltung und allgemeine Zugänglichkeit als Kunstwerk. Das sog. große Kloster wird mit Aus­nahme von zwei Zellenhäuschen gänzlich dem Or­den zur Benützung unter Klausur überlassen. Vor­läufig ist zwar nur der Einzug von sechs Patres vorgesehen. Alle übrigen Teile des Klosters: das Presbyterium, das berühmte Lavabo, das Refek­torium usw. bleiben der freien Besichtigung geöff­net und werden von Museumsbeamten verwaltet und beaufsichtigt werden.

Bischof Dr. Schreiber von Berlin beging am 3. August seinen 60. Geburtstag. Er ist ein Sohn der Di.özese Fulda, wo er auch am hu­manistischen Gymnasium der Brschofsstadt die Abi­turientenprüfung mit Auszeichnung bestand. Schon als Schuler hatte er sich für den geistlichen Stand entschieden, besuchte ein Semester die philosophisch­theologische Lehranstalt in Fulda und ging dann

nach Rom, wo er am Collegium Germanicum seine wissenschaftlichen Studien absolvierte. Am 28. Oktober 1898 wurde er in Rom zum Priester ge­weiht und kehrte im Frühjahr des folgenden Jah­res wieder in seine Heimatdiözese zurück.

Bereits im Herbst 1899 wurde ihm am Pris- sterseminar in Fulda der Lehrstuhl für Philosophie übertragen. Am 1. Mai 1902 wurde er Subregens, und als der bisherige Regens Dr. Joseph Damian Schmitt Ende 1906 zum Bischof von Fulda er­wählt worden war, ernannte er den Subregens Dr. Schreiber zu seinem Nachfolger im Amte als Seminarregens. Er übernahm nun die Fächer der Apologetik, der Dogmatik (zugleich mit Professor Gutberlet) und der Homiletik. Regens Schreiber ensaltete eine sehr vielseitige Tätigkeit als Predi­ger in benachbarten Gemeinden, als Redner in re­ligiösen und sozialen Vereinen. Namentlich um die Ausbreitung des Volksvereins in den verschiedenen Teilen der Diözese Fulda hat er sich große Ver­dienste erworben. In packenden Vorträgen wußte er die Zuhörer zu gewinnen für die Größe und Erhabenheit der katholischen Religion, wie für die praktischen Aufgaben im Leben der Kirche der Ge­genwart. Bei den Jahresversammlungen der Gör­resgesellschaft erstattete er regelmäßig das Referat über das „Philosophische Jahrbuch" der Gesell­schaft, dessen Redaktion er zusammen mit Prälat Gutberlet führte. In diesen Referaten gab er je­desmal einen klaren und tiefen Einblick in die philosophische Forscherarbeit während des Berichts­jahres. Auch veröffentlichte er im „Jahrbuch" eine stattliche Zahl von Abhandlungen aus seinem ei- gen"n A'-llebsaebiete.

Am 18. Juli 1921 ernannte Papst Benedikt XV. den verdienten Seminarregens Dr. Schreiber zum Bischof des wiedererrichteten Bistums Meißen; der Sitz des Bischofs war Bautzen. Allgemein war die Freude im katholischen Deutschland, daß das alte und ehrwürdige sächsische Bistum, das Kaiser

Otto der Große im Jahre 966 gegründet hatte: und das während der Reformation sekularisierj worden war, nun im 20. Jahrhundert wieder er- stand und der heilige Benno von Meißen in dem neuernannten Oberhirten einen Nachfolger erhielt,

Vom Grabe des heiligen Bonifatius zu Fulda eilte Bischof Christian Schreiber, nachdem er hier die Bischofsweihe empfangen hatte, in seinen neuen Wirkungskreis in Sachsen und wurde am 18. Sep-> fernher 1921 im Dom zu Bautzen feierlich inthro­nisiert. Auf der ersten Diözesansynode, die im Jahre 1923 im Kloster Mariastern stattfand, schuf er nach sorgsamen Vorarbeiten die Neueinteilnng des Bistums Acht Jahre lang führte er den Hir­tenstab im Bistum Meißen, und eine Fülle von Segen ging in dieser Zeit von seinem Wirken aus. Zweiundzwanzig Pfarreien wurden neugegründet,t dreiundzwanzig Schwesternniederlassungen und! fünfundzwanzig Neubauten von Kirchen, Kapellen und Missionshäusern wurden in die'em Zeitraum! errichtet, darunter die Gedächtniskirche des Katho­lischen Akademikerverbandes und die des Katho-- tischen Kaufmännischen Verbandes in Leipzig. 1927 wurde in Schmochtitz ein Priesterseminar zur Aus-^ bildung eines eigenen Diözesanklerus erbaut. In Dresden wurde das St.-Benno-Gymnasium in eine Vollanstalt verwandelt und erhielt die staatliche An­erkennung als öffentliche Lehranstalt. In Heller-- au entstand ein katholisches Landerziehungsheim, in Hoheneichen bei Dresden ein Exerzitienhaus. Aust den sächsischen Katholikentagen zu Bautzen, Chem­nitz, Dresden, Plauen und Schirgiswalde war der Bischof der geistige Mittelpunkt dieser gewaltigen Kundgebung katholischen Glaubens in der sächsi­schen Diaspora. An den Universitäten Leipzig und Halle hielt er mehrere Male Vortragskurse und sprach darin über Kant, Nietzsche und Thomas von Aquin. Im Winter 1927/28 unternahm er für die Zwecke der Karitas eine Amerikareise, wobei er manche wertvolle Beziehungen mit den Glaubens­genossen in Uebersee anknüpfte. Die Liebe Christi drängte den tatkräftigen Bischof zu immer neuen Unternehmungen im Sinne seines Programms. Doch ließ er bei all seinen Arbeiten das literarisch­wissenschaftliche Interesse niemals aus dem Auge. Ueber seine Reise veröffentlichte er die kleine Schrift: , Lurch die Vereinigten Staaten Ame­rikas"; im Staatslexikon der Görresgesellschaft ine Artikel „Kant "und „Sachsen". Mit einer ReHe von Mitarbeitern gab er das Werk „Wallfahrten - durch das deutsche Land" heraus.

Als nach dem Abschluß des preußischen Kon­kordates im Jahre 1929 das Bistum Berlin ge­gründet wurde, ernannte Papst Pius XI. den Meißener Oberhirten zum Administrator der Ber­liner Diözese; auch blieb er noch Administrator seines bisherigen Sprengels, bis dieser in Dr. Kon­rad Groeber aus Freiburg i. Br. einen eigenen Bischof erhalten hatte. Am 31. August 1930 wurde Bischof Schreiber in der St. Hedwigs-Kirche zu Berlin inthronisiert. Ungern hatten die Katholi­ken im Freistaat Sachsen ihn scheiden sehen, aber die Verehrung, Treue und Anhänglichkeit, die sie mit ihrem Oberhirten verband, übertrug sich audj alsbald über die Katholiken Berlins und des ehe­maligen Delegaturbezirks. Bereits im Jahre 1930 sah er in dem neuen Bistum ein eigenes Priester- seminar entstehen. Im übrigen knüpfte er organi­satorisch an die gegebenen Verhältnisse an. Er wollte, wie er es in seiner ersten Kundgebung be­tonte, vor allem ein „Volksbischof" fein. Zu die­sem Zwecke schuf er für die katholischen Arbeiter­vereine einen Diözesanverband, gab der katholi­schen Aktion einen festen Mittelpunkt und der Ka­ritasarbeit neue Impulse. Bei der Massenkund­gebung im Berliner Sportpalast am 20. Novem­ber 1929 sprach er über das Thema: „Bischof und Volk gehören zusammen". An allen Fragen des; öffentlichen Lebens nimmt er unmittelbaren An­teil, Schule, Presse und katholisches Veretnsleben. haben in ihm einen starken Helfer und Förderer.

Am 60. Geburtstage des Bischofs Dr. Scyreiber nehmen nicht allein die Angehörigen der Berliner Diözese aufrichtigen Anteil, auch die übrigen Ka­tholiken in deutschen Landen, und mir in erster Linie die Angehörigen der Diözeje Fulda sowie ganz besonders seine Landsleute zu Somborn und im sogenannten „Freigericht" Würstchen ihm eine weitere fruchtbringende und von Gottes Segen ge­leitete Tätigkeit zum Heile von Kirche, Volk uni) Vaterland.