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Brüning spricht im Rundfunk. Während der letzten Woche vor dem 31. Juli werden die Ver­treter der größeren Parteien (mit Ausnahme der Kommunisten) Gelegenheit haben, durch den Rundfunk zu allen deutschen Wählern zu spre­chen. Für das Zentrum wird Altreichskanzler Dr. Brüning sprechen, für die Bayerische Volkspartei Abgeordneter Schaeffer.

Altreichskanzler Dr. Wirth sprach dieser Tage auf großen Zentrumskundgebungen in Orb, Loden bei Salmünster, Hünfeld und Aulda. UeberaU fand er eine gewaltige, begeisterte Zuhörerschar. Unter den Zentrumswählern — das hört man von allen Seiten — herrscht diesmal eine Begeiste­rung und Entschlossenheit, wie sie nur mit den Zeilen des Kulturkampfes verglichen werden kann. Das Zentrum darf mit voller Zuversicht dem 31. Juli entgegen sehen In alter Treue steht das kath. Volk zu der Fahne, für die einst unsere Vä­ter in schwerster Zeit gekämpft haben: Für Wahr- Heil, Freiheit und Recht!

Zum 31. 3uli. Der frühere Kölner Oberbür- genneister Wallraf plaudert in seinem Buch „Aus einem rheinischen Leben" über seine Landratszeit in St. Goar. Da ist u. a. zu lesen: ,Hn einem Rachbarkreise fand eine Ersatzwahl statt. Zwei Kandidaten waren die Favoriten, ein liberaler Kaufherr und ein konservativer Landrat der Um­gebung. An einem Tage vor der Wahl begeg­nete ich dem ersteren. ,Wie steht die Wahl­schlacht?' fragte ich den bleich und elend drein- blickenden Kandidaten. .Schlecht, Herr Landrat', erwiderte der Angeredete, .Sehen Sie. der Werbe­tätigkeit meines Nachbarn komme ich nicht bei. Jeden Abend sitzt er in einem anderen Dorf mit den Bauern zusammen; er kneipt mit ihnen bis in die späte Nacht und macht ihnen Kartenkunst­stücke vor. Ich probierte es auch, aber das Knei­pen hält mein schlechter Magen nicht aus, und für Kartenkunststücke sind meine Gichtfinger zu steif. Aber jetzt ist alles aus, feit ein paar Ta­gen kann der Kerl sogar Feuer fressen.' Die Vor­ahnung trog Herr L. nicht. Er fiel durch, hat aber anderswo sich doch einen bekannten parla­mentarischen Namen erworben." An die Feuer- fresserei wird man in diesen Tagen der braunen Hybris öfter erinnert, freilich auch an diejenigen, die sick. einen guten parlamentarischen Namen er­worben. ohne das Feuerfressen gelernt zu haben. Wir müssen aüwartsn, was der Michel am 31. Juli tut: ob er sich von Gauklern, Seiltänzern. Fakiren und Feuerfressern imponieren läßt, oder ob er entschlossen ist, einer jahrmarktähnlichen Agitation der Schreier und Prügler ein Ziel zu feßen.

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Theorie und Praxis sind nicht immer dasselbe. So schreibt Hitler in seinem Buche „Mein Kampf" (12. Auflage, Seite 89: „Wer nicht für seine Handlung persönlich auch die Verantwortung über­nehmen will, sondern nach Deckung sucht, ist ein seiger Lump". Bevor derselbe Hitler die vor einem Nürnberger Gericht abgegebene eidesstattliche Ver­sicherung unterschrieb, in der die Kaiserhofrech­nung als eine „Fälschung" bezeichnet wurde, hat er zu seinem Adjutanten gesagt: „Wenn du das mit deinem Namen deckst, dann unterschreibe ich!"

Lchulpersonen-Rachrichten. Endgültig angestellt mur'e Lehrer Latta in Stork (Krs. Fulda), ferner technische Lehrerin Julie Mies in Hanau. Einstweilig angestellt wurden die Lehrer Peter Senger m Hasel- stein (Kr. Hünfeld) und Theodor Botthos in Ulmbach (Kr. Schlüchtern). Versetzt wurde Lehrer Röhrig von Sannerz (Kr. Schlüchtern) nach Großauheim (Kreis Hanau).

Maberzell (Kr. Fulda). Am vorigen Mittwoch hatte sich ein großer Teil der hiesigen Jungmannschaft zu einer Versammlung zusammengesunden. Drei Mitglie­der des Fuldaer Windthorstbundes waren mit den Rä­dern herübergekommen, um Aufklärung über die Lage der katholischen Jugend und die Notwendigkeit eines aktiven Eingreifens der Volksfront in das Durchein­ander der Jetztzeit zu geben. Jeder junge Katholik muß bereit fein, die Aufgaben, die ihm gefetzt sind, zu er­füllen. Wir müssen die in unseren Dörfern schlum­mernden Kräften wecken, um den radikalen Hetzern einen unüberwindlichen Damm entgegenzubauen. An die mit Beifall aufgenommenen Ausführungen schloß sich eine längere Aussprache, in deren Verlauf sich 22 junge Män­

ner bereit erklärten, sich zu einem Windthorstbund zusammenzuschließen und sich damit in die jungkatho­lische Front einzugliedern.

Lütter (Kr Gersfeld). Sontagabend fand hier eine von etwa 200 Personen besuchte Kundgebung der Zen- trumspartei statt. Der W i n d t h o r st b u n d zog vom Jugendheim mit Gesang zum Versammlungslokal, der Gastwirtschaft Rehberg. Als Redner war Reichstaqs­abgeordneter Dr. Crone-Münzebrock erschienen, der in etwa zweistündigen Ausführungen über die poli­tische Entwicklung der letzten Zeit und die Forderungen, die das Volk an eine sozial eingestellte, die Interessen der Allgemeinheit vertretende, christlich handelnde Regierung stellen muß. Zum Schluß der erhebenden Versamm­lung sang die zahlreich erschienene Jungmannschaft das !ied: „Heiligem Kampf sind wir geweiht". Die Zen­rumsleute der Pfarrei Lütter wissen, um was es am >1. Juli geht.

Hattenhof (Kr. Fulda). Die Wallfahrt nach dem Klo­ster Kreuzberg findet Sonntag, den 14. August statt. Sie beginnt morgens 4.30 Uhr in Hattenhof, erreicht 5 Uhr Rothemann und um 6 Uhr Döllbach. Um 7 Uhr ist in Thalau Kirchgang. Die Wallfahrt geht weiter über das Dammersfeld nach Reußendorf, wo die Mit­tagspause eingeschaltet wird. Nach der Ankunft auf dem Kreuzberg ist zunächst Kreuzwegandacht, danach Beichtgelegenheit.

Hünfeld. In der Zeit vom Samstag, den 2. Juli, bis Sonntag, den 10. Juli, weilte der Hochw. Herr Bi­schof von Fulda im Dekanat Hünfeld, um das Sakra­ment der Firmung zu spenden. Am 2. und 3. Juli wa­ren, wie bereits berichtet wurde, hl. Weihen im St. Bonifatiusklofter. Am Montag Firmung in der Stadt­pfarrkirche Hünfeld für die Pfarreien Mackenzell und Großenbach. Am Dienstag, 5. Juli, in Ste in- b a ch, am Mittwoch in Burghaun, am Donnerstag in Marbach und am Freitag in Michelsrom­bach. Samstag, den 9. Juli, weilte der Hochw. Herr wieder in unserer Stadt, um zunächst die Religionsprü­fung an der hiesigen Lateinschule und Volksschule vor­zunehmen. Nachmittags war Visitation des St. Jo­sephshauses und des St. Elisabethkrankenhauses. Am Sonntag, den 10. Juli, spendete Bischof Joseph Damian dann das Sakrament der hl. Firmung für die Kinder der Stadtpfarrgemeinde Hünfeld, in der 301 Firmlinge gefirmt wurden. Im Dekanat Hünfeld wurde insge­samt 640 Firmlingen das Sakrament der Firmung ge­spendet.

Geisa. Hier sprach in einer großen Kundgebung der Zentrumspartei der Spitzenkandidat der Zentrumsliste für den thüringisch-eichsfeldischen Wahlkreis, Herr Stu­dienrat Prade l-Heiligenstadt.

Blankenau (Kr. Fulda). Im hiesigen Jugend­heim fand dieser Tage eine Versammlung des Windt- yorstbundes statt, zu der auch von auswärts eine ganze Anzahl junger Männer erschienen war. Als Redner war Dr. Sauer erschienen, der die Aufgabe und die politischen Forderungen der jungen Generation klar herausstellte. Als Ergebnis der Veranstaltung hat sich auch in unserem Dorf ein Windthor st bund gebil­det. In jedem Dorf müssen sich heute die aktiven Kräfte zum Kampf für die Volksrechte gegen Diktatur, Partei­herrschaft und Straßenterror zusammenschließen. Un= sere Parole heißt: Gegen Hakenkreuz und Sow- > etstern, für ein freies christliches D e u t sch- a n d.

Dod Loden b. Salmünster (Kr. Schlüchtern), ilm 7. August kann Bad Soden b. Salmünster den 25= übrigen Geburtstag des Pacifikus-Sprudels begehen. Benannt ist der Sprudel nach feinem Erbohrer, Herrn Pfarrer Pacifikus Schulz, dem ersten Ortspfar­rer, Gründer der K i n d e r h e i l a n st a l t, die vergan­genes Jahr das 25jährige Bestehen begehen konnte. In diesen 25 Jahren haben über 15000 Kinder aus allen Teilen Deutschlands Kraft und Gesundheit in den Bädern der unübertrefflichen Heilquelle gefunden. Aber auch ebensoviel Erwachsenen hat der Pacifikus-Sprudel geholfen durch Heilung ihrer durch Arbeit und Alter ab­genutzten, durch Sorgen ermüdeten und Krankheit ge­schädigten Herzen. Ein wahrer Jungbrunnen des wach­senden und alternden Menschen. Seit 25 Jahren strömt schäumend aus einer Tiefe von 406 Meter die hei­lende Flut mit einer täglichen Schüttung von 700 Bä­dern und 155 Zentnern Salz. An Kohlensäure übertrifft sie alle anderen Herzheilquel­len Deutschlands. Und die seit Millionen Jahren tief im Erdinnern schlummernden Energien kommen jetzt der kranken Menschheit zu gut. Preis darum dem Schöpfer aller Dinge, der uns in feiner unterirdischen Werkstatt diese Heilquelle bereitet hat, als Friedens­bringer für alle Kummer-, Sorgen- und Krankenherzen im segnenden Gedenken an ihren Erschließer, Pfarrer Baciükus Schulz.

Amöneburg. Gottesdienst für Lindaukapelle. Oktav. Vom 22. bis 29. Juli: täglich 6.30 Uhr hl. Messe, 7.30 Uhr Hochamt. Mit Ausnahme: Sonntag, 24. Juli, 9.30 Uhr (nach Ankunft der Prozessionen) Hochamt und Predigt. Dienstag, den 25. Juli: (St. Anna-Tag: Muttertag für Oberhessen.) 8 Uhr Predigt lHerr Kura- tus Roßmann von Momberg) und Hochamt An Werktagen von 6 Uhr an Beichte. Die Koll-kte ist für Instandhaltung der Kapelle und Neuvergoldung des Lin- 1 daukclches.

Niederrodenbach (Kr. Hanau). Das Fest der Silber, neu Hochzeit feierten am 21. Juli die Eheleute Adami Fladung und Frau Karoline geb. Ebert. Herr Fladunq^ der aus dem Fuldaer Land stammt, feiert zugleich auch» sein silbernes Jubiläum als Abonnent des Bonifatius«« boten und der Fuldaer Zeitung.

Eisenach. Vor den Eisenachern Zentrumswählermi und Freunden des Zentrums Iplach am 13. d. M. imn Hotel „Zimmermann" der Spitzenkandidat des WaN-.J kreifes 12, Herr Studienrat I. Pradel, zur bevorstehen-r den Reichstagswahl. Unser vormaliger Spitzenkandidat,» der allverehrte Herr Altreichskanzler Marx, hat diesmal die Kandidatur abgelehnt, wohl wegen seines Alters, t als auch wegen der niederen Kampfesweise, mit web) chsr die politischen Gegner heute vielfach arbeiten, einen Art, die einem alten Parlamentarier, der sachliche Ar- s beit zu leisten gewohnt ist, nicht ansteht.

Aus Thüringen. Für die thüringische Landtagswahl, 1 Die am 31. Juli zusammen mit der Reichstagswahl statt« findet, hat das Zentrum mit der Staatspcrtei ein Ab­kommen getroffen, um den Zentrumswählern ein Man- ' dat zu sichern. Unter dem Kennwort „Deutsche Staatspartei — Deutsche Zentrumspar- tei — Landesverband Thüringen" wird eine3 gemeinsame Liste der beiden Parteien aufgestellt.

Aus dem Dekanal Erfurk. Die vorbereitende» Arbeit für die Reichstagswahl wurde diesmal miti vaterländischen Kundgebungen eröffnet. Für bie Durch- führung hatten sich die Mitglieder des Jung-KKV. be- k reitwilligst zur Verfügung gestellt. In der sengenden Mittagsglut am Sonntag zog darum eine wackere Schar ■ tatfroher KKVer nach Dittelstedt. Dort in dem < feinen Kirchlein fand zunächst eine Andacht zur Gottes- - mutter statt. Dann fanden sich die Dittelstedter im gro­ßen Saale des Goldenen Ankers ein. Herr Kugel-Erfurt begrüßt die Anwesenden mit herzlichen Worten und i weist auf die Aufgabe hin, die sich die Unitas mit der: Veranstaltung gestellt habe. Vor aller Oeffentlichkeit 1 soll erwiesen werden, daß wir Katholiken uns in der 3 Vaterlandsliebe von niemand übertreffen lassen, daß ( wir aber in unserem Vaterlands stets bis zum Einsätze d der letzten Kraft für politische und religiöse Freiheit > kämpfen werden. Mukalische Vorträge und frohe Wan­derlieder füllen die Zeit, bis die Bühne sich öffnet und ( unter Herrn Janski's schneidiger Leitung Szenen aus; Schillers „Tell" zur Aufführung gelangen. In der ein­dringlichsten Weise spricht hier Deutschlands Jdeal-Dich- • ter Schiller zu dem Deutschland des 20. Jahrhunderts:: die „Malchthal-Szene", der Schrei des geknechteten Vol- M kes nach Freiheit, und die „Attinghaufen-Szene", die: ernste Mahnung zur Einigkeit, hinterlassen auf die Zu­hörerschaft eine tiefe Wirkung. Dann spricht Pfarrer: Himmelmann-Melchendorf. Die heftig umstrittene: Frage: Haben Religion und Politik etwas miteinander zu tun? ist sein Thema. Seine klare Antwort daraufj ist: „Solange sich die Politik mit der Religion befaßt, . muß sich auch die Religion mit der Politik befassen." An . dem Lebensbild des großen sozialen Bischofs v. Kette- ler zeigt er dann, daß nur dann ein Leben den sitt- * lichen Normen entsprechen kann, wenn die Religion den n ganzen Menschen durchflutet. Die Religion ist allein l die Kraftquelle, aus der das Glück der Familie erwächst, , aus der weiter der Segen für eine Nation hervorgehen kann. Mit einem Hinweis auf den Führer der Katho­liken in der Gegenwart, auf den allverehrten Reichs­kanzler a. D. Dr. Brüning, schließt die mit größtem Bei­fall aufgenommene Rede. Mit dem Deutschlandliede legte die Versammlung ein begeistertes Bekenntnis zum Vaterlande ab. Und dann richteten sich aller Blicke hin auf den Mittelpunkt der Christenheit, als die Jugend­gruppe den feinen Sprechchor „Tu es Petrus" zum Vor­trag brachte. Mit dieser Huldigung an den Heiligen Vater schloß die fein verlaufene Kundgebung. Allen aber, die zum guten Gelingen beitrugen, besonders der wak- keren Gruppe der Jung-Unitas, herzlichster Dankl Mö­gen die Bemühungen reichste Früchte tragen! Am Abend wurde die Kundgebung in Melchendorf wie­derholt. — In Witterda feierte das Ehepar Franz und Friedericke Schulze das seltene Fest der Diaman­tenen Hochzeit. Der Jubelbräutigam ist 83 und die Ju­belbraut 82 Jahre. Beide erfreuen sich bester Gesund­heit. Acht Kinder des Ehepaares konnten an der schö­nen Feier teilnehmen. 29 Enkel und 7 Urenkel waren als Gratulanten zur Stelle. Auch unsererseits dem Ju­belpaar herzlichen Glückwunsch!

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Ebnet. Am hellen Sonntagnachmittag strömten eine Anzahl Frauen in den „Hirschen", ein ganz ungewobn- tes Schauspiel. Gall es ein Kaffeekränzchen oder einen Vergnügungsrummel? O nein. Die ernsten Gescheh­nisse des öffentlichen Lebens riefen sie auf den Plan. Und alle sind auf ihre Rechnung gekommen. Es war ja ein Genuß, der Rednerin, Frau Dold aus Freiburg, zu lauschen, wie interessant sie die Politik unserer Tage zu deuten wußte und wie sie ihre aufmerksamen Zu­hörerinnen für die Aufgaben der Zentrumspartei zu ge­winnen wußte. Herr Pfarrer Weber schloß die Ver­sammlung mit Worten des Dankes an die Rednerin und der Aufmunterung an die Frauenwelt, ihre Treue am Wahltsg zu beweisen.