Kette 2 / l ummer 31.
Das iderhirliiche Nahswoct
zu den heurigen Leichslagswahlen.
In den tobenden Wahlkampf klingt ernst und feierlich wie Kirchenglocken in den Alltagslärrn das Mahnwort der Oberhirten Deutschlands an alle Katholiken, sich der großen Verantwortung bewußt zu sein, die mit der Ausübung ihres Wahlrechts verbunden ist. Zweifellos wird ja auch jetzt wieder in jenen Kreisen, denen die entschiedene und verantwortungsbewußte Haltung unsrer Bischöfe in den Wirren unsrer Tage ein Dorn im Auge ist, die übliche Entrüstung über Gewissens- knechtung, unzulässige Beeinflussung, unziemende Vermischung von Religion und Politik zum Ausdruck kommen: für uns aber, denen ein Wort unsrer Bischöfe immer ein Hirtenwort ist, auf das wir mit Ehrfurcht und Liebe hören, ist es ein Weckruf, den wir jetzt am allerwenigsten überhören dürfen.
Die Bischöfe betonen mit Recht den äußersten Ernst der Lage. Wer nur ein wenig auf die Kundgebungen der Parteiorgane, die heute in erbittertem Ringen um die Vorherrschaft im Reiche sich überschreien, geachtet hat, der weiß, worum es geht. Es ist ein Entscheidungskampf, vielleicht der Endkampf darum, ob hemmungsloser Rechtsoder Linksradikalismus das Heft in die Hand erhalten soll, von dem wir genugsam wissen, wie feindselig er der Kirche gegenübersteht. Sind die Jünger Moskaus wenigstens ehrlich und offen in ihrem Kirchenhaß, so wechseln auf der andern Seite in widerlichem Versteckspiel die Behauvtun- gen, man bemühe sich um den Schutz der christlichen Kultur, mit maßlosesten Ausfälligkeiten gegen einen angeblich seine Macht mißbrauchenden Klerus, gegen römische Machtanmaßung, gegen die Unerträglichkeit der „Schlüsselstellung, die die Katholiken nur allzulange besessen hätten". Aber wir lassen uns nicht täuschen. Wir wissen, was es auf sich hat mit der Forderung, den Klerus politisch entrechten und mundtot machen zu wollen. Und darum scharen wir uns erst recht um unsere Priester und unsere Bischöfe, die nur ihre Pflicht tun, wenn sie auf die Unvereinbarkeit gewisser unter der Flagge nationaler Erhebung einhersegelnder Theorien und Grundsätze mit der katholischen Wahrheits- und Weltsicht Hinweisen oder warnen vor der Preisgabe sozialer Einsichten und Aufgaben, die wir im Geiste der päpstlichen Enzykliken hüten und fördern müssen, wenn sie aufmerksam machen auf die Gefahren für die katholischen Schulen, wenn sie vor den Rassenkampfparteien nicht minder warnen wie vor den Klassenkamps- parteien, wenn sie überhaupt, die nun einmal unleugbar vorhandene Verflechtung politischer und religiöser Belange erkennend, immer wieder das katholische Volk auf die hieraus folgende Verpflichtung zu wahrhaft katholischer Aktion Hinweisen.
So begrüßen wir auch jetzt dankbar den Mahnruf unserer Oberhirten. Das katholische Volk wird am Wahltage allen denen kraftvoll Antwort geben, die da aus welchen Gründen auch immer wähnen, Mischen uns und unsere Hirten einen Keil treiben zu können. Cs wird sich auch nicht entmutigen lassen durch den hier und da sich ans Licht wagenden Flaumachergedanken, die Dinge seien ja doch schon zu weit gediehen, als daß unser Krafteinsatz noch etwas nützen oder ändern könne. Wir Katholiken waren immer unüberwindlich, wo wir in Einigkeit mit unsern von Gott gegebenen Führern rückhaltlos unsere Kraft einsetzten.
Amform im Gotteshaus?
Wenn Offiziere oder Schaffner, Polizei-, Post- oder andere Beamte in schmucker Uniform am Gottesdienst teilnehmen, so wird das nicht nur geduldet, sondern kann sogar zur Erhöhung der Feierlichkeit beitragen. Sie sind Vertreter der gottgesetzten Autorität und gottgewollter Berufe.
Wenn aber eine politische Partei mit ihren uniformierten Sendlingen ins Heiligtum eindringt --ob in geschlossener Kolonne oder in privater Eigenschaft, ist völlig gleichgültig--, so muß dagegen schärfste Verwahrung eingelegt werden. Das Gotteshaus soll alle Gläubigen in christlicher Liebe vereinigen, als Kinder ihres
Vaters, der lm Himmel ist. Wehe darum dem, der den Parteihaß und den politischen Hader bis in die Mauern des heiligen Hauses hineinträgt.
Kommt dann noch hinzu, daß es sich um die Uniform einer Partei handelt, in deren Programm die kirchliche Behörde amtlich diese oder jene Irrlehre festgestellt hat, so kann man es nur als eine freche Herausforderung bezeichnen, wenn Mitglieder einer solchen Partei es wagen, trotzdem in ihr beim Gottesdienst aufzutreten. Das kann nicht anders denn als Protest gegen die kirchliche Behörde gedeutet werden. Die bloße Gegenwart einer solchen Uniform ist schon eine Demonstration.
Tatsächlich haben Anfang Juli achtzig Nationalsozialisten die Frechheit gehabt, sich in ihrer Uniform zum katholischen Gottesdienst in die Probstei-
Feuer-Spruch
Strömt zusammen, sieht zusammen, hebt die Häupter, hebt die Hände, Werft die Scheiter in die Flammen, In die Herzen werft die Brände!
himmelhoch soll Lohe schlagen, Weichen, weichen muß die Nacht, Siegen muß des Lichtes Macht, And es muß auf Erden tagen: Tagen nach den Finsternissen, Tagen in den Niederungen, In den Herzen, haßumschlungen. In den Seelen, streitzerrissen!
Feuer her und Licht her, Licht) Leben soll ein neues Leben: Hände und Herzen laßt uns heben. Nie vom Licht zu lassen nicht.
Laßt den Feuerschwur uns schwören
— Himmel und Hölle sollen ihn hören: Trotzen allen Dunkelheiten, Im Heerbann des Lichtes streiten.
Licht und Leben Weg bereiten. Immer zu den Gipfeln schreiten, Worgenbrand sein neuen Zeiten!
Laßt den Feuerschwur uns schwören
— Tote und Lebende sollen ihn hören: Feuer bringen, Feuer bringen, hoch des Lichtes Fackeln schwingen, Nacht und Lüge niederringen, Falschheit, Schwachheit, Feigheit zwingen Wahrheit, Freiheit, Leben klingen, Hoheit, Liebe, Freude singen, Feuer bringen, Feuer bringen!
Den Schwur segne, Herre Christ, Du, der Licht ohn' Schatten ist. Der du End' und Anfang bist, Unser König, Herre Christ!
Ernst Thrasolt.
kirche in Recklinghausen zu begeben. In Erwartung, daß der Pfarrer feine Pflicht tun und öffentlich gegen diese Unverschämtheit protestieren werde, haben sie sogar die geradezu unglaubliche Unverschämtheit besessen, gleich einen Stenographen mitzubringen, der Papier und Feder bereit hielt, um jedes Wort, das von der Kanzel zu erwarten war, schriftlich niederzulegen. Damit haben sie jeden Zweifel an ihrer wahren Absicht selber beseitigt.
Aber wir wollen gerecht sein und den Einwand anhören, der zu ihren Gunsten versucht worden ist: sie seien nicht in geschlossenen Reihen eingerückt, sondern jeder für sich, um seiner Sonntagspflicht zu genügen.
Es wäre in diesem Falle anzuerkennen, daß sie wenigstens noch soweit auf die Kirche hören, und am Sonntag einer heiligen Messe mit Andacht beiwohnen wollen, wozu sie unter schwerer Sünde verpflichtet sind. Aber sieht man denn nicht ein, daß das heißt, mit dem einen Knie eine Kniebeugung vor dem Kreuz auf Golgatha machen und
ihm gleichzeitig mit dem andern einen Fußtritt versetzen? Die Kirche hat durch den Mund der deutschen Bischöfe keinen Zweifel gelassen, daß jeder Sozialismus--der von rechts ebensogut wie der von links--eine Irrlehre ist; wer also sagt: „Ich will die Kirche hören, wenn sie im Namen Gottes ihre Hirtenstimme erhebt", der muß nicht nur dann auf sie hören, wenn sie zum Altare ruft, sondern auch dann, wenn sie vor Gefahren warnt. Seiner Sonntagspflicht genügen ist für jeden Katholiken, gleichviel welcher Partei er an= Mhört, eine selbstverständliche Pflicht; diese Gelegenheit mißbrauchen, um offen vor aller Welt zu zeigen, daß man sich um die Stimme der Bischöfe nicht kümmert, das ist nicht mehr katholisch.
Man kann oft die Antwort hören: „Was geht das die Kirche und die Priester an? Darin haben die Bischöfe uns nichts zu sagen." Kirche, Bischöfe und Priester würden euch freie Hand lassen, wenn es sich nicht um eine Gefahr für eure Seele handelte. Sie sind Seelsorger, und nur dieses. Sie sind von Christus selber eingesetzt als Hirten für euch, sie sollen und wollen euch den rechten Weg zum ewigen Heil zeigen, den der geoffenbarte Glaube uns lehrt. Sie würden gegen ihre Amtspflicht und gegen ihr Gewissen handeln, wollten sie euch da schweigend eurer Torheit überlassen, wo für euch und für viele Generationen eurer Kinder der Himmel auf dem Spiele steht. Eurer Torheit? Ja, denn es zeigt sich täglich mehr, wie die Schäflein ihrer Herde, vom Arbeiter bis zum Adel, geradezu mit Blindheit geschlagen sind und mit verbundenen Augen einem gefährlichen Abgrund zulaufen, wie sie nur auf die Steine schauen, die in Brot verwandelt werden sollen, anstatt auf die Krallenfaust, die sie ihnen darreicht. Darum rufen sie ihrer Herde zu und werden nicht aufhören zu rufen: „Erwache! Hüte dich vor denen, die in Schafskleidern zu dir kommen, innerlich aber reißende Wölfe sind."
Es ist für einen Katholiken mit feinem Glauben an die gottgegebene Autorität der Bischöfe unvereinbar, einer Partei anzugehören, vor der die Bischöfe — eben mit dieser gottgegebenen Autorität! — mit Besorgnis für die Güter des Glaubens und der Gnade gewarnt haben; es ist eine Frechheit, durch das Tragen der entsprechenden Uniform zeigen zu wollen, wie wenig man sich um ihr Wort kümmere; es ist nachgerade eine Unverschämtheit und ein Aergernis, diesen Protest bis ins Gotteshaus hineinzutragen. Täuschet euch nicht: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr Herr! wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Bakers tut, der im Himmel ist, der wird in das Himmelreich einaehen." Darum noch einmal: Täuscht euch nicht: Denn Gott läßt seiner nicht spotten! Darum duldet keine Partei- Uniform — auch keine einzelne — im Gotteshaus; reinigt den Tempel!
katholisch immer und überall.
Den Kaiser Napoleon den Großen fürchteten alle feine Untergebenen, und selten oder nie wagte ihm jemand zu widersprechen. Eines Tages, es war ein Freitag, hatte er einige feiner Generäle zum Essen eingeladen. Das war eine hohe Auszeichnung. Bei Tisch wurde auch Fleisch aufgetragen. Nur einer von den Anwesenden, die alle katholisch waren, ließ die Fleischplatke vorübergehen und begnügte sich mit den Zuspeisen. Spöttisch fragte ihn der Kaiser unter dem höhnischen Grinsen der Tischgenossen, ob er als General des glorreichen französischen Kaiserreichs denn noch an alte Vorurteile glaube. Wie plötzlich aber verstummte das höhnische Kichern an der Tafel, als der befragte General die mannhafte Antwort gab: „Sire, ich bin Katholik nicht nur in der Kirche, sondern auch bei Tisch."
Wirklich, das war mutig und wahr gesprochen. Es nützt uns nichts, wenn wir nur für die halbe Stunde am Sonntag katholisch sein wollten, wir müssen es immer und überall in unserem ganzen Leben bei allen unseren Handlungen sein. In Staat und Wirtschaft und Kultur haben wir die heilige Pflicht, katholisch zu sein, ein katholisches Bekenntnis abzulegen. Unsere heilige Kirche sagt uns, daß die so notwendige Zuständereform mit dem Staate beginnen müsse. Wenn wir daher setzt als deutsck)e Staatsbürger aufgerufen werden, eine für das zukünftige Schicksal des deutschen Vaterlandes hochwichtige Entscheidung zu treffen» dann müssen wir uns bewußt sein, daß diese Entscheidung nur im katholischen Sinne, in Gehorsam