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Aus M«âe und Welt

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Montag , 27. Juni, empfing der Heilige Vater den neuen Boise? elfter Frankreichs, Dr. Charle- Roux, in feierlicher ^ntrittsaudienz zur Entgegen­nahme seines Krsdenzbriefes. — Wenige Tage zu­vor empfing der Papst auch den bekannten bayeri­schen Konvertiten Baron Cramer-Klett in Privat- audienz. — In Rom gehen Gerüchte um, der Papst werde noch vor den Sommerserien eine Vollver­sammlung der Kardinäle nach Rom berufen, um in geheimer Aussprache wichtige, die Gesamtkirche betreffende Mitteilungen zu machen. — Die Her­ausgabe eines Monumentalwerkes über die Ge­schichte des Vatikans wurde dem Grazer Historiker Professor Dr. Hermann Eager übertragen. — In Rom erzählt man sich, Papst Pius XI. werde dem- nächst in aller Stille zu seinem Sommerschloß Castel Gandolso fahren. Seit 1870 hat kein Papst mehr das Sommerschloß besucht.

gut Politik Set Mockv

Lausanne.

Die Konferenz ist zu Ende. Frankreichs Dele­gierte kehren erhobenen Hauptes nach Hause zu­rück. Herriot wurde in Paris mit hoher Begei­sterung empfangen. Er ist der Sieger von Lausanne. b Und Kanzler v. Papen? Er hielt am Abend des Tages, als die Entscheidung gefallen war, eine Rundfunkrede von Lausanne aus durch alle deut­schen Sender, die das Ergebnis als einen großen Erfolg für Deutschland hinstellte. Naive Zuhörer mögen sich dabei beruhigt haben: Die Reparations­zahlungen haben aufgehört. Reichsbahn und Rcichsbank sind wieder frei. Die Summe von drei Milliarden, die die deutschen Delegierten als Bei­trag zum Wiederaufbau übernehmen mußten, ist mit so vielen Sicherungen umgeben, daß sie trag­bar erscheint. In den ersten drei Jahren sind keine Zahlungen fällig.

Und doch: warum jubeln die Franzosen über ihren Sieg? Sie haben es in Lausanne durchge- seßt, daß Deutschland noch eine beträchtliche Schlußzahlung leisten muß. Sie haben es durch- geseßt, daß die politischen Forderungen der Deut­schen — besonders betr. Kriegsschuldfrage, Siche- ■ rung, Gleichberechtigung und Abrüstung — glatt aufgegeben werden mußten. Der Vertrag von Ver­sailles bleibt unerschüttert. Sie werden in der Welt als die Sieger von Lausanne angesehen.

Tatsächlich bedeutet das Lausanner Ergebnis auch für uns einen Fortschritt. Der Poungplan mit seinen unerträglichen Lasten ist gefallen. Aber verhehlen wir es uns nicht: Der Poungplan war schon gefallen, als das Hooverjahr begann. Daß wir vorerst keine Zahlungen mehr leisten, hatte Brüning schon durchgesetzt. Es fiel den Verhand- lungsführern schon als reife Frucht in den Schoß. Aber das, was Brüning als klares Ziel für die Lausanner Konferenz sich gesteckt: „Wir können auch in Zukunft nicht mehr zahlen", das haben die deutschen Verhandlungsführer in Lausanne preis- gegeben. Sie haben es preisgegeben in dem Au- genblick, als sie es als möglich hinstellten, Deutsch­land könne Kompensationen für den Wegfall der Reparationszahlungen leisten, sie haben es preis­gegeben, als sie von Frankreich ein Aufgeben der uns diskriminierenden Artikel des Versailler Ver­trages forderten und dafür seitens Deutschlands die Zabümg eines Beitrages für den wirtschaft­lichen Wiederaufbau Europas versprachen. „Also kann Deutschland doch zahlen!" das war das ein­zige, was Herriot aus diesem Angebot heraushörte, und er nahm die deutsche Delegation beim Wort. Und die politische Gegenforderung der Deutschen entschieden ablehnend, verlangte er die Zahlung. Go blieb die deutsche Delegation auf den drei Mil­liarden hängen und mußte auf ihre politische Ge- gensorderung restlos verzichten.

So ist denn in Deutschland — außer Herrn v. Papen und seinem Kabinett — niemand mit dem Ergebnis von Lausanne zufrieden. Auch die Par­teien, die das Kabinett Papen in den Sattel ge­hoben haben, die Deutschnationalen und die Na­tionalsozialisten, machen lange Gesichter und miß­billigen die verfehlte Taktik der Unterhändler, die sie an Brünings Stelle nach Lausanne gehen lie­ßen.

Das, was uns in Lausanne gefehlt hat, war eben Brüning. Hundert Meter vor dem Ziel wurde er aus dem Hinterhalt gefällt, weil andere ernten wollten, was Brüning gesät hat. Aber die schwa­chen Nachfolger vermochten das Erbe nur schlecht zu verwalten. Einiges fiel ihnen von selbst in den Schoß. Doch in dem, was in Lausanne noch zu leisten gewesen wäre, haben sie eine große Ent­täuschung mit nach Hause gebracht. Sie haben enttäuscht, obwohl diese Konferenz von Brüning glänzend vorbereitet war, obwohl unseren deutschen Delegierten der Weg vorgezeichnet und geebnet war, wie noch nie seit dem Kriegsende, obwohl die Heimat geschlossen hinter unseren Wortführern stand und die gegenwärtige Opposition ihnen keine Knüppel zwischen die Beine warf, wie das die frü­here „nationale" Opposition zu tun pflegte.

Im Gegenteil: die Opposition hat eine Haltung eingenommen, die die Position unserer Verhand­lungsführer nur stützen und stärken konnte. Und als es bekannt wurde, daß in Lausanne von Kom­pensationen gesprochen wurde, da hat die Zen­trumspresse, allen voran die

„kölnische Volkszeitung", warnend ihre Stimme erhoben und mit allem Freimut auf die verhängnisvollen Folgen eines solchen Angebotes hingewiesen. Zum Dank dafür wurde das Blatt für drei Tage verboten. Staunen und Entrüstung ging nicht nur durch die Reihen des Zentrums, sondern auch aller derer, die die Bedeutung einer verantwortungsbewußten Opposi­tion und einer freimütigen Pressekritik zu würdi­gen wissen. Der Schlag gegen das führende Blatt ist allerdings auf die zurückgeprallt, die den Schlag führten. In Scharen strömten der „Köln. Volks­zeitung" neue Abonnenten zu, nach Tausenden zählten die brieflichen und telegraphischen Beifalls­kundgebungen, die das Blatt erhielt, und fast die gesamte Presse der verschiedensten Richtungen ließ keinen Zweifel darüber, daß sie mit ihrer Sympa­thie nicht auf feiten der sehr empfindlichen Reichs­regierung, sondern des verbotenen Blattes stand. Das katholische Volk aber hat das Signal verstan­den: Schon einmal setzte eine kulturkämpferische Negierung alles daran, die Zenrumspresse mund­tot zu machen. Aber gerade damals ist die katho­lische Presse erstarkt. Treu standen die deutschen Katholiken zu ihren Wortführern Und wenn sie nicht anders gegen ihre Feinde sich wehren konn­ten, dann taten sie es am Tage der Wahl: Am 31. Juli bietet sich eine Gelegenheit, mit dem Stimm­zettel dem Kabinett der Ostelbier die Antwort zu geben. Wir tun es! Jetzt erst recht! Wir wählen Brüning!

äs hat Brüning für die Landwirtschaft getan?

Von der Wirtschaftskrise sind alle Wirtschafts­kreise betroffen im Inlands sowohl im Auslande. In allen Ländern klagt die Landwirtschaft über ihre schwierige Lage, über Absatznöte und Preis­stürze, und im Auslande sind die Agrarpreise durchweg erheblich tiefer noch gesunken als in Deutschland Trotz alledem ziehen die Rechtsradi­kalen im Lande umher und suchen die Agrarkrise damit zu erklären, daß die Regierung Brüning nichts für die Landwirtschaft getan hätte. In Wirklichkeit sind noch von keiner Regierung und von keinem Lande so umfangreiche Agrarmaß­nahmen getroffen worden wie in Deutschland un­ter der Regierung Brüning. Aus der Fülle dieser

Im Preußischen Landtag

haben die Nationalsozialisten eine böse Nieder, läge erlitten. Im Bunde mit den Kommunisten wallten sie eine Amnestie (Straferlaß) für alle po­litischen Verbrechen durchsetzen. Nachdem der Staatsrat eine solche in der heutigen unruhigen Zeit verhängnisvolle Maßregel abgelehnt hatte, wäre im Landag eine Zweidrittelmehrheit für das Amnestiegesetz erforderlich gewesen. Trotz der Bundesgenossenschaft der Kommunisten und der Deutschnationalen, trotz aller Drohungen der ßanik tags-Nazi fielen sie bei der Abstimmung durch. Darob noch größerer Lärm auf der extremen Rech, ten. Anstatt zu arbeiten, stimmten die Nazis wie- der ihr Host-Wessellied an, die Komunisten fangen natürlich ihre moskowittschen Strophen dazwischen, unter dem schönsten Lärm flog die Landtagssitzung auf. So sehen die Retser Deutschlands aus! So arbeiten für Deutschlands Wiederaufbau jene Leute, denen heute Hunderttausende, ja Millionen in unglaublicher Verblendung nachlaufen. Wird der 31. Juli eine Wendung bringen zum Besseren? Wir hoffen auf den gesunden Sinn des deutschen Volkes! Nicht Hitler, der Lautsprecher Europas, der politische Dilettant, der Mann, der selbst nicht weiß, was er will, wird uns retten. Wenn etwas noch uns retten kann, dann ist es der Geist eines Brüning, der Geist der selbstlosen, zielsicheren, fon- sequenten Arbeit. Ihm folgen wir als unserem Be­sten! Brüning muß siegen, weil Deutschland leben muß!

Niedriger hängen!

In Berchtesgaden hielt Hitler, der als Braun­schweigischer Regierungsrat für die Braunschwei­gischen Wurstfabrikanien Absatzgebiete suchen soll, dieser Tage eine seiner alltäglichen Reden. Man ist gewohnt, daß er seinen Mund sehr weit auftut. Beiläufig erwähnen wir den großsprecherischen Aus. ruf, den er dort tat: „Der Vertrag von Lausanne, der uns eben mit 3 Milliarden aufgebürbet wurde, wird uns in sechs Monaten nicht mehr mit 3 Mark aufgebürbet werden." Ei, Herr Hitler, wer hat denn dem Kanzler von Papen in den Sattel ge­holfen und ihn so anstelle von Brüning nach Lau­sanne geschickt? — Aber worauf es uns hier an. kommt, ist ein anderer Satz der Hitlerrede in Berch­tesgaden: „Die bisher uns führten, werden beur­teilt, wie man Landesverräter, Meuterer und De­serteure wertet, weil sie das Vertrauen, den Glau­ben und die Hoffnung vernichtet haben." Also Männer wie Wilhelm Marx und Heinrich Brüning müssen sich von einem aus Braunau stammenden, in Bayern wohnenden, in Berlin beamteten, von Braunschweig besoldeten und überall hcrumreisen- den Dilettanten in der schändlichsten Weise beschimp­fen lassen? Sich beschimpfen lassen von einem Mann, der erst mal zu beweisen hat, ob er mehr versteht, als die gröbste demagogische Agitation! Wir verstehen es, wenn ein westfälisches Blatt voll ehrlicher Entrüstung es eine bübische Geme ia- helt nennt, Brüning als Landesverräter, Meute­rer und Deserteur zu beschimpfen.

Maßnahmen seien nur die folgenden für sich selbst sprechenden Tatsachen angeführt.

Maßnahmen der Zoll- und Handelspolitik.

Die Zölle auf landwirtschaftliche Produkte wur­den in weitestgehendem Maße erhöht, so daß sie vielfach prohibitiv wirkte^ und jede Einfuhr un­möglich machten, insbesondere bei Getreide. V'eh, Fleisch und Zucker. Zahlreiche Zollnotverordnun­gen wurden erlassen, welche Zollerhöhungen, Va- lutazuscblagszölle und Kampfzölle enthielten. Die Zollerhöhungen vermochten sich nur dort nicht aus» zuwirken, wo Handelsoertrachiche Zollbindungen bestanden.