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Nummer 29 / Seite 7»

Unerschütterlich

ist der Zentrumslurm, auch wenn Re ganze Angriffskraft der NSDAP. gegen das Zentrum angefehl wird. Morsches Holz mag zerbrechen, wenn man wuchtig darauf schlägt, festes und edles Metall aber wird unter solchen Schlägen nur härter. Wir stehen fest und treu! Wir kämpfen und siegen! Mit Brüning für Wahrheit. Frei­heit und Recht!

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Menschenjammer, -not und -tod steckt in diesen Zahlen! Wer waren denn dort die Mordbrenner und Menschen­schinder? Die Feldherren des Kaisers und der Liga? Oder der von niemand, auch von den protestantischen Fürsten nicht gerufene „Netter", der „Löwe aus Mitternacht, und seine Nachfolger?

Gustav Adolf, der für eine Jahreszahlung von 1000 00G Livres von Frankreich Inc Verpflichtung übernommen hatte, eine „selbstlos deutsche poltut zu machen?

In katholischen Gegenden ist noch heute „der Schweb" in der Volkserinnerung lebendig. Kleine Kinder schreckt man noch heute mit den Versen:

Bet' Kind, bet'!

Bet', sonst kommt der Schweb'.

Bet', sonst kommt der Ochsenstern, Wird die Kinder beten lern'!

Noch heute also gilt „der Schwed" als Gottesgeißel, wie einst Attila unseren Vorfahren. Welch furchtbare Er­lebnisse aber muß das katholische Volk damals durchge­macht haben, daß es noch heute — nach 300 Jahren — feit vielen Generationen sich schon unverstanden —, vor dem Namen „Ochsenstern" erschreckt, der niemand anders ist als Oxenstierna, der Kanzler und Nachfolger Gustav Adolfs. Aber es muß festgehalten und einmal ausdrück­lich ausgesprochen werden als schmerzliche Tragik unseres deutschen Volkes — und auch als Anklage —: Was die Seele unseres Volkes in manchen Gegenden schreckt und erzittern macht, das benutzen „nationale" Kreise, um Feste zu feiern. Ist man sich der Tragweite dieses Be­ginnens bewußt? Sollen wir anfangen, aus demselben Grunde in West- und Süddeutschland Trauertage zu veranstalten, aus dem in Mittel- und Norddeutschland gefeiert wird? Das ist sicher, solche Trauerfeiern würden in West- und Süddeutschland eine ganz andere Resonanz finden, zumal da der Grund dafür noch in der Volkserinnerung lebendig ist. Niemand könnte es uns verdenken nach diesen Vorgängen, aber nicht abzusehen wären die Folgen.

Um die Gedankenlosigkeit oder vielleicht auch den frev­len Leichtsinn, der in den Gustav-Adolf- und Schweden­

feiern liegt, zu kennzeichnen, braucht man nur den pro

teftantifchen Historiker Leo zu zitieren:

„Jahraus, jahrein werden dem Gustav Adolf und feinen Schweden in Deutschland Weihrauchfeuer an- gezündet, und das urteilslose Hingeben an die Erinne­rungen des traditionellen Enthusiasmus auf den Schul­bänken läßt dem groben Schweden noch neuerdings Denkmale in Deutschland von deutschem Gelde errich­ten. Da möchte man wirklich mit Luther ausrufen: Ja, es ist nicht anders, wir Deutschen müssen aller Fremden Esel fein und bleiben."

Aus diesem einseitigen, vorgenannten, falschen Ge- Fschichtsbild werden von unserem Gewährsmann Schluß­folgerungen für die Gegenwart gezogen. Aber von der Gesellschaft Jesu beteuert dieser evangelische Pfarrer im Ruhestande: „Wir hassen." Der Ruhestand kann ent­schuldigen, denn dieser Standpunkt ließe sich schlecht mit einer aktiven Verkündigung des Evangeliums vereinba­ren. Dieser Haß aber scheint eine merkwürdige Neigung zu haben, in konzentrischen Kreisen sich zu erweitern und immer mehr einzubeziehen. Von der S. I. dehnt er sich aus auf Jesuitenzöglinge und schließlich müssen wir uns sagen lassen, daß wir alle von dieser vertilgungswerten Teufelsbrut sind, wir alle, die wir aus Reformation, Sä­kularisation, Kulturkampf, aus Degradierung undStaats- bügertum zweiter Klaffe eine praktische Schlußfolgerrung zu erziehen uns erkühnen: das Zentrum.

Und um dem furor proteftanticus den letzten Auftrieb zu geben, zeichnet die schreckhafte Phantasie des denken­den Festspielbesuchers an den Horizont: „Das evangelische Norddeutschland soll vor die Hunde gehen, dann werden sie uns wieder einen katholischen Kaiser präsentieren. Ihr Endziel ist, die evangelische Kirche zu zerstören, damit das evangelische Kaisertum nicht wieder erstehe." Ver­sichert sei zur Beruhigung, daß uns katholischen Mitbür­gern davon nichts bekannt ist, weder, daß die evangelische Kirche zerstört werden soll, noch daß die Präsentation eines katholischen Kaisers bevorsteht. Die evangelische ^rche überlassen wir ganz sich selbst. Wir haben nie l. Gung gehabt, dauernd ins iremde Lager hinüber- 31'm'V0 die Mannen zum Kampfe ' auf; urufen. ^^Edings, es gab einmal ein Deutsches Reich — !i) 1000 Jahre — unter Führung eines katholischen

Kaisers, auf das wir Katholiken mit Stolz zurückblicken, und an dessen erste fünf Jahrhunderte jeder Deutsche

nur mit Stolz denken sollte.

Daß es so kläglich scheiterte, daran sind nicht zu­letzt die protestantischen Fürsten schuld. Jedes Bündnis mit dem Reichsfeind mar ihnen recht, um ihr konfessionelles Süppchen zu kochen.

Sei es mit dem Türken im SO, dem Feind aller abend­ländischen Kultur, sei es mit dem Erbfeind im W. Ein protestantischer Historiker äußerte in einem Kolleg: „Der Protestantismus verdankt seine Ausbreitung mehr dem Türken als Luther." Nur mit tiefem Schmerz kann man daran denken, daß protestantische Fürsten den Franzosen 1552 Metz, Toul und Verdun auslieferten, heute, da Frankreich am Rheine steht, und da Hundert­tausende von unseren Besten sich vor Verdun verblute­ten. „Denn es schien ihnen — den protestantischen Fürsten — weniger gefährlich, wenn diese Bollwerke Frankreich gehörten, als wenn sie die burgundische Macht des Kaisers stützten. Der erste Schritt zum Zusammen­bruch der großen Westmauer, die die burgundische Po­litik zwischen Frankreich und Deutschland errichtet hatte, war getan." So Prof. Dr. Goetz, Leipzig.

Dies möge als Kommentar genügen! Nach 2 Wo­chen find wieder Wahlen. Wie sollen wir wählen? Wir

wählen deutsch!

Jawohl!!!

nn.

Kleine poM. HaétMite»

X

Wieder drei Nationalsozialisten wegen Tötung ver­urteilt. Das Schwurgericht II in Berlin verurteilte die Mitglieder der SA. Regierungsbaumeister Erwin Soldan zu drei Jahren, den Hotelangestellten Eugen Seibel zu einem Jahr und den Schmied Hans Cwiklin- ski zu acht Monaten Gefängnis. Die Verurteilten waren angeklagt, mittels hinterlistigem Ueberfalls dem früheren Architekten Hugo Freeck gefährliche Körperverletzungen mit Todeserfolg beigebracht zu haben. Der feit langer Zeit arbeitslose Freeck war durch allerhand Redens­arten in den Verdacht gekommen, ein kommunistischer Spitzel zu sein. Die drei Verurteilten hatten es sich vorgenommen, Freeck eine „Abreibung" zu geben, ver­prügelten in der Nacht vom 23. zum 24. April in Steglitz und warfen ihn dann über einen ziemlich hohen Drahtzaun. Freeck, der bald seinen schweren Verlet­zungen erlegen war, wurde dann am Morgen des 24. April von Eisenbahnbeamten aufgefunden. — Im Nazi- Deutschland ist bald niemand seines Lebens mehr sicher.

Die Nationalsozialisten empfangen einen Verbrecher mit Rosensträußen! Im Dezember v. Js. wurde der 20 Jahre alte Paul Munsch, Mitglied der NSDAP., vom Schwurgericht Limburg zu 1 Jahr 1 Monat Zuchthaus verurteilt. Er hatte in der Nacht nach dem Volksentscheid wegen des negativen Ausganges desselben einen Spreng­stoffanschlag auf das Bamberger Pfarrhaus und die Wohnung des Amtsgerichtsrates Ruppel verübt. Dem katholischen Pfarrer wollte er einen Denkzettel damit geben, während er dem Amtsgerichtsrat feine politische Zugehörigkeit zum Zentrum verübelte. Durch diese Attentate, so erklärte der 20jährige Verbrecher während der Schwurgerichtsverhandlung, habe er sich automatisch aus der NSDAP, ausgeschlossen. Jetzt wurde er aus dem Zuchthaus entlassen. Beim Eintreffen auf dem Kemberger Bahnhof wurde er von der NSDAP., voran eine Reihe Mitglieder der SA. in Uniform, feierlich empfangen. Man überreichte ihm Rosen und fuhr ihn dann im Triumph mit dem Auto durch Kornberg. — Nach den Sprengstoffattentaten rückte die NSDAP, deutlich ab von Munsch und bemühte sich, die Attentate als unpolitisch zu bezeichnen. Jetzt aber wird der aus der Partei „automatisch" ausgeschlossene Munsch als Held empfangen. Das wird ein glorreiches „Drittes Reich" geben, wo die Zuchthäusler als Helden gefeiert werden.

KusSsrrd

Holland.

Anläßlich der Eröffnung der Wahlfchlacht des Zentrums in Köln bemerkt die große holländische Tageszeitung „De Maasbode" vom 5. Juli u. a.:

„Das Zentrum hat Vertrauen . . .Das Zentrum weiß, daß es der Fels in der Brandung ist. Wenn der Ozean ruhig ist, dann ist der Fels vertrauen­erweckend; aber in Zeiten der Not, wenn die Stürme wüten, wird er ein Zufluchtsort für die, welche Schiffbruch leiden oder fürchten, der Orkan könne das Schiff vernichten. Das Zentrum hat eine innere Kraft; es ist außerdem stark, weil es stets, auch unter den schwierigsten Umständen, die Verantwortung zu übernehmen sich nicht gescheut hat, weil es die Männer geliefert hat, die den Blut

zur Unpopularität besaßen, die höchste Eigenschaft wohl, dir ein Staatsmann in seinem öffentlichen Leben s^bringen kann. — Das Zentrum hat einen Brüning; das besagt für den Wahlkampf alles. Brüning ist ein Symbol geworden. Sein Name bedeutet für die breite Maste des Volkes Kraft und Führung, Einsicht und Zielbestimmtheit, Wissen und Können, Willen und Handeln. Das Zentrum ist unter der Parole Brüning in uner- schütterter und unwandelbarer Treue in den Kampf gegangen. Und als der. ehemalige Kanzler am vergangenen Sonntag die große Kampagne persönlich in Köln eröffnete, war kein Saal groß genug, um die Parole des Führers zu hören. Das offiziöse Wolfsbüro, das uns doch über die gering­sten Geste und Worte der Nazis und allerlei an­derer kleiner Götter getreu und breitspurig auf dem Laufenden hält, scheint von dieser riesenhaften und überwältigenden Zentrumskundgebung nichts gewußt oder gehört zu haben. Vielleicht hat die Regierung Sorge und Angst gehabt vor den ehr­lichen und loyalen Worten dieses Mannes, der sich immer und auch jetzt seiner Verantwortung so tief bewußt ist und geschwiegen hat über Angele­genheiten, welche die Aufgaben des Herrn von Pa­pen in Lausanne noch schwieriger gestalten, als sie ohnehin schon sind . . . Brüning hat wiederum seine Führerschaft bewiesen, er hat den Weg einer echt christlichen Politik gezeigt, der die Nation vor Kul­turbolschewismus bewahren kann. Darum konnte er auch feine Rede mit dem Worte „Freiheit" schließen, welche die wahre Freiheit und das höchste Kulturgebot der Menschheit ist."

Rußland.

Das Sowjet-Kommissariat für Schwerindustrie übt in einem Erlaß an die ihm unterstellten Un­ternehmen schärfste Kritik wegen Nichterfüllung der Fünfjahrsplanquoten. In diesem Erlaß heißt es, daß die Produktion der Schwerindustrie „in unver­zeihlicher Weise" zurückgeblieben sei. Es wird eine große Reihe von Maßnahmen zur Beschleunigung der Produktion und zur Hebung der Qualität an­geordnet. Besonders weist das Kommissariat dar­auf hin, daß die Tagesproduktion an Roheisen, die im Monat Mai 19 000 Tonnen betrug, auf einen Tagesdurchschnitt von 17 000 Tonnen gesunken ist. Außerdem ließe die Stahl- und Walzstahlpro­duktion außerordentlich zu wünschen übrig, und die Siemens-Martin-Oefen seien wegen dauernder Reparaturen nur ein Drittel der Zeit im Betrieb. Der Rückgang in der Eisen- und Stahlindustrie sei, so heißt es weiter, auf die Unfähigkeit der leiten­den Persönlichkeiten zurückzuführen. Die technischen Spezialisten sollten sich weniger in den Büros und mehr in den Merken aufhalten. Schließlich wird angeordnet, daß die gesamte Eilen- und Stahlindu­strie von jetzt ab in drei Schichten arbeiten soll, da­mit Rußlands wachsender Hunger nach Metallen befriedigt und die großen jetzt im Gange befind­lichen Bauarbeiten nicht ins Stocken geraten wer­den.

Broffpefulafion in Moskau.

Die GPU. hat im Moskauer Stadtbezirk So­kolniki eine weitverzweigte Organisation aufge- deckt, die Brotspekuchtion betrieb. Von den Mit­gliedern der Organisation sind große Brotmengen seit Oktober v. I. ans den Beständen der staatlichen und genossenschaftlichen Lädew an Privathändler zu hohen Preisen verkauft worden. Auch süßes Gebäck wurde von den Spekulanten zu hohen Prei­sen aus den gleichen Beständen auf dem freien Markt verkauft. Die GPU. verhaftete insgesamt 19 Funktionäre der staatlichen und genossenschaft­lichen Läden mit dem Bezirksdirektor der Brot­bäckereien, Krasno, an der Spitze. Die Verhafte­ten werden sich vor dem Sowjetgericht zu verant­worten haben (Wo Spekulation mit Brot get-rie- ben wird, muß es knapp sein. Insofern ist diese Meldung eine interessante Beleuchtung der Ver­hältnisse in Sowjetrußland.)

Spanien.

Wie aus Madrid gemeldet wird, hat der Abge­ordnete Pinero den Vorsitzenden des Minister- rates, Azana, um nähere Anweisung gebeten be­züglich der Durchführung von Artikel 26 der Ver­fassung, worin bestimmt wird, daß der Staat, die Provinzen und die Gemeinden auf keinerlei Weise