Zonckag. 31. Zull 1932
Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.
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11. Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. 1. Korinther 15, 1—10. Die wichtigsten Heilswahrheilen.
Evangelium. Markus 7, 31—37. Die Heilung eines Taubstummen.
In jener Zeit zog Jesus weg aus dem Gebiete von Tyrus und kam über Sidon an den See von Galiläa mitten in das Gebiet der Zehn-Städte.
Da brachte man einen Taubstummen zu ihm und bat ihn, er möge ihm die Hand auflegen. Er nahm ihn vom Volke abseits, legte ihm seine Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel. Dann blickte er auf zum Himmel, seufzte und sprach: „Effetha", das heißt: „Tu dich auf!" Sogleich öffneten sich seine Ohren, das Band seiner Zunge ward gelöst, und er sprach richtig. Er verbot ihnen aber, irgend jemand etwas davon zu sagen. Doch je strenger er es ihnen verbot, desto weiter erzählten sie es, und desto mehr gerieten sie in Staunen und sprachen: „Er macht alles gut: die Tauben macht er hören und die Stummen reden "
„Ich bèn das Licht der Welt'.
re Geschehnisse des gewöhnlichen Le- k^s und die Bräuche und Sitten des Volkes benutzte unserHeiland gerne als Brücke zum Verständnis seiner Lehre. So auch beim Laubhüttenfest. Wir erinnern uns an zwei Zeremonien, die den Israeliten besonders ans Herz gewachsen waren. Die eine war das Wasserschöpfen. Daran knüpfte der Heiland die inhaltsreichen Worte: „Wenn jemand dürstet, komme er zu mir; und wer an mich glaubt, aus dessen Leibe werden Ströme lebendigen Wassers hervorkommen." Wir erinnern uns, daß diese Worte uns in der vorigen Lesung beschäftigt haben. Die andere Zeremonie war die Beleuchtung des Frauenvorhofes. Die herrliche Lichtwirkung, die dadurch hervorgebracht wurde, bildete den Anlaß zu folgenden Worten:
., Ich bin das Licht der Well. Wer mir nachfolgt, wandelt nicht in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." Joh. 8, 12.
Diese Worte bilden den Inhalt unserer heutigen Lesung.
Ich bin das Licht der Welt. — Ist also der Helland etwa ein Lichtkünstler? Will er seiner Zeit vorauseilen und Apparate und Anlagen bauen, um die Macht der Finsternis zu bannen? Nein. Solche Erfindungen wird der Heiland, der nur um die Seelen sich kümmert, den klugen Köpfen der Zukunft überlassen. Schon der hl. Augustinus macht Front gegen eine solche körperliche, buchstäbliche Auslegung. Ist etwa, so fragt unser Kirchenlehrer, ist etwa Christus der Herr die
Sonne, die durch Auf- und Untergang den Tag bewirkt? Es hat nicht an Häretikern gefehlt, welche dies meinten. Die Manichäer hielten dafür, daß diese mit den Augen des Fleisches wahrnehmbare Sonne, die nicht bloß den Menschen, sondern auch den Tieren leuchtet, Christus der Herr sei! Aber der rechte Glaube der katholischen Kirche verwirft ein solches Phantasiegebilde und erkennt darin eine teuflische Lehre. Verwerfen wir einen solchen Irrtum, den die hl. Kirche von jeher verurteilt hat. Glauben wir also nicht, der Herr Jesus sei diese Sonne, die wir im Osten auf- und im Westen untergehen sehen, deren Strahlen durch
Heute 31. Juli
ReichMWwahl i
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Wir wählen ^^^^^
Liste 4!
die Wolken verdunkelt werden. Nicht ist Christus die Sonne, die gemacht ist, sondern derjenige, durch den sie gemacht ist, und ohne den nichts gemacht ist. —
Da Ielus als Gottessohn mit dem Vater und dem hl. Geist die ganze Welt erschaffen hat, ist er selbstredend auch Schöpfer der Sonne und jeglichen Lichtes. Indes meint der Heiland nicht das körperliche Licht, sondern das geistige, das Sselenlichl. Er ist nämlich die Wahrheit und die Quelle der Wahrheit; er ist die Gnade und die Quelle der Gnade; er ist die Heiligkeit und die Quelle der Heiligkeit; er ist die Seligkeit und die Quelle der Seligkeit. Dazu ist ja Christus in die Welt gekommen, um der Wahrheit Zeugnis zu geben. Dazu ist er gekommen, um das Reich der Sünde zu zerstören und Gnade und Tugend zu bringen. Dazu ist er gekommen, den Kerker der Hölle zu verriegeln und die Pforte des Himmels zu öffnen Wenn wir an Christus glauben, wenn wir seine Gebote halten, wenn wir seine Gnadenmitteln empfangen, dann ist das ewige Leben uns gewiß. Und dort droben ist Christus und wird Christus in
alle Ewigkeit sein die Sonne der Geister, die alle erleuchtet und überflutet und beseligt und berauscht mit den Wonnen unendlichen Glückes. So hat es schon der Psalmist angedeutet mit den Worten: „Die Menschen werden trunken werden vom Strome der Wonne; denn bei dir, o Herr, ist die Quelle des Lebens, unb in deinem Lichte werden wir schauen das Licht." (Ps. 35, 9.)
Ich bin das Licht der Welt. Nicht das Licht von Galiläa, fügt der hl. Chrysostomus bei; und nicht das Licht von Judäa oder Palästina, sondern das Licht der ganzen Welt. Damit ist jedem übertriebenen Rationalismus die Berechtigung abgeschnitten. Und wie wird der Heiland vor seiner Himmelfahrt zu den Aposteln sprechen? „Gehet hin in alle Welt unb lehret alle Völker." Und welches Siegeslied werden die Auserwählten anstimmen? „Würdig bist du, Lamm Gottes, zu empfangen Herrlichkeit und Lob und Ehre. Denn du hast uns Gott ersauft aus allen Völkern und Stämmen und Sprachen und Rationen." (Geh. Off. 5, 9.) So sehr wir auf der einen Seite den wahren Nationalismus, die wahre Vaterlandsliebe pflegen, die besteht in der Achtung vor dem eigenen Volk und Land, die besteht in einem geordneten Leben ohne Verbrechen und ohne-Uebergriffe gegen den Nächsten, die besteht in der Hilfe gegenüber dem notleidenden Volk — ebenso sehr müssen wir uns abwenden vom falschen Nationalismus, der da glaubt, auf andere Völker als minderwertige herabschauen zu dürfen und sich kein Gewissen daraus macht, ihnen nach Möglichkeit in Handel und Verkehr oder durch Gewalt und Raub, durch Krieg und Blutvergießen zu schaden. Mit dem Christentum läßt sich der verstiegene Nationalismus niemals vereinigen.
Und noch einen andern Irrtum will ich kurz berühren. „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wandelt nicht in * ber Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." Ihr könnt euch selbst überzeugen, daß es der Heiland auf geistige Güter abgesehen hat. Er verheißt nicht ein Licht, um Tag und Nacht, weiß und schwarz zu unterscheiden, sondern Wahrheit und Irrtum, gut und bös. Er verheißt nicht Körperkraft, nicht Schönheit, nickt Reichtum, sondern das ewige Leben. Damit ist der Rassenpolitik das Urteil gesprochen. Unser Heiland schaut nicht auf die Bildung der Nase oder des Gesichtes oder andere lächerliche Äußerlichkeiten, sondern auf die Schönheit der Seele. Darum sein Wort, mit dem der Heilige des heutigen Tages. Ignatius v. Loyola, feinem ehrgeizigen Landsmann Franz Xaver die Augen geöffnet hat: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seiner Seele aber Schaden leidet?"---
Der Talpfarrer.