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Wo wohne ich auf dem

Essener Katholikentag ?

Die Unterbringung der auswärtigen Teilnehmer am diesjährigen Katholikentag hat in Verbindung mit der Wohnungskommission das Städt. Verkehrsamt in Essen, Deutschlandhaus, Zimmer 221, übernommen. Es stehen zur Verfügung:

Hotelzimmer zu Preisen von 3—7.50 Rm., sowie Privatzimmer zu 2,50—3,50 Rm.

Die Preise gelten je Bett und Nacht einischl. Früh­stück und Bedienung. Hotelzimmer mit Bad erfahren den üblichen Preisausschlag.

Es wird jedem Teilnehmer dringend empfohlen, sich so früh wie möglich fein Quartier in Essen durch Vor» vusbestellung beim Städt. Vertohrsanrt zu sichern. In der Bestellung muß angegeben sein, ob Hotel- oder Privatzimmer (Einzel- oder Doppelzimmer) gewünscht wird und zu welchem Preise, ferner der Tag der An­kunft und die Dauer des Aufenthaltes. An die Bestel­lung bleibt der Teilnehmer gebunden, sofern sie nicht bis spätestens drei Tage vor Beginn der Tagung zurückgezo­gen wird. Eine unbedingte Gewähr für Unterkunft in einem bestimmten Hotel kann nicht übernommen wer­den, jedoch wird den Wünschen der Besteller nach Mög­lichkeit Rechnung getragen. Jedem Teilnehmer, dessen Bestellung dem Städt. Verkehrsamt bis zum 25. August 1932 zugeht, wird ein Wohnungsausweis bis spätestens bis zum 25. August 1932 zugestellt. Bei späteren An­meldungen wird der Wohnungsausweis im Empfangs­büro im Börfenhaus, gegenüber dem Hauptbahnhof, be­reitgehalten. Hier wird auch für solche Teilnehmer, de­nen eine Vorausbesteklung nicht möglich war, während der Tagung ein Wohnungsnachweis eingerichtet.

Um die Jugend für die Zeit des Katholikentages un- terbringen zu können, werden besondere Massenquar- tiere eingerichtet. Die Uebernachtungsgebühr für eine Nacht ist auf 0,30 Rm. je Person festgelegt worden. Alle Bünde und Gruppen der katholischen Jugend Deutschlands sowie die Studenten, die eine Unterkunft wünschen, werden gebeten, sich möglichst bis zum 15. August 1932 an das Katholische Jugendsekretariat — Wenzel Scherbaum — in Essen, Postfach 880, Fernruf 22369, zu wenden, damit die Zahl der erforderlichen Quartiere zur Verfügung gehalten werden kann.

Nach Eingang des im voraus zu zahlenden Gesamt­betrages — auf das Postscheckkonto des Katholischen Ju- gendsekretariates zu überweisen — werden die Quartier- ' scheine übersandt. Die hierdurch angemeldeten Gruppen können dann bestimmt mit der Unterbringung rechnen, während die übrigen Gruppen, die sich bis zum obigen Termin nicht gemeldet haben, gegebenenfalls abgewie- sen werden müssen. Im Interesse einer glatten Abwick­lung der Unterbringung wird daher möglichst frühzeitige Anmeldung empfohlen.

3ut Politik der Wodie

Der Erfolg der Notverordnung,

zur Sicherung der Ruhe unb öffentlichen Ord­nung, durch die das Tragen der Parteiuniformen wieder gestaltet wurde, ist eine fast ununterbrochene Reihe von Schlägereien und Gewalttaten zwischen Uniformierten Nationalsozialisten und Kommunr- sten. Zahlreiche Tote waren die Opfer dieser be­hördlich wieder zugelassenen Uniformdemonstratio­nen. In Süddeutschland haben die Länder auf Grund ihrer Polizeigewalt das Verbot der Par­teiuniformen aufrecht erhalten. Dort ist denn auch ine Ruhe gewahrt geblieben. Aber nun kommt das Unglaubliche: Durch eine neue Notverordnung will die Reichsregierung in die Polizeigewalt der Län­der eingreifen und auch dort die Zulassung des Tragens der Parteiuniformen erzwingen. Ur­sache dieses unverständlichen Vorgehens sind die Forderungen Hitlers: Die Nationalsozialisten ha­ben das neue Kabinett auf die Beine gestellt und unterstützt und nun muß die Regierung ihnen den Willen tun! Selbst vor einem schweren Konflikt mit den süddeutschen Ländern schreckt die Regie­rung nicht zurück, weil sie den Druck der Hitler- anhänger fürchtet. Ein übleres Parteiregiment hat in Deutschland wohl noch nicht geherrscht. — Allmählich fetzt

der Wahlkampf

ein. Noch 4 Wochen trennen uns vom entfchei- dungsvollen 31. Juli. Für das Zentrum wird es ein ehrenvoller, aber schwerer Wahlkampf sein.

Die Ratio naffoz iasisten sowohl wie die Deutsch - nationalen richten die ganze Wut, deren sie fähig sind, gegen den bisher unerschütterten Zentrums­turm. Mit einer Gehässigkeit, die wir bisher nur in der größten Hitze des Kulturkampfes der 70er Jahre erlebt haben, greifen die Presseorgane der Rechten die Zentrumspartei an.

Die Methode ihres Kampfes besteht darin, das Zentrum systematisch zu diffamieren. Es wird als unnational, als „Totengräber des Deutschen Reiches" hingestellt. Die Politik des Zentrums sei seit seinem Bestehen als „Interessenvertretung eines undeutschen romanischen Universalismus ... gegen das Reich und gegen Preußen gerichtet ge­wesen". Brüning habe als Reichskanzler die Poli­tik „namenloser Hintermänner" realisiert; er sei „der letzte romanische Exponent auf dem Platze des deutschen Kanzlers gewesen". Das Zentrum habe also das deutsche Volk stets „311 einem Golgatha" geschleift.

Diesen ganz unglaublichen Vorwürfen des „Reichsboten" (24. 11. 30), deren Tonart und Maßlosigkeit sonst nur in den Organen radikalster Gruppen zu finden ist, reiht sich in jüngster Zeit würdig die .^Kreuzzeitung" an (10. 6. 32). Der erste Vorsitzende des Nationalverbandes Deut­scher Offiziere, Generalleutnant Waechter, scheut sich nicht, die ungeheure Lüge und Verleumdung auszusprechen, „ ... daß, wenn man überhaupt die Spuren des Niederganges bis kn die kaiserNche Zeit zurückverfolgen will, diese dort zu suchen sind, wo das Zentrum sich immer mehr in die Macht hineindrängte". Das Zentrum hâe die Revolu­tion gefördert, den Verrat geschürt, den Sturz der Monarchie ermöglicht und die Untreue zu einer „staatsbegründenden Tugend" gemacht.

Indem die „Kreuzzeitung" solche Beiträge bringt, übernimmt sie in leichtfertigster Weise die moralisch verwerflichen Methoden der national- bolschewistischen Kreise, denen Revolutionierung und Verhetzung des Volkes Selbstzweck ist. Solche Beschimpfung hat mit echtem Konservatismus und wahrer Vaterlandsliebe nichts mehr zu tun. Ein ganzer Volksteil, dessen konservative, staatsauf- bauende Arbeit selbst von einem Bismarck offen anerkannt werden mußte, als er im Reichstag (18. 5. 83) das Zentrum ausdrücklich zu den konser­vativen Parteien zurechnete, „die den Staat und das Reich nicht nur überhaupt und generell, son­dern auch angebrachtermaßen erhalten und führen wollen", wird von den pseudokonservativen Ver­tretern sozial-reaktionärer Cliquen diffamiert und gewissermaßen ausgestoßen. Solche Handlungs- weis-e ist die Sünde gegen die nationale Einheit. Nicht das Zentrum ist der Verderber des Reiches gewesen, sondern jene Kreise der früher herrschen­den Kaste, die sich noch heute als die „geborenen Führer" des deutschen Volkes betrachten, das )t allerdings vor der furchtbaren Katastrophe und dem Elend des Weltkrieges nicht zu bewahren wußten.

Hugenberg selbst, der von der geheimen Furcht geplagt wird, das Zentrum könne sich demnächst mit den Nationalsozialisten verbünden und die Deutschnationalen ganz ausschalten, wandte fid, dieser Tage auf der Reichsführertagung seiner Partei in den schärfsten Tönen gegen das Zen­trum, das in den letzten Monaten als besonderer „Störenfried der nationalen Entwicklung" und als ein „Zersetzungsfaktor" in Erscheinung getreten sei. „Das Zentrum ist innig verknüpft mit dem Marxismus. Aus dieser Beobachtung ergibt sich die Besorgnis, daß, wenn dieser Faktor such mit dem Nationalsozialismus verbinden sollte, das ver­bindende Glied nicht gemeinsame Auffassung über Bolksidee und Staatsidee sein würde, sondern nur der Sozialismus, der in Marxismus ausmündet. Vollzieht sich eine solche Verbindung, so tritt der llanze Gedankeninhalt, der uns erfüllt, in den Hin­tergrund Dann würde mit einer Rücksichtslosig­keit und diktatorischen Gewalt regiert werden, wie wir es noch nicht erlebt haben. Diese Gefahr müs­sen wir mit der gleichen Schärfe bekämpfen, mit der wir den Kampf gegen den Poungplan führten.

Die Schandtaten des Zentrums in der letzten Zeit

geben eine genügende Grundlage für den Kampf, den wir gegen das Zentrum in dieser Wahl zu führen haben. Wir gehen in den Kampf mit einem großen Gedanken: Wir Deutschnationalen haben in Deutschland und an Deutschland eine Mission zu erfüllen."

Die Mission der Deutschnatioualen, die zu einer Zwergpartei herabgesunken i& wird wohl nicht weither sein.

In Lausanne

haben die Verhandlungen der Reparationskonfe- rsnz noch zu keinen weiteren Ergebnissen geführt Die französische Forderung auf spätere Fortsetzung der Reparationszahlungen ist nicht aufgcgeben. Während Brütig auf einem restlosen Niederschla­gen aller Kriegsschulden bestand, hat v. Papen in Besprechungen mit französischen Journalisten sehr bedenkliche Aeußerungen getan, die leider das au­ßenpolitische Wevk Brünings zu gefährden dro­hen. Nach dem französischen Blatte „Matin" lau­teten die Sätze des Reichskanzlers in der Form, wie sie das der Reichsregierung nahestehende W.T.V. meldet, folgendermaßen: „Ich bin über diesen Tag glücklich, denn ich erwartete ihn mit einer gewissen Ungeduld. Ich kann nur wieder­holen, was ich schon zu Ministerpräsident Herriot sagte: Ich erkenne als Erster an, daß Frankreich • bei der sogenannten Liquidierung der Reparatio­nen Anrecht auf Kompensationen hat. Wenn ich materiell diese Kompensationen in Form von Geld anbieten könnte, würde ich es von herzen gern tun. Stber da mir das unmöglich ist, verlange ich, daß wir diese Kompensationen gemeinsam auf einem anderen Gebiet, nämlich auf wirtschaftlichem Ge­biet. suchen, und zwar im Rahmen der wirtschaft­lichen Reorganisierung Mitteleuropas. Auf den Einwand: Und Amerika? antworte ich, daß, wenn es uns gelingt, in gemeinsamer Ueberein­stimmung in Europa Ordnung zu schaffen, es nicht möglich ist, daß dann Amerika sich weigert, seinen Stein zu unserer loyalen WiederaufbaubcmUhung beizutragen. Ich füge hinzu, daß ich heute — was meine Vorgänger nicht ersteren konnten — alle nationalen Kräfte Deutschlands vertrete. Frankreich hat also in meiner Person für den Abschluß eines deutsch-französischen Abkommens die Garantie, daß ganz Deutschland unterschreiben würde, was ich unterschreiben würde. Frankreich hatte bei unseren bisherigen gemeinsamen Annäherungsversuchen nur die Linksparteien sich gegenüber. Hat Frankreich nicht ein Interesse daran, heute die Rechtsparteien sich gegenüber zu haben, das heißt ganz Deutsch­land?"

Hätte Brüning jemals solche Aeußerungen ge­tan, er wäre von allen „nationalen" Blättern in Grund und Boden verdonnert worden. Als ein Sturm der Entrüstung gegen diese unwürdigen Worte des Kanzlers sich wandte, wurde zunächst schüchtern erklärt, es handle sich um eine „miß­verständliche Form" der Wiedergabe. Selbst die der heutigen Regierung nahestehende „Deutsche Ta­geszeitung" stellte fest, daß diese „einfach katastro­phale Stelle" des Interviews nicht klar dementiert worden sei. Erst nach drei Tagen mürbe von „zuständiger Seite nachdrücklichst erklärt", daß der Kanzler v. Papen in kemem seiner Gespräche in Lausanne von einer Anerkennung der Rechte Frankreichs oder von Frankreichs Rechten auf Kompensationen gesprochen habe; abwegig sei auch die Behauptung des „Matin", die Erklärungen des Kanzlers seien noch schärfer formuliert gewesen, als sie das Blatt veröffentlicht habe, und seien ausdrücklich als zur Veröffentlichung bestimmt ge­nannt worden.

Selbst die „Deutsche Tageszeitung" spricht von „außenpolitischen Seitensprüngen" des Kanzlers, im übrigen aber hat die sog. „nationale" Presse sehr rasch sich auf die Seite des unglücklichen Kanz­lers gestellt. Merkwürdigerweise richtet sich jetzt der Haß der neuen Regierungsmänner gegon die „Köln. Volkszeitung", das Hauptorgan des Zen-