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Sonntag, 10.3uli 1832
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 L-Vtenaig B 45 »..Pfennig sZustellgevüdr extra). Redakttansschluß Montag. Anzetgen-Preise: Colonelzelle tm AnzetgenteU 0,15 Goldmark. Colonelzell» tm Reklametetl 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Ged. 0,10 Goldmark. Porl» extra Anzeigen müssen spätestens bis Monrag morgens tm Besitz der Fuldaer Aetiendruckerel t» Fulda lein
—— Dcutf und Verlag Oer Fuldaer Aelieovraeterei. Verlagsork Fulda. —
Wochenkalender.
Sonntag. 10. Juli. 8. Sonntag nach Pfingsten. Sieben Brüder, Mart.
Montag. 11. Juli. Pius L, Papst, Mart.
Dienstag, 12. Juli. Johannes Gualbertus, Abt, Bek.
Nabor und Felix, Mart.
Mittwoch, 13. Juli. Anakletus, Papst, Mart.
Donnerstag, 14. Juli. Bonaventura, Kirchenlehrer, Bek.
Freitag, 15. Juli. Heinrich II., Kaiser, Bek.
Samstag, 16. Juli. Maria vom Berge Karmel. (Ska- pulierfest.)
Achter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Römer 8,12—17.
Evangelium. Lukas 16,1—9. Der untreue Verwalter.
In jener Zeit trug Jesus seinen Jüngern folgendes Gleichnis vor: „Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Dieser wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere seine Güter. Er lieh ihn rufen und hielt ihm vor: „Was muß ich von dir hören? Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein." Da dachte der Verwalter bei sich: „Was soll ich anfangen, da mein Herr mir die Verwaltung nimmt? Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich. — Ich weiß, was ich tue, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich der Verwaltung enthoben bin. — Er ließ nun die Schuldner seines Herrn kommen, einen nach dem anderen. Den ersten fragte er: „Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?" Er antwortete: „Hundert Krüge Del". „Nimm deinen Schein," sagte er zu ihm, „seh dich geschwind hin und schreibe: Fünfzig". Einen anderen fragte er: „Wieviel bist du schuldig?" Er antwortete: „Hundert Malter Weizen." „Nimm deinen Schein", sagte er zu ihm, „und schreibe: Achtzig". Der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt habe. — Denn die Kinder dieser Welt sind im Berkehr mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Auch ich sage euch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon; dann werden sie, wenn es mit euch zu Ende geht, euch aufnehmen in die ewigen Wohnungen.
Das Tagesgespräch beim eaabhütlensesl.
Hauptfest der Juden mar das Laub- hüttenfest. Ich entnehme darüber ei- nem wissenschaftlichen Werke folgende interessante Einzelheiten:
„Es wurde sieben Tage lang vom 15. bis 21. Tisri (September-Oktober) feierlich begangen und zwar zunächst als dankbare Erinnerung an den Aufenthalt Israels in der Wüste und an den Schutz, den es in dieser Zeit von Jahve erfahren hatte. Der erste Festtag wurde wie ein Sabath begangen, den Schluß bildete am 22. Tisri èin besonderer Feiertag mit Festversammlung. Man wohnte während der Festwoche in Hütten, die aus frischen Zweigen in den Höfen, auf den flachen Dächern der Häuser und auf den Straßen errichtet
wurden. Es war zugleich das Fest der Einsammlung, ein Dankfest für die Wein-, Oel- und Obst- lese^ Täglich wurden zahlreiche Opfer dargebracht, die an dem Sabath, der in die Festwoche fiel, verdoppelt wurden. Das tägliche Morgenopfer wurde noch dadurch feierlicher gestaltet, daß man ihm mir Lulab und Ethrog beiwohnte. Der Lulab war ein aus Palmen, Weiden und Myrthen gewundener Strauß, den man in der rechten, der Ethrog eine Orange oder Zitrone, die man in der linken Hand zu halten pflegte. Während beim Opfer das große Halles gesungen mürbe, wurde der Strauß feierlich beim ersten, fünfundzwanzigsten und letzten Vers geschwungen. Mit dem Morgenopfer wurde auch die feierliche Zeremonie des Wasserschöpfens und Ausgießens verbunden. In goldener Schale schöpfte ein Priester Wasser aus dem Teich Silos und trug es in feierlicher Prozession zum Brandopferaltar. Dort murde das Wasser mit Wein gemischt und vom Priester langsam ausgegossen. Nach Vollendung der vorgoschriebenen Opfer zogen die Festteilnehmer um den mit Bachweiden besteckten Brandopferaltar, schwangen ihren Lulag und sangen Psalm 118 Vers 25. Diese Feier, die sich während des Festes täglich wiederholte, wurde am siebenten Tage besonders festlich begangen. Mit dem Ruf Hosanna zog man siebenmal um den Altar, woher der Tag den Namen „das große Hosanna" erhielt. Am Abend des 1. Festtages, später allabendlich, fand bis tief in die Nacht hinein die Freude „über das Schöpfen und Ausgießen des Wassers" statt, von der das Sprichwort sagte: „Wer die Freude des Wasserschöpsens nicht gesehen hat, hat in seinem Leben nie eine Freude gesehen. Im Vorhof der Frauen wurden vier gewaltige Kandelaber aufgerichtet, welche die Vorhofmauern überragen mußten. Wenn sie angezündet wurden, warfen sie ihren Schein so weit, daß in Jerusalem kein Hof war, der nicht von diesem Licht erleuchtet wurde. Unter dem Gesang der Leviten und Priester, unter dem Klang der Tem- pelmusik begann der Fackeltanz, an dem die angesehensten Männer des Volkes, die berühmtesten Gesetzeslehrer, die Ratsherren teilnahmen. An beiden Zeremonien des Wasserschöpfens und der Beleuchtung knüpft Jesu Wort an." (Aus Tillmann: Johannesevangelium.)
Bereits in letzter Nummer haben wir' erzählt, daß die Verwandten den Heiland gedrängt haben, sich zu diesem Laubhüttenfest zu begeben, um dort öffentlich seine Messiaswürde anzusprechen. „Meine Zeit ist noch nicht gekommen", hat er ihnen erwidert und ist bis auf weiteres in Kapharnaum und Umgebung geblieben. Als er nun glaubte, genugsam bewiesen zu haben, daß er nicht nach ihrer Pfeife tanze, daß er nicht um den Flitter von Ehren und um den Thron Davids geize, trat er
nach einigen Tagen dennoch die Reise zum Feste an.
Als er dort angekommen war, wimmelte es in der Stadt von Pilgern wie in einem Ameisenhaufen. Hoch gingen die Wogen religiöser Begeisterung. Geschmückte Stäbe in der Hand, zogen unendliche Scharen und Karawanen durch die Straßen. Psalmen, Lieder, Opfer, Gottesdienste folgten sich in buntem Wechsel.
Kaum war nun die Gestalt des großen Propheten aufgetaucht, da zog er schon aller Aufmerksamkeit auf sich. Die Rabbiner, die Schriftgelehrten, die Priester waren vollständig vergessen. Nur noch von Josus war die Rede. Auf den Gassen, in den Kaufläden, in den Wohnungen, in den Zelten, in den Erfrischungsräumen, in den Wandelhallen, in den Vorhöfen, in den geheiligten Räumen des Tempels, überall bildete Jesus, feine geheimnisvolle Persönlichkeit, sein machtvolles Auftreten, seine bozalchernde Beredsamkeit, seine gefeierte Wunderkraft das Tagesgespräch.
Doch die Meinungen über ihn waren geteilt. Lob und Tadel, Liebe und Haß kämpften mit einander wio die Wogen des Meeres. Nur eines schien unmöglich: von Jesus schweigen.
Wo ist er? Wie ein Ball flog diese Frage von Mund zu Mund. Er ist gut, sagten die einen. Er hat den Teufel, sagten die andern. Sogar Mord- gedanken gegen Jesus blitzten auf in fanatischen Gemütern. Jesus durchschaute ihre Falschheit und sprach zu ihnen: „Warum wollt ihr mich umbringen? Scheinheilig wiesen sie diesen Vorwurf zurück mit den Worten: „Du bist vom Teufel besessen! Wer trachtet dir denn nach dem Leben?" Was sie indes leugneten mit Worten, probierten sie in der Tat. Sie wollten sich des Heilandes bemächtigen. Aber niemand legte Hand an ihn: denn feine Stunde war noch nicht gekommen.
Die Besten aus dem Volk glaubten an Jeßrs und in Einfalt sprachen sie: „Wenn der Messias kommt, wird er wohl mehr Wunder wirken, als dieser wirkt?" Boll Neid über solche Anerkennung schickten die Pharisäer und Hohepriester ein , Ueberfallkommando", um den unbequemen Günstling des Volkes zu ergreifen. Jesus aber sprach: „Nur noch kurze Zeit bin ich bei euch; dann gebe ich zu dem, der mich gesandt b^ ^hr roerbot mich suchen, aber nicht rirrben; denn wo :fh bin. dahin könnt ihr nicht kommen " (Joh 7 14—37.)
Möge Jesus auch für unsere Gedanken und Gespräche, für unser Tun und Lassen den Mittelpunkt bilden. In Lesung der Bibel, noch mehr aber m frommer Predigt und Ansprache, die du beim Gottesdienst und in Kongregationsversammlunaen und mancherlei Andachten hörst, merke dir immer wieder eine Mahnung, einen Ausspruch deines Heilandes, um den das Tagewerk der ganzen