Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

aen die kirchliche Autorität herbeigeführk wâen rf Klar und deutlich hat der Heilige Vater, den dis Bischöfe gesagt, daß der RaMalismus iks und rechts unchristlich ist und ins Verderben brt. Klar und deutlich sagen unsere Bischöfe, iß eine Politik in wahrhaft katholischem Geist „ mit den Männern und Parteien möglich ist die jahrzehntelanger Arbeit getreu einer großen eberlieferung die lebendige Schutzmauer gegen le Feinde der Kirche waren.

Wir bewundern den Mut jenes Generals, der inem Kriegsherrn mannhaft zurief, er fei katho- ! sch nicht nur in seiner Kirche, sondern in sei- em ganzen Leben. Wir bewundern diesen Mut, nd wir wollen ihn nachahmen. In der heutigen hweren Entscheidung wird es auch unsere Lo- mg sein: Katholisch immer und überall!

M» dem Dreschflegel.

Von Haus Eschelbach.

So also sah die Heimat aus!

Da war nicht nur das ehrfurchtgebietende, roße deutsche Leid um die gefallenen Männer, tötet und Söhne, da war die Not, der Haß. das aster, die Hoffnungslosigkeit, die Verzweiflung! Das war Michel Michels Heimkehr aus dem Leitkriege gewesen.

Die Schwestern weinten, und die Mutter saß M stille gegenüber und sagte gar nichts, weil sie M mit ihrem Mitleid nicht quälen wollte.

Michel aber, als er mit der Mutter allein war, agte aus langem, peinigenden Schweigen und tie- »r Verbissenheit heraus tastend und unsicher: Mutter, da war einer auf der Reise, der sagte, uf dem Lande hätten die Mädchen jetzt seidene Musen."

„Bei uns nicht."

„Und feine Schnürstiefelchen, Gott weiß wie

. ' „So?"

Und dann nach längerer, tastender Pauke: .Verkauft Ihr auch Eier?"

„Wenn wir welche haben. Die Hühner legen iber bei dem schlechten Futter nicht halb so viel." „Wohin verkauft Ihr sie denn?"

1 „Nach Vonn."

„An---wen?"

„An die Lazarette."

„Und was--was nehmt Ihr dafür?"

Die Mutter sah auf mit gefurchter Stirn.

„Keinen Pfennig mehr als den Höchstpreis."

Michel schnaufte einmal. „Dann hat er also loch gelogen!" sagte er.

„Wie meinst du das?"

„Ja, da fuhr einer mit mir, der sagte, für die iei den Kriegsgewinnlern ergaunerten Wucher- weise kauften sich die Bauernmädchen in der Stadt zoldene Ringe."

Die Mutter stand mit einem Ruck auf. Sie fatte begriffen. „Anna! Gretchen! — Kommt ein­mal herein!" rief sie durch die offenstehende Kü­chentüre in den Hof hinaus.

Und als die Zwillinge eintraten: „Legt einmal Ture Hände da auf den Tisch."

„Warum?" fragten die Schwestern erstaunt.

„Michel soll sie sehen. Der meint, da wäre et­was ganz Besonderes dran. Anders herum. So, wie ich."

Die Hände der Mutter lagen in der Mitte Abgemagert und gelb. Sie zitterten leise. Und neben ihnen die Hände der Töchter, rot, griffig, voll Schrunden und Schwielen.

„Rein sind sie nicht" entschuldigte sich Gretchen und trat vom Tische zurück in leiser Beschämung. „Aber du weist, die viele Arbeit."

„Wenn alle Hände so rein wären, wie die Euern, dann wäre es besser!" sagte Michel ge­drückt.

Und die Mutter, immer noch Falten auf der sonnverbrannten Stirne, ohne in ihrer kurz an­gebundenen Art den erstaunten Mädchen Aufklä­rung zu geben: „Dann geht und macht, daß Ihr bald fertig werdet."

Eine ganze Weile saßen sich Mutter und Sohn stumm gegenüber, bis die Mutter finster meinte: „Junge, ich dachte, du hättest uns besser gekannt und mehr Zutrauen gehabt."

MiHes seMe ein paarmal an, mußte aber Im­mer wieder schlucken, ehe er sprechen konnte.

„Dann hat der Kerl also gelogen!" sagte er schnaufend.

„Aber Herrgott, es ist ja alles so verrückt ge­worden, man weiß nicht mehr, woran man sich halten soll!"

Und als die Mutter immer noch schwieg und mit den krummgearbeiteten Fingern die verschlis­sene, farblos gewaschene Küchenschürze strich, sagte er wie .zur Entschuldigung: „Das muß wohl ein Roter gewesen fein; von dem habe ich so viel ge­hört. was einem die Galle ins Blut treibt."

Die Mutterhände suchten immerfort etwas glatt zu streichen.

Michel aber, der vor der Mutter beschämt den Blick senkte und der bei ihrem traurigen Schwei­gen ihre unruhigen Hände nicht aus den Augen lassen konnte, fragte plötzlich erstaunt, weil er sie jetzt erst vermißte: „Mutter, wo ist denn dein und Vaters Trauring?"

„Fort."

„Fort?"

„Leicht ist mir das nicht geworden. Aber ich hatte doch sonst nichts, als sie in höchster Not das Gold sammelten. Und weil ich hoffte, daß mir das Opfer angerechnet und Gott es so fügen würde, daß du vielleicht wieder zurückkämst, wo doch alle deine Freunde gefallen sind, habe ich sie weggegeben. Fürs Vaterland!"

„Mutter!" ___

„Nein, Michel, wir haben uns feine goldenen Ringe kaufen können. Einen Ring nach diesen wM ich nicht wieder tragen. Wir tragen jetzt alle nur noch das Kreuz."

Michel war aufgestanden. „Mutter", sagte er, „mach' mir mal den Kragen auf, daß ich besser atmen kann. Ein Lungenschuß war auch dabei. Da fällt das Atmen manchmal schwer.--Sa Den Rock könntest du mir auch aufknöpfen. Mit der Hand--es ist nicht so schlimm, als ich an­fangs meinte, aber es geht doch noch nicht fo, wie es muß."

Er kramte in feinem Brustbeutel herum, der von Blut und Schiweiß verkrustet war.

„Da hab' ich dir etwas mitgebracht vom Schlachtfeld. Vielleicht kannst du das jetzt gebrau­chen. Keinen Trauring, Mutter, aber einen Treuring."

„Ich will nie wieder einen Ring!"

„Den vielleicht doch, Mutter! Er ist weder ge­stohlen noch erwrlchert. Und von Gold ist er auch nicht. Sieh, das sind drei eiserne Ringe. Die bin­den fester, als goldene. Als sie mir die Granat­splitter herausgeschnitten hatten--jetzt, wo's überstanden ist, kannst du's ja wissen--einer davon saß nahe genug am Herzen---."

„Michel!"

„Da war in Mergentheim so ein Tausendkünst­ler, der hat mir aus diesem Granatsplitter die drei Ringe gemacht. Einer ist für dich. Die zwei anderen brauch' ich, wenn ich einmal heiraten sollte. Da, Mutter. Willst du?"

Da nahm sie den Ring und ging schweigend hinaus, um ihm mit ihren Tränen das Herz nicht schwer zu machen.

Michel blieb allein im Zimmer, worin sich tn all den Jahren nichts verändert hatte und wo im­mer noch der Brautkranz der Mutter und das Hochzeitssträußchen des Vaters unter Glas und Rahmen auf dem Ehrenplatz hing. Und feit dem Kriege, rechts und links daneben, wie ein Stück Familiengeschichte, in schmalen Rähmchen die To­tenzettel seiner beiden gefallenen Freunde, mit denen die Jugendhoffnungen feiner Schwestern ins Grab gesunken waren.

Und weil er nach dem, was er mit der Mutter besprochen hatte, nicht mehr stillsitzen konnte, stand er auf und zog, ohne sich dessen bewußt zu sein, ganz zur Unzeit die alte Wanduhr auf. Gewohn­heitsmäßig — in zwei ungleichen Zügen.

Genau, wie es der Vater immer getan hatte.

Und als er wie in Kinderträumen die zwei ungleichen Züge seines Vaters hörte, schrak er zu­sammen wie ein Nachtwandler, den einer anrief. Einer, der längst nicht mehr da war. Und doch noch da war!

Mrmmsr 3L / Seife 3.

Michel hatte so viel Neues und Unerhörtes er- lebt, wovon sie hier keine Ahnung hatten, so viel Großes, Entsetzliches und Zusammenrüttelndes, daß er glaubte, halb gefühllos und wie ein Frem­der wiederzukommen. Wie einer, der aus dem Feuerofen der Entbehrungen, der Schmerzen und Enttäuschungen heroorgehend, über Vater und Mutter hinausgewachsen ist und sich in der Enge nicht mehr zurechtfindet.

Aber an den zwei ungleichen Zügen im alten Uhrkasten merkte er, daß in der Hölle des Welt­krieges doch noch nicht alles in ihm ausgeglüht, versteinert oder verwandelt war, daß in den Adern des Erschütterten und nur scheinbar sich selbst und aller Welt Fremdgewordenen doch noch das Blut seines Vaters und seiner Urväter freiste, daß der schweißgedüngte Boden, wenn er auch unter ihm wankte, immer noch heiliger Heimatboden war, der ihn festhielt und feiner bedurfte.

Da sah Michel Michels auf feine verstümmelte Hand, die er in den ersten Stunden seiner Heim­kehr wie eine Schande versteckt und eben noch un­ter den Tisch gehalten und nach der selbst die Mutter nicht zu fragen gewagt hatte, bewegte rnühsam Daumen und Zeigefinger und den Stumpf, der ihm geblieben war und wußte, daß ihn die Pflicht und die Arbeit rief.

Und er ging mit so schweren Schritten, wie sie der Vater gehabt hatte, wenn er die Pacht und tue Zinsen nicht zusammenbringen konnte, hinaus und trat in die Scheune, die ganz leer war.

Und in der Scheune, die nicht mehr so viel barg, daß eine Maus davon satt werden konnte, stand er tiefgebeugt, sah sich schwerfällig darin um und erblickte in der verödeten Scheune, die einst sein Stolz und seine Hoffnung gewesen, das jammervolle Bild von dem, was jetzt sein Schmerz und sein Leid war:

Deutschland!

Dann biß er hart aus die Zähne, gab sich einen Ruck und nahm den Dreschflegel seines Va­ters, der noch am alten Platz hing. Er nahm ihn mit der gesunden Rechten vom rostigen Nagel und stützte ihn auf den gestampften Lehmboden der Tenne.

Die beiden Finger seiner verstümmelten Hand tasteten zuckend daran auf und ab und konnten, langentwöhnt, nicht gleich den rechten Platz fin­den. !

Dann hob er schnaufend und vor furchtbarer Spannung am ganzen Leibe bebend, als hinge Tod und Leben davon ab, langsam den Dresch­flegel hoch über den Kopf und tat damit einen Schlag, daß ihn die Hand und die Finger bis ins innerste Herz hinein schmerzten. Einen Schlag gegen den Hunger, der das ganze Land erwür­gen wollte.

Und ächzend und mit kaltem Nolschweiß auf der steinernen Stirne noch einen gegen die Un­treue und gegen die Schlechtigkeit, die jetzt überall schamlos das gebrandmarkte Judashaupt erhob.

Und noch einen gegen die unritterlichen Feinde, die uns so unglücklich und rechtlos ge­macht hatten---

„Michel!"

Plötzlich hing ihm die Mutter am Herzen und küßte ihm die verstümmelte Hand, die noch vor Schmerzen zuckte.

Da wußte Michel, daß er die Mutter und die Heimat wiedergefunden hatte.

Aber weil er ein Bauer und voll Steifheit und Scham war, umschlang er die Mutter nicht, stand wie ein Schuldiger mit hängenden Armen da und konnte es doch nicht vermeiden, daß ihm für einen Augenblick der müde Kopf an ihre Brust sank.

Und er fühlte erschrocken, wie knochig und ma­ger die Mutter geworden war.

Dann aber riß er sich los, nahm den Dresch­flegel von der Erde und sagte stolz und wie ein Erlöser das trotzige Wort: „Mutter, wein' nicht. Es geht noch."

Aus „Michel Michels". Roman aus dem besetzten Rheinlands. Bon H ins Eschelbach. Preis 0,50 Mark. Veritas-Derlag.Bonn.