Selke 16 / Nummer 27.
droht heute eine breite Front, die aus Südwest- frankreich herankommt und sich bisher unaufhaltsam von Jahr zu Jahr Hunderte von Kilometern weiter nach Nordosten vorschiebt. Vor zehn Jahren trat er erstmals in der Nähe von Bordeaux auf. Wahrscheinlich war er durch junge Nadelholzpflanzen ein- geschleppt, die aus Kanada bezogen wurden. Bis 1931 hat er nicht weniger als 3Ö Departements in Frankreich überflutet. Die Grenze des Befallge- bwtes ist nahe Paris herangerückt und hat die Rhone im Süden bereits überschritten. Nur wenige hundert Kilometer trennt das Heer der Kartoffelkäfer noch vor der Grenze Deutschlands. Viele Länder, darunter Deutschland. England und Spanien haben als Maßnahmen der Abwehr bereits die Einfuhr französischer Kartoffeln verboten. Aber es darf nicht übersehen werden, daß die Käierlar- ven auch durch Gemüse und Pflanzen übertragen werden, die in Erdbällen ankommen. Das gefährliche Insekt vermehrt sich überaus rasch; ein einziges Weibchen dieses Käfers kann bis zu 1800 Eier legen, die sich innerhalb von rund fünf Wochen zum fertigen Käfer entwickeln. Fällt der Kartoffelkäfer irgendwo ein, so werden die Kartoffelfelder vollkommen kahl gefressen. Aber nicht nur ine Kartoffeln, auch andere Kulturpflanzen, wie Tabak, Erdbeeren, Johannisbeersträucher usw. werden heimgesucht. Es ist nur zu wünschen, daß es den Organen unserer Larrdwirtschaftspolizei gelingt, diese Gefahr von unseren Feldern und Gärten fern zu Hallen. Dies kann aber nur geschehen, wenn sorgfältige Beobachtung der Kartoffelfelder und eine energische Bekämpfung sofort bei seinem ersten Auftreten auf deutschem Gebiet einseßt. Ein Zögern von wenigen Wochen könnte unermeßliche Schäden zur Folge haben.
B 'erenweinbereitung im Haushalt.
Dr. P. Lieb, Landwirtschaftslehrer und Wirtschaftsberater.
In diesem Jahre ist eine außerordentlich günstige Ernte an Johannisbeeren, Stachelbeeren und anderem Beerenobst zu erwarten. In früheren ähnlich guten Erntejahren gingen der Volkswirtschaft ungeheure Früchtemengen Verloren, da bei schneller Früchtereife industrielle und private Ver- wertungsmöglichkeiten einfach nicht ausreichten, den Früchtereichtum restlos zu verarbeiten; die Beeren blieben ungepfückt an den Sträuchern und verdarben.
Wenn es in diesem Jahre nicht wieder so werden soll, so müssen in jedem Privathaushalt alle Kräfte angespannt werden, um die Fülle der Beeren unterzubringen. Freilich sind dem Rohgenuß gewisse Grenzen geseßt, ebenso wie beim Einmachen, bei Gelee- und Marmeladebereitung nur geringe Beerenmengen verwendet werden können. Weit größere Mengen lassen sich dagegen schnell und ohne große Vorkentnisse zu Beerenwein verarbeiten. Komplizierte Apparate sind nicht notwendig. Einfache Glasballons und Glasverschlüsse genügen für den Anfänger. Derartige Beerenweine
sind von gesundheitlichem Wert ttnb äußerst billig, bilden also eine Quelle der Ersparnis für den Haushalt.
Nachstehendes Beispiel zeigt, wie einfach die Herstellung von z. 23 Johannisbeerwein ist:
Die Johannisbeeren werden gründlich durchgewaschen, von den Stielen und Blattresten befreit. Kleinere Mengen werden alsdann in einem Steinguttopf mit einer Holzkeule zerquetscht, mit handwarmem Wasser versetzt und einer gutangekeimten Trockenweinhefe (Aßmannshäuser oder Rüdesheimer) hinzugegeben. Dieser Ansatz wird verdeckt an einem warmen Ort 24 Stunden aufbewahrt. Dann wird der Fruchtbrei in einem Leinentuch oder Leinenbeutel abgepreßt, der gewonnene Saft in eine Gärflasche gefüllt und Zucker, in etwas Wasser gelöst, hinzugegeben. Im Laufe von 3—6 Tagen bildet sich starker Schaum, der durch Auffetzen eines Trichters auf den Flaschenhals am Austreten aus dem Gärgefäß verhindert wird. Geht die Schaumbildung zurück, so füllt man die Glasflasche mit Wasser voll, setzt einen Gärverschluß auf und läßt bei 20—30 Grad Celsius, also in der Sonne oder auf dem warmen Hausboden, vergären. Nach spätestens 10 Wochen ist die Gärung und Klärung beendet, so daß auf Flaschen gefüllt werden kann, die man zweckmäßig liegend im Keller aufbewahrt.
Auf 5 Liter Johannis beer wein rechnet man 3000 Gramm Johannisbeeren, 2 Liter Wasser und zirka 600 Gramm Zucker. Bei der Herstellung größerer Mengen Johannisbeerwein empfiehlt es sich, dis Beeren in einer Fruchtpresse auszupressen, doch ist es immer ratsam, die Stiele zu entfernen, da die Getränke sonst bitter ausfallen. — Mißerfolge, selbst bei Anfängern, sind völlig ausgeschlossen, wenn die Gärung durch Zusatz einer gutvermehrten, d. h. angekeimten Edelweinhefe durchgcführt wird und der Wein sowohl während als auch nach Beendigung der Gärung vor Luftzutritt durch Aufsetzen eines Gärrohres geschützt wird.
Gewarnt werden muß davor, wie heute nochI vielfach auf dem Lande üblich ist, den Beerensaft mit den an den Beeren haftenden wilden Hefen vergären zu lassen, da solche Getränke sehr leicht kahmig, essigstichig und unbekömmlich werden. Die mit Edelweinhefen vergorenen Weine sind genau so bekömmlich wie die echten Traubenweine.
Kühle Zimmer im Sommer.
Kühle Zimmer werden an heißen Sommertagen als eine besondere Annehmlichkeit empfunden. Nicht jede Hausfrau versteht nun auch die Zimmer kühl zu halten. Zu diesem Zweck heißt es früh aufste- hen und sorgfältig lüften, solange die Sonne noch nicht hoch am Himmel steht. Ein kräftiger Durchzug sorgt gleichzeitig dafür, daß alle warme Luft aus den Zimmern entfernt wird. Nun werden die Rolläden geschlossen, ebenso die Fenster, wobei man an sehr warmen Tagen noch flache Gefäße mit kühlem Wasser, das öfter erneuert wird, aufstellen kann. Noch besser ist es natürlich, wenn man in der Lage ist, Eisstllcke im Zimmer schmelzen zu lassen. Ist dann die Sonne untergegangen, muß wiederum tüchtig gelüftet werden, wobei
man aber darauf zu achten hat, daß auch die oberen Fonster geöffnet werden, die warme Luft steigt in den Zimmern nach der Decke und erzeugt dort die schwülen Temperaturen, die den Aufenthalt im Zimmer so unbehaglich machen.
Laßt die Blumen leben.
Scharenweise ziehen jetzt die Menschen aus den Städten hinaus in die engere und weitere Um= gebung, um in wonniger Frühlingsluft zu atmen und sich zu freuen an den jungen Schönheiten der wiedererwachten Mutter Erde. Mit dieser Freude erwacht auch das Bedürfniß Zeugen dieser Schönheiten sein eigen zu nennen. In Massen werden Blumen gepflückt und geschmückt ziehen abends Menschen zu Fuß, im Auto und auf Fahrrädern stadteinwärts. Daheim fristen dann die gepflückten Blumen noch einige Tage ein kümmerliches Dafein; kaum zum Leben erblüht, welken sie einem frühen Ende entgegen. Viele Blumen, von Kindeshand gepflückt, erreichen nicht einmal das Heim der Stadt, nachmittags und am Abend des gleichen Tages liegen sie bereits auf den Wegen und werden von den haftenden Tritten heimkehrender Menschen zertreten.
Es ist gewiß zu verstehen, ein bescheidenes Sträußchen aus der Fülle der erblühten Blumen mit heimzunchmen für jene Familienglieder, denen der Anblick in der Natur versagt war, oder mit wenigen Hut und Knopfloch zu schmücken. Wogegen man sich aber wenden muß, das ist die Vielheit und der Umfang der Sträuße und Blumenkörbchen, die nach des Tages Neige in die Stadt geschleppt werden. Das ist ein großer Mangel an Gemeinschaftssinn; es fehlt das Empfinden, auch anderen, später kommenden Menschen den gleichen Anblick zu gönnen, sich zu freuen mit den Fröhlichen so, wie man selbst Freude empfunden hat.
Leider ist festzustellen, daß verschiedene Arten besonders begehrter Blumen bereits sehr selten geworden und am Aussterben sind. Eine große Anzahl von Arten sind deshalb auch bereits gesetzlich geschützt. Es kann beobachtet werden, daß Pflanzen zwar nicht abgeschnitten, aber mit der Wurzel abgedreht werden, ein Beginnen, das der sicheren Ausrottung in die Hand arbeitet. Man muß Frevler an Blatt und Blume auf das verwerfliche Tun aufmerksam machen, daß dadurch die Natur mehr und mehr verödet und vereinsamt.
hitzschlag. Gesicht meist rot, stürzt plötzlich zu Boden. Schatten, kühler Ort, Brust und Hals frei machen, mit Wasser bespritzen, kühle Umschläge. Künstliche Atmung. Erst nach Rückkehr des Bewußtseins, wenn Kranker schlucken kann, langsam Wasser einflößen. Bei heißen Märschen rechtzeitig Wasser trinken.
Insektenstich. Bei Mückenstich und Ameisenbiß Betupfen mit Salmiak. Bei größeren Schwellungen Umschläge mit essigsaurer Tonerde oder Bleiwasser. Bienen- oder Wespenstachel vorsichtig aus Wunde entfernen, dann Salmiakgeist und feuchte Umschläge. Bei Stichen in den Mund Gurgeln mit zweiprozentiger Sal- miaklösung.
Ertrinken. Der Netter muß sich dem Ertrinkenden von der Rückseite her nähern. Ertrunkenen auf Bauch legen, übers Knie, damit Wasser abfließt. Mund ausgewischt, von Schlamm befreit. Künstliche Atmung. Herzmassage (Klopfen auf Herzgegend). Wärmezufuhr durch Reiben, Einhüllen in warme Tücher, warmes Bett.
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