Seils 8 / Nummer 31.
den verhaftet. Nach dem Ueberfall hatte sich der Hauptschläger feige m die Menge der Nationalsozialisten geflüchtet, wo er geschützt von den übrigen, untertauchte Der mißhandelte Bannerträger hat zwei schwere Schläge über Stirn und Kopf erhalten. Dieser gewaltsame Ueberfall hat in der gesamten katholischen Bürgerschaft Bochums und insbesondere unter der katholischen Iunz- mannschaft tiefe Entrüstung und helle Empörung hervorgerufen, der in der großen Festversammlung des Gesellenvereins auf dem Schützenhofe lauten Ausdruck erhielt.
Nationalsozialistische Verleumder enllarll
In Solingen-Ohligs standen am 20. Juli zwei Leute, bekannte Mitglieder der nationalsozialistischen Arbeiterpartei, ein Kaufmann und ein Arbeiter, die wegen verleumderischer Behauptung über einen Geistlichen angeklagt waren. Von einem früher hier tätig gewesenen Kaplan, der nach Köln versetzt worden ist, hatten sie Code März behauptet, daß er strafversetzt worden ist, und zwar weil er mit einem katholischen Mädchen ein Verhältnis unterhalten habe, das nicht ohne Folgen geblieben sei. Dieses Gerücht wurde verbreitet, um im Wahlkampf entsprechend zu wirken. Bezeichnend war der Verlauf der Gerichtsverhandlung. Die beiden Angeklagten unternahmen natürlich nicht den geringsten Versuch, so etwas wie einen Wahrheitsbeweis anzutreten. Sie zogen vor, den Unschuldigen zu spielen, der von gar nichts weiß. Die eidliche Vernehmung der Zeugen ließ aber gar keinen Zweifel darüber, daß die beiden Nationalsozialisten die Verleumdungen tatsächlich ausgesprochen und die Gerüchte mitverbreitet hatten. Noch toller war aber das Folgende: In entgegenkommender Weise hatte der Vertreter des verleumdeten Kaplans erklärt, daß ihm nichts an einer Verurteilung zu Gefängnisstrafen liege und er sich mit einer Geldstrafe begnügen würde, wenn die Angeklagten ihre Verleumdung in der örtlichen Tagespresse, vor allem in der ka- würden. Das aber lehnten die Verleum - tholischen Tageszeitung, öffentlich widerrufen der ab! Der Richter erkannte darauf auf folgende Strafen: für den Kaufmann Schma. 2 Wochen Gefängnis und für den Arbeiter Schmi. 15 Mark Geldstrafe. So sehen die Leute aus, die in den Ortsgruppen der NSDAP. eine Rolle spielen. So sehen die Mittel aus, deren sie sich im Kampfe gegen die katholische Kirche bedienen.
Böswillige Verleumdung. In Koblenz wurde am 16. d. M. der verantwortliche Schriftleiter des nationalsozialistischen Koblenzer Nationalblattes wegen böswilliger Verächtlichmachung im öffentlichen Leben stehender Persönlichkeiten zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Am 22. Juli hatte sich nun Schriftleiter Hlldebrandt erneut vor Gericht wegen zweier anderer Artikel zu verantworten, in denen er den früheren Abgeordneten und jetzigen Kandidaten der Zentrumspartei des Wahlkreises Koblenz-Trier, Eduard Verhülsdonk (Neuwied), mit ben widerlichsten Beschimpfungen belegt hatte. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß der Angeklagte sich nicht nur einer formalen Beleidigung, sondern böswilliger Verleumdung schuldig gemacht habe und erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten und Publikation des Urteils.
Ein Wahlaufruf des Evangelischen Bundes spricht sich offen für Adolf Hitler aus. Nach dieser Erklärung des Evangelischen Bundes, der immer gegen die Katholiken, gegen das Zentrum und gegen die katholische Kirche voller Haß und mit blinder Wut gekämpft und gehetzt hat, ist klar, daß dieser Bund Hitler und den sog. Nationalsozialismus mit allen Kräften unterstützt. Damit ist aber auch klar, auf welcher Seite Hitler und seine Partei stehen. Die deutschen Katholiken, die eine Unterstützung der Hitlerpartei noch mit ihrem Gewissen vereinbar halten. müßten geradezu mit unheilbarer Blindheit geschlagen sein. Denn dem Evangelischen Bunde kommt es nur auf eines an: Die Entrechtung und endgültige Beseitigung des katholischen Glaubens im deutschen Volke, die „Vollendung der Reformation!" Darum, deutsche Katholiken, aufgewacht!
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Jugoslawien.
Die Behinderung des katholischen Lebens nimmt in Jugoslawien unter dem Regime der Diktatur ständig zu. Seit einem halben Jahre wird den katholischen Mittelschulen die gesetzliche Staats- fi'büention nicht mehr ausbezahlt. Nun wurde durch ein neues Dekret den katholischen Lehrerin
nenseminaren die Aufnahme neuer Schülerinnen für das Schuljahr 1932/33 verboten. Wird diese Maßnahme auch für die weiteren Jahre aufrechterhalten, so bedeutet das die langsame Abwürgung des gesamten katholischen Schulwesens.
Italien.
In Ausführung der einschlägigen Bestimmungen der Lateranverträge wurden Anfang Juli die Katakomben der hl. Mustiola und der hl. Katharina in Chiusi vom italienischen Staate dem hl. Stuhle übergeben. Zu diesem Zwecke begab sich die päpstliche Kommission für christliche Archeolo- gie in die in der Provinz Siena gelegene Stadt und nahm offiziell von den Katakomben Besitz.
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Das italienische Ministerium für nationale Erziehung hat 1000 Geistliche zu Kaplänen der faschistischen Jugendorganisation „Valila" ernannt.
Spanien.
Das spanische Amtsblatt der Regierung, die „Gacetta", veröffentlichte das Gesetz über die Ab- schaffung der spanischen Militärseelsorge. Die Einrichtung der Militärseelsorge wird vollständig aufgehoben. Die zur Entlassung gelangenden Fewgeistlichen erhalten die in den Dekreten vom 25. und 29. April 1931 angeführten Entschädigungen. Die Archive des Armeebischofs und feiner untergeordneten Amtsstellen sind mit dem Archive des Kriegsministeriums zu vereinigen. Die Seelsorge in Spitälern und Gefängnissen kann von Priestern ausgeübt werden, die zum Militärdienst elngezoqen sind; in deren Ermangelung auch von Personen, die dem Heere nicht angehören. Im Kriegsfall wird die Militärseelsorge der Sanität zugeteilt und ist von den zum Waffendienst eingezogenen Welt- und Ordenspriestern auszuführen.
Irland.
Kardinal Lauri, der päpstliche Legat zum Eucharistischen Kongreß in Dublin, hat noch eine Woche in Irland zugesetzt, um wenigstens einigermaßen den zahlreichen Einladungen zu entsprechen, die an ihn ergangen waren. Der Stadtrat von Dublin gab dem Kirchenfürsten und der gesamten päpstlichen Mission ein feierliches Mahl, zu dem auch alle irischen Bischöfe eingeladen waren. Dann wurde Armagh besucht, die Wiege des christlichen Irland, wo der heilige Patrick den ersten bischöflichen Stuhl im Lande errichtet und getauft hatte. Von allen Seiten her war die Landbevölkerung zusammengeströmt, in jedem Ort, den der Autozug berührte, gab es neue Empfänge. Beim Besuch der Kathedrale sah sich der Legat wiederholt von der begeisterten Menge beschlagnahmt, die ihn immer wieder umringte. Dann wurde das große irische Zentralseminar zu Maynooth besucht, mit dem die irisch-katholische Universität verbunden ist, und die beiden letzten Tage verflossen mit der Durchquerung Südirlands, dem Besuch von Kildare. Queens Country, Tipperary, Cork, Killar- ney und Kerry am äußersten, in den Atlantischen Ozean vorspringenden Südwestende der Insel. Von Dublin aus, wo Kardinal Lauri zum Abschied das Komitee des Kongresses empfing, wurde dann über England wieder die Heimreise nach Rom angetreten.
Bolivien.
Zwischen Paraguay und Bolivien, zwei südamerikanischen Republiken, sind ernste Streitigkeiten entstanden. An dex Grenze kam es schon zu Kämpfen. Mobilisiert haben die beiden Länder noch nicht. Aber die Gefahr eines Krieges ist sehr akut.
Kleine kk«tU. Hadwidtten
Rom. Das Organ des Heiligen Stuhles veröffentlicht den Text eines Beschlusses des Warschauer Magistrates, durch den eine der Hauptstraßen der polnischen Hauptstadt zur Erinnerung an den Aufenthalt des Heiligen Vaters als Apostolischer Visitator und Nunzius in Polen künftig „Straße Pius XI." genannt wird.
Rom. Am 14. Juni verliehen 23 Franziskaner, darunter 7 Deutsche, die Ewige Stadt, um sich nach China (20) bezw. Japan (3) zu begeben.
Rom. In Rom kamen mehrere spanische Bischöfe zusammen, um gemeinsam mit dem Heil. Stuhl die
durch die spanischen Kulturgesetze veränderte Lage d Kirche in Spanien zu beraten.
Rom. Wie wir erfahren, sind die Reftaurierunc und Umbauarbeiten an dem sog. kleinen Palast Barb rini, der zum extorritorialen Besitz des Hl. Stuhls in Castelgandolfo gehört, beendet. Sicherem Verne, men nach wird Pius XI. im August für kurze Zeit & Sommerfrische in die Villa Barberini übersiedeln. Dl Papstschloß selbst, in dem zuletzt während der heiß Sommermonate Pius IX. residierte, wird dagegen et in den nächsten Jahren beziehbar sein.
Offenbach. An die 8000 kathol. Arbeiter und A beiterinnen waren am vorigen Sonntag auf der Lie frauenheide zusammengeströmt zu der seit Bischof Kel telers Zeiten traditionellen Versammlung. Bezirkspri ses Dekan Eckstein hielt die Predigt. Nach der Andac sprachen Arbeiters«?. Hack und Prof. Ullrich-Mannhem Die Feier wurde umrahmt von Musikstücken der Arbe tervereinskapelle Hanau und Gesangsvorträgen bi Klein-Krotzenburger Gesangvereins.
Berlin. Am 3. August vollendet Bischof Dr. Chy Man Schreiber, Berlin, fern 60. Lebensjahr. Die Di, ze!se Fulda, der der hochverdiente Kirchenfürst en stammt (geboren zu Sombarn, Kreis Gelnhausen, an 3. August 1872) nimmt innigsten Anteil an diesem @< denktag und erfleht Sr. Exzellenz Gottes Segen ur baldige volle Wiederherstellung der Gesundheit. A multos annos!
München. Am 1. August ds. Js. sind vierzig Jahr vergangen, seit der Oberhirte der Erzdiözese Münch« und Freising, Kardinal Michael Faulhaber, zum Priest« geweiht wurde. Die vatikanische Zeitschrift L'Jllustrc zione Vaticana, die halbmonatlich erscheint unb W Handlungen und Bilder aus der ganzen kathol. We veröffentlicht, bringt in der deutschen Ausgabe vom b Juli ds. Js. einen Aufsatz von Universitätsprofessor Di Hans Rheinfelder (München) „Rund um die München« Frauentürme". Es ist gleichzeitig ein Gedenkartib zum vierzigjährigen Priesterjubiläum des Kardinaler; biifchofs Faulhaber.
Frankreich. Zu Lisieux vollzog der päpstliche Nur tius Erzbischof Maglione die Einweihung der Krypt der neuen Prunkbasilika, die einst den Leib der heilige Theresia vom Kinde Jesus aufzunehmen bestimmt is Dreißig Erzbischöfe und Bischöfe, Hunderte von Priester und gegen 40 000 Gläubige nahmen an der Feier tet Auf ihrer Rückreise von Dublin besuchten auch die Kai dinäle Verdier von Paris, Dougherty von Philadelphü Lavitrano von Palermo und Hlond von Gnesen-Pose das Grab der kleinen Heiligen.
Konstantinopel. Den Katholiken des griechischen R tus in der europäischen Türket, die bisher der Juri- diktion des für Griechenland bestellten Bischofs Msg> Calavssy unterstanden, hat jetzt der Papst in Msgi Varrouhas ein eigenes geistliches Oberhaupt gegeben.
Löwen. Die 10. missionswissenschaftliche Woche z Löwen findet vom 27. bis 30. August 1932 statt. Do Thema lautet: „Die Katholische Aktion und die Schu bzw. Sozialwerke". Auskünst und Anmeldungn beii Skretariat zu Löwen, Rue des RZcollts 8.
Newyork. In einer führenden amerikanischen Zei schrrst schreibt ein maßgebender Vertreter des amer kanischen Protestantismus, Theodor T. Munger, i einem Artikel über „Aktuelle Probleme": „Es wäre meh als töricht, ja es wäre verhängnisvoll, wollte man ir mitten der gegenwärtigen Weltkrise einen Kampf gege bte katholische Kirche eröffnen. Der Protestantismu hat von chr nicht nur nichts zu fürchten, sondern e hat sehr viel von ihr zu lernen, nämlich was Gottedienst, Organisation und Ethik betrifft. Sie enthä eine glühende und tiefgründige Lebensweisheit."
Der entscheidungsvolle Tag ist g< kommen! Heute, am 31. Juli, sollen die 45 Millic nen wahlberechtigter Bürger und Bürgerinnen ihr Stimmen in die Wahlurne legen, um zu zeiget ob in Zukunft in Deutschland Vernunft oder Wahr sinn, kluge Regierungskunst oder ödes Waulhelder tum herrschen soll. Es unterliegt keinem Zweife daß die fanatiserlen Anhänger der extremen pa, leien restlos von ihrem Wahlrecht Gebram machen lverden. Und wir sollten in gewissenlose Gleichgültigkeit zu Hause bleiben? Wer das tät würde eine ernste Schuld auf sich laden. M wählen! Aber wir gehen nicht den Weg na Woskau und nicht den Weg nach Braunau! M wählen den geraden Weg der Witte. Wir wähl« Zentrum! Rummero vier — das wählen wir!