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Seite 2 / Nummer 2S._________ äßodje sich wieder rankt. Von der Predigt zehre ich die ganze Woche, sagte jüngst ein biederer katho­lischer Handwerker.

Der Talpfarrer.

Gib Rechenschasti

Zum 8. Sonntag nach Pfingsten.

Wohl nichts hat Christus während seines öf­fentlichen Wirkens häufiger und eindringlicher be­tont als die Wahrheit, daß unser Leben nur eine Vorbereitung auf das ewige Leben ist. Die Pa­rabel des Herrn, die das heutige Evangelium er= zählt, zeigt uns diesen Grundgedanken der Hei­landspredigt in ihrem ganzen tiefen Ernste. Es ist das Gleichnis vom ungetreuen Verwalter.

Der Mensch, ein Verwalter Gottes! Unsere ir­dische Aufgabe kann nicht treffender bezeichnet werden. Das ganze Erdenleben hat keine andere Bedeutung als die einer Verwaltung, die der gött­liche Hausherr einst prüfen wird. Die Machthaber der Erde sind Verwalter Gottes, in dessen Dienst sie die Völker zu leiten haben. Die Priester sind Verwalter Gottes, dessen Heilsgeheimnisse und Gnadenschäße sie zu hüten und den Menschen mit- zuteilcn haben. Die Eltern sind Verwalter Got­tes, in dessen Namen sie über Leib und Seele ihrer Kinder zu wachen haben. Der führende Staats­mann und der niederste Knecht, der Millionär und der Bettler, der Arbeitgeber und der Arbeitneh­mer, sie alle sind nichts anderes als Verwalter Got­tes. Verschieden groß ist der Verwaltungsbezirk, verschieden schwer die Verantwortung; aber ein we­sentlicher Unterschied bestecht da nicht. Denn kein Mensch ist so arm und gering, so niedrig und ver­gessen, daß Gott ihm nicht Gaben des Körpers und Geistes verliehen hätte, damit er mit ihnen wirke und arbeite nach dem Willen seines höchsten Herrn.

Und so kommt auch für jeden von uns die Stunde, da der ewige Hausvater ihn zu sich be­rufen wird: „Gib Rechenschaft von deiner 23er- waliung!" Ein Wort, das in feinen Folgerun­gen unsere ganze Stellung zu Gott klarlegt. Um dieses Wortes willen haben manche Menschen den Glauben an Gott ausgegeben. Sie wollen keinen Gott, weil sie den Tag der Rechen­schaft zu sehr fürchten müssen. Aber mit Leugnen können wir weder Gott noch seiner Rechenschafts­forderung entfliehen.

Wie aber steht es da mit uns? Fehlt nicht auch uns gläubigen Christen vielfach das lebende Bewußtsein unserer steten, täglich sich erneuernden Verantwortlichkeit Gott gegenüber? Wenn heute, wenn in diesem Augenblicke der göttliche Hausherr das Konto unseres Lebens abschlösse und uns sagte: „Gib nun Rechenschaft!" — müßten nicht dann auch wir uns in tiefem Bangen fragen: „Was soll ich tun, da mein Herr mir die Verwaltung abnimmt? Würde uns dann nicht erschreckend klar, daß wir unser ganzes Leben gar zu irdisch aufgefaßt haben? Daß wir unsere Berufspflich­ten oft nur deshalb erfüllt haben, weil wir eben wußten, daß wir damit unser Leben erhalten ha­ben, niM aber an erster Stelle deshalb, weil Gott uns diesen Pflichtenkreis gegeben hat? Gerade daran aber tollen wir denken; denn das Verhält­nis unserer Lebensarbeit zu Gott als unserm höch­sten und eigentlichen Arbeitgeber ist der maßge­bende Gesichtspunkt, nach welchem der Herr un­ser Werk prüft und beurteilt. Diese Wahrheit will Jesus uns durch sein Gleichnis vor Augen halten.

Das Verhakten des ungetreuen Verwalters ist in dem einen, entscheidenden Punkte wegweisend für uns: Er rüstet sich für die Stunde der Re­chenschaft. Die Art und Weise, wie er das dro­hende Unheil abzuwenden sucht, kann gewiß nicht als vorbildlich bezeichnet werden. Es ist ja nur ein neuer Betrug, den er an seinem Herrn begeht. Aber von seinem rein irdischen, nur auf den eige­nen Vorteil gerichteten Standpunkte aus, der keine Gewissensbedenken kennt, handelt er mit sehr klu­ger Berechnung. Diese Klugheit, diese sorgende Voraussicht und Vorbereitung für die Abrechnung ist es, die der Herr lobend anerkennt, wenn er auch die dabei verwandten Mitte! nicht billigen kann.

Und solche Klugheit empfiehlt uns der Heiland zur Nachahmung: Denn „in ihrer Art (d. h. zur Er­langung irdischer Vorteile mit ungerechten Mitteln) sind die Kinder dieser Welt klüger als die Kinder des Lichtes." Die Klugheit des Verwalters bestand in der entschlossenen und tatkräftigen Benutzung der Zeit und Mittel, die ihm noch zur Verfügung standen. Darin — aber auch nur darin! — ist er vorbildlich für uns. So sollen wir an die Ewig­keit denken, wie er an die Zeit der Abrechnung dachte. So sollen wir die Lebensfrist, die uns noch gegeben ist, benutzen, um uns Freunde und Helfer im Jenseits zu gewinnen, wie der Verwalter es in seinem Wirkungskreise tat. Unser Denken und Handeln darf sich eben nicht an der irdischen Le- bensgrcnze sein Ziel stecken, sondern muß in die Ewigkeit hinüberreichen. Wenn wir so handeln, dann werden wir von selbst jeden Tag unseres Le­bens auf die große Rechenschaftsstunde vor Got­tes Gericht einstellen. Das geschieht praktisch durch die täglich erneuerte Gute Meinung am Morgen u. die regelmäßige Gew'ssenserforschung am Abend. Diese beiden Akte sind von unabsehbarer Bedeu­tung für unser inneres Leben. Durch sie erhalten wir in uns immer die Erkenntnis, daß wir im

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I Abend. I

$ Von Johannes Feldmann. 5 5 kühler Hauch weht übers Feld. 5

5 „Amen!" flüstert müd' die Welt. V $ harte Fron hat nun ein Ende. § § Dankbar falten wir die Hände, $ $ leise sich die Lippen regen, $ § sprechend fromm den Abendscgen. — $ I Auch mein Kindlein lallt verzückt: $ I „Amen!" paradiesentrückt, $ $ noch ein Lächeln auf den Wangen, $ H dann in tiefem Schlaf befangen. — §

$ And ein Englein im Gemache §

5 „Amen!" sagt und hält die Wache, $

H hat den ganzen Himmel bracht $

X uns in selig' stiller Nacht. — $

x Draußen rauschen leis die Bäume. x

x Süße, liebe Kindertröume ä

x gleiten mit dem Wondenschein x

x heimlich ins Gemach hinein, x

; und sie gingen und sie kamen, ;

I sprechend leis mit uns ihr Amen! |

eKOiKOtKXKDHtOW^XKXteioO-WOO-^NOIK-XtOHfOlKlX«

Dienste Gottes stehen, daß wir in seinem Auftrage unsere Derufspflichten erfüllen, und daß wir für jede Tat, jedes Wort, jeden Gedanken vor ihm ver­antwortlich sind. Je tiefer wir uns dessen be­wußt bleiben, je gewissenhafter wir Tag um Tag uns selbst im Angesichte Gottes Rechenschaft über unser Tagewerk geben, desto besser sind wir gerü­stet für Gottes Ruf: „Gib Rechenschaft von bei ne r Verwaltung!"

Vom heiligen Kaiser Heinrich, dessen Fest wir in dieser Woche begehen, erzählt die Legende, daß er durch zwei Worte ein Heiliger geworden sei. Als er noch Herzog war, betete er einst allein in der Kirche. Da hörte er den Ruf: „Schau auf­wärts!" Er schaute empor und sah an der Wand die beiden Worte: „Nach sechs!" Da glaubte er, daß er nach sechs Tagen sterben werde und be­reitete sich sorgfältig auf den Tod vor. Als er aber nach sechs Tagen nicht starb, erwartete er den Tod in sechs Wochen und setzte seine Vorbereitung fort. Aber auch nach sechs Wochen starb er nicht. Da nahm er an, daß ihm noch eine Frist von sechs Monaten gegeben sei und mied auch in dieser Zeit die geringste Sünde. Als sich auch diese Annahme als irrig erwies, deutete er die geheimnisvolle Schrift auf sechs Jahre und behielt feine-Lebens­weise bei. Das sechste Jahr brachte ihm aber nicht den Tod, sondern die Königskrone. Nun hörte er jedoch nicht mehr auf, sich täglich auf den Tod vorznbereiten — und wurde ein Heiliger.

Schon manchen Christen, den fein Heiligen­kalender nennt, hat der stete Gedanke an Gottes: Abrechnung beim Tode zum Heiligen gemacht. ' Möchte er auch in uns immer lebendiger sein, nicht lähmend und niederdrückend, sondern als Ansporn zu trauem, tapferem Schaffen und Wirken im be­wußten Dienste Gottes als treue Verwalter, die den Tag der Rechenschaft nicht zu fürchten brauchen,

Religion und Politik.

Julius Langbehn hat in dem klassischen Buch . „Der Geist des Ganzen" folgenden, für die äugen- = blickliche Lage der katholischen Kirche Deutschlands sehr bezeichnenden Gedanken ausgesprochen: „Mit der Gegensatzstellung: ,Hrer politischer Katholizis­mus — dort religiöser Katholizismus', einen Tren­nungskeil in das katholische Leben treiben zu wollen, ist unverantwortlich. Es ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit, eines ohne das andere zu pflegen. Die Antwort auf die bekannte Frage: Religiöser oder politischer Katholizismus? — lautet einfach: Religiöser und politischer Katho- llizismus; aber mit unbedingter Bevorzugung des religiösen Moments, und, wie entschieden zu be­tonen ist, in klär geschiedenen Tätigkeitsbezirken." ; — Wer dieses Wort Langbehns richtig versteht, , wird jenen Unrecht geben müssen, die ständig ver­suchen, Religion und Politik auseinander zu reißen ' und so voneinander zu trennen, daß unsere Reli- - gwiN verzichten solle, irgendwelchen maßgebenden Einfluß auf die politische Gestaltung des Staates : auszuüben. Ohne weiteres muß jenen Recht ge- j geben werden, die da sagen, Politik gehört nicht hinein i n die Religion. Ganz recht so! Unsere Kir­chen sollen und dürfen keine Parlamente sein, s aber auch umgekehrt sollen unsere Parlamente * keine Kirchenversammlungen sein, in denen sich Abgeordnete und Minister anmaßen, das Hoheits- j gebiet der Religion, insbesondere das der katholi­schen Kirche, zu betreten, um dort Gesetze oder Be­schlüsse herberzuführen, die ureigene Angelegenheit der katholischen Kirche sind. In diesem Sinne ! müssen die Tätigkeitsbezirke von Religion und/ Politik von Staat und Kirche wohl auseinander gehalten werden. 1

So wenig wir uns uneinig sind in dem Ge­danken, Politik nicht hinein in die Religion, so sehr müssen wir als wahrhaft religiöse und kon- i sequente Katholiken die Forderung unterstreichen: ‘ Religion, viel mehr Religion hinein in die Poli- । tU! Was wollen wir damit sagen?

Zunächst das eine, daß in die Fundamente des Staates die sittlichen, unabänderlichen Gebote der Natur die Gerechtsame Gottes und die Rechte der Krrche eingebaut werden. Leider hat sich die 21 uf» fassung weit verbreitet, als vergäbe sich die Reli- j ginn etwas, wenn sie in die politische Ebene hinein- steige. Doch dem muß widersprochen werden, denn , wenn die Religion das Gebiet des Politischen be- 1 trttt, dann erscheint sie dort, um die Rechte Gottes ' zu vertreten, und zwar zunächst den Politikern selbst gegenüber, damit diese nie darauf vergessen, wie sie in ihrem persönlichen und politischen Leben „ehrlich im Handel und christlich im Wandel" bleiben müssen, genau so, wie wir das vom Kauf­mann in seiner Betätigung verlangen.

Die Religion muß daraus bestehen, in der Politik dort respektiert zu werden, wo es sich letzt­lich und zutiefst um religiöse Fragen handelt. - Sind es aber nicht religiöse Probleme, die in der , Gesetzgebung berührt werden, in den Fragen des ! keimenden Lebens, der Kindererziehung, der Schuld Politik, der Eheschließung, der Volksbildung, der Karitas, der öffentlichen Sittlichkeit, der rechtlichen Stellung der Kirche? Soll dann etwa die katho­lische Kirche müßig beiseite stehen, wenn versucht wird, den Staatsapparat und seine einzelnen Ein- । richtungen, wie Justiz, Finanzen, Wirtschaft, Po­lizei, Schule, Volksbildung gegnerischen Welt- 1 anschauungen auszuliefern, die uns dann von dort 1 aus bekämpfen und vernichten?

Es wird viel zu sehr übersehen, daß der Ver- weltlichunqèprozeß, der in dem marxistischen Aus- spruch „Religion ist Privatsache" hinsichtlich des öffentlich-rechtlichen Lebens zum Ausdruck kommt im besonderen sich auf die Politik ausgedehnt hat und deswegen sich in vielen Ländern ausdehnen konnte, weil es im katholischen Lager irrige An­sichten gab, die die Religion von der Politik aus­geschlossen wissen wollten. Leider ist dieser Der- welllichungsbewegung auf dem Gebiet der Politik selbst von Gutmeinenden Vorschub geleistet wor­den, indem sie aus falscher Religiosität heraus die