Joseph iw als Geselle. Der Schreinermeister Bauer, also gewissermaßen "Dauer l^ lieferte den größern Teil der in seiner Werkstatt« Hergestel - ten künstlerischen Möbel an ein großes „Möbelhaus" in Augsburg. In der Schule vertrugen sich die beiden „Dauer Joseph" ganz gut mit einander, waren auch im Allgemeinen nicht ganz lercht von einander zu unterscheiden. Nur in den schulischen Leistungen gingen sie ziemlich weit verschiedene Wege: Der „Dauer Joseph H", also der Schreiner- gehilsenssohn war mehr begabt als sein Namenskollege, der Schreinermeislerssohn „Bauer Joseph I". Dieser tat sich auf Geschäft, Haus und Geld seines Vaters etwas mehr zugute, als es gut und notwendig war.
Noch Eines mu^ ich voraussihickc-n: Mir, dem Katecheten, waren die Namen „Bauer Joseph I" und „Bauer Joseph li" etwas zu trocken, zu bürokratisch. Darum nannte ich in und außer der Religionsstunde den „Einser" einfach den „Bauer Pepi" und den „Zweier" den „Bauer Sepperl". Dies zur notwendigen Erklärung zum Voraus!
Nun war damals im Vorbereitungs-Unterrichte für die hl. Firmung die letzte Roligionsstunde gekommen. Ich hatte mich wie gewöhnlich bei den Buben erkundigt, wer von ihnen etwa noch keinen Firmpaten habe „auftreiben" können. Und siehe da, es meldeten sich diesmal gleich vier Firmpaten- lose. Ihnen wollte ich selber den Firmpaten machen. Und darum sagte ich ihnen, wie ich das auch in den Vorjahren tat. sie sollten sich während bei Firmungspredigt, die gewöhnlich mich traf, schön an der Kanzelstiege zusammenstellen. Wie die Predigt vorbei sei. würde ich dann gleich mit ihnen zur eigentlichen Firmung gehen. Nach Schluß derselben aber würde ich die Buben als Ersatz für den mangelnden Firmpaten zum Mittagessen führen und dann nachmittags einen kleinen Ausflug mit ihnen unternehmen O wie froh glänzten da den verlassenen vier Firmlingen die Augen!
So war denn der Tag der hl. Firmung ge- kommen. Als ich mich nach der Pontifikalmesse des damaligen Erzbischofes und Kardinals Franz von Bettinger zur Predigt anschickte, traf ich gemäß unserer Vereinbarung unter der Kanzel meine vier „Patenlosen", darunter auch den Bauer H, also den Schreinergehilfensohn Dauer Sepperl. Nach der Predigt aber waren zu meinem Staunen aus den vieren gar fünf geworden. Mit heißen Tränen im Auge stand nämlich zu meiner größten Verwunderung auch Bauer Joseph I, der Schreinermeisterssohn, ratlos und klagend an der Kanzelstiege. Und doch hatte er wiederholt sich gerühmt, daß er einen „sehr reichen Fabrikanten aus Augsburg" zum Paten bekomme, der ihn mit noblem Zweispänner abholen und ihm einen famosen Firmungsschmaus spendieren wolle. Auch kriege er eine schwer goldene Uhr und nachmittags gebe es einen großartigen Ausflug und was Halt fo hochgespannte Träume eines vermoglichen Firm- Ungs find.
Ueberrascht nun darüber, daß auch der Schreinermeisterssohn ohne Firmpaten sei, nahm ich den heftig weinenden Buben zunächst einmal mit mir in die Sakristei und fragte ihn aus: „Nun, was ist's denn mit deinem Firmpaten, Bauer Pepi?"
Vor Weinen kaum verständlich, stieß der Bub heraus: „Ich weiß es nicht. — Er hat geschrieben, daß er ganz bestimmt nach 8 Uhx von Augsburg her in der Kirche eintreffen werde." Jetzt war es aber schon 9 Uhr vorbei und der Pate war noch nicht da. Ich suchte darum meinen Pepi zu trösten, daß vielleicht der Zug sich verspätet habe. Aber all mein Zureden war umsonst. Armer Pepi, tröste dich! Ich werde deinen Augsburger Firmpaten schon in der Kirche draußen finden.
„Wie sieht er denn eigentlich aus?"
„Das weiß ich nicht", war die Antwort, „ich hab ihn noch nie gesehen. Er ist ein Fabrikant." Sa- perlot, das war wenig genug. Was sollte ich dènn mit solch ungenügenden Angaben anfangen!
„Ja, habt ihr euch denn nicht irgendwo in der Kirche an einem Treffpunkt zusammenbestellt?"
„Der Vater hat ihm geschrieben, er soll zur Kanzelstiege kommen."
Also gut: Ich nahm also den immer noch Weinenden zu den andern vier Buben zur Kanzelstiege mit, gab aber zuvor dem Mesner den Auftrag,
einen etwa nach seinem Firmling fragenden Augsburger Herrn an mich, beziehungsweise an die Kanzelstiege zu weisen.
Dort warteten schon die andern Viere Und da halt der reiche Augsburger Herr sich nicht sehen ließ, reihte ich mich mit den fünf Buben unter die Firmreihen ein. Nachdem der Bischof sie gesalbt hatte, wobei der hartgeprüfte Pepi einen tiefen zitternden Seufzer nicht unterdrücken konnte, stelle ich alle fünfe wieder an der Kanzelstiege auf und gebot ihnen, am Schluffe, nach dem Auszug des Herrn Kardinals, auf mich vor der Sakristei zu warten.
In vollen Tönen geleiteten die Glocken d'e Eminenz aus der Kirche; wir Priester kehrten zur Sakristei zurück, wechselten dort unsere Kleidung, und dann trat ich hinaus, meine Buben zum Mittagsmahle abzuholen, zudem es schon %12 Uhr geworden war.
Und siehe da: jetzt waren es nur mehr vier Firmlinge. Und zwar fehlte zu meinem größten Erstaunen nicht etwa der Pepi, also der Bauer Joseph I, sondern Seperl, der Schrcinergehilfen- sohn. Der „Einser" stand heftig weinend abseits der andern drei Buben und brachte nur eines über seine zitternden Lippen: „Er ist noch nicht gekommen" — nämlich der Augsburger Firmpate.
Auf meine Frage, was es denn mit dem Bauer Sepperl fei, erklärte einer der Buben: „Der ist abgeholt worden." Schon wollte mir ein unwilliger Gedanke aufsteigen, ob etwa ihm oder seinen Eltern mein Firmungsschmaus zu aerina sei; aber ich wollte nicht urteilen. Kurz entschlos- sens nahm ich den trostlosen Pepi mit den andern Firmlingen „in die Stadt" hinein zum Mittagessen, das ich bei den „Drei Rosen" für sie bestellt hatte. Schon während desselben trockneten allmählich die Tränen des Verlassenen. Nach dem reichlichen Mahle eröffnete ich den Buben, daß ich sie nun an den Starnberger See mitnehmen werde.
Der frohe Jubel steckte nun auch unsern Pepi immer mehr an, und als es dann gar mit dem Dampfschiff nach Berg und im frohen Wandern durch den Herrlichen Schloßpark ging, da schien der treulose Augsburger Firmpate bei Pepi in Vergessenheit geraten zu sein.
Von den Anstrengungen des Tages und von der Wanderung ermüdet, führte ich schließlich meine vier Buben nach Leoni in die dortige Restauration am See. Kaum waren wir aber unter die schattigen Kastanienbäume des Restaurationsgartens eingetreten, um uns ein Raft-Plätzchen am Seeufer zu suchen, da rief einer der Buben laut auf: „Ui jeggerl, der Sepperl hat gar an Firm- pat'n g'funden!"
Und wirklich: an einem Tisch am See-Geländer saß ziemlich verdattert unser Ausrc'ßer: Bauer Joseph II, der Schreinergehilfenssohn, spielte nervös mit einer mächtigen goldenen Uhrkette und blinzelte ziemlich hilflos auf den ihm gegenübersitzenden Herrn.
Wie kam denn der arme Bub zu solch elegantem Firmpaten? Doch das Rätsel fand gar bald seine Lösung.
Als Sepperl, durch die Rufe meiner Buben aufmerksam gemacht, uns erblickte, sagte er, fast wie erleichtert: „Das ist auch ein Bauer Joseph", und wies auf unfern Pepi, „vielleicht ist der der Rechte."
Rasch stand der Herr „Pate" auf, stellte sich mir als „Fabrikant Neumann aus Augsburg" vor und bemerkte' „Ich scheine einem Irrtum erlegen zu sein. Ich sollte den Sohn meines Lieferanten, einen Bauer Joseph, zur Firmung führen, kam infolge einer großen Zug-Verspätung erst gegen Ende der Firmung zur Gicsinger Kirche, ging — wie mir Herr Bauer geschrieben — zur Kanzel- stiege und nahm nach der Frage nach einem „Bauer Joseph" diesen Buben in Empfang." Und dann berichtete er, immer noch mit einem gewissen Unbehagen, wie er sein vermeintlich-es Firm- tind im Glauben, es fei des Schreinermeisters Sohn, einfach kurzer Hand in den bestellten noblen Zweispänner mitgenommen habe und mit ihm erst ins Hotel zum Firmungsschmaus und dann mit der Bahn nach Starnberg gefahren sei, nachdem er dem vollständig Ueberraschten eine schwer goldene Uhr mit Kette überreicht habe. „Der Bub
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sprach erst gar nichts, sträubte sich dann sogar gegen das Firmungs-Geschenk und erst jetzt, da ich ihn nach seinen Eltern ausfragte, komme ich darauf, daß sein Vater nicht Schreinermeister, sondern Schreinergehilfe sei, der freilich für mein Augsburger Geschäft arbeite." Und dann ließ sich der Fabrikant schwer in den Sessel fallen mit dem Seufzer: „Jetzt kenne ich mich überhaupt nicht mehr aus." Und mit einem scharfen Blicke wandte er sich an den Firmling, der nun zu weinen anfing: „Sag mal auf Ehr': Bist du wirklich der Bauer Joseph?"
Ehe noch dieser antworten konnte, klärte ich, dem jetzt ein großes Licht aufging, den Augsburger Fabrikanten dahin auf, daß es eben unter meinen Firmlingen zwei Bauer Joseph gäbe, und daß er anscheinend statt des „Einser" den „Zweier" erwischt habe.
Wir setzten nun uns alle sieben, zwei Paten und fünf Firmlinge, an den langen Tisch, und bei gutem Kaffe und Kuchen klärte sich schließlich der Irrtum restlos auf. Der Dauer Pepi, also der „Einser", war während des Auszuges des Herrn Kardinals ganz nervös geworden, hatte den Platz an der Kanzelstiege verlassen und hatte sich, seinen Firmpaten suchend, unter die sich hinter dem Bischof nachdrängende Volksmenge gemischt und war dann, als sein Suchen erfolglos geblieben, weinend zum Sakristei-Ausgang geeilt, wo ich ihn ja dann trostlos aufgesunden hatte. Zur gleichen Zeit aber hatte der Augsburger Fabrikant beim rechten Seitentor die Kirche betreten und verabredungsgemäß an der Kanzelstufe aus den dort harrenden vier Buben den „Bauer Joseph" erfragt und gleich mitgenommen, freilich den falschen.
Unterdessen waren die drei andern Firmlinge welche an der Verwechslung nicht interessiert waren, zu einem Spiel ans Seeufer gelaufen und konnte ich nun in der weiteren Aussprache mit dem Fabrikanten alle Verwirrungen und Irrungen lösen. Nur den Sepperl drückte noch etwas: Langsam, zögernd, mit Trauer im Auge, löste er die „schwer goldene Kette" samt der schönen Uhr und schob sie seinem Kameraden über den Tisch hinüber zu: „Dann gehört die Uhr nicht mehr mir, sondern dem Pepi."
Ich hatte natürlich meinen Firmlingen keine Uhren kaufen können. Sepperl also hatte nur auf etliche Stunden sich seines Geschenkes freuen können.
Ich legte schmunzelnd die Hand auf Uhr und Kette und sandte dann die beiden „Bauer" zu den anderen drei Buben an den See hinab. Da nun die Luft rein war, konnte ich den Fabrikanten über den Bauer Sepperl vollends aufklären, daß er arm sei, daß sein Vater, weil lungenkrank durch den Säg-Staub, nur wenig arbeiten könne, daß aber Sepperl mein begabtester und auch mein fleißigster und bravster Schüler sei.
Still versonnen hörte der Augsburger Herr mich an und sagte dann nach kurzem Besinnen nur: „Nun, auch recht!"
Und als dann bald darauf bie Buben vom Spiel zurückkamen und wir mit dem Dampfer zurückfuhren, da nahm ber Fabrikant die beiden Bauer Joseph zu sich und erklärte dem Sepperl: „Ich bin nun einmal dein Firmpate, also behalt die Uhr! Der andre bekommt eine gleiche."
Am nächsten Tage machte der „Herr Pate" bei beiden Dauer-Familien Besuch: beim Schreiner- meister entschuldigte er feine Versäumung und ließ dem jetzt wieder getrösteten Pepi eine gleich schöne Uhr zurück; beim Schreinergehilfen erklärte er, daß er sich um seinen Sohn weiterhin annehmen werde. Und er hat Wort gehalten. Er ließ den Sepperl studieren, und heute ist dieser ein tüch-
3n der heutigen schweren Zeit ist die Hausfrau oft genötigt, zu billigeren Lebensmitteln zu greifen, als sie es früher gewohnt war. Hauptsache ist die Sättigung der Familienmitglieder; auf die Güte der Gerichte kann weniger Rücksicht genommen werden, hier ist Maggi's Würze das Zaubelmittel in der Hand der Hausfrau, Suppen, Ragouts, Kartoffelgerichten, Gemüsen, Salaten und Soßen jene Vollmundigkeit zu geben, die auch das einfachste Gericht zum schmackhaften Mahl macht.