N We Letzteren sollen nach iw Wahl das Ka- binett Schleicher - Papen unterstützen, und „dafür werden den Nazis die Länder überlassen". Das gefährliche Spiel mit dem Gedanken, in Preußen einen Reichskommissar einzusetzen, wird letzt in seinen Hintergründen klar. Es war alles schon ab- a er artet nur werden inzwischen gewissen Stellen die Grenzen ihrsr Macht wohl klar geworden sein. Der einmütige Widerstand aller deutschen Länder geg-n die Reichskommissariatspläne hat den Kreisen um Schleicher das Konzept verdorben. Alles zusammen genommen darf man einen ehrlichen Schrecken empfinden über die Wirksamkeit der unverantwortlichen Kreise, die das Kabinett Brüning gestürzt und den neuen Kurs ein- gelaitet haben. Bei dem Schrecken darf es allerdings nicht bleiben. Das deutsche Volk weiß jetzt, was gespielt wird und was am 31. Juli zur Entscheidung steht, die Frage nämlich, ob das politische Schicksal des deutschen Volkes auch weiterhin von Männern bestimmt werden soll, deren Einfluß nicht auf anerkannte Führer-Qualitäten und offenkundige Verdienste um das deutsche Volk zurückgeht, sondern auf eine unberechtigte, nicht in der Verfassung begründete Usurpation, oder ob das Volk sein Geschick in die Hände von Männern und 'M Parteien legen will, deren Ziel man kennt, und die jede Politik des Abenteuers weit von sich weisen.
Geh. Lberregienmgsrat Heuschen t.
In Geldern starb während eines Pesuches bei seinem Schwiegersohn, Landrat Klüter, der Geheime Oberregierungsrat Ministerialrat L R. Josef Heuschen im Alter von fast 75 Jahren. Er hat den Heimgang seines Schwiegersohnes, des hochverdienten Zentrumsführers Josef Heß, nur um wenige Monate überlebt.
Im Rheinland geboren, war der Verstorbene
} zunächst mehrere Jahre Leiter einer höheren Lehranstalt in Köln, kam dann an die Regierung in Düsseldorf und wurde 1905 in das Kultusministerium in Berlin berufen. Hier wirkte er in der großen Volksschulabteilung, er als einziger katholischer Geheimrat, ein halbes Menschenalter hindurch. Die Anerkennung seiner Behörde zeigte sich darin, daß man auf i^i die Ausnahmevorschrift des Altersgrenzgesetzes anwandte und er im Staatsinteresse auch nach Vollendung des 65. Lebensjahres im Amte blieb. Mit Umsicht und Tatkraft hat er an der Förderung des Schulwesens gearbeitet und sich immer als warmer Freund der katholischen Schulen und ihrer Lehrer erwiesen. Bei seinem Ausscheiden aus dem Amt im Jahre 1924 wurden ihm zahlreiche Ehrungen und Dan- kesbezeugungen der katholischen Lehrerschaft und der Katholiken Preußens zuteil.
Der Heimgegangene liebte die bescheiden- zurückgezogene Art. Er war ein Vorbild treuester Pflichterfüllung und peinlicher Gerechtigkeit in in der Wahrnehmung seiner dienstlichen Obliegenheiten. Josef Heuschen war nicht nur ein glänzender Pädagoge, nein, was höher steht, er war zugleich das Vorbild einer charaktervollen und vornehmen Persönlichkeit. Niemals hat er das geringste Hehl daraus gemacht, daß er überzeugter Katholik und Anhänger der Zentrumspartei sei. Er ist einer von den ganz wenigen, von denen die Zentrumspartei auch in Zeiten, wo es nicht ganz leicht war, sich zu ihr zu bekennen, wußte, was sie an chnen hatte. Und mit seiner Partei hat er den großen Schritt aus der Vergangenheit in die Gegenwart gemacht, ohne auch nur eine Sekunde irre an ihr zu werden. Dafür danken ihm die Katholiken an seiner Bahre nochmals von ganzem Herzen, sie betrauern in seinem Heimgang den Verlust eines ihrer wertvollsten und treuesten Söhne.
Katholisches voll! Sei aus der Wacht!
Kardinal Faulhaber erschien dieser Tage bei dem katholischen Jugendtreffen in Rosenheim und sagte in seiner ^Ansprache: „Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Vielleicht wird man auch bei uns in Ueberfchähung der eigenen Waffen die kath. Jugendorganisationen auflösen und verbieten, wie dies jenseits der Alpen geschah. Sollte diese Stunde kommen, dann haben wir uns die Treue
und den Geist zur katholischen Jugendbewegung an Tagen wie heute in Rosenheim getrost, um die prüfende Stunde zu bestehen, wenn sie kommen sollte. Der Herr der Heerscharen segne eure Banner!"
Brüning und das Handwerk.
Interessant ist, was jetzt der frühere Reichstagsabgeordnete Obermeister C. F r e y b e (Stettin), ein sehr kenntnisreicher Handwerkerführer, in der Fleischernerbandszeitung vom 22. Juni 1932 schreibt. Dort sagt er in einem Artikel, „Die Richtlinien zum Lebensmittelgesetz" über Brüning folgendes: Politisch mag man zu dem Reichskanzler Dr. Brüning gestanden haben, wie man will; das eine steht jedoch für den fest, der des öfteren Gelegenheit gehabt hat, mit ihm solche Fragen zu besprechen: Er ist ein Mann aus dem Volke, und als solcher hatte und zeigte er auch volles Verständnis für die Nöte und Sorgen anderer, wenn ihm dieselben in überzeugender Weise unterbreitet wurden. Kein Autokrat, sondern ein Staatsmann, der gerade in solchen Fällen den richtigen Weg suchte und ging. In Konsequenz einer solchen Einstellung hat der Herr Reichskanzler Dr- Brüning den Herrn Reichsminister des Innern dann auch gebeten, möglichst bald eine Besprechung mit den Vertretern der beteiligten Berufs- und Fachverbände einzuleiten und des weiteren demselben die wichtigsten Aenderungen mitgeteilt, welche Handel und Gewerbe wünschten. Durch den Sturz der Regierung Dr. Brüning ist diese hoffnungsvolle Entwicklung leider wieder schnell zerstört worden."
And die neue Regierung?
In dem Artikel wird dann weiter von Freybe mitgeteilt, daß der neue Reichsminister des Innern, Frhr. von Gayl, nicht in derselben Weise Entgegenkommen gezeigt habe. Auf einen Brief Freybes antwortete der Reichsinnenminister so, daß Freybe «dazu folgendes bemerkt: „Die Antwort bedeutet eine einzige, besonders in ihrem Schlußsatz überaus brüske Absage auf die lebenswichtigen Forderungen weiter kreise in Handwerk, Handel und Gewerbe . . . Wie so oft schon, steht auch dieses Kabinett völlig Verständnis- und teilnahmslos unseren subjektiv betrachteten wichtigen Forderungen gegenüber."
Landvolk und Kabinett Papen.
„Trotz der Aenderung des Systems!"
Das Nachrichtenblatt der Christlich-Nationalen Bauern- und Landvolkpartei gibt in feiner Nummer 24 feiner großen Enttäuschung über die erste Notverordnung der neuen Reichsregierung mit folgenden Worten Ausdruck:
Die erste Notverordnung des Kabinetts von Papen ist eine bittere Enttäuschung für alle, die sich der Hoffnung hingaben, daß eineibloße Aenderung des Systems dem deutschen Volke wirtschaftliche Entlastungen bringen würde . . .
Uaberaus bedenklich ist die offenbare Verzögerung und Verkürzung des Siedlungsplanes der alten Regierung. Sie wollte bekanntlich durch eine große Auffangorganisation sehr bald das für eine Ostsiedlung größten Maßstabes nötige Land sicherstellen, durch eine Prämienanleihe in gleichem Tempo die notwendigen Mittel beschaffen; neben der Prämienanleihe, die auch anderen Zwecken der Arbeitsbeschaffung dienen sollte, mar auch an direkte Reichszuschüsse für die Siedlung gedacht. Die Notverordnung des neuen Kabinetts sagt über die Frage, was mit den Sicherungsbetricben geschehen soll, deren Entschuldung sich nach dem bestehenden Gesetz als unmöglich erweist, noch gar nichts, für Siedlungszwecke aber werden, bei völligem Verzicht auf eine Prämienanleihe oder andere Versuche zur Geldbeschaffung, für das erste Jahr nur 50 Millionen in den Reichshaushalt eingestellt. Das bedeutet einen bündigen Verzicht auf den Plan der alten Regierung, alsbald mit einer Ost- fiedtung im großen Zuge zu beginnen. Das deutsche Landvolk erhebt gegen diesen Verzicht schärfsten und grundsätzlichsten Widerspruch: denn es weiß, daß mit einer Ostsiedlung von dem Ausmaß, wie der Landvolk-Minister Schlange-Schöningen sie bereits grundlegend vorbereitet hatte, der deutsche Osten selber steht und fällt!
Ebenso scharf muß das deutsche Landvolk der Aufhebung der Umsatzsteuerfroiheit für die Umsätze
Nummer 28 / Sette 7.
bis zum Gesamtbeträge von 5000 Mk. widersprechen ... Da die bäuerlichen Betriebe ganz vor« wiegend Vieh und tierische Produkte verkaufen, die dem vollen Steuersatz von 2 v. H. unterliegen, so bedeutet das eine durchschnittliche Reu- belasinng der klein- und mittelbäuerlichen Betriebe von 40—50 Alk. Die gesamte Mehrbelastung dieser Bauernwirtschaften wird auf 20 bis 25 Millionen Mk. geschätzt; und diese Aeubela- stung erfolgt in einer Zeit, wo die bäuerliche Veredelungswirtschaft ohnehin am Rande des Abgrundes steht.
Wir wissen, in welchem Maße leider auch das deutsche Landvolk schließlich der Behauptung geglaubt hat, es könnte für den deutschen Bauer „nicht mehr schlechter kommen"; ebenso wie der Behauptung, man brauche nur das System zu ändern, dann würde es für den Bauern wieder besser. Jetzt sehen die Verblendeten, daß die, denen sie glaubten, falsche Propheten waren: Kaum, daß in der Reichsregierung kein Landvolkminister mehr saß, ist es sofort viel schlechter für die deutschen Bauern gekommen, ist neben schwerwiegenden praktischen Verschlechterungen, wie bei der Umsatzsteuer, in der Siedlung, die eine bäuerliche wie zugleich nationale Lebensfrage ist, eine grundsätzliche Verschlechterung eingetreten, die von verhängnisvoller Bedeutung sein kann. Trotz der Aenderung des Systems!"
Zettgemätze Gedanken.
Von Georg Hosenfeld +.
Das Versunkenfein ins Irdische ist nach Papst Benedikt XV. die letzte Ursache des Weltkrieges gewesen. Wiederholung dieser Ursache erzeugt netto Kriege. Man sollte meinen, die nur wirtschaftende Menschheit müsse größten Wohlstand und dauernden Frieden erreichen; die Erfahrung aber lehrt das gerade Gegenteil. Damit ist bewiesen, daß für das Gedeihen der Menschheit unbedingt noch ein Gesetz bestehen muß, dessen Befolgung Wohlstand und Frieden sicher fördern kann. Dieses Gesetz hat Christus mit den Worten gegeben: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, das Uebrige wird euch Alles zugegeben werden."
Die Mißachtung dieses Gebotes erzeugt Unfrieden und Kriege, wie ja der Weltkrieg bewiesen hat. Die Not, die ihm folgte, muß die ganze Welt verspüren. Die Schuld daran sollte jede Nation in ernster Gewissenserforschung zunächst bei sich selber suchen. Wandel kann nur kommen, wenn allgemein zuerst das Reich Gottes gesucht, Gottesfurcht geübt wird.
Die Friichte davon werden Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit und Genügsamkeit sein. Da wird der Arme nicht durch reiche Prasser (die dann fahlen) erbittert werden. Fehlt die Gottesfurcht bei den Bemittelten, so wächst die Rachsucht bei jenen Armen, welche den Unglauben der Bemittelten nachahmen; ihnen zum Fluche, weil sie schlechtes Beispiel gegeben haben. Diesen Fluch abzuwenden, müssen die Besitzenden zuerst wieder Gottesfurcht üben; da ohne diese die durch die Schuld Reicher ungläubig gewordenen Armen nicht wieder gläubig und friedfertig gemacht werden können. „Worte belehren — Beispiele reißen fort." Man täusche sich nicht, die unnatürliche An- fammlung riesenhafter Reichtümer an Geld (dem öffentlichen Blute) in den Händen weniger, die zuerst das Irdische, nicht das Ewige gesucht haben, wird diesen Geldleuten zum Verderben gereichen, wie die Geschichte schon mehrfach bewiesen hat. Gerade die üblen Folgen, welche die Mißachtung des Gebotes Christi: „Suchet zuerst das
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