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I Die schlimmsten waren die liberalen Protestanten. Diejenigen, die selbst nicht mehr an die Gottheit Jesu glaubten, dafür umso stärker im „Haß gegen om wa­ren. Führend im Kampf war der liberale Protestanten­verein.

Die positiv-gläubigen Kreise der Protestanten (die Konservativen) nahmen eine unentschlossene Haltung ein. Vielen widersprach die Verfolgung der katholischen Brü­der nach ihrem christlichen Empfinden; klarblickende Pro­testanten erkannten auch, daß der Kampf gegen die katho­lische Religion letzten Endes jeder Religion schaden müßte. Andererseits aber waren auch diese Kreise da­mals durch die Fortschritte der katholischen Kirche in Deutschland beunruhigt. In den Jahren seit 1848 bis 1872 hatte tatsächlich die katholische Kirche in Preußen sehr schöne Erfolge erzielt; die Orden gründeten wieder Klöster, übernahmen Schulen, hielten Missionen, das Volk wurde wieder religiöser. Zu Ehren der gerecht den­kenden evangelischen Glaubensbrüder sei hier auf das Beispiel Württembergs hingewiesen, wo die prote­stantische Mehrheit eine Verfolgung der Katholiken ab­lehnte, auch Oldenburg, dessen ritterlicher Großher- I zog Peter seine katholischen Untertanen vor jeder Be­lästigung beschützte.

Der dritte im Bunde war F ü r st Bismarck, der sich von der Reichstagsmehrheit, den Nationalliberalen, in den Kampf drängen ließ und dann mit der ganzen is Unerbittlichkeit feines Wesens den Kampf durchführte. Bismarck hatte das katholische Oesterreich aus dem deut­schen Bunde 1866 hknausgedrängt, mit dem damals offi­ziell noch katholischen Frankreich Krieg geführt, die katho­lischen Polen im Osten des Reiches unter strenge Gesetze gestellt; fürchtete er von dieser Front Angriffe auf seine Schöpfung, das kleindeutsche Reich mit dem protestanti­schen Kaisertum?? Hatten nicht die katholischen Unter­tanen des preußischen Königs in den Kriegen von 1866 und 1870 ihr Blut freudig und bereit für Preußen ver­gossen? Hatten nicht die süddeutschen Staaten mit ihrer starken katholischen Bevölkerung den Kampf gegen Frankreich mitgemacht und das Reich gründen helfen?

Doch dies war alles vergeßen. Die Nationallibera­len handelten nach dem Standpunkt der Herrenschicht: „Recht und Freiheit für mich, nicht aber Jf ü r d i e anderen!" Ordensleule werden verjagt. — Schwestern sterben auf der Flucht.

Nachdem die Nationalliberalen in einer ungeheuren Agitation (angeblich gegen das Zentrum) das deutsche Volk aufgewühlt hatten, den konfessionellen Haß zur Weißglut gebracht und im Reichstag sowie im preußi­schen und anderen Landtagen die Mehrheit an sich ge­rissen haten, begann Bismarck mit Ausnahme- und Zwangsgesetzen gegen die katholische Kirche vorzugehen.

Die ersten Opfer waren die Jesuiten, die aus dem ganzen Reiche verjagt wurden. Die Hetze gegen die Je­suiten nahm krankhafte Formen an. Herr und Frau Ludendorff mit ihrem völkischen Anhang, schöpfen heute bei ihrer Jesuitenhetze wesentlich aus den trüben Quel­len der damaligen Zeit. Insgesamt waren damals, den letzten Küchenbruder mitgerechnet, ganze 200 Jesuiten im Reich. Diese wurden als größte Gefahr angesehen, obwohl die Regierung über ein Heer von über einer Mil­lion ausgebildeter Mannschaften und einer weiteren Mil­lion von Polizeikrästen jeder Art verfügte.

Neben den Jesuiten wurden „jesuitenähnliche" Genos­senschaften vertrieben. Zuletzt jagte Preußen alle Or­densleute über die Grenzen.

Damals wurden 9000 Söhne und Töchter der deut­schen Heimat durch den Haß der „Nationalen" auf schmachvolle Art und Weise aus dem Lande gejagt, so­gar Schwestern der strengsten Klausur, die nicht einmal wußten, warum man sie wie Schwerverbrecher ins Elend hinaustrieb. Das protestantische England und das kalvinische Holland waren barmherziger als das Preußen Bismarcks und nahmen die Armen gutherzig !. auf

Unter welch unsagbaren Leiden diese Verfolgung vor sich ging, ergibt sich aus dem folgenden Vorfall: Die armen Franziskanerinnen von Salzkotten gehörten auch zu den Opfern der nationalliberalen Kulturkämpfer. Mit­ten im Winter mußten sie, nur mit dem Notwendigsten versehen, die Heimat verlassen. Mit bitterstem Schmerz sah das katholische Volk sie scheiden. Die Schwestern fan­den in England eine Zufluchtsstätte und schifften sich auf dem Dampfer „Deutschland" ein. Am 5. Dezember 1875 strandete aber dieses große Schiff an einem Felsenriff bei Sheerneß und viele Passagiere, darunter auch fünf Schwestern, fanden in den eiskalten Wellen einen schreck­lichen Tod. Die Leichen von vier Schwestern wurden geborgen; unter ungeheurer Beteiligung bestatteten die englischen Gastgeber die von den „nationalsten" Deut­schen in die Verbannung und in den Tod gejagten un­schuldigen Schwestern. Der Kardinal Manning von West­minster hielt ihnen selbst die Trauerrede: „Einst hatten

diese Schwestern eine Heimat voll Frieden und Glück, reich an guten Werken, in dem großen Vaterlande, in welchem der katholische Glaube so tiefe Wurzeln geschla­gen hat, daß kein Sturm sie lockern kann. Sie arbeiteten in Ruhe, spendeten Trost den Kranken und Bedrängten, sie erzogen kleine Kinder in der heiligen Furcht, in der Liebe zu Gott und seiner heiligen Mutter. Warum war ihr Vaterland nicht länger mehr eine Heimat für sie? Ich will diese Frage nicht beantworten; es würde ein Miß­ton sein, und Eure Herzen würden es nur mit Ueber­windung hören. Nichtsdestoweniger will ich sagen, daß diese Heimat für sie keine Heimat mehr war, sie wurden durch die harte Notwendigkeit gezwungen, sie als Fremd­linge zu verlassen, in ein fremdes Land zu eilen, sich ein­zuschiffen und den Gefahren des Meeres zur Winterszeit entgegenzugehen." Nach einer Schilderung der furcht­baren Katastrophe betonte Kardinal Manning, daß der Tod für die Schwestern keine Schrecken gehabt habe, ihre Ergebung in den Willen Gottes werde für die Schicksals­genossen eine Predigt gewesen sein.

Auch die Franziskaner von Fulda mußten fliehen. Das eiserne Kreuz auf der Brust, verließ mancher Or-

„Wenn am 9. November 1918 und am 11. August 1919 keine Zenlrums- Partei gewesen wäre, welche die kirchlichen Znteresten (auch der pro­testantischen Arche) hätte vertreten können, so hätte die evangel. Arche ohne Zweifel Konkurs anmeiden können... Es war allein das Zentrum, das der erdrückenden Macht einer politisch zusammeugesaßten Masse in reiigiösenundkirchlichenFragen Achtung und Zurückhaltung gebot!“

So schrieb in seiner Nr. 17 vom 24. 4. 1920 das „Evangelische Sächsische Kirchenblatt-. Eine ehrliche Anerkennung der unvergänglichen Ver­dienste der Zentrumsparkei für die christlich­deutsche Kultur in den schwersten Kämpfen der Revolutionszeit. Die ganze Geschichie der Zentrums- Partei ist die Geschichte eines ständigen Kampfes und ständiger Erfolge. Selbst ein Mann wie Bismarck mußte die gute Führung der Zentrumspartei durch W i n d t h o r st anerkennen. Mehr als einmal haben — wenn auch mit mehr oder weniger Ne d — führende Politiker unser er Tage zugeben müssen, daß die Zentrumspartei auch in der Nachkriegszeit eine hervorragende Führung hatte und darum auch anerkennenswerte Erfolge für die Nation und für die chr stiichen Belange erreichte.

densmann das vom Jesuitenwahn verwirrte deutsche Va­terland, auf eine bessere Zeit hoffend. Auch viele Schwe­stern trugen Kriegsauszeichnungen, die sie sich in der Krankenpflege während der Feldzüge erworben hatten.

Von den zahlreichen Stimmen, die heute auch wieder zur Vertreibung der Ordensleute und katholischen Prie­ster aus Deutschland auffordern, fügen wir nur eine hier an:

Der nationalsozialistische Gauleiter Hermanns­dörfer (Oberfranken), führte während des hessischen Wahlkampfes (Mai 1932) in Heppenheim folgendes aus: „Wenn w i r an die Macht gekommen sind, regieren wir mit lutherischen Methoden. Die schwarzen Pfaffen jagen wir aus Deutschland hinaus. Sie mögen sich in Madagaskar ein neues Asyl aufschla­gen. Das Zentrum ist noch tausendmal schlechter als die Kommunisten. Die Revolution der Nationalsozialisten wird anders ausfallen als 1918. Ströme von Blut würden fließen. Niemand könne sich eine Vorstellung davon machen."

Deutsche Bischöfe in deutschen Gefängnissen. — Der Gerichtsvollzieher ständiger Gast. — Am gebrochenen Herzen gestorben.

Die Wut der Verfolger war aber mit der Vertreibung von sämtlichen Ordensleuten nicht gestillt. Opfer an Gut, Blut und Leben wurden von den Katholiken gefordert.

Au mm er 31 / Seife 11.

Wenn es auch nicht zu Hinrichtungen damals kam, so wurden doch barbarische Strafen über Bischöfe und Priester, über katholische Männer und Frauen verhängt, die es wagten, der Staatsallmacht und einem ungerechten Gesetz den erlaubten passiven Widerstand entgegen zu setzen. Wir lassen die Tatsachen sprechen. Unsere Leier mögen dabei bedenken, daß es damals in Deutschland noch keine Gottlosen gab und daß diese Vorgänge kaum 40—50 Jaher zurückliegen.

So wurde der Trierer Bischof Dr. Mathias Eberhard wegen Nichtbefolglung eines Kulturkampfgesetzes bei der Anstellung der Geistlichen zu der ungeheuren Summe von 91 350 Mark Geldstrafe verurteilt, im Nichteinbrin­gungsfalle zu 4 Jahren und 3 Monaten Gefängnis. Da dem Bischof auch sein Gehalt gesperrt wurde und er über kein Vermögen verfügte, wurden seine Möbel ge­pfändet. Der Erlös reichte aber natürlich bei weitem nicht hin. Deshalb wurde er am 6. März 1874 mit Ge­walt verhaftet und in das Gefängnis geschleppt. Der hochbetagte Bischof machte den Weg von seiner Woh­nung am Dom vorbei zum Gefängnis, zwischen Polizisten zu Fuß. Ehe die preußischen Gendarmen ihn abführ­ten, nahm er vom Domkapitel in rührender Weise Ab­schied. Die Katholiken der Bischofsstadt Trier umlager­ten die Straßen, durch die der Bischof zum Kerker ge­führt wurde. Die Leute weinten lauf, warfen sich auf die Knie nieder und baten unter Schluchzen zum letzten­mal um den bischöflichen Segen. Herzerschütternde Sze­nen spielten sich ab. Blutenden Herzens wurde der Bi­schof an seiner Domkirche vorbeigeführt; dann schlossen sich hinter ihm, wie wenn er ein gemeingefährlicher Ver­brecher wäre, die Gefängnistüren.

Vom 6. März bis 31. Dezember 1874 lag Bischof Eberhard im Kerker. Er hörte täglich das Läuten der Glocken, hörte das Plaudern der Kinder, die von der Schule heimgingen und die er hatte firmen wollen: doch die „Nationalen" wollten ihr Opfer haben, ohne Gnade und Erbarmen. Auf Silvester wurde er „probeweise" aus der Haft entlassen. Das Volk eilte zum Dom, und aus Tausenden von Herzen brauste ein Te Deum empor. Doch der Bischof wußte, daß sein Kreuzweg noch nicht zu Ende war: die Geldstrafen waren auf fast 100000 Mark gestiegen. Kurz vor einer neuen Verhaftung starb der Bischof, dem die Drangsale und der Schmerz um die verwüstete Kirche seines Bistums das Herz ge­brochen hatten, eines plötzlichen Todes am 30. Mai 1876.

Aehlich erging es dem Erzbischof Melchers von Köln. Am 31. März 1874 wurde er verhaftet und mit Ge­walt von feiner Wohnung zum Gefängnis auf dem „Klingelbütz" geführt. Eine riesige Volksmenge war Zeuge des Gewaltaktes. In tiefergreifender Weise er­zeigte das katholische Volk des gefangenen Kirchenfür­sten auf dem Wege zum Kerker Beweise feiner Anhäng­lichkeit. Im Gefängnis wurde der Erzbischof in schmäh­licher Weise von untergeordneten liberalen Beamten be­handelt. In den Listen erscheint der Erzbischof als „Sacknäher", ein andermal als „Strohflechter" beschäf­tigt. Nachdem der Erzbischof länger als 6 Monate im Gefängnis geschmachtet hatte, wurde er durch einen königlich-preußischen Gerichtshof abgesetzt. Er begab sich nach Maastricht in Holland, von wo aus er länger als zehn Jahre durch Geheimgesandte und gute, treue Laien­apostel sein Erzbistum regierte. Er war so arm, daß er nur ein einziges Zimmer bewohnte. An Geldstrafen waren zirka 200 000 Mark über ihn verhängt worden, auch hatte ihn die preußische Regierung aus seinem Pa­lais verwiesen.

Bischof Brinkmann von Münster wurde am 28. Ja­nuar 1874 vollständig ausgepfändet, am 18. März 1875 verhaftet. Auch in Münster war eine ungeheure Volks­menge von dem Palais versammelt, die unter heißen Tränen von dem Gefangenen Christi Abschied nahm. Seine Haft dauerte kürzer als des Kölner Erzbischofs, doch wurde er auch wie dieser seines Amtes entsetzt, mußte unter Verkleidung fliehen und nahm Aufenthalt in der Verbannung in Holland. In Abwesenheit wurde er zu einem weiteren Jahr Gefängnis verurteilt, sein Generalvikar zu zwei Jahren.

Der Paderborner Bischof Dr. Konrad Marlin, ein Sohn des Eichsfeldes, trägt mit Recht den Namen „Be­kennerbischof". Während er eine Haftstrafe von 18 Wochen verbüßte, wurde er abgesetzt. Als die Gefäng­nisstrafe in Paderborn beendet war, schleppte man ihn unter schwerer Bedeckung nach Wesel (5. Jan. 1875), um dort eine neue zweimonatige Festungsstrafe abzu­büßen. Nach Ablauf dieser zweiten Haft erhielt er aber nicht die Freiheit, sondern wurde von neuem „inter­niert", um für weitere Strafverfolgungen auf Grund der ungerechten Kulturkampfgestze zur Hand zu sein. Mit Rücksicht auf feine äußerst geschwächte Gesundheit