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Seite 6 / Nummer 27.

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trums, das auf das Bedcnkliche jenes Interviews in entschiedener, aber sachlicher Kritik hingewiesen hatte. Die Reichsregierung hat ankündigen lassen, sie werde geeignete Matznahmen gegen die „6. 25.“ ergreifen. Weiß man noch, welch niedrige, ge­meine Angriffe sich Brüning stets gefallen lassen mußte, wenn er mit den fremden Mächten verhan­delte? Und eine sachliche Kritik kann die neue Re­gierung nicht ertragen?

Als besonders unwürdig müssen wir es ferner bzeichncn, daß Kanzler v. Papen schon wiederholt die innerpolitischen Fragen vor den ehemaligen Feindmächten in den Vordergrund stellte. Er rühmt sich, daß er jetzt — was seine Vorgänger nicht gekonnt hätten — alle nationalen Kräfte Deutschlands vertrete, ganz Deutschland werde un- lerschreibM, was er unterschreibe. Ja, wenn Pa­pen fortführt, was Brüning begonnen hat, wird Deutschland hinter ihm stehen. Aber hinter dem jetzigen Kabinett stehen zur Zeit allenfalls die Dcntschnationalen und Nationalsozialisten, und diese nur sehr bedingt. Das Kabinett v. Papen konnte sich nicht einmal dem Reichstag stellen, well es sofort gestürzt worden wäre. Es hätte al­len Grund, von dem Ausland nicht seine „starke" Position zu betonen.

Bismarck gegen Papen.

Die Regierungserklärung des Kabinetts von Papen enthielt eine scharfe Ablehnung, ja Be­schimpfung der seitherigen Sozialpolitik. Dadurch gewinnen Ausführungen von Bismarck erhöhtes Gegenwartsinteresis, die dieser am 15. März 1884 in seiner Reichstagsrede zum Unfallversichs- rungsgefetz gemacht hat. Ihre Aktualität ist um so größer, als Bismarck auch auf das Gesetzge­bungswerk des Frhrn. vom Stein über den Großgrundbesitz des Ostens einging. Bismarck sagte:

„Hat der Staat die Pflicht, für seine hilflosen Mitbürger 31t sorgen, oder hat er sie nicht? Ich behaupte, er hat diese Pflicht, und zwar nicht bloß der christliche Staat, wie ich mir mit den Worten „praktisches Christentum" einmal an= zudeuten erlaubte, sondern jeder Staat an und für sich • "

Wenn man mir dagegen sagt, das ist Sozialis­mus, so scheue ich das gor nicht. Es fragt sich, wo liegt die erlaubte Grenze des Staatssozialis­mus? Ohne eine solche können wir überhaupt nicht wirtschaften. Jedes Armenpflegegesetz ist So­zialismus . . .

War nicht z. B. die Stein-Harden- bergsche Gesetzgebung gloriosen Ange­denkens, an deren staatsrechtlicher Berechtigung, an deren Zweckmäßigkeit heutzutage niemand mehr zweifeln wird, staatssozialistisch? Gibt es einen stärkeren Staatssozialismus, als wenn das Gesetz erklärt, ich nehme dem Grundbesitzer einen bestimm­ten Teil des Grundbesitzes weg und gebe den­selben an den Pächter, den er bisher darauf ge­habt hat, und zwar nicht nach Maßgabe des Be- dürfniffes dieses Pächters, sondern nach Maßgabe der Größe des Pachtobjektes, wie es früher be­standen hat?

Wer den Staatssozialismus verwirft, muß auch die Stein-Harbenbergsche Gesetzgebung ver­werfen, der muß überhaupt dem Staate das Recht absprechen, da, wo sich Gesetz und Recht zu einer Kette und zu einem Zwang, der unsere freie At­mung hindert, verbinden, mit dem Messer des Operateurs einzuschneiden und neue und gesunde Zustände herzustellen.

Für mich ist es ganz einerlei, ob diese Theorie Anklang findet; ich tue aus eigenem Antrieb meine Pflicht, ich halte dies für meine Pflicht und werde dafür kämpfen, solange ich hier das Wort­nehmen kann. (Bravo! rechts.)

DIÄI9N Puderkühlend, schmerzstillend beiSonnenbrând.

„Er war einer unserer Bestens

In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde der nationalsozialistische SA.-Führer Wilhelm Hambückers aus Merkstein bei einem Zusammen­stoß zwischen SA.-Leuten und Kommunisten er­schossen. Ein Kommunist erhielt einen Oberschen­kelschuß. Opfer des aufgehobenen Uniformver- botes!

Bei der Trauerfeier für den erschossenen SA.- Führer hielt Reichstagsabgeordneter Rudolf Schmeer aus Aachen die Gedenkrede und führte dabei nach dem Westdeutschen Grenzblatt vom 23. Juni 1932 u a. folgendes aus:

... In Wilhelm Hambückers verliert die deutsche Freiheitsbewegung einen ihrer besten Kämp­fer. Seine edle Menschlichkeit, sein Opfermut, seine Auffassung vom Führertum gewann der deutschen Frei­heitsbewegung viele Freunde. Sein Pflichtbewußtsein gegenüber Volk und Vaterland wollen wir uns zum Vorbild nehmen . . .

Auch wir beklagen den Tod jedes Volksgenossen, der durch Bruderhand getötet wird. Wir müssen uns aber dagegen wehren, daß der Erschossene dem deutschen Volke als Vorbild und Muster hingestellt wird. Sein gerichtliches Strafregister sieht näm­lich wie folgt aus:

Hambückers ist insgesamt 13 (dreizehn) mal vorbestraft, und zwar 6 mal wegen Körperverlet­zung, Mißhandlung, Hausfriedensbruchs, Bedro­hung, Widerstands, Sachbeschädigung zu 9 Mona­ten, 11 Wochen und 10 Tagen Gefängnis. Wegen Hehlerei erhielt er 4 Monate Gefängnis, wegen fortgesetzter Grenzüberschreitung 2 Monate Gefäng­nis, wegen verbotener Einfuhr 2 Monate, 4 Wo­chen Gefängnis und über 35 000 Mark Geldstrafe oder die Höchststrafe von 2 Jahren Gefängnis, endlich wegen schwerer Körperverletzung 3 Jahre, 6 Wochen Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust und wegen Ausgabe falscher Banknoten 3 Jahre Zucht­haus, 5 Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht. We­gen der ersten Zuchthausstrafe konnte er zürn Kriegsdienst nicht einberufen werden, während ihm die zweite Zuchthausstrafe von dem verruchten schwarz-roten System auf 2 Jahre, 7 Monate Zuchthaus im Jahre 1926 herabgesetzt wurde. „Er war einer unserer Besten!"

(»Köln. Volksztg.")

Nazi-Bolschewismus.

Beschimpfung der katholischen Geistlichkeit.

In dem vorwiegend protestantischen, masurischen Hauptstädtchen Lyck (Ostpreußen) führten die Na­zis nach einem Propagandaumzug unter der An­wesenheit von Kindern im „Kaiserhof" ein Hetzstück gegen die katholische Geistlichkeit auf, das sogar von dem nichtkatholischen Lycker Anzeiger zurückgewie- sen wird. Das Stück „Der Aufruhr" behandelt eine unmoralische Köchinnengeschichte in einer kathol. Pfarrei, dazu die Szenerie mit dem Muttergottes- blld und Heiligenbildchen, die Geistlichen mit Stola und Rosenkranz dekoriert. Das Blatt bemerkt da­zu, daß ihm ein näheres Eingehen auf den Kitsch der Anstand verbiete. Jeder, der noch einen Fun­ken Liebe zu seinem katholischen Glauben habe, müsse sich mit Abscheu von iberartigen Veranstal­tungen und Veranstaltern wenden. Sogar evan­gelische Zuschauer haben die Aufführung mit Wi­derwillen vorzeitig verlassen. — Das sind die „Verteidiger" des Katholizismus und die Kämp­fer gegen die Gottlosen!

wir tun unsere Pflicht!

Für Wahrheit, Freiheit und Recht!

Wir stehen nach kurzer Zsit schon wieder vor einer Wahl, und zwar einer solchen, die bedeutungsvol­ler als alle vorhergegangenen ist. Diefesmal geht cs um alles, vor allem um die Lebensmöglichkeit des arbeitenden Volkes. Bisher hat es die Regie­rung mit einem ganz vom Christentum durchdrun­genen Führer, Reichskanzler Brüning, so geleitet, daß auch dem wenig bemittelten Volksteile das Leben erträglich war. Unsere neue Regierung, die aus den Kreisen stammt, wo man keine Not kennt und die für die Not des Nebenmenschen kein Verständnis hat, die aus den Kreisen stammt, aus denen die viel vergötterte Nationalsozialistische Arbeiterpartei ihre Führer nimmt, diese Regierung hat mit der ersten Notverordnung das zum Le­ben Notwendigste den noch Arbeitenden, den vie-

3m September vorigen Jahres las ich in I Japan in dem führenden englisch-japanischen Blatt, dem Japan Advertiser: „Brüning ist buchstäblich der Führer der allerletzten Hoff­nung Deutschlands. Wenn es ihm miß­glückt und er fallt, dann bleibt nichts mehr übrig. Dann werden wir entweder die Narrheit einer Mussolini-Imi­tation oder die Verrücktheit roter Gefolgsleute von Lenin und Trotzki in Deutschland sehen. Was Brü­ning besitzt, ist eine seltene Kombination von Mut und Willen. Er kann nicht erschreckt und er kann nicht umgebogen werden."

Paul Rohrbach.

len Arbeitslosen und Rentenempfängern gekürzt. Man sollte nun meinen, daß das Volk durch der­artige Gewaltstreiche wieder zum klaren Denken kommen und den richtigen Weg roieber ein schla­gen würde. Aber so weit ist es anscheinend noch 1 nicht. (Wahlen in Hessen!)

Auch die gute Freundschaft der Nazis und das wohlwollende Verhalten ihrer Presse gegenüber der Regierung Schleicher— Papen gibt zum Denken Anlaß. Wann endlich wird der deutsche Wähler zu der Ueberzeugung kommen, Laß seine Sache nur vertreten ist durch eine christlichc-bürgerliche Par­tei und das ist, besonders für uns Katholiken, nur die Deutsche Zentrumspartei. Sie hat allen Volks­schichten, so weit es in ihrer Kraft stand, geholfen. ’ Sie hat uns damals, als alle jene, die die Haupt­schuld an unserem Zusammenbruch hatten, sich passiv verhielten, oder es sogar vorzogen, teilweise unkenntlich gemacht, das deutsche Vaterland zu verlassen und die nun heute wieder so „national" sich gebährden, den wahren Voliksstaat mitgeschas» fen. Was aus den kaiserlichen Ruinen des alten ' Systems übrig geblieben, haben die Besten aus unserer Zentrumspartei nach hartem Ringen und schweren Kämpfen wieder aufgebaut und ausge­baut, und hier war es besonders unser Reichskanz­ler Brüning, der das Unmenschliche geschaffen hat und der es auch mit Gottes Hilfe zum nicht allzu fernen Ziele bringen wollte. Da gelingt es auf dem Weg beklagenswerter Intriguen den soge­nannten nationalen Deutschen, die Macht an sich zu reißen und mit dieser Macht suchen sie nun auch, wenn beim deutschen Wähler die Augen nicht auf­gehen, alles so zu regeln und zu leiten, wie es die ostelbischen Kreise gerne haben. Darum, katholische Wähler und Wählerinnen in dem Verbreitungs­gebiet des Bonifatiusboten, her schon so oft seins mahnende Stimme erhoben hat und der einst so vielen Männern an der Front die Grüße aus der Heimat brachte und uns den oft fehlenden Sonn­tags - Gottesdienst ersetzen mußte, tut eure Pflicht, erinnert euch der Fahne eines Windthorst und so vieler anderer treuer Kämpfer der Zentrumspartei in schwerer Zeit, denkt beson­ders an das, was sie getan haben für unsere so hart bedrohte Kirche! Zeigt euch wert eurer Vä­ter und wählt am 31. Juli alle die Deutsche Zen» trumspartei und helft der Fahne zum Siege, die geziert ist mit dem alten Wahlspruch:

Für Wahrheit, Freiheit und Recht!

Ein Arbeitsloser.

Kube und Kullmann.

Ein Pfui wird wieder aktuell.

Der nationalsozialistische Abgeordnete Kube hat in der Schmährede, die er in der Landtaas­sitzung vom letzten Donnerstag vom Stapel ließ, dem Zentrum ein für den Agitationsgebrauch zu­rechtgemachtes Sündenregister vorgehalten, zu des­sen Ausschmückung er die verstaubtesten Laden- Hüter aus der politischen Rumpelkammer aus­kramte. In der Kette dieser Zentrumssünden fehlte auch das Kullmann-Attentat nicht, und Herr Kirbe hat gewiß geglaubt, einen besonders nieder­schmetternden Vorwurf gegen das Zentrum schleu­dern zu können, als er unter mißbräuchlicher Be-