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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels. Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 ZL-Pfennlg B 45 ZL- Pfennig föufleögebübr ettra)

Sonntag, 24. Zuli 1932

St 30

M1

Wochenkalender

Sonntag, 24. Juli. 10. Sonntag Christina, Jungfr., Mart.

n Montag, 25. Juli. Jakobus, Apostel. Mart.

Dienstag, 26. Juli. Anna, Mutter der Maria.

nach Pfingsten.

Christophorus.

seligsten Jungfr.

Mittwoch, 27. Juli. Pantaleon, Mart.

Donnerstag, 28. Juli. Nazarius u. Gen., Mart.

Freitag, 29. Juli. Simplicius u. Gen., Mart.; Martha, Jgfr.; Felix, Papst, Mart.

Samstag, 30. Juli. Marien-Samstag. Abdon und Sennen, Mart.

10. Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. 1. Korinther 12,211.

Evangelium. Lukas 18,914. Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner.

In jener Zeit sprach Jesus zu einigen, die sich für gerecht hielten und die anderen verachteten, folgendes Gleichnis: Zwei Männer gingen hinauf in den Tempel, rum zu beten: der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und betete:Gott, ich danke dir, daß ich nicht bin wie die übrigen Men­schen, wie die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder wie dieser Zöllner da. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem was ich besitze." Der Zöllner aber blieb von ferne stehen und getraute sich z nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug an seine Brust und sprach:Gott, sei mir Sünder gnädig!" Ich sage euch, dieser ging gerecht­fertigt nach Hause, jener nicht. Denn jeder, der sich erhöht, wird erniedrigt, und wer sich erniedrigt, wird erhöht werden.

Die Quelle lebendigen Wassers

W

en Zehnten von allen Einkünften gab der Parisäer. Und ist dabei ein Pha­risäer, ein Heuchler geblieben. Gab er denn dieses Almosen aus Liebe zu Gott? Keineswegs. Ans Liebe zum

ächsten? Ebenso wenig. Aus der Selbstsucht, aus dem Eigennutz ist seine Gabe hervoroewach-

sen. Und Selbstliebe ist der Tod, das Grab der cchten Gottes- und Nächstenliebe. Nein: wir dür­fen beim Almosen nicht uns selbst im Auge ha­ben, sondern Gottes Ehre und des Nächsten Wohl­ergehen.

^ Wahre Wunder bewirkt nun echte Bruderliebe. Schau diese Oase in der Wüste. Eine wahre In­sel der Fruchtbarkeit, der Behaglichkeit und des Ueberflusses. Was findest du aber zehn Schritte weiter entfernt? Die nackte, ausgebrannte, dürre

Wüste, wo kein Baum Schatten spendet, kein Gräslein den Boden schmückt, kein Blümchen das Auge erfreut, wo unendliche Flächen glühenden Sandes sich ausbreiten. Und woher der Unter­schied zwischen der fruchistrotzenden Oase und der unfruchtbaren Wüste? Ganz allein vom Wasser. Wasserlos und daher unfruchtbar ist die Wüste. Die Oase aber besitzt eine Quelle. deren Wasser Palmen und (Sträucher hervorzaubert, Tiere und Menschen erquickt.---

Eine solche Quelle soll nach dem Wunsch un­seres Heilandes im Innern seiner Jünger spru­deln. Vernehmt heute den lauten, frohlockenden Ruf, den der Herr am Schluß des Laubhütten­festes erschallen ließ, den die Juden mit Verwun­derung hörten, dessen Echo auch in unsern Ohren tönt, schöner und klangvoller als die beste Musik am Radio. Vernimm darüber den Bericht des hl. Evangelisten Johannes:

Am letzten, dem großen Festtag, stand Jesus da und rief: Wer dürstet, komme zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, aus dessen Leibe wer­den Ströme lebendigen Wassers fließen. Damit meinte er den hl. Geist, den jene empfangen soll­ten. die an ihm glaubten." Joh. 7, 37.

Denke dir den Heiland, wie er im Vollgefühl seiner Würde sich hoch aufrichtet im Tempel zu Jerusalem und diese Frohbotschaft hinausruft, von der nicht nur die Wände des Tempels, sondern auch die Säulen der Welt widerballen. Betracht? das liebeglühende Herz deines Erlösers, der die ganze Welt glücklich machen möchte. Allen» Durst, jeder Not würde abgeholfen sein. Wer da dürstet, soll also zum Heiland kommen. Nicht durch den Gang der Füße, sagt der hl. Augustinus, sondern durch die Tat des Glaubens. Gläubig sollen wir in uns hineintrinken des Heilands Lehre und Gnade. Und wenn wir sie getrunken haben, so soll sie nicht brach in uns liegen. Was soll vielmehr geschehen? Dasselbe was mit der Quelle geschieht. Diese bleibt nicht sestgebannt auf den Platz, an dem sie aus dem Boden sickert: alsbald macht sie sich auf den Weg und zieht weit ins Land und nimmt da und dort noch manch Wässerlein mit sich und wird zu einem Fluß oder Strom und trägt Schiffe und spendet den angrenzenden Wie­sen und Feldern Nahrung und Fruchtbarkeit. So soll auch des Christen Glauben zu einer lebendi­gen Quelle werden. Besonders dann, wenn der hl. Geist noch dazu kommt, den der Heiland erst nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt senden wollte. Zwar hätte der Heiland ja vermöge sei­ner Allmacht alles Große in der Kirche allein wir­ken können. Indes wollte er nach dem Plan der göttlichen Vorsehung auch den hl. Geist für das Werk der Erlösung interessieren. Durch ihn soll­ten nach dem Heimgang Jesu die Gnadengaben verwaltet und ausgespendet werden. Und so kam

es auch in der Tat. Wurden nicht die Aposteln nach dem Empfang des hl. Geistes richtige Was­serquellen? Zogen sie nicht wie Wunderströme durch alle Lande und brachten allerwärts die Blumen des Glaubens und die Früchte der Liebe hervor? Und so ist es bis zum heutigen Tag in der Kirche geblieben. Immer qab es hochherzige Menschen, die nicht bloß selber heilige und glück­liche Menschen waren, sondern auch auf ihre Mit­menschen einen wohltuenden Einfluß ausübten.

Betrachten wir nur das Leben und Wirken des hl. Vinzenz v. Paul, dessen Andenken wir am 19. dieses Monats begangen haben. Mit seinem Herzen von Glaube und Liebe wurde er ein Wohl- täter der Mit- und Nachwelt. Er konnte keinen Notleidenden sehen, ohne ihm zu helfen. Den Kranken, den Armen, den Waisen, den Sträflin­gen, den Gefangenen, den Soldaten ist er Freund und Wohltäter gewesen. Um einen verstockten Galeerensträfling zu befreien, nötigte er ihm mit der Gewalt der Liebe seine Ketten ab, legte die­selben sich selber um, setzte sich an seinen Platz und schwang das Ruder, bis er erkannt und sei­nem Beruf zurückgegeben wurde. Als Andenken an diese Liebestat schleppte Vinzenz sein Lebtag kranke Füße herum.

Was soll ich aber sagen von jenen Engeln der Barmherzigkeit, die wirBarmherzige Schwe­stern" nennen? Können wir uns ein katholisches Krankenhaus oder ein Privatkrankenbett denken, wo diese Engel nicht stehen? Und wer hat diese Engel auf den Plan gerufen? Das Wort des hl. Vinzenz. Ihnen haben sich später noch die Schwe­stern anderer Kongregationen, die Franziskane­rinnen, die Kreuzschwestern, die Grauen Schwe­stern und viele andere zugesellt, die zusammen die Karitasarmee der katholischen Kirche bilden, jene einzigartige Armee, deren Waffe nur die Liebe ist, die nicht verwundet, sondern heilt, nicht tötet, sondern neu belebt.

Ströme lebendiges Wassers sollen dem gläubi­gen Herzen entquellen. So ist es des Heilands Wunsch. So ist es das Bedürfnis einer gequäl­ten, schwerbedrängten Menschheit. Die aus dem Glauben tätige Liebe ist die nieversiegende Quelle dieses Stromes, der die Stadt Gottes wunderbar erquickt und erfreut. Möge auch in unserm Her- zen eine solche Quelle vorhanden sein, durch die wir das Zeichen echten Christensinns an uns tra­gen. Nur darf die Liebe keine Spielerei sein und keine Selbstberäucherung, wie es bei den Phari­säern war. Das Wesen der Christenliebe ist das Opfer. Ein solcher Opfergeist glühte im Herzen der hl. Theresia v. Kinde Jesu, die da schreibt: Bis jetzt habe ich noch keinen Augenblick gefun­den, um zu sagen: jetzt werde ich für mich arbei­ten!"

Der Talpfarrer.