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einnehmen wollen, wenn sie wirklich wertvolles zeitigt, ist es um die Frauenwelt darum besser ge­worden? .. ,,

Sehen wir die vielen Mädchen an. Die wohl ihren „Freund", und weil dieser ihrer „plötzlich überdrüssig geworden, auch ihre „Freunde haben, aber vergeblich AuÄchau halten nach einem Mcinne, der es einmal mit ihnen wirklich „ernst meint und — sie zur Ehefrau und Mutter seiner Kinder macht! „ v .

Und sehen wir die Ehen an, die dort draußen heute geschlossen und morgen wieder geschieden werden! Wer verliert am meisten dabei? Gewiß nicht der Mann, der noch im reifsten Alter, wenn bie Frau schon längst gealtert ist, Sympathie findet, wohl aber die Frau, die wieder ins Eltern­haus oder zu Verwandten oder gar in den früheren Beruf zurückkehrt und sich hart und bitter durch- kämpfcn muß.

Frauenwürde! an ihr wird es ein Arg und allein liegen, wie der Mann sich dem Mädchen nähert, wie er sie einschäßt, wie er sich ihr gegen­über verhält! In einer Zeit, in der man mit Recht von einem moralischen Tiefstand reden kann, wird es an keinem anderen liegen, wieder zu einem Aufstieg zu sichren, als an der Frau, an dem Mädchen!

sind über das Muttertum haben wir schon ge­legentlich gesprochen, und doch muß immer wieder darauf zurückgegriffen werden, wenn man auch in unseren katholischen Familien sieht, wie so manche Mutter sich nicht den Platz erkämpft im Kreise ihrer Kinder, der ihr gebührt, ja, den einzunehmen sie ihrer ganzen Familie gegenüber sogar die hei­lige Pflicht hat! Klage nur nicht eine Mutter im­mer über ihre Kinder, die ihr so fern gerückt sind und ihre eigenen Weae gehen — sondern erforsch-' sie sich einmal in stiller, hl. Stunde selbst ob sie wirklich alles getan, ihren Kindern zur Seite zu stehen? Heute, wo die wildesten Strömungen hem­mungslos durch unser ganzes Volk brausen, ist es mit einem sogenannten „Verbieten" und „Erlau­ben" noch längst nickt getan. Wohl selten bat eine Jugend so sehr Vater und Mutter nötig, wie die unsrige! Wie selten ist die Hand, die zu hartem Ja oder Nein auf den Tisch schlägt, zu einem sicheren, ruhigen klaren und zielbewußten Führen für die junge Menschheit nötiger gewesen als heute.

Mit dem einander Fremdwerden und Nicht- verstehen ist der Mutter nicht geholfen, geschweige erst den Kindern? Die Mutter gehört an die Seite der Kinder! Wohin es immer gehen maa' Die Mutter hat nicht nur die Sorgen für die Milchflasche des kleinen Kindleins in der Wiege oder die Frühstücksbrote ihres Heranwachsenden Jungen, nein, sie muh heute sich „umzustellen" lernen, muß lernen, ihren Kindern auch „mütter­liche Freundin" zu sein! Sie muß aus ihrem eigenen und ureigensten Leben und Inneren schävfsn, ja, sie muß versuchen, mit ihrer Jugend noch einmal jung zu sein! Unsere Zeit ist eine andere, als die vor zwanzig Jahren; wir können diele beiden Zeiträume kaum miteinander mellen, und andere Zeiten brauchen andere Menschen?

Der Einsame-

Von Joseph Kamp.

Der beste Mann im Dorfe ist Cord Krüger. Je­der sagt es, sogar der Schulzenbauer, und was der sagt, das stimmt.

In der äußersten Ecke des großen Obstgartens, her zum Grügers eben Hofe gehört, liegt, von drei Birnbäumen überdacht, das Wohnhaus Cord Krü­gers. Mutterseelenallein haust er darin. Nur ein struppiger Köter leistet ihm Gesellschaft. Cord Krüger hat ihn vor einigen Jahren halbverhungert von der Straße zu sich genommen und aus Gnade und Erbarmen burchgefüttert. Seitdem hält das Tier treu zu seinem Samariter.

Cord Krüger hat ein goldenes Herz, sagen die Leute im Dorfe. In jeder, auch der kleinsten An­gelegenheit, weiß er Rat. Keiner, der bei Cord Krüger anklooft, klopft vergebens an. Und wieviel Gutes mag schon von ihm ausgegangen sein, wo keine Seele darum weiß. —

Aber lachen . . . Cord Krüger lacht nie.

Immer trägt sein Gesicht den gleichen herben, verschlossenen Zug. Nein, Cord Krüger lacht nie.

Früher war das nicht so. Früher haben die Dörfler ihn wohl mal, wenn auch nicht oft, lachen sehen. Aber heute lacht Cord Krüger nicht mehr. Schon seit Jahren nicht mehr.

Wer ist Schuld daran? — Das weiß keiner!

Man vermuket nur. Vielleicht trägt auch keiner die Schuld.

Cord Krüger ist ein Eigener. Er allein weiß, warum er längst nicht mehr lacht. Freilich, wer die S^uld daran trägt, das weiß er auch nicht recht.

Die Geschichte Cord Krügers liegt schon weit zurück.

Dem Krügerschen Hofe gegenüber liegt das Dei- pingsche Anwesen. Die Besitzer dieser beiden Höfe sind durch Generationen nachbarlich treu verbun­den.

Cord Krüger hat einen jüngeren Bruder, Jans Krüger, der jetzige Besitzer des Krügerhofes. Als die beiden noch Schulbuben waren, fanden sie Spielgefährten auf dem Deipinghof. Wilhelm und Lise Deiping saßen mit den Brüdern Kruger zu­sammen auf der Schulbank. Während Wilhelm Deiping und Jans Krüger die tollsten Bubenstreiche leisteten, war Cord Krüger anderer Art. Für das laute Treiben der Kameraden geigte er wenig Empfänglichkeit. Am liebsten war er für sich allein, kramte mit Vorliebe die alten Truhen und Schrän­ken in den Kammern und auf den Speichern durch oder hockte auf dem Hahnenbalken vor einer wüst- großen Handpostille, die noch aus Uhrgroßmutters- zeiten stammte. Er und Life Deiping sammelten

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j{ Reife Mehren- X

Ich ging durch s hohe Aehrenfeld;

ü $0 still und träumend lag die Well! y

ß Die Halme rauschten leis' und stumm, ß

Ö Die Zeit des Wartens war nun um, ß

ß Schon sirrte die Sense durch ihre Reihn; y

Ä Die Grillen zirpten müd und sein — ß

Ä So sah ich der Aehren Sterbetag A

Und sann den hehren Gedanken nach: A

X Wie Gott uns Menschenkinder liebt, I

X Daß er dem Leibe Nahrung gibt X

X Und Tag für Tag die Seele speiset — x

X Uns Armen höchste Gunst erweiset — V

V 3m Sakrament das Himmelsbrot V

9 Bewahrt die Seel' vor Hungersnot. — Ü

J O lieber Himmelsvater drohen, y

0 Lehr' uns recht deine Güte loben, y

Q Und laß uns Menschen groß und klein y

Q Auch volle reifende Aehren fein! ß

Ö Elsbeth Düker. ß

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auch Marken und Stanniol und Silberpapier für die Missionen. Lise Deiping stand mit ihrem gerne­großen Verstand ganz auf seiner Seite. Wie ganz anders waren da Cords Bruder Ians und Wilhelm Deiping! Ja, sie lachten über den Cord. Sie hielten es tief unter ihrer Würde, mit Porzel­lanscherben zu spielen oder mit den Mädchen und ihren Puppen Kindtauffeste zu veranstalten. Mein Gott, sie hatten den „Lederstrumpf" und „Robinson Krusoe" gelesen! Sie spielten Räuber und Gen­darm und hatten alle Tage große Keilereien, die gewöhnlich das Finale bei den schaurigschönen Räuberspielen bildeten.

So gingen die Kinderjahre hin. Nach seiner Schulzeit blieb Cord Krüger noch einige Zeit auf dem väterlichen Hof und kam dann als Volontär auf ein fernes Rittergut, um hier feine Kenntnisse zu erweitern. Als Aeltester sollte er später natür­lich den Hof übernehmen.

Während er sein Volontäriohr abdiente, trat sein Bruder Jans für ihn ein. Er blieb, wie schon als Junge, das Gegenstück zu Cord. Der Uebermut funkelte ihm aus den Augen. Mit seinem Freund Wilhelm Deiping war er auf den Kirmessen und Dorfbällen überall Hahn im Korb.

Lise Deiping war nun auch, nachdem sie ein Jahr Pension hinter sich hatte, zu einem strammen, 'onnenhellen Jungmädel herangewachsen.

Als Cord Krüger nach einem guten Jahr von drüben nach Hause kam, war die Knaüenzeit von ihm gefallen. Er nahm nun mit seinem Bruder zusammen dem Vater die Arbeit aus der Hand. Die reichen, mannigfachen Erfahrungen und be­währten Methoden des Alten in Verbindung mit dem frischen Schaffensblut der Jungen brachten den Krügerhof in dieser Zeit mächtig voran.

Rummer 30 / Seite 13.

Aber auch Wilhelm Deiping schaffte tapfer. Es war ein edler Wettstreit Mischen den beiden Höfen, was bei hüben und drüben von Segen war. Neue Maschinen und Geräte konnten angeschafft werden. Die Kornspeicher und Scheunen wurden vergrößert. Es war eine Lust zu sehen, wie hier Fleiß und Eintracht Gnaden brachten. Das gute alte Verhält­nis zwischen den beiden Höfen trug viel dazu bei« Und das wußten die von hüben und drüben allzu gut, die Alten wie die Jungen. Und es wäre keinem eingefallen, durch irgendeine belanglose Lappalie einen Streit vom Zaune zu brechen. An den langen Winterabenden saßen die Alten zusammen am Herdfeuer und rauchten plaudernd ihre Pfeifen. Im Sommer machten sie gemeinsam ihre Gänge durch die Felder und Fluren und musterten den Stand der Saaten.

Die jungen Burtchen indessen trieb es an den Winterabenden in die Spinnstube, wo die junge Mädchenwelt am Spinnrad saß. An den blauen Sommersonntagsnachmittagen aber versammelte sich das ganze junge Volk der Nachbarschaft auf der Bauerndiele. Eine Ziehharmonika jodelte als­dann ihre ausgelassenen Walzerweisen, und die Burschen schwangen ihre Mädchen unter Juchhe und Juchhei dazu immer im Kreise. Es ging recht munter dabei her, und die meisten waren vor Mut­willen nicht zu bändigen.

Nur Cord Krüger blieb immer still. Vor lau­ter Schüchternheit und Hilflosigkeit kam er nie zur Geltung. Man mußte alles aus ihm herausholen. Mit feinem linkischen Wesen wußte er sich nirgend­wo zu helfen. Am liebsten lag er an den Sonntag- nachmittagen, während das junge Volk im Dorf­krug oder auf den Bauerndielen das Tanzbein schwang, in den Wiesen mitten im hohen Grase und sah träumend in den blauen Bllltenhimmel. Oft konnte er auch stundenlang durch die hohen, duften­den Kornfelder hinwandern. Und wenn ihm dann die Kornblumen aus dem goldenen Getreide blau entgegenleuchteten und Lerchenlieder über das säuselnde Aehrenfeld rieselten, stand er oft vor glücklicher Ergriffenheit träumend still. Weinen konnte er dann.

In solchen Stunden überdachte Cord Krüger häufig die Zukunft, und am Schlüsse blieben dann seine Gedanken von selbst bei Lise Deiping hängen. Ertappte er sich im nächsten Augenblick bei diesen Gedanken, so wurde er rot vor Scham. Jedesmal, wenn er an das blonde, nachbarliche Mädchen dachte, wurde ihm das Herz warm. Er wollte sich alles aus dem Kopf schlagen, aber die Gedanken ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Und ehe er sich versah, rührten diese Gedanken immer wieder am Allerverborgensten seines Inneren — wenn Life Deiping auf seinem Hofe seine Frau würde!

Lise Deiping bemutterte den „großen Jungen", wie sie ihn nannte, regelrecht. Und dem Burschen war oft weinensmute, wenn er das Verhältnis, wie es zwischen ihm und Lise lag, durchdachte. Sie be­handelte ihn wie ein Kind, ihr „großer Junge" war er! Und das machte ihn nur noch linkischer, noch täppischer, noch unbeholfener. Wußte er sich in ihrer Nähe, so war alle Männlichkeit dahin; sprach sie ihn an, so wurde er bis an den Hals rot. Seine Antworten waren gestammelte Laute; sein ganzes Denken lahmte gegenüber ihrer hei­teren, ungezwungenen Frische. Saßen die Ge­schwister von hüben und drüben an den Sonntag- nachmittagen mit den anderen Bauernsöhnen und' -töchter beim Klang der Ziehharmonika zusammen, so kam es vor, daß sie den Cord zwangen, die Lise zum Tanze zu sichren. Er hätte dann in die Erde sinken mögen vor Scham, während ein Glücks­taumel ihn gleichzeitig schwindelnd machte, so daß aus dem Tanz nie etwas Rechtes wurde.

Wie ganz anders waren dagegen die anderen Burschen! Wie keck, wie übermütig, wie voll von harmloser Frechheit! Cord Krüger hätte aufheulen können, wenn er sah, wie sie das Mädchen zu nehmen wußten.

Freilich aber auch — das war offensichtlich —< keiner war bei Lise Deiping so gut angeschrieben wie er. Als müßte sie für ihn aufkommen, so be­handelte sie ihn.

Dann, nachdem er einige Jahre zurückgesetzt worden war, kam die Zeit, da mußte Cord zu den Soldaten. Er hatte viel, viel auszustehen. Aber dafür sollte diese Z^eit zu seinem Heile werden. Die fremde Stadt mit ihren vielseitigen Eindrücken, der dauernde Umgang mit allen möglichen Menschen, der militärische Drill und die damit verbundene