Nummer 31 / Seite 13
em Wort: reformieren. Und wenn endlich nach wer, mühevoller Arbeit alle religiösen Fanatiker, â Ne vaterlandslosen und vaterlands- indlichen Römlinge verdrängt und durch utsche Priester ersetzt sind, dann werden unsere Kinder id Enkel ihren evangelischen Brüdern die Hand zum ruderbunde, zur d e u t s ch e n K i r ch e ohne Dogmen- jang und ohne Formelkram reichen, das weise Walten r göttlichen Vorsehung erkennen und in stiller Anbe- ng loben und preisen."
Ungeheure Wunden freilich hatte der Kampf der tholischen Kirche und dem deutschen Vaterlande gellagen. Die katholischen Bewohner des damals neu wordenen Reichslandes Elsaß-Lothringen sowie im , Isen Deutschlands, wurden durch den Kulturkampf dem eiche Bismarcks erst recht entfremdet. Wir haben US noch die Sünden des Kulturkampfes büßen müssen. :de Verfolgung der katholischen Kirche in Deutschland ird zu einem neuen nationalen Unglück werden!
Mögen heute die Enkel daraus lernen! Die deut- hen Katholiken haben im vorigen Jahrhundert den ulturkampf gegen einen Bismarck und die Riesenartei der Nationalliberalen gewonnen, weil sie treu m Glauben, stark im Dulden und einig in er Abwehr waren. Zu einem festen Kampfblock n Zentrum gesammelt, überstand der deutsche Katho- jismus siegreich den Kampf.
H Die heutige Lage ist in weitem Maße der Kultur- impfzeit ähnlich; möchte man das überall erkennen ad bei der Wahl
am 31. Juli entsprechend handeln;
er Hationolfdiialismus gegen lsnWo- ellen Religionsunterricht in her Schule.
Die „Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung" hechtet: „In zwei großen Versammlungen des na- onalsozialistischen Lehrerbundes von Berlin Brandenburg und der Grenzmark sprach der raunschweigische Unterrichtsminister Klagges über chulfragen. . . . Die Nationalsozialistische Par- 'i erstrebe die Einheitsschule bezüglich der Konfest on. Das deutsche Volk dürfe nicht getrennt sein urch die Konfession, sondern nur durch die Rasse, 'er Begriff der konfessionellen Mischehe sei ein lrchtbarer Begriff, es gibt keine Mischehe zwischen Obsessionen, sondern nur zwischen den Rassen arum sollen die Kinder auch ein und dieselbe "chule besuchen. Das habe allerdings Konsequen- m bezüglich des Religionsunterrichts. Die Lehrerhaft hat in ihrer Mehrheit wiederholt erklärt, aß sie an dem Religionsunterricht in der Schule sthält. Das ist aber undenkbar, weil der Reli- ionsunterrichl von der Kirche abhängig ist . . . uf diese Meise erhalten wir kein nationales 'chul recht. Wir können nie die reine Staatsschule ekommen, wenn wir den Religionsunterricht wei- r erteilen wollen. Der Religionsunterricht muß en Religionsgemeinschaften überlassen werden. Ms ist eine Forderung, die wir als Nationalfozra. sten in den Vordergrund zu stellen haben." Also simultanschule und Verbot an die Lehrer, ReU- ionsunterricht zu erteilen! Das ist das national- zzialistische Schulprogramm. Kann da ein Katho- k ja sagen, nachdem das kirchliche Gesetzbuch mit anz besonderer Schärfe für Katholiken die katho- sche Schule verlangt? Und dann — dem national- .zialistischen Minister geht auch in Schulfragen ie Rasse über die Religion. Wiederum ein klarer Viderspruch zu den Forderungen des Christen- ams. Unbegreiflich, daß es Katholiken gibt, die as alles nicht sehen wollen.
Der feine Köder.
Der Dieb, welcher in einem Bauernhof einbre- )en will, wirft vorher dem Hund, der den Hof bs- oacht, einen vergifteten Köder hin, um ihn zu be- äuben, einzuschläfern oder zu töten, damit er licht mehr belle, natürlich einen feinen, duftenden, wohlschmeckenden Köder, eine gute Wurst, einen èöder, den er sicher frißt. So wirft man auch den geistlichen, die man in der Politik zum Schweigen ringen möchte, oft einen feinen Köder hin. Der töder ist eine Schmeichelei von der hohen Würde er Priester: man sagt ihnen: „Eure Würde ist zu »och, eure Stellung, hochwürdige Herren, ist zu er- 'oben, als daß ihr euch in das niedrige parfeien-
gezânk hineinwerfen dürftet. Wir könnten kein Vertrauen mehr zu euch haben, wenn ihr das tätet. Auch die Bischöfe haben das zu wenig überlegt, sonst hätten sie sich nicht so gegen die Nationalsozialisten ins Zeug geworfen; sie sollten sich einschränken, sich innerhalb der Grenzen ihres Amtes halten. Herein mit der Religion in die Politik, aber heraus mit der Geistlichkeit aus einseitiger Parteipolitik. Die Kirche und die Geistlichkeit haben die Aufgabe, alle Parteien mit christlichen Grundsätzen zu durchdringen, aber sie sollen nickst den wechselvollen Standpunkt einer Partei einseitig vertreten, der von den ewigen Grundsätzen der Religion nicht selten abweicht. Wie der Soldat, so soll auch der Priester über den Parteien stehen."
Was haben wir darauf zu erwidern?
Gerade weil die Geistlichen und Bischöfe eine hohe Stellung und Würde haben, haben sie auch die heilige Pflicht, für die Verteidigung von Religion, Christentum, Gerechtigkeit und guter Sitte einzutreten, auch in der Politik. Wenn sie also dies tun, überschreiten sie die Grenzen ihres Amtes nicht. Wenn sie dann in Erfüllung dieser Pflicht beschimpft, geschmäht und verfolgt werden, so sind nicht sie es. die ihre Würde mißachten, sondern diese Verunglimpfungen gereichen ihnen zur Ehre und bringen ihnen Verdienste für die Ewigkeit. Auch für den Krieger ist es keine Schande, sondern eine Ehre, wenn er im tapferen Kampfe fällt und vom Schmutz der Erde und den Fußtritten der Feinde besudelt wird.
Auch steht der Soldat nicht gänzlich über den Parteien, sondern er darf für diejenigen Parteien eintreten, welche dem Staat und der Regierung günstig sind, und er muß gegen die staatsfeindlichen Parteien unduldsam sein, sogar gegen sie kämpfen, wenn sie sich auflehnen. So muß auch der Priester gegen die kirchenfeindlichen Parteien unduldsam sein.
Wenn der junge Priester einseitig nur diejenigen Parteien begünstigt, welche der Kirche treu sind, so stellt er sich bei dieser Einseitigkeit eben auf die richtige Seite.
„Herein mit der Religion in die Politik, aber heraus mit dem Geistlichen aus einseitiger Parteipolitik, — das ist gerade, wie wenn man sagen würde: „Herein mit der Heilkunde in die Krankenpflege, aber heraus mit dem Arzt aus den einzelnen Krankenstuben, die Anwendung der Heilkunde auf die einzelnen sollen die Pfuscher besorgen."
„Der Geistliche, sagt man auch, soll alle Parteien mit christlichen Grundsätzen zu durchdringen suchen." Gewiß. Auch der Arzt soll alle Kranken seines Ortes zu heilen suchen, das kann er aber nur, wenn ein Kranker ihn holen läßt und sich von ihm behandeln läßt. So kann der Geistliche nur diejenigen Parteien mit christlichen Grundsätzen durchdringen, die sich von ihm durchdringen lassen. Aber in Deutschland sind eben nur zwei Parteien, die bewußt die katholischen christlichen Grundsätze zur Grundlage haben, das Zentrum und die Bayerische Volkspartei. Das nationalsozialistische Christentum zum Beispiel ist teilweise ein Scheinchristentum. Die Nationalsozialisten sind den katholischen und sonstigen konfessionellen Schulen nicht günstig, sind für Erleichterung der Ehescheidung usw. Die Rechtsparteien gelten bei vielen Protestanten als schützender Damm gegen den „römisch-jesuitischen Vormarsch"; so heißt es zum Beispiel in einem Handzettel der christlich-deutschen Bewegung und in einem auch von der Deutschnationalen Volkspartei unterschriebenen Aufruf; daraus sieht man, daß sie entschiedene Gegner der katholischen Kirche sind; wenigstens bei Gelegenheit kommt ihre Gegnerschaft zum Ausdruck.
Hitler hat zwar in Görlitz feierlich erklärt: „Den Priester am Altare und in seiner Seelsorge werden wir schützen, aber den Priester in der Politik, den werden wir entfernen". Gewiß ein blendendes Wort für solche, denen jedes Hitlerwort wie ein Christuswort gilt. Das muß man dem Hitler lassen: er kann großartige Worte machen und damit den Leuten den Kopf verdrehen und ihr katho- lisches Gewissen beruhigen. Wie es aber mit diesem „Schutz" sich verhält, das würden wir schnell erleben, wenn einmal der Nationalsozialismus in feiner schärfsten Ausprägung zur Herrschaft gelangen würde. Die führende Zeitung der Nationalsozialisten, der „Völkische Beobachter", hat es ja
schon offen ausgesprochen. Als Kardinal Faulhaber eine Predigt über den Völkerfrieden hielt — wohl zu beachten, in der Kirche! —, da erklärte diese Zeitung, eine solche Predigt werde man im Dritten Reich einfach verbieten. Ja, ja, „den Prie- ster am Altare werden wir schützen".
Die Priester könnten ja auf die Politik verzichten, wenn ihnen in Hiller wirklich ein Staatsmann erstehen würde, der zugleich ein Gottesmann wäre, wenn er der Leitung des Staates in allem wirklich die Religion und die Kirchen vollkommen schützen und ihren Forderungen zum Recht verhelfen würde. Aber darauf ist leider nicht zu hoffen. Er hat selbst einmal gesagt, er dürfe es mit der katholischen Kirche nicht verderben, denn diese sei in Deutschland eine ungeheure Macht und er müsse deshalb die Katholiken für sich zu gew-in- nen suchen (Dinter, Geistchristentum, September bis Oktober, 1930). So ungeheuer ist die Macht der katholischen Kirche zwar nicht, aber Hitler glaubt doch, der Nationalsozialismus müsse noch auf sie Rücksicht nehmen. Er wird sie also nur so lange schützen, als sie selber noch eine Macht hat.
Er schÄtzt aber jetzt schon auch jene, welche geflissentlich darauf hinarbeiten, diese Macht zu brechen. Er läßt es nämlich ruhig geschehen, daß seine Freunde und Mitarbeiter Schriften herausgeben, durch welche der Gottesglaube und Christusglaube geleugnet und dem Volk aus dem Herzen gerissen wird. Wenn diese Schriften von dem Volke gelesen werden, so werden die Kirchen leer werden und wird der Priester am Altare allein bleiben; was nützt dann aller Schutz, Er rechnet be- kanntlich die Befürworter des Heidentums unter feine vertrautesten Freunde, einen Rosenberg namentlich, der in einem großen Buche alle Religion nur für Sage und Märchen erklärt. Von diesem Buch hat Hitler gesagt, es sei das bedeutendste Buch des Jahrhunderts (Dinter, Das Christentum, Sept, bis Okt. 1930). Wenn ein Zentrumsabgeordneter ein derart christentumsfeindliches Buch herausgeben würde, so würde er in der nächsten Viertelstunde im Bogen aus der Partei hinausfliegen, Hitler aber und seine Partei schützen und schätzen den Verfasser.
Dennoch gibt es Katholiken, die meinen, der Priester könne ruhig die politischen Dinge andern überlassen, und er sollte sich nicht darum kümmern. Sie sprechen unverständig das nach, was kirchenfeindliche Parteien ihnen vorreden, was sie in Zeitungen und Schriften lesen, die nicht auf dem Boden der Kirche stehen. Auch stellen sie irdische Erwägungen, irdische Vorteile und ein irdisches Reich höher als das Reich Gottes.
Achten wir also nicht auf die Lockung des nazi- schen Adlers! Sollte es ihm gelingen, uns mit Gewalt zu rauben, so werden wir uns darein ergeben als in ein von Gott zugelassenes Schicksal; aber freiwillig ihm in die Krallen laufen, das könnten wir vor Gott nicht verantworten. Gelingt es ihm, die Macht an sich zu reißen und dann der Geistlichkeit gegen alles Recht ein politisches Schweigeverbot aufzuerlegen, dann wird das Volk wissen, warum sie schweigt; aber freiwillig, nur auf den Wunsch einer Partei, schweigen darf sie nicht — um ihres Gewissens willen.
Der Mutter Erbgut.
„Nun, Mütterlein, wieviele Kreuzwege habt Ihr wohl schon gebetet in Eurem Leben?" So fragte eine Bekannte die alte Burgermutter, die gerabe von der Kirche vom Kreuzwegbeten nach Hause ging. Ein leises Lächeln umspielte die Lippen der Greisin, als sie erwiderte: „Das weiß der liebe Gott der mir auch die Liebe zum Kreuzweg als Erbgut von meiner lieben, frommen Mutter ins Herz gelegt hat. — Es ist eine eigene Geschichte", fuhr sie sinnend fort, „und weil sie nicht lang ist und wir den gleichen Weg haben, kann ich sie erzählen. Meine Mutter wollte so gerne noch zu ihren sieben Buben ein Mädchen. In diesem Anliegen betete sie Tag für Tag den heiligen Kreuzweg und wendete sich besonders an die heilige Veronika in der sechsten Station. Sie versprach, im Falle der Erhörung das Mädchen dann „Veronika"